Der Stellenwert der Implantologie in der Gesundheitsversorgung

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Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen,

liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Altersstruktur in Deutschland wird sich in den nächsten Jahren deutlich verändern. Es findet sich ein Anstieg der über 65-Jährigen von 18,4 % im Jahr 2008 auf 25,7 % im Jahr 2030. Ein steigender Behandlungsbedarf ist bei der zahnärztlichen Versorgung zu verzeichnen, obwohl die Mundgesundheitsstudien (DMS III im Jahr 1997 und DMS IV im Jahr 2005) eine deutliche Abnahme des DMFT-Index von 23,6 auf 21,1 zeigen. Gleichzeitig findet sich eine Zunahme der Parodontalerkrankungen mit Behandlungsbedarf bei Patienten über 65 Jahren.

Auf der Grundlage des gestiegenen Gesundheitsbewusstseins, auch für die Mundgesundheit, nimmt die Anzahl der durch einen herausnehmbaren Zahnersatz ersetzten Zähne im Alter zugunsten eines festsitzenden Zahnersatzes ab. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass im Gegensatz zu früheren Generationen ein Rückgang der totalen Zahnlosigkeit bei älteren Patienten zu verzeichnen ist.

Die Implantologie ist ein etablierter Bestandteil der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde und hat einen festen Stellenwert in der zahnärztlichen Mundgesundheitsversorgung. Insbesondere trifft dies im Alter auf einen festsitzenden Zahnersatz im teilbezahnten Kiefer zu, z.B. eine einseitige Freiendsituation.

Die Tauglichkeit implantatgetragener Rehabilitationen belegen Untersuchungen, die weltweit eine durchschnittliche Fünfjahresüberlebensrate von 97 %, eine Zehnjahresüberlebensrate von 89 % und eine 15-jährige Überlebensrate von 83 % ergeben.

Die Fünfjahresrate dentaler Implantate von einem Einzelzahnersatz bis zu komplexen Brücken liegt in diesen Untersuchungen durchgehend bei über 90 %.

Insgesamt zeigt sich eine Überlebenswahrscheinlichkeit von Implantaten, die auf dem Niveau eines konventionellen Zahnersatzes anzusiedeln ist.

Was sind aber die zukünftigen Herausforderungen für eine kaufunktionelle Rehabilitation mit einem implantatgetragenen Zahnersatz?

Der Ersatz eines einzelnen, verloren gegangenen oder nicht erhaltungswürdigen Zahns durch ein enossales Implantat stellt heutzutage eine sichere Methode mit hoher Voraussagbarkeit bezüglich der Osseointegration dar. Im Vordergrund für zukünftige Fragestellungen steht das periimplantäre Weichgewebemanagement bei Implantationen. Heutzutage ist der implantologische Erfolg nicht allein durch die Osseointegration zu definieren, sondern muss auch zusätzlich durch die Ästhetik definiert werden. Dies ist umso bedeutungsvoller, da der ästhetische Anspruch neben der Überlebensrate zunehmend in den Focus von Behandler und Patient rückt.

Eine weitere Aufgabe ist die Indikationsausweitung, um bei chronischen Erkrankungen zur Ausbildung einer funktionell erfolgreichen Osseointegration Implantationstechniken zu entwickeln, die durch Beschichtung von Implantatoberflächen die Osseointegration im strukturschwachen Knochen sicher gewährleisten können.

Zusätzliche Aufgaben sind biomimetische Verfahren, die selbstregulierend chronische, periimplantäre Entzündungen und Heilungsvorgänge an der Implantatoberfläche steuern.

Liebe Leserinnen und Leser, Voraussetzung für die Entwicklung neuer Behandlungsstrategien ist der stetige Erkenntnisgewinn durch klinische und experimentelle Untersuchungen in der Implantologie. Einen Beitrag dazu liefert als offizielles Publikationsorgan der Deutschen Gesellschaft für Implantologie die ZZI. Ich wünsche Ihnen in diesem Sinne beim Lesen der vorliegenden Ausgabe einen weiteren Erkenntnisgewinn und viel Freude.

Mit den besten Wünschen für alle Leser

Ihr

Prof. Dr. Dr. S. Schultze-Mosgau

Hauptschriftleiter Wissenschaft


(Stand: 12.06.2015)

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