„Carpe diem: Nutze den Tag und dein Leben“

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Im Portrait: Dr. Dr. Anette Strunz, die neue Pressesprecherin der DGI

„Innenarchitektin, Psychiaterin, Managerin“ antwortet Dr. Dr. Anette Strunz auf die Frage, wer oder was sie hätte sein mögen. Dass sie das alles irgendwie auch geworden ist, verrät der zweite Teil ihrer Antwort im Fragebogen von Marcel Proust: „Das bin ich alles in meiner Praxis“, sagt die Berliner Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgin lachend. Ihre Einzelpraxis hat Anette Strunz vor drei Jahren eröffnet – und sich ihre Praxis entsprechend ihrer Vorstellungen „maßgeschneidert“. Ihr Faible für Architektur und Management war dabei ganz sicher sehr hilfreich.

Anette Strunz war zu diesem Zeitpunkt indes schon lange keine Berufsanfängerin mehr. Hinter ihr lagen elf Jahre Erfahrung als niedergelassene Fachärztin für MKG-Chirurgie in einer großen Praxisgemeinschaft. Sie wusste daher ganz genau, wie ihre Praxis aussehen sollte und hat ihre Vorstellungen auch umgesetzt, was durchaus „anstrengend, aufregend und sehr, sehr schlafmangelig war“, wie sie sagt. Was sie gelernt hat? „Alles verstehen zu wollen und alles zu hinterfragen und dann all die Dinge durchzusetzen, die mir wichtig sind.“

Eine Rarität. Dass sie beruflich gesehen eine „Rarität“ ist, daran hat sie sich schon lange gewöhnt. Frauen sind in der MKG-Chirurgie selten und niedergelassene MKG-Chirurginnen noch seltener. „Dass weniger Frauen die chirurgische Facharzt- und Fachzahnarztausbildung einschlagen, hat sicher einerseits etwas mit dem zeitlichen Aufwand zu tun. Es hat aber andererseits ebenso mit den fehlenden Vorbildern in der Chirurgie zu tun“, sagt Dr. Strunz. Dies können aber nur die Frauen selbst ändern – und das weiß die MKG-Chirurgin. Darum beendete sie ihre Vorstellung auf der Mitgliederversammlung der DGI beim 32. Kongress in Wiesbaden vor der Neuwahl des Vorstandes mit einem wichtigen Satz: „Es ist Zeit, dass neben den ,Vätern‘ der Implantologie auch einige ,Mütter‘ stehen.“

Als älteste von fünf Schwestern ist Anette Strunz es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen. Und sie hatte das beste Rollenmodell vor der Nase: eine arbeitende Mutter, die an der Seite ihres kieferchirurgisch tätigen Vaters eine Praxis für Allgemeinmedizin führt. Die Selbstständigkeit in der eigenen Praxis begreift sie als großen Freiraum: „Ich bin der Meinung, dass man als Chefin die Möglichkeit hat, viel mehr unter einen Hut zu bringen, als wenn man angestellt ist. Denn man kann alles selbst bestimmen.“ Wichtig sei nur, so Dr. Strunz weiter, „dass man eine klare Vorstellung davon hat, wie man als Chef oder Chefin sein möchte“. Und: Führen bedeute auch, als Vorbild authentisch und konsequent zu sein.

Ein Rollenmodell. Inzwischen ist Anette Strunz selbst Vorbild für ihre eigenen drei Kinder. Mit der Position als Pressereferentin und Pressesprecherin im Vorstand der DGI hat sie eine weitere Verantwortung übernommen. Diese ist umfangreicher, als die Bezeichnung verrät. Zum Aufgabengebiet gehört nicht nur der Bereich Kommunikation mit den Medien, sondern auch die vielfältige Kommunikationsarbeit der DGI nach innen und außen. Der Implantologie nicht unähnlich ist das Gebiet der Kommunikation ein Querschnittsfach, das viele Berührungspunkte zu anderen Aufgaben im DGI-Vorstand hat. An dieser Stelle ist Anette Strunz genau richtig. Im Kommunikationsbereich der DGI kann sie ihre Hauptcharakterzüge einbringen: Neues entdecken und ausprobieren, kreativ sein – und das Ganze mit hohem Anspruch und Flexibilität.

