„Ein großer Player“

Prof. Dr. Dr. Peter Tetsch erhält Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille

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Schlüsselwörter: DGI Jahrestagung 2021 DGI Jahrestagung Wiesbaden Deutschen Gesellschaft für Implantologie Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille Prof. Dr. Dr. Peter Tetsch

Die Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille wurde auf dem Deutschen Implantologentag erstmals verliehen. Mit ihr zeichnete die DGI Prof. Dr. Dr. Peter Tetsch (Münster) aus. Die nachfolgend abgedruckte Laudatio hielt das DGI-Ehrenmitglied Prof. Dr. Dr. Volker Strunz (Berlin).

„Der heute zu Ehrende war ein großer Player, einer von der Sorte, die eine aufstrebende junge Fußballmannschaft voranbringen.

Er übernahm mit dem AK Implantologie in der DGZMK 1984 einen damals drittklassigen und nahezu unbekannten Verein, den er reformierte. Und mit dem er noch im selben Jahr, 1984, den finanziell waghalsigen ersten Auftritt in einem großen Stadion wagte, nämlich im Arabella-Hotel in München – ohne jegliche finanzielle Absicherung der Saalmiete und aller weiteren riesigen Kosten, die so ein Kongress verursacht. Peter Tetsch ging also ein wirklich erhebliches persönliches Risiko wegen der ungewissen Teilnehmerzahl ein.

Peter Tetsch war in diesem kleinen Verein ein drangvoller und energiegeladener Stürmer, ein flinker Mittelfeldspieler, der das Spiel wie ein Libero mit viel Übersicht dirigierte. Aber er war auch ein schneller und kluger Läufer, der rechtzeitig und gerne abgab, anderen ihre Chancen zuspielte, z.B. auch mir, wenn ich das erwähnen darf.

Nach dem Kongress in München ernannte er mich zum 2. Vorsitzenden und übertrug mir die Organisation der 2. Jahrestagung 1985 in Berlin, mit den nie vergessenen Worten: ‚Herr Strunz, den nächsten Kongress machen wir in Berlin, und Sie übernehmen die Organisation.‘ So nahm er mich mit ins Boot und gab 1989 in Hamburg auch leichten Herzens den 1. Vorsitz an mich ab.

Peter Tetsch ist ein Mensch, der nicht nur Stürmer und Libero war, sondern gleichzeitig auch Trainer, der als Novum in Deutschland die Implantologie in den Vorlesungsplan aufnahm, der viele Studenten und Assistenten ausbildete, der als gefragter Referent unzählige implantologische Fortbildungskurse abhielt, der die Jahrestagungen mit stetig steigender Teilnehmerzahl in München, zweimal in Berlin, in Mainz, in Düsseldorf und in Hamburg als 1. Vorsitzender leitete, für die wir gemeinsam Tagungsthema und Referenten aussuchten, und der 1985 mit Weitsicht z.B. die international stark beachtete DFG-Studie,Verlaufskontrolle und Weiterentwicklung zahnärztlicher Implantate‘ der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit deren erheblicher finanzieller Unterstützung initiierte und zum Laufen brachte. An dieser waren fünf Universitäten – Aachen, Berlin, Düsseldorf, Mainz und Tübingen – beteiligt und damit die Studie breit gefächert. Zitat aus dem Bewilligungsschreiben der DFG vom 29.11.1985: ‚Die Prüfungsgruppe hält dieses Schwerpunktprogramm, auch im internationalen Vergleich, für äußerst wertvoll und einmalig. Es werde im internationalen Forum von hohem Wert sein und zur Erzielung von Aussagen über Langzeitergebnisse von Implantaten für die praktische Zahnmedizin wesentliche klinische Erkenntnisse erwarten lassen.‘

Peter Tetsch interessierte sich für alle Neuerungen, der mit unendlich viel Fleiß als warmherziger und bei Assistenten und Studenten äußerst beliebter Klinikchef in Mainz viele Doktoranden betreute und sogar die ZZI, die Zeitschrift für Zahnärztliche Implantologie inklusive seiner Schriftleitung damals noch im Carl Hanser Verlag aus der Taufe hob. Er hat mehrere implantologische Fachbücher veröffentlicht und auch hier als Mentor etliche Assistenten als Mitherausgeber beteiligt.

