Eine neue Sicht auf die Periimplantitis

S3-Leitlinie der DGI

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Wie wichtig Leitlinien sind, wird deutlich angesichts neuer Daten zum Thema Periimplantitis. „Die Forschungsergebnisse unseres deutschen Kollegen Jan Derks, der seine PhD-Arbeit an der Universität Göteborg im Oktober 2015 verteidigt hat, vermitteln uns eine neue Sicht auf die Periimplantitis“, sagt Prof. Dr. Frank Schwarz, Düsseldorf.

Das Projekt von Dr. Derks wurde 2009 unter der Leitung der Professoren Tord Berglundh und Jan Wennström gestartet und basiert auf vier mittlerweile veröffentlichten Studien, die Professor Schwarz als „Milestone-Papers“ bezeichnet.

Aus dem Datenregister der schwedischen Sozial- und Krankenversicherung wurden 4716 Patienten zufällig ausgewählt. Sämtliche Patienten waren in den Jahren 2003/2004 mit Implantaten behandelt worden. Sechs Jahre nach Abschluss der Therapie wurde die Patientenzufriedenheit mittels eines Fragebogens beurteilt (Studie I). 596 der insgesamt 2765 Patienten nahmen an einer klinischen Untersuchung neun Jahre nach der Therapie teil. Frühe Implantatverluste wurden anhand der Patientenakten untersucht, späte Verluste wurden bei der klinischen Untersuchung bestimmt (Studie II). Die Periimplatitisprävalenz wurde anhand von klinischen und radiologischen Daten von der Neunjahresuntersuchung vermessen (Studie III). Anhand von Röntgenbildern aus Patientenakten wurden Krankheitsbeginn und -verlauf von Periimplantitis untersucht (Studie IV).

Es konnte gezeigt werden, dass die Patientenzufriedenheit hoch war und vom Alter und Geschlecht des Patienten, vom Umfang der Therapie und von der Ausbildung des Behandlers beeinflusst wurde. Implantatverluste während der neunjährigen Beobachtungszeit wurden bei 7,6 % der Patienten erfasst, dabei spielten Patienten- und Implantateigenschaften eine Rolle. Bei 14,5 % aller Patienten diagnostizierten die Experten eine moderate/schwere Periimplantitis. Verschiedene Patienten- und Implantateigenschaften wurden als Risikoindikatoren identifiziert. Von besonderer Bedeutung war ein weiterer Befund: Die Periimplantitis zeigt einen nicht-linearen und beschleunigenden Verlauf, und der Krankheitsbeginn lag bei den meisten Fällen innerhalb der ersten drei Jahre nach Therapie (Studie IV).

„Um eine Periimplantitis zu vermeiden, sind engmaschige Kontrolluntersuchungen sowie eine konsequente Behandlung der Mukositis wichtig, wie die neue S3-Leitlinie der DGI empfiehlt“, betont Professor Schwarz.


(Stand: 10.03.2017)

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