ZZI vor Ort

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Um in der täglichen Praxis konstant gute ästhetische Endergebnisse zu erreichen, ist ein Behandlungskonzept unabdingbar. Wie sich dieses im Zusammenspiel von Praxis und Labor entwickeln und umsetzen lässt, demonstrierten Dr. Martin Gollner und ZTM Stefan Picha in einem Kurs in Bayreuth, der Ende letzten Jahres erstmals im Continuum angeboten wurde.

Das Ziel der Kooperation von Zahnarzt und Zahntechniker beschrieb Dr Gollner so: es gelte, ein auf den Patienten und dessen Belange abgestimmtes individuelles Behandlungsoptimum zu erreichen. Die Rehabilitation erfordere vom Behandler dabei die Einbeziehung aller zahnmedizinischen Disziplinen: neben der systematischen PA-Therapie gehören dazu die Kieferorthopädie, die Endodontie und die konservierende Zahnheilkunde.

Patienten wünschen sich Stabilität und Langlebigkeit ihres Zahnersatzes, eine unsichtbare Rekonstruktion und vor allem ein harmonisches Lächeln. Um diese Wünsche zu erfüllen, ist es wichtig, das Hart- und Weichgewebe zu beurteilen sowie das Implantatdesign, die Implantatposition und das Material der späteren Restauration festzulegen. Bei komplexen Rekonstruktionen stehen bei den Patienten die Kaufunktion, die Sprache, die Hygienefähigkeit und die Stabilität im Vordergrund. Das Behandlungsteam muss dann den Fokus legen auf ein entsprechendes intraorales Platzangebot sowie auf die Implantatpositionen, die Funktion, die Artikulation, die Lachlinie und die Okklusion.

Wichtig für den langfristigen Erfolg einer Implantatbehandlung sei eine absolut stabile Weichgewebedicke (Emergenzprofil) betonte Dr. Gollner. Bei einem dünnen Biotyp könne daher bereits präimplantologisch eine Weichgewebsverdickung nötig sein. Zur Ausformung des Weichgewebes nach der Implantatfreilegung empfiehlt der Referent okklusal verschraubte individuelle Gingivaformer bzw. okklusal verschraubte Übergangsrestaurationen an. „Hierdurch erhält der Behandler nicht nur wertvolle Informationen über das Kauverhalten, die Okklusionsebene oder den bukkalen Korridor, sondern es bildet sich auch eine stabile Weichgewebsgirlande um den Implantathals aus“, erläuterte Dr. Gollner.

Dieses Emergenzprofil wird vor der definitiven Rekonstruktion mithilfe von individualisierten Abformpfosten direkt in das Labor auf das Meistermodell übertragen. Bei zementierten Versorgungen im Seiten- und Frontzahnbereich bieten sich individualisierte Abutments an. Vor allem im Seitenbereich sind individualisierte Titanabutments, designt nach der späteren Kronenform, eine wertvolle Unterstützung der vollkeramischen Rekonstruktion. „Unter vollkeramischer Versorgung verstehen wir Lithiumdisilikatkronen bzw. zirkonverblendete Kronen“, erklärte Dr. Gollner. Gefräste vollkeramische Kronen seien hingegen kritisch zu betrachten.

Bei der Ausgestaltung des Emergenzprofils hat der Zahntechniker zwei Möglichkeiten: Er kann das Gewebe pushen oder unterstützen. Um einen Druck auf das Gewebe zu erreichen, ist eine okklusal verschraubte Krone zu bevorzugen. Hierbei muss der Zahnarzt sicherstellen, dass ausreichend Weichgewebe zur Verfügung steht und eine optimale Implantatachse das Verschrauben zulässt.

Themen im Kurs waren auch die digitalen Schnittstellen und deren Stärken und noch vorhandene Schwächen – von der 3D-Planung der Implantatpositionierung mit entsprechender Bohrschablone über die digitale Abformung bis zu CAD/CAM- designten Provisorien und digitalen Abutments.

„Bei komplexen Rekonstruktionen helfen okklusal verschraubte Langzeitprovisorien sowohl dem Arzt als auch dem Patienten, die spätere Rekonstruktion kennenzulernen“, betonten die Referenten. Die Übergangsrestauration liefert dem Behandlungsteam wertvolle Informationen etwa über die Stellung der Zähne, die Lippenunterstützung, die Sprache. Der Patient kann sich in dieser Phase an die neue Kausituation gewöhnen und die Okklusion testen. Nach einer Tragezeit von drei bis sechs Monaten werden in der Bayreuther Praxis die Langzeitprovisorien entnommen und auf das Meistermodell montiert, um die eindeutige Funktion des Patienten in die definitive Versorgung zu übernehmen. Sämtliche Wünsche und Änderungen des Patienten können dabei jederzeit übernommen werden.

Praktische Übungen rundeten den Kurs ab: Mithilfe von Röntgenbildern, Studienmodellen und intraoralen Fotos konnten die Teilnehmer des Kurses interaktiv einen Patientenfall selber planen, der im Kurs diskutiert und bewertet wurde. Auch die entsprechende Endversorgung durch das Referententeam wurde diskutiert.

Redaktion ZZI

 

 

 


(Stand: 08.03.2018)

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