Qualitätssicherung: Die Faktoren einer erfolgreichen Implantologie

31. DGI-Kongress Hamburg

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Nach der letztjährigen Gemeinschaftstagung von DGI, ÖGI und SGI in Wien fand der diesjährige Kongress der DGI in Hamburg statt. Rund 90 Experten aus neun Ländern referierten am traditionellen ersten Adventswochenende über die Erfolgsfaktoren einer implantologischen Behandlung.

Der Kongress stand unter dem Motto „Qualität sichern – der Erfolgskorridor in der Implantologie“. In unterschiedlichen Programmforen hatten die mehr als 2300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, sich über aktuelle Themen aus Praxis, Wissenschaft und Implantatprothetik/Zahntechnik zu informieren. Das attraktive Kongressprogramm umfasste ebenso Tischdemonstrationen, einen Festabend, für den die Nexte Generation der DGI verantwortlich zeichnete, sowie weitere Präsentationsmöglichkeiten für den Nachwuchs in der Implantologie.

Mit einem einleitenden Rückblick knüpfte der Kongresspräsident Priv.-Doz. Dr. Gerhard Iglhaut, Memmingen, bei der Kongresseröffnung an den 24. Kongress im Jahr 2010 in Hamburg an. Vor sechs Jahren hatte die Beherrschung von Misserfolgen im Mittelpunkt gestanden. Im Jahr 2016 sollten nun jene Faktoren diskutiert werden, die eine implantologische Therapie zum Erfolg führen. Es gelte, so Iglhaut, die alltäglichen Therapiemaßnahmen unter der Prämisse der Qualitätssicherung durchzuführen und diese regelmäßig zu evaluieren. Ziel des Kongresses sei es, aktuelle Therapiemaßnahmen auf den Prüfstand zu stellen und Empfehlungen auszusprechen.

Patientenwünsche im Zentrum. Prof. Dr. Wilfried Wagner, Mainz, referierte anschließend über Erfolge und Misserfolge in der Implantologie und berichtete offen und strukturiert über diese als Teil eines individuellen Lernprozesses. Für ihn gehören die Prävention, eine kontinuierliche Fortbildung und das Einbeziehen der Bewertung durch den Patienten zur Qualität eines Behandlers. Ohne diese sei kein Fortschritt möglich. In Zukunft werde der Patient und seine Wünsche nach Lebensqualität während und nach den Eingriffen in den Vordergrund rücken. Konsequenzen dieser neuen Aufwand-Nutzen-Betrachtung seien unter anderem zeitlich weniger aufwendige Behandlungskonzepte ohne mehrfache chirurgische Interventionen. Der Einsatz von Strategien zur Vermeidung von Augmentationen sowie die Nutzung von digitalisierten Behandlungsabläufen mit individuellen präfabrizierten Komponenten zur Verkürzung der Operationszeit sind laut Professor Wagner weitere Zukunftstrends.

Die Leitlinienarbeit geht weiter. Im Forum Praxis und Wissenschaft wurden die Ergebnisse der 2. Leitlinienkonferenz präsentiert und die Bedeutung von Leitlinien sowohl im Praxisalltag als auch im juristischen Kontext wurde von Prof. Dr. Thomas Ratajczak, Sindelfingen, dargelegt. Dabei wurde die enge Verflechtung von oraler Implantologie und Allgemeinmedizin deutlich. Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden, präsentierte als Koordinator die S3-Leitlinie zur Indikationsstellung bei Patienten mit Antiresorptiva von DGI und DGZMK. Diese Leitlinie „Zahnimplantate bei medikamentöser Behandlung mit Knochenantiresorptiva (inklusive Bisphosphonate)“ bietet Zahnärztinnen und Zahnärzten Entscheidungshilfen bei der implantologischen Versorgung der betroffenen Patienten. Prof. Dr. Jürgen Becker, Düsseldorf, stellte die S3-Leitlinie „Behandlung periimplantärer Infektionen an Zahnimplantaten“ vor, die ebenfalls im Jahr 2016 publiziert wurde. Sie solle, so die Empfehlung von Professor Becker, Basis einer jeden Behandlung von periimplantären Infektionen darstellen. Des Weiteren wurde ein Ausblick auf die zukünftige Leitlinienarbeit der DGI gegeben. Da das Weichgewebsmanagement einen integralen Bestandteil einer implantologischen Versorgung darstellt, ist eine entsprechende Leitlinie geplant, koordiniert von Prof. Dr. Dr. Robert Sader, Frankfurt.

