Thema: Einteilige Implantatsysteme – Vor- und Nachteile

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Die implantatgestützte prothetische Versorgung von teilbezahnten und zahnlosen Patienten ist mittlerweile fester Bestandteil einer modernen zahnmedizinischen Behandlung. Diesbezüglich lassen sich unter dem Einsatz dentaler Implantate nicht selten festsitzende Brückenversorgungen vermeiden und herausnehmbare prothetische Versorgungen ausreichend stabilisieren, wodurch der dentalen Implantologie gewissermaßen ein präventiver Charakter zukommt. Es werden größtenteils zweiteilige Implantatsysteme verwendet, die nachgewiesenermaßen gute Voraussetzungen für eine schonende subgingivale, knöcherne Einheilung, ein suffizientes periimplantäres Weichgewebemanagement und die sich anschließende prothetische Versorgung bieten. Hierfür steht eine Vielzahl von Aufbauteilen, zum Beispiel Gingivaformer oder individuelle Abutments, zur Verfügung, mit denen auch bei komplexen Indikationen hervorragende Resultate erzielt werden können. Demgegenüber sind allerdings auch einteilige Implantatsysteme erhältlich, die insbesondere den Vorteil geringerer Materialkosten bieten sollen. Ein weiterer häufig angeführter Vorteil ist die fehlende Ankopplungsstelle zwischen Implantat und Abutment- bzw. Suprastruktur, d. h. das Fehlen eines Mikrospalts, wodurch sich eine geringere mikrobiologische Belastung der periimplantären Gewebe ergeben könnte. Dem stehen jedoch auch Nachteile gegenüber, zum Beispiel eine ungünstige Inklination nach erfolgter Implantation, eine nicht optimale Gestaltung des Emergenzprofils im Bereich des periimplantären Weichgewebes und das Erfordernis des intraoralen Beschleifens der Abutmentanteile. Darüber hinaus weisen einteilige Implantatsysteme im Hinblick auf die Anfertigung einer zukünftigen prothetischen Versorgung unter Einbeziehung bereits vorhandener einteiliger Implantate im Vergleich zu zweiteiligen Implantatsystemen strategische Nachteile auf. Diesbezüglich ist kritisch zu diskutieren, für welche Indikationsbereiche einteilige Implantatsysteme am besten geeignet sind.

 

n Zembic A., Johannesen L. H., Schou S., Malo P., Reichert T., Farella M., Hämmerle C. H. F.

Sofortversorgte einteilige Einzelzahnimplantate mit reduziertem Durchmesser: 1-Jahres-Ergebnisse einer multizentrischen Studie

 

Immediately restored one-piece single tooth implants with reduced diameter: one-year results of a multi-center study

 

Clin Oral Implants Res 2012;23:49–54. doi:10.1111/j.1600–0501.2011.02174.x. Epub 2011 Apr 19

 

Studientyp

Prospektive, multizentrische, klinische Studie

 

Patienten und Implantate

Insgesamt wurden 47 Patienten mit 57 einteiligen Implantaten zum Ersatz von Oberkieferschneidezähnen versorgt. Hierbei wurden die Implantate entweder im Rahmen einer Sofortimplantation oder zeitversetzt nach Zahnextraktion inseriert und mittels provisorischer Kunststoffkronen sofortversorgt. Dabei wurde der Abutmentbereich bei 19 % der Implantate nach Implantation präpariert. Die definitive Kronenversorgung erfolgte nach 1,9 bis 14,5 Monaten.

 

Zielkriterien

Es wurden unmittelbar nach Implantatinsertion, nach sechs und zwölf Monaten Röntgenaufnahmen zur Evaluation des marginalen Knochenniveaus angefertigt. Darüber hinaus wurden zusätzlich die Plaque-Akkumulation und die Blutung auf Sondierung überprüft.

 

Wesentliche Ergebnisse

Aufgrund des Verlusts eines Implantats betrug die 1-Jahres-Überlebensrate 98 %. Sowohl nach sechs als auch nach zwölf Monaten wurde ein statistisch signifikanter Knochenverlust im Vergleich zur Ausgangssituation festgestellt. Bei 18 % der Implantate betrug der marginale Knochenverlust mehr als 3 mm. Bei 83 % der Implantate ergab sich keine Blutung auf Sondierung und bei 15 % der Implantate wurde Plaquebelag festgestellt. Darüber hinaus wurden bei drei der provisorischen Kronen Frakturen und bei weiteren drei Kronen Retentionsverlust festgestellt.

 

Schlussfolgerung

Es ergab sich eine hohe 1-Jahres-Überlebensrate, wobei jedoch ein ausgeprägter periimplantärer Knochenverlust bei einigen Implantaten zu verzeichnen war.

