Alignertherapie

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Schlüsselwörter: Alignertherapie Kieferorthopädie Sandra Tai

Empfehlenswertes Lehrbuch zum Einstieg und zur Vertiefung klinischer Kenntnisse

Im Sinne einer Gesamtplanung wird die kieferorthopädische Befundung und Diagnostik auch bei der prothetischen Planung immer wichtiger. Das Lehrbuch von Dr. Sandra Tai kann den Einstieg erleichtern oder bestehende klinische Kenntnisse vertiefen.

Ich möchte die Autorin kurz vorstellen: Dr. Sandra Tai, ihres Zeichens Kieferorthopädin in British Columbia (Kanada), ist tätig in eigener Praxis und lehrt zusätzlich an der dortigen Universität. Sie ist unglaublich erfahren in der Anwendung der Alignertherapie und hat nun dieses Lehrbuch verfasst, das 2019 im Quintessenz-Verlag auf Deutsch erschienen ist.

Die Digitalisierung hat die Alignertherapie erst massentauglich gemacht. Die Planung nach ästhetischen und funktionellen Gesichtspunkten war mir schon aus der Prothetik bekannt und hat natürlich viele Parallelen bei der Erstellung eines kieferorthopädischen Behandlungsplans. Was mir jedoch fehlte, war ein Verständnis für die Mechanik der Zahnregulierung. Deshalb habe ich dieses Lehrbuch mit großer Neugier gelesen.

Es ist in zwei Teile aufgeteilt: Der allgemeine Teil beschäftigt sich mit den Grundsätzen der Kieferorthopädie und ein spezieller Teil mit der Therapie von den am häufigsten auftretenden Fehlstellungen. Dennoch muss man sich seine Informationen teilweise „zusammensuchen“.

Der Vergleich zwischen Multibracketappartur und Aligner geht weit über die ästhetischen Unterschiede hinaus und bringt die vielen Vorteile auf den Punkt. Das Lehrbuch gibt konkrete Entscheidungshilfen für die Alignertherapie und eine Einordnung nach Schwergrad, die für den Anfänger in einfachen Organigrammen dargestellt sind.

Konkrete Handlungsempfehlungen zur Kontrolle der PC-gestützten Simulation des Behandlungsziels geben dem Anwender eine Checkliste an die Hand, die für jeden Fall abgearbeitet werden kann. Auch gibt es Anweisungen für die Verlaufskontrollen der Behandlung. Darüber hinaus werden häufig auftretende Fehler und Komplikationen besprochen. Die Aufzählung lässt erahnen, wie viel Erfahrung die Autorin hat – und sie lässt den Lernwilligen partizipieren. Toll!

Die Autorin zieht auch Parallelen zwischen der Alignertherapie und dem „backward planning“ in der Implantologie. Denn mit der Simulation des Behandlungsziels hat der Behandler erstmals das Ziel bereits vor Beginn der Therapie visualisiert. Dr. Sandra Tai nennt die Vorabsimulation mittels der Software ein „virtuelles diagnostisches Setup“.

Das kieferorthopädische Setup kam mir noch aus dem Studium bekannt vor. Immer wenn ich einen Kieferorthopäden darum gebeten hatte, winkte der ab, mit der Begründung: „Zu aufwendig, macht keiner mehr.“ In der analogen Welt, ja! Doch in der digitalen geht nichts mehr ohne! Und damit schlägt die Autorin auch den Bogen in die interdisziplinäre Therapie und Relevanz für diese Patienten.

Konkret hat mich natürlich die präprothetische bzw. präimplantologische Relevanz interessiert: zum Beispiel die Lückenöffnung für Implantate, Korrektur der Wurzelangulation vor Implantation, Extrusion zur Wiederherstellung des ferrules vor Überkronung und die Regeneration im parodontal geschädigten Gebiss. Allerdings werden diese genannten Aspekte nur angeschnitten. Der Schwerpunkt liegt ganz klar auf der Erörterung der Alignertechnik zur primär kieferorthopädischen Rehabilitation und deren Möglichkeiten.

Durch die redundante Darstellung von PC-gestützten Simulationen erscheint das Lehrbuch manchmal eintönig. Möchte man aber ein bestimmtes Leitsymptom nachlesen, etwa weil sich gerade ein Patient damit vorstellt, kann man gezielt auf das entsprechende Kapitel zugreifen. Alles in allem: empfehlenswert.

Sandra Tai: 1. Auflage 2019,

Quintessenz Publishing Deutschland,

Hardcover, 21,6 x 28 cm, 320 Seiten, 1344 Abbildungen,

ISBN 978–3–86867–478–1,

178,00 Euro


(Stand: 02.03.2022)

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