Erstmals ein Grußwort der DGZMK

Eröffnung des 27. DGI-Kongresses in Frankfurt

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Prof. Dr. Bärbel Kahl-Nieke ist nicht nur die erste Präsidentin der DGZMK, sondern auch die erste Repräsentantin der DGZMK, die ein Grußwort zur Eröffnung des DGI-Kongresses gehalten hat. Es griff das Tagungsthema „Gemeinsam in die Zukunft/Dialoge an Schnittstellen“ auf und positionierte die DGZMK im Bereich der Implantologie. Frau Professor Kahl-Nieke hat ihr Einverständnis gezeigt, dass das Grußwort in der ZZI veröffentlicht werden darf.

Sehr geehrte Präsidenten, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Gemeinsam in die Zukunft: Das ist mir zu bescheiden für Sie, die DGI, und für uns, die DGZMK, in deren Namen ich Sie als eine der größten und erfolgreichsten Fachgesellschaften in der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde begrüßen darf.

Gemeinsam klingt so selbstverständlich, so auch ihr Präsident in seinem Grußwort zur Implant Expo, und das muss es auch, denn es gibt keinen Patienten/keine Patientin mit nur einem isolierten fachinternen Befund. Das wissen Sie alle und wir alle kommunizieren diese Gemeinsamkeit als Inter- oder Multidisziplinarität seit Jahren mit zunehmender Intensität und Nachhaltigkeit. Denken wir nur einmal an die Zahnmedizin interdisziplinär, das Motto des Deutschen Zahnärztetages, das nun schon seit 2010 unser roter Faden ist und dieser Faden, der beginnt in der Vergangenheit und spannt sich über heute und jetzt in die Zukunft. Wir können also schon ein Stück weit stolz darauf sein, dass wir das Credo gemeinsam, um noch einmal Gerhard Igelhaut zu zitieren, verinnerlicht haben und damit einen wichtigen Teil zur Lebensqualität unserer Patienten beitragen, indem wir ihre Mundgesundheit optimieren.

Optimieren heißt Dynamik, also wissenschaftliche Aktivität und Reaktion auf wissenschaftliche Erkenntnisse und den Fortschritt in der Technik, aber auch auf Veränderungen in der Gesellschaft. Von allem Genannten gibt es in den nächsten beiden Tagen reichlich, Ihr Programm spiegelt wider, dass Sie es ernst meinen mit Ihrem Motto 1. gemeinsam und 2. den Dialogen an den Schnittstellen und 3. mit dem Zeitgeist. Im interdisziplinären Diskurs, der Medizin und Industrie gleichermaßen inkludiert, werden auch Social Media, Genderaspekte und die Ethik in der Implantologie eine Rolle spielen.

Für Social Media bin ich nicht berufen, aber zu den Genderaspekten habe ich viel gefunden, insbesondere im Kontext der Implantologie. Da stand die Ausgabe 2/12 der „Dentista“ doch unter dem Motto Implantologie – und meine Erkenntnis aus den zahlreichen Beiträgen ist, hier gibt es wahrlich etwas zu tun. Oder wollen wir Frauenpraxen ohne Angebot zur Implantatversorgung? Ich weiß, das ist ein wenig provokativ, aber es darf doch nicht vom Geschlecht des Erstberaters bzw. der Beraterin abhängen, ob ein Patient ein umfassendes Therapieangebot unter Berücksichtigung aller Optionen erhält. Sie haben diese Lücke im System erkannt und es offensichtlich auch schon geschafft, gegenzusteuern, denn die Curriculumzahlen sind dabei, sich auszupendeln.

Und die Ethik: Da fällt mir Giovanni Maio ein, der den mündigen Patienten unter sozialem und individuellem Hintergrund infrage stellt bezüglich seiner Eigenverantwortung für die Zähne. Und dieser gleiche überforderte Patient soll implantatfähig sein? Wir sind gespannt, wie Herr Kollege Groß das sieht?

Und was ich noch entdeckt habe bei der Lektüre Ihres so umfassenden und anspruchsvollen Programms, ist ein Vortrag zur prägradualen Ausbildung – also im Studium – in der oralen Implantologie. Meine Damen und Herren, es ist wichtig, dass auch diese Thematik im Nationalen Kompetenzbasierten Lernzielkatalog Zahnmedizin verankert ist und in der neuen Approbationsordnung Zahnmedizin ihren Stellenwert bekommen wird, denn wie unglaubwürdig sind wir Hochschullehrer, wenn wir den Studierenden aus Zeitmangel im Curriculum den fachlichen Zeitgeist zum Zahnersatz unterschlagen. Wir müssen uns nachhaltig verteidigen gegen den Vorwurf, dass wir die Studierenden auf Sparflamme unterrichten, damit wir postgradual Curricula verkaufen können. Als Verfechterin der kieferorthopädischen Weiterbildung weiß ich, wovon ich spreche. Die Studierenden müssen berufsfähig sein nach dem Studium, und dazu gehört selbstverständlich, mehr als nur einmal gehört zu haben, dass es Implantate gibt.

Und damit sind wir bei der Next Generation angekommen. Wir alle, die DGZMK und auch Sie, werben um den Nachwuchs: Studierende, Wissenschaftler, Assistenten und junge Praktiker. Und dieser Nachwuchs, die viel zitierte Generation Y, ist ja schon grundsätzlich aufgrund ihrer Lebensphilosophie an „gemeinsam“ sehr interessiert und gewöhnt, denn in der Praxis, im Labor oder wo auch immer ist die gewünschte familien- und freizeitfreundliche Zeitökonomie nur im Team realisierbar. Mit anderen Worten: eine Steilvorgabe für Teamwork und für Dialog.

Apropos Dialog, mit der Idee, die Kongressteilnehmer digital zu vernetzen und zu Diskussionsforen einzuladen, greifen Sie eine Tendenz auf, die auch die DGZMK für die gemeinsame Zukunft im Bereich zahnmedizinischer Wissensrecherche, Fortbildung und Dialog massiv fördern wird. Mit unserer neuen Internetplattform „owidi“, die aktuell ihre Beta-Testphase durchläuft und im kommenden Jahr dann endlich live gehen wird, geben wir unseren Mitgliedern und Patienten ein ganzes Bündel an Tools an die Hand, zur Recherche in Bild-, Film- und Originaltext-Archiven, zum gegenseitigen Meinungsaustausch oder zum begleiteten E-Learning.

Mit diesem kleinen Ausflug in eigener Sache, komme ich zurück zu meinen Grüßen und gratuliere Ihnen zu Ihrem Programmkrimi, der Spannung und Entspannung, verspricht, und ein weiterer Meilenstein in der langjährigen Vita des Implantates sein wird.

Ich wünsche der Tagung viel Erfolg und möchte mit José Ortega y Gasset, einem spanischen Philosophen, schließen: „Die Wissenschaft braucht Zusammenarbeit, in der sich das Wissen des einen durch die Entdeckungen des anderen bereichert!“

Vielen Dank.


(Stand: 12.06.2015)

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