Jüngere und Frauen für Implantologie begeistern. „Ich möchte mit dem neuen Vorstand dafür sorgen, dass sich Jüngere und damit mehr Frauen für die Implantologie innerhalb der Zahnmedizin begeistern und ausbilden lassen“, beschreibt Anette Strunz einen Schwerpunkt ihrer Vorstandsarbeit. Hier gelte es – ergänzend zu den etablierten Angeboten – neue Formate zu finden und auszuprobieren, die jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte spezifisch ansprechen. „Ich möchte jungen Kolleginnen darüber hinaus zeigen und vorleben, dass es als Frau sehr gut möglich ist, eine implantologisch-chirurgische Ausrichtung zu haben und sich zusätzlich in einer Fachgesellschaft wie der DGI zu engagieren.“

Vom Vorteil, weiblich zu sein. In ihrem Praxisalltag erlebt die DGI-Pressesprecherin ihr Geschlecht keineswegs als hinderlich: „Für mich ist es sogar ein Vorteil, eine Frau zu sein und mich damit von anderen Praxen und Kollegen abzugrenzen.“ Als Frau habe man bei den Patienten doch eher den Ruf, vorsichtiger und einfühlsamer zu sein. „Und diesen Vorzug kann und sollte man dann durchaus ausspielen“, sagt Dr. Strunz, „aber man muss ihn natürlich auch bestätigen.“

Kommunikation als Thema der Fortbildung. Wie wichtig für Anette Strunz die wissenschaftsbasierte, fachliche Fortbildung ist, kann man an ihrem Lebenslauf ablesen: Sie hat das Curriculum der Implantologie gemacht, ein Curriculum Parodontologie und ein Curriculum Zahnärztliche Hypnose. Außerdem ist sie NLP-Practitioner und hat eine modulare Fortbildung in systemischer Praxisführung absolviert; dies hilft sehr im Praxisalltag mit dem Team und den Patienten. Aufgrund ihrer Überzeugung und ihrer Interessen möchte sie bei der DGI bewirken, dass neben den wichtigen fachlichen und technischen Fragestellungen in der Fortbildung ebenso die psychologischen und kommunikativen Aspekte stärker als bisher vermittelt werden. Dies sei, so Dr. Strunz, sowohl für den Umgang und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten als auch für die Kommunikation innerhalb des Praxisteams wichtig.

Ebenso kann sich die MKG-Chirurgin sehr gut vorstellen, dass auch das Wissen und Know-how über Praxis- und Mitarbeiterführung für Kollegen im Rahmen der DGI-Fortbildung stärker berücksichtigt werden könnte: „Schließlich sind dies Themen, die frisch approbierte Zahnärztinnen und Zahnärzte zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn oft sehr intensiv beschäftigen müssen.“ Hier kann Dr. Strunz ihre Erfahrungen aus Fortbildungen einbringen, die sie selbst in ihrer Praxis vor allem für jüngere Kolleginnen und Kollegen anbietet und dabei auch immer wieder mit neuen Formaten experimentiert.

Die Fortbildung der Team-Assistenz liegt Dr. Strunz ebenfalls am Herzen: „Eine qualitativ hochwertige Fortbildung und attraktive Veranstaltungen können den Beruf für unsere Mitarbeiterinnen attraktiver machen“, sagt sie und freut sich darum sehr über die DGI-Curricula für Zahnmedizinische Fachangestellte, bei denen auch der Umgang und die Kommunikation mit Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle spielen.

Für ihre neuen Herausforderungen ist Anette Strunz gut gerüstet: Ihre Lieblingsfarbe ist schließlich rot. Die Farbe steht für Aktivität, Dynamik, Temperament und Wärme. Sie erhöht den Energiepegel und die seelische Kraft. Dazu passt auch die Antwort der neuen Pressechefin der DGI auf die Proustsche Frage nach der gegenwärtigen Geistesverfassung: „Wach, konzentriert, zufrieden, voller Tatendrang und Ideen – nur etwas zeitmangelig.“ Zeitmangel? Der gehört bei DGI-Vorständen zur Arbeitsplatzbeschreibung.

Barbara Ritzert

Fotos: Peter Adamik

 

 

 


(Stand: 27.02.2019)

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1. Ausgabe (September 2019)
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