Wiedemanns Atlas klinischer Syndrome. Phänomenologie – Ätiologie – Differenzialdiagnose. 6. Auflage

J. Kunze, Schattauer, Stuttgart 2010, ISBN 978–3–7945–2657–4, xvii und 1134 Seiten, 3665 Abb., 10 Tab., geb., 269,00 €

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J. Kunze, Schattauer, Stuttgart 2010, ISBN 978–3–7945–2657–4, xvii und 1134 Seiten, 3665 Abb., 10 Tab., geb., 269,00 €

Gemäß Charles Sanders Peirce (1839–1914), einem der letzten Universalgelehrten, erfolgt die Konstruktion der Realität in Form von Zeichenprozessen, die aus drei Gliedern bestehen: dem Zeichen, dem Zeichenempfänger (Interpretanten) und dem repräsentierten Objekt. Die Zeichenlehre reicht bis weit in die frühe Menschheit zurück (man denke zum Beispiel an das Spurenlesen bei Jägern und Sammlern). Auch in der Medizin hat die Zeichenlehre eine lange Tradition (siehe z. B. Ferdinand Georg Danz und Johann Christian August Heinroth: Allgemeine medizinische Zeichenlehre. Leipzig 1812; kostenfreie elektronische Version im Weltnetz bei ). Und sie ist bedeutsam, denn anhand der Deutung klinischer Zeichen ließen und lassen sich Krankheiten erkennen und prognostische Aussagen treffen. Leider wurde die medizinische Semiotik – die Wissenschaft von den (Krankheits-)Zeichen – in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der medizinischen Lehre weitestgehend verdrängt. Erst in den letzten Jahrzehnten wurde ihre Bedeutung − dank vermehrter Rezeption der Werke von Persönlichkeiten wie Charles S. Peirce, Jakob von Uexküll (1864–1944) und Thure von Uexküll (1908–2004) − wiederentdeckt.

Wie immens wichtig klinische Zeichen in der Medizin sind, führt der phänomenale Atlas des Berliner Kinderarztes und Humangenetikers Jürgen Kunze (ehemaliger Leiter der Genetischen Beratungsstelle an der Kinderklinik und dem Institut für Humangenetik der Charité, Berlin) vor Augen. In der Erstauflage im Jahre 1976 bemerkte Hans-Rudolf Wiedemann (Kiel): „Die Erkennung vieler Syndrome ist leicht, wenn der Blick des Arztes geschult ist. Dieser Schulung möchte das hier vorgelegte Buch dienen.“. Es besteht kein Zweifel: Wiedemanns Anliegen wird auch in der aktuellen Auflage vollumfänglich erfüllt.

Im Anschluss an ein einleitendes Kapitel über „kleine Fehlbildungen und kleine Anomalien“, auf welches Jürgen Kunze in seinem Vorwort besonders hinweist, werden 394 Syndrome beschrieben. Die Anordnung der Bild- und Textelemente erfolgt immer auf die gleiche leserfreundliche Weise: Auf der rechten Buchseite finden sich aussagekräftige, oft sehr eindringliche und den Betrachter nicht immer emotionslos lassende Fotografien bzw. Bildtafeln; auf der linken Seite steht der erläuternde Text: Hauptauffälligkeiten, ergänzende Befunde, Manifestation, Ätiologie, Pathogenese, MIM-Nummer, Häufigkeit, Verlauf/Prognose, Differenzialdiagnose, Therapie, Abbildungskommentare, Literatur.

Allein schon wegen der vielen Abbildungen (= der Zeichen) aus dem Zahn-, Mund- und Kieferbereich ist dieser Atlas für unser Fachgebiet von erheblicher Bedeutung. Er ist darüber hinaus aber auch ein hervorragendes Instrument zur Schulung des klinischen Blicks für die Diagnose einer definierten Krankheit
(= das repräsentierte Objekt) – und lässt den Betrachter (= den Interpretanten) angesichts der eindringlichen und unter die Haut gehenden Bilder so manches Mal atemlos zurück. Dieses monumentale Werk ist eine großartige Leistung, zu der die rund 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beglückwünschen sind. „Wiedemanns Atlas klinischer Syndrome“ darf in keiner (zahn)medizinischen Bibliothek und keiner engagierten zahnärztlichen Praxis fehlen.

Jens C. Türp, Basel

 


(Stand: 21.03.2011)

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