„20 Jahre – was haben wir gelernt?“

PDF

Prof. Søren Schou aus Aarhus hatte die große europäische Gesellschaft eingeladen zum Thema ,,20 Jahre – was haben wir gelernt?“ in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Weit über 3.000 Teilnehmer folgten der Einladung. Etwas außerhalb des Stadtzentrums im Bella Centrum fanden neben diversen Workshops 10 Sessionen mit 37 Hauptreferaten, 37 Kurzvorträge, 18 Wettbewerbsvorträge und schließlich 452 Postervorstellungen sowie eine umfangreiche Industrieausstellung statt. Die Abstracts aller Beiträge sind zu finden im Supplementheft 7 des Clinical oral implants research 2012. Daher werden im Folgenden nur die Schlaglichter der Tagung dargestellt.

Implantatverlust und biologische Komplikationen diskutierten interaktiv mit dem Auditorium zu Nachsorgeempfehlungen Lisa Heitz-Mayfield (Australien) und zu Indikation und Methodik von chirurgischer und nichtchirurgischer Periimplantitistherapie Frank Schwarz (Deutschland) sowie unter dem Aspekt einer hoch anspruchsvollen und doch nicht immer erfolgreichen Implantatwiederholungstherapie aus ästhetischer Indikation Daniel Buser und Urs Belser (Schweiz).

Neue Ideen wurden unter der Federführung des EAO-Junior-Komitees vorgestellt: Mathias Glehr (Österreich) und Andrej Trampuz (Schweiz) berichteten als Orthopäden über Sepsis infolge von Infektionen um Endoprothesen und entsprechende Vorgehensweisen. Peter Thomas (Deutschland) (Abb. 1) besprach seltene und wissenschaftlich nicht eindeutige Intoleranzreaktionen auf Titan und dessen versprengte Partikel sowie deren widersprüchliche Interpretation. Jos van der Sloten (Belgien) beschrieb hoch aktuelle Standards für virtuelle Planungen für das navigierte Vorgehen. Patricia Reynolds (Großbritannien) analysierte technologisch unterstütztes Lernen.

Vier Arbeitsgruppen erläuterten Ergebnisse der Konsensuskonferenz der EAO zu Implantatmisserfolgen, zu periimplantärer Destruktion, zur computergestützten Implantologie und zu Rekonstruktionen auf Implantaten und die aktualisierte Leitlinie zu bildgebenden Verfahren nun unter Einschluss der Digitalen Volumentomographie. Die Details sind im Supplementheft 6 des Clinical oral implants research 2012 zu finden.

Implantate unter dem Blickwinkel von Kaufunktion besprach außerordentlich spannend unter Berücksichtigung der unterschiedlichen sensoromotorischen Regulation von Zähnen und Implantaten Mats Trulson (Schweden). Interessanterweise erfolgt über die Zeit eine Adaptation der Kaufähigkeit nur bei zahngetragenen, nicht aber bei implantatgetragenen Konstruktionen. Den im Lichte der Literatur gar nicht gut belegten Zusammenhang zwischen Bruxismus und Implantatverlusten beleuchtete Daniele Manfredini (Italien). Diese beiden grundsätzlichen Studien sind im Original zu analysieren! Bjarni Pjetursson (Island) diskutierte wiederholt technische Komplikationen implantatgetragener Konstruktionen. Zukünftige Perspektiven entwickelten aus dem Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre Massimo Simion (Italien – Augmentation), Daniel Wismejer (Niederlande – Prothetik), Riitaa Suuronen (Finnland – Knochenzüchtung über menschliche Fettstammzellen), Irma Thesleff (Finnland – Zahnzüchtung mit dem Problem der funktionsgerechten Wurzelformation), Goran Benic (Schweiz – computergeführte Implantation unter Einsatz von DVT, Oberflächenscannern sowie 3D-Druckern), Ann Wenneberg (Schweden – bioaktive Implantatoberflächen auch durch Nanopartikel im Wechselspiel von Oberflächenstruktur und Oberflächenchemie, aber ohne Beweis einer langzeitigen klinischen Relevanz) und Asbjørn Jokstad (Kanada – Implantatprothetik, bei der ungeachtet enormer verfahrenstechnischer Fortschritte die wissenschaftlichen Beantwortungen von Grundfragen wie hinsichtlich geteilter oder ungeteilter Versorgungen noch ungelöst sind).