Internationale Kooperationen. Auf dem Kongress wurde die wachsende Verbindung der DGI mit anderen nationalen und internationalen Organisationen sichtbar. Ein Beispiel dafür war die Kooperation mit der Osteology Foundation. Diese zukunftsträchtige Zusammenarbeit schließt sich lückenlos an etablierte Kooperationen an, etwa an jene mit der AG Keramik oder der DGÄZ. Erstmals fand bei diesem Kongress ein gemeinsames Forum von Osteology Foundation und der Nexte Generation statt. Im Zentrum standen Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft, adaptiert an die Bedürfnisse der täglichen Praxis. Prof. Dr. Reinhard Gruber, Wien, beschrieb Prozesse des Knochenmetabolismus und der Implantateinheilung als dynamischen Prozess zwischen den beteiligten Strukturen und Zellen. Schwerpunkte setzte er auf den Knochenumbau durch Osteozyten via RANKL und Serotonin sowie auf Veränderungen durch Medikamente wie Bisphosphonate oder RANKL-Antagonisten und pathologische Prozesse wie Osteoporose.

Die chirurgischen Faktoren für einen implantologischen Langzeiterfolg wurden von Prof. Dr. Daniel Buser, Bern, erörtert, ergänzt durch chirurgische Standards. Professor Buser beleuchtete auch die Anforderungen an Implantate und Knochenersatzmaterialien für eine begleitende Augmentation. Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas, Mainz, stellte Konzepte augmentativer Verfahren bei verschiedenen Indikationen vor. Professor Al-Nawas betonte die Bedeutung des biologischen „Envelopes“ als Limitation und Vorgabe bei allen augmentativen Techniken und beschrieb neue Techniken wie die Verwendung individualisierter Gitter zur dreidimensionalen Augmentation.

Ziele für die Implantologie der Zukunft. Im Forum Wissenschaft präsentierte Prof. Dr. Stefan Zimmer, Witten, ein vielbeachtetes Update zur aktuellen Situation in der Prävention. Gemäß der aktuellen Mundgesundheitsstudie (DMS V) sind Karies und Parodontitis rückläufig. Eine Ausnahme stelle das Milchgebiss dar. Bezugnehmend auf die Implantologie als etablierte Standardversorgung und die bekannte Entwicklung in der Demografie müssten jedoch neue Ziele gesetzt werden, etwa eine Reduzierung von Mukositis und Periimplantitis. Infolge des zunehmenden Alters der Bevölkerung sei von einer ansteigenden Prävalenz der Periimplantitis auszugehen.

In-vitro- und klinische Daten zur Verträglichkeit von Titanimplantaten zeigte der Referenz-Allergologe der DGI, Prof. Dr. Peter Thomas, München. Er präsentierte einen Zwischenstand der Peri-X-Studie der DGI, die 2012 durch den Kongresspräsidenten PD Dr. Gerhard Iglhaut initiiert wurde. Mithilfe der Studie wollen die Experten herausfinden, ob und welche Risikofaktoren bei seltenen Unverträglichkeitsreaktionen auf Zahnimplantate aus Titan entscheidend sind. So soll durch die Querschnittsstudie auch für mögliche Risikopatienten eine sichere Therapiebasis geschaffen werden. Bei implantologischen Komplikationen wurden bei der Untersuchung der lokalen Keimbesiedelung beispielsweise einige Bakterienarten vermehrt identifiziert. Lagen bei den Patienten genetisch prädisponierende Entzündungsneigungen im Sinne von Zytokin-Polymorphismen vor, traten Komplikationen an den Implantaten häufiger auf. Ein Zusammenhang zwischen dem Material des Implantats und möglichen periimplantären Infektionen wird weiter untersucht.

Kongress digital. Unterstützt von einem Team der DGI-Pressestelle berichtete der Kongresspräsident auch erstmals live zusammen mit vier jungen Implantologinnen und Implantologen auf Facebook. Die übertragenen Kurzbeiträge konnten von allen Nutzern des sozialen Netzwerks direkt mitverfolgt werden. Ergänzend lieferte die Service-App „DGI 2016“ den Teilnehmern vor Ort Informationen zu Referenten und Ausstellern und vermittelte weitere Kongressnews. In den Pausen konnten sich die Besucher auf der gut besuchten Implant expo über Innovationen und Bewährtes aus Industrie und Wirtschaft informieren.

Fortbildung weiterentwickeln. Zukunftsträchtige Programme der DGI wie ein Curriculum für die zahnärztliche Assistenz, Mentorenprogramme, eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Universitäten im Rahmen studentischer Elektiva sowie die weitere Digitalisierung der curricularen Ausbildung sollen die Attraktivität der DGI-Fortbildung erhalten und ausbauen, betonte der Fortbildungsreferent der DGI, Prof. Dr. Florian Beuer MME, Berlin, auf der Pressekonferenz des Kongresses. Ergänzend zum Masterstudiengang „Orale Implantologie und Parodontologie“ von DGI und Steinbeis-Hochschule kooperiert die DGI inzwischen auch mit der Goethe-Universität Frankfurt bei einem internationalen Masterstudiengang (MOI). Die zunehmende Internationalisierung ist für die DGI und ihren Kongress wichtig, um durch internationalen Austausch und Kooperation das Fachgebiet insgesamt weiterzuentwickeln.

Der 31. Kongress der DGI wird vom 30.11.2017 bis 02.12.2017 in Düsseldorf stattfinden.


(Stand: 10.03.2017)

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