Implantat-Datenbank

Der DGI-Vorstand sieht einen geringen Aufwand, aber großen Nutzen.

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Schlüsselwörter: DGI Dr. Sebastian Schmidinger Implantat-Datenbank Medizinprodukte-Verordnung

 

Warum ist es sinnvoll, eine zentrale Datenbank für Implantate einzurichten?

Dafür gibt es mehrere Gründe. Ich selbst habe schon früh in den 1970er-Jahren begonnen, meine Behandlungen zu dokumentieren. Denn nur so kann ich nachvollziehen, ob das Ergebnis bei einem bestimmten Vorgehen für den Patienten vorteilhafter ist oder nicht. Diese Selbstkontrolle hilft mir, meine Arbeit zu verbessern.

Wenn man darüber hinaus die eigenen Daten mit jenen von Kolleginnen und Kollegen vergleicht, gibt dies natürlich sehr viel bessere Hinweise, welche Konzepte funktionieren. Wir alle haben unsere Fehlerquoten und es ist wichtig, damit ehrlich umzugehen. Darum habe ich bei Kolleginnen und Kollegen immer dafür geworben, dass wir unsere Behandlung standardisiert dokumentieren.

Der Vorstand der DGI folgt nun Ihrem Vorschlag und hat eine AG gegründet um diese Datenbank zu etablieren. Wie soll diese konkret umgesetzt werden?

Erfasst werden sollen in dieser Datenbank anonymisierte Patientendaten, die über die eigentliche Therapie hinaus auch die langfristige Betreuung der Implantatpatienten umfassen. Dafür steht ein Programm schon seit vielen Jahren zur Verfügung, das bereits in mehreren hundert Praxen genutzt wird.

Wie umfangreich die Dokumentation ist, lässt sich flexibel festlegen, es gibt mehrere Stufen. Wichtig ist auch zu wissen, dass die Daten von geschulten Assistentinnen eingegeben werden können. Der Aufwand ist gering, aber der Nutzen ist groß. Denn diese Daten können wissenschaftlich ausgewertet werden. Anders als klinische Studien, die stets unter besonderen Bedingungen und mit ausgewählten Patienten stattfinden, bilden solche Daten die Behandlungsrealität in den Praxen und Kliniken ab.

Aus diesem kontinuierlich wachsenden Datenpool lassen sich auch neue Impulse für die Behandlung und Betreuung der Patienten ableiten. Ebenso kann der Langzeiterfolg von Implantaten auch gegenüber den privaten Kostenträgern dadurch noch einmal belegt werden.

Welche Rolle spielen bei diesem Vorhaben auch die neue Medizinprodukte-Verordnung und nicht zuletzt das Implantatregister, das der Bundestag unlängst auf den Weg gebracht hat?

Durch die neue Medizinprodukte-Verordnung werden die Anforderungen an eine Zulassung und zukünftige Rezertifizierungen von Implantaten deutlich verschärft. Eine qualitativ hochwertige klinische Dokumentation hängt dann nicht mehr nur vom guten Willen des Herstellers ab. Denn wir wissen, dass die CE-Zertifizierung nichts über die klinische Wahrheit aussagt. Die Hersteller werden also vermutlich ein großes Interesse daran haben, mit der DGI bei der Etablierung einer solchen Datenbank zu kooperieren.

Angesichts der steigenden Implanta­tionszahlen ist es darüber hinaus wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis Zahn­implantate auch in das gesetzliche Implantatregister aufgenommen werden. Uns ist es generell wichtig, dass wir in diese Entwicklungen eingebunden sind und die Standards bestimmen.

Müssen Ihre Kolleginnen und Kollegen dadurch noch mehr bürokratischen Aufwand fürchten?

Sicherlich nicht. In der zentralen Datenbank sollen nur wenige Daten erhoben werden. Es muss so einfach wie möglich sein. Wir wollen dies auch verknüpfen mit einem elektronischen Implantatpass für Patienten. Dann hat auch der Patient diese Informationen parat.


(Stand: 03.03.2020)

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