Die abschließende interaktive Session war periodontitisgefährdeten Individuen gewidmet. Aspekte der Behandlung unter Berücksichtigung von Risikofaktoren insbesondere hinsichtlich des Biofilms diskutierte Bjorn Klinge (Schweden). Grundprinzipien einer Behandlungsplanung mit identischer Langzeitprognose, aber unterschiedlichem Aufwand (auch der Kosten) und unterschiedlichem Profit für den Behandler stellte Thomas Flemming (USA) vor. Zahngestützter Zahnersatz mit seinen bei periodontitisgefährdeten Patienten gut belegten (manchmal sogar günstigeren) Erfolgsaussichten im Zeitalter der Implantologie hob Lars Laurell (Schweden) hervor. Zum implantatgestützten Zahnersatz, der bei den periodontal vorgeschädigten Patienten eine Versorgung vereinfachen solle, sprach Niklaus Lang (China).

Preisträger wurden mit ihren Koautoren Alexander Phillip (Schweiz) (Abb. 2) mit einer Tierstudie von SLActive Implantaten in Kieferhöhlen mit und ohne Transplantationen, Taskin Tuna (Deutschland) (Abb. 3) zum Effekt der UV-Funktionalisierung von Zirkoniumimplantatmaterialien sowie Algindras Puisys (Litauen) zur Knochenstabilität um Implantate nach Schleimhautverdickung. Mit der erstmals wieder eingeführten Verleihung eines Posterpreises wurde von der EAO das Prinzip der stufenweisen Preisverleihung verlassen, nachdem alle Abstracts eingereicht wurden, davon die besten für Wettbewerbsvorträge ausgewählt und davon die besten prämiert wurden. Preisträger wurde Corina Cristache aus Rumänien für ein Poster zu Retentionssystemen von unteren Deckprothesen. Er hatte auf einem Poster den Behandlungsversuch von Implantathalsfrakturen vorgestellt. Diese Thematik wird aktuell besonders bei konischen Implantat-Abutment-Innenverbindungen.

Auf der Generalversammlung haben die Delegierten Pascal Valentini aus Paris (Abb. 4) zum neuen Präsidenten der EAO gewählt. Rahmenveranstaltungen führten in das Privatmuseum der Carlsberg-Glyptothek: Hier fand der Eröffnungsempfang statt und die EAO-Mitglieder feierten das Jubiläum unter griechischen Skulpturen in einem großen Saal. Søren Schou und seinem Team ist für einen exzellenten Kongress zu danken. Die Fülle hochrangiger Parallelveranstaltungen lässt empfehlen, analog zur DGI DVDs mit den spannendsten Referatmitschnitten anzubieten. Das nächste Treffen findet 2013 in Dublin statt. Wer sich vertieft mit der Implantologie beschäftigt, für den wird eine Teilnahme sowie eine Mitgliedschaft in der EAO mit ihren breiten Zugangsmöglichkeiten zur Wissenschaftsinformation eine zwingende Notwendigkeit bleiben.

L. Tischendorf, Halle/Saale


(Stand: 05.03.2013)

DGI Nachrichten aktuell

In Memoriam an Karl-Ludwig Ackermann. Ein Nachruf von Prof. Dr. Günter Dhom und Gedenken an einen ganz „Großen“ der Zahnmedizin. 

zum Nachruf an Dr. Ackermann

Aktuelle Ausgabe 3/2020

Im Fokus

  • Kippkonus-Abutment
  • Statine und Bisphosphonate
  • Teleskopierende Hypridbrücke

FORTBILDUNGSANGEBOTE DGI

Die DGI bietet ein umfassendes und überregionales Fortbildungsangebot an. 

WERDEN SIE AUTOR

Sie haben ein spannendes Thema aus dem Bereich der Implantologie und würden gerne einen Artikel dazu in der ZZI veröffentlichen? Dann nutzen Sie unseren Editorial Manager und reichen Sie ihr Manuskript direkt bei uns ein.

Manuskript einreichen