 

Beurteilung

Obwohl im Rahmen dieser Untersuchung kein Vergleich unterschiedlicher Versuchsgruppen durchgeführt wurde, so liefert diese doch aufgrund des prospektiven und multizentrischen Charakters wertvolle Ergebnisse zur Versorgung von Einzelzahnlücken mit einteiligen Implantaten. Die Frage ob und inwieweit eine Präparation im Abutmentbereich der Implantate mit einem erhöhten marginalen Knochenverlust assoziiert ist, wurde jedoch bei dieser Untersuchung nicht beantwortet.

 

n Heijdenrijk K., Raghoebar G. M., Meijer H. J. A., Stegenga B., van der Reijden W. A.

Einfluss des Mikrospaltes bei zwei Implantatsystemen in einem nicht-gedeckten Einheilverfahren: Eine klinische 5-Jahres-Nachbeobachtung

 

Feasibility and Influence of the Microgap of two implants placed in a non-submerged procedure: a five-year follow-up clinical trial

 

J Periodontol 2006;77:1051–1060

 

Studientyp

Prospektive und randomisierte klinische Untersuchung.

 

Patienten und Implantate

Es nahmen 60 zahnlose Patienten an der Untersuchung teil. Hierbei wurden diese in drei Versuchsgruppen unterteilt, wobei 20 Patienten mit jeweils zwei zweiteiligen transgingival einheilenden Implantaten, 20 Patienten mit jeweils zwei subgingival einheilenden Implantaten und 20 Patienten mit jeweils zwei einteiligen Implantaten interforaminal versorgt wurden. Hierauf wurden jeweils herausnehmbare prothetische Versorgungen angefertigt und die Implantate nachuntersucht.

 

Zielkriterien

Es wurden der modifizierte Gingiva Score nach Löe und Silness zur Beurteilung der periimplantären Gingiva, das Ausmaß der Plaqueakkumulation unter Verwendung des Mombelli-Index ,das Vorliegen von Zahnstein, die Blutungsneigung im Bereich der periimplantären Gingiva durch Verwendung des nach Mombelli modifizierten MühlemannIndex sowie die Taschentiefe und die Mobilität der Implantate untersucht. Darüber hinaus wurden nach 4, 12, 24, 36, 48 und 60 Monaten nach Eingliederung der prothetischen Versorgungen Röntgenaufnahmen angefertigt und nach 12, 36 und 60 Monaten zusätzlich mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt.

 

Wesentliche Ergebnisse

Nach fünf Jahren wurden weder signifikante klinische noch radiologische oder mikrobiologische Unterschiede zwischen den Versuchsgruppen festgestellt. Es wurde kein Zusammenhang zwischen Vorhandensein eines Mikrospalts und dem evaluierten Knochenabbau festgestellt.

 

Schlussfolgerung

Implantate, die für eine subgingivale Einheilung vorgesehen sind, können ebenso transgingival einheilen. Der Mikrospalt bei zweiteiligen Implantatsystemen im Bereich des krestalen Knochenniveaus hat keine Auswirkung auf das Ausmaß des marginalen Knochenverlusts.

 

Beurteilung

Vorteilhaft stellt sich die Tatsache dar, dass es sich hierbei um eine prospektive und randomisierte klinische Untersuchung handelt. Darüber hinaus spiegeln die Versuchsgruppen die unterschiedlichen klinisch relevanten Implantat-Abutment-Konstruktionen wieder. Allerdings wäre eine klarere Primärhypothese mit nur zwei miteinander zu vergleichenden Gruppen wünschenswert gewesen. Die Patientenzahl in den Gruppen ist relativ klein und in der folgenden Nachbeobachtungszeit gingen weitere Patienten verloren.

 

n Östman P. O., Hellman M., Albrektsson T., Sennerby L.

Sofortbelastung von einteiligen Nobel Direct und Nobel Perfect Implantaten: eine prospektive klinische und röntgenologische 1-Jahres-Untersuchung

 

Direct loading of Nobel Direct and Nobel Perfect one-piece implants: a 1-year prospective clinical and radiographic study

 

Clin Oral Implants Res 2007;18:409–18. Epub 2007 May 14

Studientyp

Prospektive klinische Studie

 

