Internationales Osteology Symposium vom 14. bis 16. April in Cannes

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C. K. Müller

Unter dem Motto „Möglichkeiten und Grenzen regenerativer Therapien“ lockte das Internationale Osteology Symposium vom 14. bis 16. April insgesamt rund 3 000 Zahnärztinnen und Zahnärzte aus über 75 Ländern nach Cannes. Im Rahmen des Vorkongresses am Donnerstag hatten die Teilnehmer die Möglichkeit zwischen 24 verschiedenen Workshops zu wählen, um hier in „Hands-on-Kursen“ die verschiedenen Techniken des Hart- und Weichgewebemanagements in praxi zu erlernen. Für den Hauptkongress am Freitag und Samstag konnten insgesamt 85 renommierte Referenten für die Plenarsitzungen und das „Fokussierte Programm“, welches in einem kleineren Saal stattfand und ins Foyer übertragen wurde, gewonnen werden.

Gesteuerte
Knochenregeneration

Der erste Tag des Hauptkongresses stand ganz im Zeichen der gesteuerten Knochenregeneration (GBR). Zunächst erhielten die Zuhörer einen umfassenden Überblick über die derzeit verfügbaren Materialien für die Indikationsbereiche Barrieremembran und Knochenersatzmaterial. Dabei herrschte bei den Referenten Konsens, dass Kollagenmembranen die derzeit beste Eignung für die GBR besitzen und die Bedeutung der Knochenersatzmaterialien insbesondere in der Resorptionsprotektion autologen Knochens sowie der Reduktion der Spenderstellenmorbidität liegt.

Verschiedene Indikationsgebiete der GBR wurden vorgestellt. Prof. Dr. Mauricio Araujo (Brasilien) stellte in seinem Vortrag detailliert die Alterationen des Alveolarfortsatzes nach der Zahnextraktion dar und verwies auf die Notwendigkeit einer Socket/Ridge Preservation, um ein entsprechendes adäquates Knochenangebot zu erhalten und weitere augmentative Eingriffe vor der Implantation zu vermeiden.

Die verschiedenen Konzepte des Timings von Zahnextraktion und Implantation wurden mit ihren Vor- und Nachteilen sowie den Kriterien für die entsprechende Patientenselektion von Prof. Dr. Stephen Chen (Australien) dargestellt.

Neben den bereits evidenzbasierten und klinisch praktizierten Verfahren wurden von Dr. Isabella Rocchietta (Italien) neue Perspektiven der Knochenregeneration durch Einsatz von Wachstumsfaktoren und „Tissue Engineering“ aufgezeigt.

Den Abschluss dieses Themenkomplexes bildete ein Referat von Prof. Dr. Jürgen Becker (Deutschland), in dem er eingehend mögliche Komplikationen, wie Dehiszenzen (geringgradig – keine Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention vs. groß – Notwendigkeit einer chirurgischen Intervention und ggf. systemischen Antibiose), Membrandislokation sowie unzureichenden Knochengewinn darlegte sowie mögliche Prädiktoren herausarbeitete. In der über den gesamten Tag parallel laufenden fokussierten Sitzung wurde der Einsatz von GTR-Techniken in der Parodontalchirurgie diskutiert. Patienten- (z. B. Nikotinabusus), defekt- (z. B. Restentzündung) und therapiebezogene (Lappendesign und Nahtechnik) Einflussfaktoren auf das Endergebnis wurden herausgearbeitet, um in Zukunft durch eine verbesserte Patientenselektion auch bei der regenerativen Therapie von intraossären und Klasse II Furkationsdefekten prädiktablere Ergebnisse zu erreichen.

Abschließend wurde von Prof. Dr. Anton Sculean (Schweiz) vor dem biologischen Hintergrund der Vorgänge der Parodontalheilung ein Schema für die Selektion der Patienten für verschiedene therapeutische Strategien wie Membrananwendung und Applikation von Wachstumsfaktoren vorgestellt. Schwerpunkt einer weiteren fokussierten Sitzung bildeten periimplantäre Erkrankungen. Einleitend wurde von Prof. Dr. Tord Berglundh (Schweden) die Ätiologie der Periimplantitis im Vergleich zur Parodontitis dargestellt. Auf mögliche materialtechnische sowie patientenbezogene Prädiktoren einer periimplantären Entzündung wurde eingegangen.

Prof. Dr. Giovanni Salvi (Schweiz) erörterte die Prävalenz sowie mögliche Ursachen periimplantärer Entzündungen. Darüber hinaus wurden wesentliche diagnostische Tools vorgestellt. In Bezug auf die Behandlung periimplantärer entzündlicher Läsionen konnte festgestellt werden, dass die Mukositis sehr gut auf konservative Behandlung anspricht, die manifeste Periimplantitis im Gegensatz dazu nur einer chirurgisch resektiven bzw. regenerativen Therapie zugänglich ist. In der Osteology Research Session wurden erste Ergebnisse einer randomisiert kontrollierten klinischen Studie zur Bedeutung von bovinem Knochenersatzmaterial und Kollagenmembranen für den Volumenerhalt eines autologen Knochenblockes vorgestellt. Dabei wurde herausgearbeitet, dass die Resorption des Blockes durch Zufügen von Ersatzmaterial signifikant reduziert werden kann, jedoch simultan dazu auch die Rate an Komplikationen zunimmt. Darüber hinaus wurden verschiedene, meist präklinische Ansätze zur Verbesserung der Knochenregeneration durch Einsatz quervernetzter Membranen, Applikation von Wachstumsfaktoren wie Bone Morphogenic Protein (BMP) 2 oder Hormonen, wie Teriparatid vorgestellt.

Weichgewebemanagement

Der zweite Kongresstag stand ganz im Zeichen des Weichgewebemanagements. Im ersten Vortragsblock erfolgte der Fokus auf die Rezessionsdeckung im Bereich natürlicher Zähne. Zunächst wurden von Prof. Dr. Philippe Bouchard (Frankreich) Parameter zur Beurteilung des Outcomes nach Rezessionsdeckung vorgestellt und Implikationen für die Patientenselektion für die verschiedenen therapeutischen Strategien gegeben. Des Weiteren wurden die Resultate nach Gingivaaugmentation mittels FST und mittels regenerativer Biomaterialien vergleichend gegenübergestellt.

In einem weiteren Vortrag stellte Prof. Dr. Giovanni Zucchelli (Italien) Risikofaktoren und Prädiktoren für Komplikationen bei der Rezessionsdeckung dar. Techniken zur erfolgreichen Therapie in komplizierten Fällen wurden vorgestellt. Der zweite Vortragsblock erörterte das Weichgewebemanagement im Bereich dentaler Implantate. Zunächst wurden die minimalen Anforderungen an die Breite der fixierten, keratinisierten Gingiva sowie die notwendige Mindestdicke diskutiert. Dabei konnte herausgestellt werden, dass aktuell keine fundierte Evidenz für eine Mindestbreite aus funktioneller Sicht besteht, aus ästhetischen Gründen jedoch die Augmentation durchgeführt werden sollte. Mögliche Komplikationen bei der mukogingivalen Chirurgie sowie Vermeidungsstrategien wurden diskutiert. Zukünftige Alternativen zum autologen „Goldstandard“, dem FST oder freien Bindegewebetransplantat, wurden diskutiert, wobei insbesondere Biomaterialien als interessante neue Alternative vorgestellt wurden.

In der parallelen fokussierten Sitzung wurden die Themen Sinuslift unter besonderer Berücksichtigung von Materialien und Komplikationen sowie komplexe Fälle behandelt.

C. K. Müller, Jena


(Stand: 03.06.2011)

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