Interdisziplinär und international in die Zukunft

Bericht vom 27. Kongress der DGI

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Rund 2500 Teilnehmer konnte Kongresspräsident Prof. Dr. Frank Schwarz, Düsseldorf, auf dem 27. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Implantologie begrüßen, der vom 28. bis 30. November 2013 in Frankfurt stattfand. Unter dem Motto „Gemeinsam in die Zukunft“ ging es um die Zusammenarbeit über die Grenzen von Fach, Nation und Generation hinaus.

„Wir nehmen das Motto unseres Kongresses ganz wörtlich“, erklärte Prof. Dr. Frank Schwarz auf der Pressekonferenz zum Kongressauftakt. Das innovative und komplexe Querschnittsfach Implantologie wurde in Frankfurt nicht nur aus dem Blickwinkel der Zahnmedizin beleuchtet, sondern auch von Vertretern anderer (zahn-)medizinischer Disziplinen. „Dieser Austausch ist heute nicht mehr fakultativ, sondern notwendig“, sagte Prof. Schwarz. „Nur durch Kooperation erzielen wir das beste Therapieergebnis für unsere Patienten und können ihnen die bestmögliche Behandlung anbieten“, ergänzte DGI-Präsident Dr. Gerhard Iglhaut, Memmingen.

Beispiel Endodontie: Dr. Josef Diemer, Meckenbeuren, betonte in seinem Plenarvortrag, dass es nicht um einen Wettbewerb Endodontie versus Implantologie gehe, sondern um eine Risikoabwägung. Sein Beitrag machte deutlich, wie eine moderne Diagnostik und neue Feilen die Endodontie verbessert haben. Mikro-CTs und dreidimensionale, virtuelle Anatomie-Kompendien wie der „Tooth-Atlas“ liefern wichtige Informationen für die Therapieentscheidung. Diemer: „Die Anatomie bestimmt die Aufbereitung und das Konzept. Es ist nicht die Anatomie, die sich dem Konzept unterordnen muss.“

Titan als Bindeglied zur Medizin: Der Werkstoff Titan ist das Bindeglied zwischen Implantologie und Orthopädie, wie Prof. Dr. Marcus Jäger, Essen, deutlich machte. Die periprothetische Osteolyse durch Abriebpartikel rund um eine im Knochen verankerte Totalendoprothese bereitet Orthopäden und Unfallchirurgen Probleme. Der Abrieb von Last- und Haftflächen kann Fremdkörperreaktionen auslösen, die zum Knochenabbau in der Prothesenregion führen.

Ob vergleichbare Reaktionen auch bei der oralen Implantologie eine Rolle spielen könnten, untersucht ein Team von Implantologen und Allergologen um Professor Peter Thomas von der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Universität München und DGI-Präsident Dr. Gerhard Iglhaut im Rahmen der Peri-X-Studie, die von der DGI finanziert wird. Bis zum Ende der Studie werden insgesamt 200 Patientinnen und Patienten nachuntersucht, die in den vergangenen zehn Jahren Implantate erhalten haben. Erfasst werden dabei nicht nur der Mundstatus der Patienten, sondern auch andere Erkrankungen und Risikofaktoren. Auch die Mundflora wird dabei analysiert.

DGI beruft Referenz-Allergologen: Im Allergiezentrum von Prof. Dr. Peter Thomas an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Ludwig-Maximilians-Universität München analysieren die Wissenschaftler in vitro die Zytokin-Produktion von Immunzellen aus dem Blut der Patienten, die mit Titanpartikeln oder Kontrollsubstanzen in Kontakt kommen. Neun Zytokine haben die Forscher bestimmt. „Die Reaktionsmuster der Immunzellen waren von Patient zu Patient sehr unterschiedlich“, berichtete Prof. Thomas. Im nächsten Schritt werden diese Resultate mit der Vielzahl anderer personenbezogener Charakteristika verknüpft. Der Vorstand der DGI berief anlässlich des Kongresses Professor Peter Thomas zum Referenz-Allergologen der Gesellschaft. „Es ist wichtig für unsere Mitglieder und deren Patienten, dass wir einen hochqualifizierten Ansprechpartner aus der Allergologie haben, der eng mit uns kooperiert und uns in allen Fachfragen berät“, begründet Dr. Gerhard Iglhaut den einstimmigen Beschluss des Vorstandes.

Themen für die Zukunft: Insgesamt 82 international renommierte Referenten aus acht Ländern präsentierten Themen, die, so Prof. Schwarz, „in die Zukunft weisen und für Zahnärzte und ihre Patienten relevant und wichtig sind“. Das Spektrum reichte von den neuen Möglichkeiten der „digitalen Implantologie“ über die Frage, wann kurze Implantate sinnvoll sein können, Infektionsprophylaxe und Periimplantitis, bis zur erforderlichen Zahl der Implantate, wenn Patienten mit zahnlosen Kiefern mit Zahnersatz versorgt werden müssen. Dabei bewegte sich die Diskussion nicht nur auf der nationalen Ebene. Es ging auch um den Vergleich von Therapiekonzepten auf der internationalen Ebene und darum, internationale Standards zu entwickeln. Die Dialoge an Schnittstellen zu anderen Fächern blieben indes nicht auf die Medizin beschränkt: Themen wie Ethik in der Implantologie, Genderforschung und Patientenrechte waren erstmals im Programm einer DGI-Tagung präsent.

Engagement für Ausbildung und Nachwuchs: Zur Zukunft einer Disziplin gehört vor allem der Nachwuchs. Für diesen engagiert sich Prof. Schwarz ganz besonders. Erstmals gestaltete der DGI-Nachwuchs, die »nexte Generation«, auf diesem Kongress eine eigene Session, auf der das breite Spektrum der Zukunfts- und Karrierechancen präsentiert wurde.

Mit ihren 8000 Mitgliedern und als größte europäische Fachgesellschaft auf ihrem Gebiet ist die DGI in der implantologischen Fortbildung die Nummer Eins und setzt mit neuen Konzepten wie ihrem E-Learning kontinuierlich neue Signale für die Zukunft der Fortbildung. Auch dies wurde auf dem Kongress deutlich: 92 Zahnärztinnen und Zahnärzte schlossen das Curriculum Implantologie mit einer Prüfung ab, 27 beendeten den zweijährigen berufsbegleitenden Master-Studiengang, den die DGI zusammen mit der privaten Steinbeis-Hochschule seit 2004/2005 anbietet.

Die Gäste des Festabends „A Night to Remember“ konnten in einer atemberaubenden und emotional bewegenden Show mit Gesprächen, Bildern und Erinnerungen einen Blick in die Geschichte der Gesellschaft werfen – der Auftakt und Hinweis auf das Jahr 2014, in dem die DGI ihren 20. Geburtstag feiert.

Barbara Ritzert, Pöcking


(Stand: 12.06.2015)

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