Der Brockhaus Alternative Medizin. Heilsysteme, Diagnose- und Therapieformen, Arzneimittel

Lexikonredaktion des Verlags (Hrsg.). F. A. Brockhaus, Mannheim 2008, ISBN 978–3–7653–3291–3, 512 Seiten, 34,95 €

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Lexikonredaktion des Verlags (Hrsg.). F. A. Brockhaus, Mannheim 2008, ISBN 978–3–7653–3291–3, 512 Seiten, 34,95 €

Gemäß Duden-Fremdwörterbuch hat das Adjektiv „alternativ“ die Bedeutung von „wahlweise; zwischen zwei Möglichkeiten die Wahl lassend“. Die so genannte „alternative Medizin“ vor dem Hintergrund eines „entweder–oder“ zu sehen, also in schroffem Gegensatz zu der auf naturwissenschaftlichem Fundament stehenden (und manchmal schwankenden) Universitätsmedizin (um den mit Nachteilen versehenen Begriff „Schulmedizin“ zu vermeiden), wäre jedoch grundverkehrt und sicherlich nicht im Sinne der Mitarbeiter dieses beeindruckenden Lexikons. Besser passt daher eine Definition, die das Fremdwörterbuch wenige Zeilen später anbietet: „im Gegensatz zum Herkömmlichen stehend“. Das passt, zumal, wie es der Zufall will (oder auch nicht), die universitär sanktionierte Medizin von Seiten der „Alternativen“ zum Teil auch als „Herkömmliche Medizin“ bezeichnet wird.

Trotz dieser begrifflichen Unschärfen scheinen aber selbst die meisten Laien zu wissen, was unter „alternativer Medizin“ zu verstehen ist (semantisch genauer wäre der Ausdruck „Komplementärmedizin“, selbst wenn auch dieser umstritten ist). Siebzehn Jahre nach dem von der Verbraucherschutzorganisation Stiftung Warentest erstmals herausgebrachten kritischen, aber auch teils heftig kritisierten Ratgeber „Die Andere Medizin“ (der inzwischen in der 5. Auflage vorliegt, was wiederum ein starker Hinweis für die Beliebtheit dieser Thematik ist) hat sich auch der Brockhaus-Verlag der – nennen wir sie jetzt mal so – Komplementärmedizin angenommen. Knapp 3500 Lemmata, von „ABC-Pflaster“ bis „zytoplasmatische Therapie“, laden – je nach Bedarf und Stimmung – zum raschen Nachlesen, interessierten Blättern oder gemütlichen Schmökern ein. Farbige Informationskästen, Diagramme, Tabellen und Abbildungen veranschaulichen einzelne Sachverhalte. Zwölf Aufsätze behandeln darüber hinaus auf je vier Seiten die Themen „Alternative Medizinsysteme“, „Diagnostik“, „Ernährung“, „Gesundheit“, „Heilberufe“, „Leib-Seele-Problem“, „östliche Weisheitslehren“, „Prävention“, „Psyche und Gesundheit“, „Terminologie“, „Wellness“ und „Wirksamkeitsnachweise“.

Weniger kritisch im Ton als „Die Andere Medizin“, beschränken sich die 16 Autoren aber keinesfalls auf eine wertfreie Aufzählung von Befunden, Biografien, Fachbegriffen, Methoden, Phänomenen, Substanzen, Techniken, Verfahren und Theorien. Dazu ein Test: Ich schlage eine beliebige Seite auf – Seite 251. Eintrag beim Stichwort „Kirlianfotografie“: „Ein wissenschaftlicher Nachweis für die diagnostische Aussagefähigkeit der Kirlianfotografie existiert bislang nicht.“ Und beim Stichwort „Klangtherapie“: „Wissenschaftliche Nachweise über die Wirksamkeit der Klangtherapie gibt es bislang nicht.“ So werden der Patient in spe auf die aktuelle Datenlage und der Kliniker en passant auf Forschungsbedarf aufmerksam gemacht.

Fazit: Dieses übersichtliche Lexikon zeichnet sich durch eine sorgfältige Bearbeitung und gefällige Darstellung der Inhalte aus. Alles Wissenswerte zwischen zwei Buchdeckeln – hier zeigen sich klar die Vorteile gegenüber einer Online-Enzyklopädie wie Wikipedia, in der man sich die Inhalte langwierig zusammensuchen müsste. Ein leserfreundliches Preis-Leistungs-Verhältnis sollte dazu beitragen, dass Der Brockhaus Alternative Medizin eine weite Verbreitung erfährt. Er sollte in keiner Praxis fehlen.

Jens C. Türp, Basel

(Dtsch Zahnärztl Z 2009;64:17)


(Stand: 27.06.2011)

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