„Implantologie ist mehr als Implantate inserieren“

DGI-Curriculum mit Dr. Karl-Ludwig Ackermann:

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Genau genommen sei das chirurgische Inserieren eines Implantats das Geringste an der Implantologie: Mit dieser Provokation eröffnete Dr. Karl-Ludwig Ackermann das Modul „Indikationsbezogene Diagnostik und Planung von Rehabilitationen“ im Rahmen des DGI-Curriculums Implantologie. Es folgten noch weitere Positionen, die den Kursteilnehmern den notwendigen Respekt vor dem Fach vermittelten. Sein Credo für mehr Behandlungserfolg: „Ein Implantat gehört nicht in unbekanntes Terrain.“ Grund: Auch wenn der Überweiser „Implantieren“ vorgebe, müsse man sich vorab selbst ein Bild verschaffen über die Rahmenbedingungen der Mundhöhle des Patienten; unterlasse man das, steige nicht nur das Risiko einer Periimplantitis. Sein Tipp zur Reduzierung von Implantat-Misserfolgen: „Setzen Sie weniger Implantate.“ Grund: Manchmal seien andere Lösungen für den Patienten sinnvoller. Sein Appell zur kritischen Haltung gegenüber Fortbildung: „Misstrauen Sie Renitenz-based Implantology!“ Grund: Eine gute Fortbildung vermittele den Stand der Wissenschaft, nicht den Stand althergebrachter Meinungen des Referenten. Seine Haltung zum Qualitätsmanagement: „Standardisierungen sind für medizinische Behandlungen wenig geeignet.“ Grund: Qualitätsmanagement wird oft als starre Vorgehensweise missverstanden, eine Leitlinie als regulierende Vorgabe – richtig dagegen sei, sie als „Empfehlungskorridor“ zu verstehen und sie zu verbinden mit den Werten, Erwartungen, biologischen und soziologischen Individualitäten des Patienten. Seine Motivation zu Qualitätssicherung: „Seien Sie mutig: Sagen Sie STOPP.“ Grund: Seien Ansprüche des Patienten mit fachlichem Aufwand und Kosten nicht kompatibel, müsse man die Reißleine ziehen: „Machen Sie den Patienten klar: Mit noch weniger kann ich fachlich in der Versorgungsqualität nicht mitgehen.“ Was für die Teilnehmer wie Provokation gewirkt haben könnte, wird gerade deswegen einen nachhaltigen Lerneffekt ausgelöst haben.

„Implantologie ist kein einzeln stehendes Fach“, fasste Dr. Ackermann zusammen, „sondern ein Fach, das sich bewegt, das immer wieder neue Schnittmengen zu anderen Fächern der Zahnheilkunde schafft, das bei der Diagnose nicht nur auf die Biologie des Patienten schaut und bei der Therapie auch Alternativen berücksichtigt.“ Jeder Patient stelle vielfältige Aufgaben, ehe man ein Implantat setzt. Wer das DGI-Curriculum besuche, habe sich vorgenommen, sich auszukennen in dem Fach und gewappnet zu sein für Herausforderungen: „Sie werden als Absolvent damit rechnen müssen, dass Ihnen Ihre Kollegen Fälle überweisen, die sie nicht sich selbst zutrauen. Sie werden froh sein, eine Ahnung davon zu haben, wie man aufmerksam an den Fall herangehen kann.“ Und sei es, die Entscheidung zu treffen, weitere Kollegen hinzuzuziehen oder an eine anderweitig spezialisierte Praxis zu überweisen.

An zwei gehaltvollen Tagen Mitte November in Filderstadt gab es für die Curriculum-Teilnehmer neben Grundlagen zum respektvollen Umgang mit dem Fach – aufgelockert durch selbstironische Anmerkungen des „Implantologie-Urgesteins“, wie sich Dr. Ackermann vorstellte – gleich zwei Live-OPs und nicht zuletzt ausführlich Zeit, Ruhe und modernste Technik für praktisches Arbeiten, um am Schweinekiefer die mögliche Anfänger-Scheu vor ‚Bohren in den Knochen und Implantat inserieren’ zu verlieren. „Der haptische Teil ist für viele der Moment, sich voll auf das Fach einzulassen“, so Dr. Ackermann. Seine konzentrierten Kursteilnehmer machten genau diesen Eindruck.

B. Dohlus, Berlin

Info:

Ein entsprechender Vortrag von Dr. Ackermann beim DGI-Jahreskongress/Dresden ist als DVD erhältlich über www.dginet.de, Stichwort „Tagungsvorträge“.

Infos und Anmeldung für das DGI-Curriculum bei Marion Becht:
info@dgi-fortbildung.de und per Telefon: 0621 68124451


(Stand: 21.03.2012)

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