Mehr Freiheit bedeutet mehr Verantwortung

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Sie haben für das Kongress-Motto eine Frage gewählt: Implantologie für Alle? Welche Antworten wird es darauf beim Kongress geben?

Wir erleben gerade in der Implantologie einen Wandel: Erkrankungen oder andere Therapien, bei denen wir noch vor wenigen Jahren von Implantaten zumeist abrieten, sind heute keine absoluten Kontraindikationen mehr. Das ist die gute Nachricht. Doch angesichts der Fortschritte in der Medizin werden wir zunehmend Menschen behandeln, bei denen Risikofaktoren beachtet und abgewogen werden müssen. Dies betrifft etwa ein Drittel der Patienten, bei denen implantatgetragener Zahnersatz prinzipiell möglich wäre. Wir müssen darum die Implantattherapie personalisieren und sie an die individuellen gesundheitlichen Gegebenheiten eines Patienten anpassen.

 

Wie schlägt sich das konkret im Programm nieder?

Im Programm haben wir natürlich die klassischen Themen unseres Faches abgebildet, wobei kompromittierte Patienten und Risikopatienten im Fokus stehen. Darüber hinaus werden wir das Thema Ästhetik aufgreifen, mit Hinblick auf Patienten die aufgrund der Sichtbarkeit ihrer Restauration eine ganz besondere Zuwendung benötigen. Ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Alterszahnheilkunde. Es steht unter den Schlagworten „zahnlos – Demenz – Heim“. Es geht hier nicht um die krankheitsbedingten, sondern die altersbedingten Veränderungen.

 

Gibt es in der Implantologie überhaupt noch harte Kontraindikationen?

Es gibt immer wieder Fälle, bei denen man von einer Implantation abraten muss. Wenn beispielsweise eine Antiresorptiva-assoziierte Kiefernekrose ausgeheilt ist und danach eine Indikation bestünde, würde man sicherlich nicht dort implantieren, wo die Kiefernekrose stattgefunden hat. Wir müssen in solchen Fällen mehr nachdenken. Wir können nicht mehr Freiheit haben ohne mehr Verantwortung auf uns zu nehmen.

Bei einem schlecht eingestellten Diabetiker kann eine Nachfrage beim Internisten hilfreich sein. Wenn dieser erklärt, dass die Werte schlecht sind, weil der Patient sich an keine Therapieempfehlungen hält, dann ist diese Aussage für eine Implantattherapie eine schwerwiegende Indikationseinschränkung.

 

Bei diesem Kongress geht es nicht nur um Implantologie, sondern auch um Kunst. Was ist da geplant?

Wir haben einen besonderen Vortrag eingeplant, gehalten von Professor Schmelzeisen aus Freiburg mit dem Titel „Krieg – Implantat – Kunst“. Professor Schmelzeisen ist neben seiner Tätigkeit als Lehrstuhlinhaber, MKG-Chirurg und Implantologe nämlich auch ein Künstler. Dies hat mich bewogen, ihn in dieser Doppelfunktion – als Arzt und als Künstler – mit einzubinden und seine Luxart, seine Lichtkunst, im Rahmen des Kongresses zu präsentieren. Professor Schmelzeisen schafft es natürlich auf eine ganz ungewöhnliche Weise Medizin mit Kunst zu verbinden.

 

Der Kongress findet im neuen Kongresszentrum in Wiesbaden statt. Was ist daran besonders?

Unser Kongress wird der erste im neuen großen Kongresszentrum in Wiesbaden sein, das an derselben Stelle steht wie das alte, in bester Innenstadtlage im Herzen der Stadt. Dennoch ist es vom Flughafen Frankfurt aus nicht weiter entfernt als die Frankfurter Innenstadt und es liegt fußläufig entfernt vom Wiesbadener Hauptbahnhof. Wer mit dem Auto kommt, findet unter dem Kongresszentrum eine Tiefgarage mit 800 Plätzen. Mit seinem modernen Design und den technischen Möglichkeiten, bietet das Zentrum alles, was wir brauchen.

 

Warum sollte man diesen Kongress nicht versäumen?

Natürlich gibt es bei jedem Kongress Neuigkeiten, neue wissenschaftliche Erkenntnisse, neue Leitlinien, neue Handlungsempfehlungen. Aber die geballte Vielfalt an Neuerungen, die wir selbst als wissenschaftliche Hinterlegung erarbeitet haben sowie die Neuigkeiten, die es durch die zunehmend intensiver werdende Vernetztheit unseres Fachs mit anderen Fächern gibt, ist sicherlich eine gute Motivation, nach Wiesbaden zu kommen.

Das Interview führte Barbara Ritzert, Pöcking

 

 

 


(Stand: 05.03.2018)

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