Die Versorgung geistig behinderter Patienten mit Implantaten. Vorstellung einer prospektiven Studie

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ZZI 02/1998, 96-101

Die Versorgung geistig behinderter Patienten mit Implantaten
Vorstellung einer prospektiven Studie

Grieß M, Reitmann B, Chanavaz M

Zusammenfassung:
Die zahnmedizinische Versorgung behinderter Patienten und im besonderen die der geistig Behinderten war lange Zeit nur auf das Notwendigste beschränkt. Die Therapie der Wahl war die Extraktion, weil eine Zahnerhaltung nicht sinnvoll erschien und die Patienten keine suffiziente Mundhygiene durchführten. Neuere Studien belegen, daß auch bei dieser Patientengruppe der Zahnerhalt und umfangreiche prothetische Arbeiten langfristig erfolgreich sein können. In einer prospektiven Studie soll die Verweildauer von Implantaten bei geistig Behinderten untersucht werden. In die Auswahl kommen geistig Behinderte gemäß den Definitionen F70ff. der Internationalen statistischen Klassifizierung der Krankheiten Nr.10. Sie erhalten je nach Notwendigkeit 2 bis 4 Implantate pro Kiefer. Untersucht werden soll die Erfolgswahrscheinlichkeit der Implantate und die Verweilwahrscheinlichkeit der Prothesen nach Kaplan und Meier. Kriterien für einen Erfolg sind: Das Implantat bzw. die Prothese ist in situ und zusätzlich besteht für die Implantate ein Knochenabbau von weniger als 4 mm. Eine Wahrscheinlichkeit von 85% nach 5 Jahren und 80% nach 10 Jahren soll als ausreichend angesehen werden. Die Arbeitshypothese ist, daß diese Werte erreicht werden können. Als flankierende Maßnahmen soll eine Aufklärung des Pflegepersonals und der Behinderten selbst stattfinden. Bisher wurden 9 Patienten mit 38 Implantaten in die Studie aufgenommen. Insgesamt wurden 10 Prothesen und 2 Brücken eingesetzt. 4 Implantate gingen verloren, wobei in zwei Fällen erfolgreich nachimplantiert wurde. Die Erfolgswahrscheinlichkeit lag nach 2, Jahren bei 87% für die Implantate und bei 100% für die Prothesen. Die psychologische Situation der Patienten verbesserte sich im subjektiven Eindruck der Betreuer erheblich.
 

 

Summary:
For a long time the dental treatment of mentally handicapped patients was inadequate in terms of preservation of teeth. The treatment modality of choice was the extraction of teeth as it seemed not to be useful to carry out conservative treatment because of the lack of oral hygiene. Recent studies showed the success of complex dental treatment e.g. prosthodontic rehabilitation in these patients. This prospective study intends to ascertain the survival of implants in a group of mentally handicapped patients. The patients primary inclusion criterion is a handicap according to chapter F of the International Statistical Classification of Diseases No. 10 of the WHO (No. F 70 ff.). The treatment of choice will be the insertion of two or four implants. The statistical analysis will be carried out according to Kaplan and Meier. The criteria of success according to Smith and Zarb who rated 85% survival after 5 years and 80% survival after 10 years as a successful implant system. The working hypothesis is that these rates can be achieved with implants in mentally retarded patients. The nursing staff will he additionally instructed in the maintenance of the implants and overdentures. Until now 9 patients have been treated with 38 implants. Four implants were lost during the healing period. The implants supported 2 bridges and 10 overdentures. The survival rate according to Kaplan and Meier after two years was 87% for the implants and 100% for the overdentures. The patient's psychic make-up improved after incorporation of the overdentures.


(Stand: 01.02.1998)

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