Ehrlicher Erfahrungsaustausch im DGI-Continuum

Implantologische Fehler und Komplikationen

PDF

Was das „Continuum“ der DGI/APW von anderen Kursen und Veranstaltungen unterscheidet, ist das Erfahrungs-Niveau, auf dem sich Referent und Teilnehmer begegnen: Angeboten als „Qualifikationserhalt“, spricht das Continuum Zahnärztinnen und Zahnärzte an, die bereits über viele Jahre implantologisch tätig sind. Beinahe automatisch entsteht auf diese Weise ein praxisnaher Erfahrungsaustausch auf hohem Level, der das Kursthema als Grundlage nutzt. Besonders spannend wurde es Ende Oktober: Dr. Dr. d.S. Rabih Nahas MSc. hatte „Implantologische Fehler und Komplikationen“ als Thema annonciert und damit viele Kollegen erreicht, die für die Tagesveranstaltung nach Bremen kamen. Dass ohne „Ehrlichkeit“ untereinander ein solches Thema nicht hilfreich ist, war allen Beteiligten klar. Dass Dr. Dr. Nahas den Mut hatte, nicht nur von Kollegen produzierte, sondern auch eigene Misserfolge zu zeigen, wurde dem Referenten hoch angerechnet. „Bei Kongressen sieht man immer tolle Bilder“, sagte er, „aber das ist nicht der Alltag. Es ist wichtig, dass wir uns mit unseren misslungenen Ergebnissen befassen. Das bringt uns in der Praxis oft weiter als die schönen Hochglanzpräsentationen auf der Großleinwand.“ Über das höhere Durchschnittsalter der Teilnehmer im Vergleich zu Curriculum-Kursen wunderte er sich nicht: „Das ist ein Thema für erfahrene Kollegen, die schon gelernt haben, dass Implantologie nicht ,einfach’ ist. Einsteiger in das Fach scheinen Fehler und Komplikationen anfangs auszublenden. Aber auch wir Erfahrenen sind nicht davor bewahrt – bei uns sind oft Routine und der verloren gegangene Respekt das Problem. Wer behauptet, keine Fehler oder Misserfolge in der Implantologie zu haben, der implantiert nicht – oder er ist nicht ehrlich.“

Zu den „Fehlern“ zählte Dr. Dr. Nahas beispielsweise falsche Entscheidungen: „Mit der Zeit haben sich viele fantastische Implantate entwickelt – da gerät unsere Hauptaufgabe manchmal etwas aus dem Blickfeld: Zähne erhalten.“ Er zeigte an einem Beispiel, wo er heute anders entscheiden würde: „Vielleicht wäre ein anderes Vorgehen für den Patienten nicht nur besser, sondern auch preiswerter gewesen.“ Ärzte neigten dazu, das zu behandeln, was sie aufgrund ihrer Ausbildung „sehen“ – das gelte auch für die Implantologie. Er selbst sei mit der Zeit restriktiver geworden: „Implantate sind dazu da, fehlende Zähne zu ersetzen. Nicht, um Zähne zu ersetzen. Für diese Fälle mag es bessere Verfahren geben.“ Ein Fehler sei auch, zu rasch einen Behandlungsplan zu entwickeln: Notwendig sei im Vorfeld eine ausführliche Untersuchung, für die das Praxisteam leider selten ausreichend Zeit einplane. Zeit für die Untersuchung aber beuge Überraschungen vor, die später zu mehr Aufwand und auch höheren Kosten bei den Patienten führen – und zu entsprechend anstrengenden Auseinandersetzungen. Problematisch sei, sich auf eine implantologische Versorgung in parodontal geschädigtem Gewebe einzulassen, weil die vorgeschlagene Vorbehandlung vom Patienten nicht gewollt ist. Dr. Dr. Nahas: „Sie müssen sicher hin und wieder Kompromisse machen – aber schützen Sie sich und ihre Patienten vor faulen Kompromissen!“ Kontraindikationen gebe es in der Implantologie allerdings kaum noch – heute gehe es um Risiken und deren Beherrschung. Anhand einer langen Liste solcher Risiken zeigte er, welche Möglichkeiten es jeweils gibt, machte aber auch deutlich: „Machen Sie keine großen Versprechungen. Es gibt Risiken, auf die wir als Zahnärzte Einfluss haben – auf viele andere haben wir es aber nicht!“ Auch ein Patient, der viel wolle, aber weder Geld noch Zeit habe, sei ein „Risikopatient“. Sein Resümee, unterstützt und untermauert seitens des an der Präsentation beteiligten Zahntechnikermeisters Volker Dehn: „Manches ist ,mission impossible’ und wir sind keine Zauberer. Alle Risiken können wir nicht ausschalten. Deshalb ist es wichtig, dass wir mögliche Risiken kommunizieren, ohne Ängste auszulösen. Diese Art von Gespräch mit dem Patienten ist eine der wichtigsten Phasen in der implantologischen Behandlung.“ Dass heute immer öfter über Misserfolge gesprochen werde, sei ein großer Gewinn für das Fach.

B. Dohlus, Berlin


(Stand: 21.03.2012)

DGI Nachrichten aktuell

In Memoriam an Karl-Ludwig Ackermann. Ein Nachruf von Prof. Dr. Günter Dhom und Gedenken an einen ganz „Großen“ der Zahnmedizin. 

zum Nachruf an Dr. Ackermann

Aktuelle Ausgabe 3/2020

Im Fokus

  • Kippkonus-Abutment
  • Statine und Bisphosphonate
  • Teleskopierende Hypridbrücke

FORTBILDUNGSANGEBOTE DGI

Die DGI bietet ein umfassendes und überregionales Fortbildungsangebot an. 

WERDEN SIE AUTOR

Sie haben ein spannendes Thema aus dem Bereich der Implantologie und würden gerne einen Artikel dazu in der ZZI veröffentlichen? Dann nutzen Sie unseren Editorial Manager und reichen Sie ihr Manuskript direkt bei uns ein.

Manuskript einreichen