Und das alles geschah in dem damaligen zahnärztlichen Rotlichtmilieu, wie es erstmals Professor Wilfried Wagner titulierte, übrigens auch sein Schüler, über den er zu mir in Mainz einmal sagte: ‚Ein guter Mann. Aus dem wird mal was!‘

Ja, Rotlichtmilieu – ich erinnere daran, dass die Implantologie von unseren eigenen Chefs in den 70er- und 80er-Jahren an den Universitäten mit größter Skepsis verfolgt wurde, denn diese Dinger verletzten die sogenannte ektodermale Integrität. Damals geisterten noch die Blatt- und Gerüstimplantate durch die zahnärztliche Chirurgie, und wer erinnert sich von uns Älteren nicht an die schweren Gewebeschäden durch diese oftmals weit ausladenden physiologisch inakzeptablen Fremdkörper!

Aber der Siegeszug der Implantologie war nicht aufzuhalten. Heute hat jeder Klinikchef auf seinem Briefbogen bei der Auflistung seiner Sondersprechstunden mit Sicherheit auch die Implantologie dabei. Und manche Kieferchirurgische Praxis oder Praxis für Zahnärztliche Chirurgie wäre ohne die Implantologie wirtschaftlich bei Weitem nicht so gut aufgestellt, die Dental-Industrie wäre ebenfalls ärmer und manchen Arbeitsplatz gäbe es nicht!

Statt Fußballschuhen trug unser Stürmer und Trainer stets Clogs, meistens ganz unkonventionell einen blauen Pullover und mied gerne Krawatten.

Aus dem kleinen drittklassigen Verein, dem Arbeitskreis Implantologie mit stark gestiegener Mitgliederzahl, wurde dann aufgrund meines Antrags bei der DGZMK im Jahr 1989 die Arbeitsgemeinschaft Implantologie. Diese war nun schon ein Zweitligist und bewegte sich immerhin mit solch etablierten Arbeitsgemeinschaften wie der für Kieferchirurgie auf Augenhöhe, wenn es um das scheinbar kleine Thema rund um die Dübel ging.

Schließlich folgte mit Gründung der DGI als gemeinnützigem, eigenständigem Verein der Aufstieg in die zahnärztliche Bundesliga. In diesem Kontext sei an die großen Verdienste unseres ebenfalls unvergessenen Freundes und meines Nachfolgers Hubertus Spiekermann um die Fusion der AG Implantologie mit der GOI (Gesellschaft für Orale Implantologie) erinnert.

Mit über 8500 Mitgliedern würde ich die DGI heute sogar in die Champions League einordnen, und ich bin sicher, sie kann europaweit mit Liberos von der Qualität eines Peter Tetsch den Pokal immer wieder gewinnen. Diese Entwicklung haben wir dem heute zu Ehrenden zu verdanken, der bereits Ehrenmitglied der DGI ist.

Für seine Leistung bekommt er heute zwar nicht den Championspokal, aber es ist mir persönlich als sein langjähriger Kollege, Freund und Weggefährte eine große Freude und Ehre, dass wir Prof. Dr. Dr. Peter Tetsch gleich mit Ihrem Applaus die erstmals zu verleihende Karl-Ludwig-Ackermann-Medaille überreichen dürfen!

Lieber Peter, zum Schluss noch auf ein persönliches Wort: Karl-Ludwig Ackermann, der uns leider viel zu früh verlassen hat, war ein von Dir, wie Du im Dienstzeugnis vom 1. September 1980 über ihn schreibst, ‚sehr geschätzter, engagierter, einsatzfreudiger und verlässlicher Assistent‘. Und in Deinem Dienstzeugnis steht weiter: ,Er war bei allen Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen beliebt‘. Heute müsste es natürlich ‚Mitarbeiter*innen und Patient*innen‘ heißen!

Karl-Ludwig Ackermann war Assistentensprecher der Poliklinik für zahnärztliche Chirurgie und darüber hinaus sogar Sprecher der Assistentenschaft der Gesamtklinik. Das spricht für größte Loyalität und Beliebtheit in der Kollegenschaft!

Lieber Peter, ich gratuliere Dir von Herzen zu der heutigen Auszeichnung, mit der sich für Dich ein Kreis schließt. Ich danke Dir für Deine langjährige Freundschaft, und wir alle hier im Saal danken Dir für Deine unermüdliche und segensreiche Arbeit für die Implantologie!“


(Stand: 01.03.2022)

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