Patienten und Implantate

Es wurden 48 Patienten mit 115 einteiligen Implantaten versorgt, die Durchmesser von 3 bis 5 mm und Längen von 10 bis 16 mm aufwiesen. Es folgte eine Versorgung durch Anfertigung provisorischer Kronen und Brücken aus Komposit. Hierbei wurde, sofern dies erforderlich war, eine Präparation unter Wasserkühlung im Abutmentbereich der Implantate durchgeführt. Nach ein bis drei Monaten wurden dann die definitiven Versorgungen eingegliedert. Weiterhin wurde eine Kontrollgruppe herangezogen, die aus 97 Patienten bestand und bei der die Patienten unter vergleichbaren Bedingungen mit 380 zweiteiligen Implantaten versorgt worden waren. Hiervon wurden 20 Patienten mit 123 Implantaten im Rahmen einer Sofortbelastung zur Versorgung zahnloser Oberkiefer und 77 Patienten mit
257 Implantaten ebenfalls im Rahmen einer Sofortversorgung zur Versorgung teilbezahnter Unterkiefer versorgt und ein Jahr nachbeobachtet.

Zielkriterien

Es wurden der jeweilige Verlust an periimplantärem Knochen, die Mundhygiene, die Stabilität der provisorischen und definitiven Versorgungen, die Weichgewebeverhältnisse, die Patientenzufriedenheit, das ästhetische Erscheinungsbild der Versorgungen und die okklusale Situation bewertet.

Wesentliche Ergebnisse

Sechs einteilige Implantate (5,2 %) gingen aufgrund von massivem Knochenabbau in der Versuchsgruppe und lediglich fünf Implantate (1,3 %) in der Kontrollgruppe verloren. Nach einem Jahr betrug der mittlere marginale Knochenverlust bei den einteiligen Implantaten 2,1 mm und 0,8 mm bei den zweiteiligen Implantaten. Zwanzig Prozent der einteiligen Implantate wiesen einen Knochenverlust von über 3 mm im Vergleich zu den zweiteiligen Implantaten auf, bei denen lediglich 0,6 % einen vergleichbaren Knochenabbau zeigten. Die Erfolgsrate lag bei den einteiligen Implantaten in Abhängigkeit von den Bewertungskriterien niedriger als bei den zweiteiligen Implantaten.

 

Schlussfolgerung

Die untersuchten einteiligen Implantate zeigten eine geringere Erfolgsrate und wiesen einen erhöhten marginalen Knochenabbau auf.

 

Beurteilung

Positiv sind der prospektive Charakter und die Einbindung unterschiedlicher Versuchsgruppen zu werten. Obwohl es sich hierbei um 1-Jahres-Ergebnisse handelt, ergaben sich zwischen ein- und zweiteiligen Implantaten im Hinblick auf die Erfolgsraten bei Anfertigung von festsitzendem Zahnersatz im Rahmen dieser Untersuchung bereits deutliche Unterschiede.

 

Synopsis

Unter Berücksichtigung der aufgeführten wissenschaftlichen Untersuchungen ist zu sagen, dass sich die Beurteilung von einteiligen Implantaten, im Hinblick auf deren Vor- und Nachteile, komplex gestaltet. Hierbei gibt es Hinweise darauf, dass zumindest bei der Herstellung von festsitzendem implantatgetragenem Zahnersatz ein erhöhter marginaler Knochenabbau an den Implantaten festzustellen ist. Möglicherweise ist dies mit der häufig erforderlichen Präparation im Abutmentbereich in Verbindung zu bringen, wodurch im Gegensatz zu der Verwendung zweiteiliger Implantate eine zusätzliche thermische Belastung innerhalb der beschliffenen Implantatstrukturen entsteht. Hierdurch könnte eine Beeinträchtigung der periimplantären Gewebe resultieren. Demgegenüber ergaben sich aber auch Anhaltspunkte für vergleichbare Erfolgsraten von ein- und zweiteiligen Implantatsystemen bei der Versorgung zahnloser Kiefer mit herausnehmbaren Prothesen. Somit bleibt offen, inwieweit klinisch bei einteiligen Implantatsystemen, insbesondere auch bei Implantaten aus Zirkondioxid, eine thermische Belastung im Bereich des Implantat-Knochen-Interfaces mit einem erhöhten marginalen Knochenverlust assoziiert ist. Diesbezüglich werden für eine abschließende Beurteilung der Erfolgsraten von einteiligen Implantaten darüber hinaus noch weitere Untersuchungsergebnisse, vorzugsweise basierend auf klinischen Langzeituntersuchungen, benötigt.

 

n Gabay E., Cohen O., Machtei E.

Wärmeentwicklung während der prothetischen Präparationen eines einteiligen zahnärztlichen Implantatssystems

 

Heat production during prosthetic preparation of a one-piece dental implant

 

Int J Oral Maxillofac Implants 2010; 25:1131–1136

Studientyp

In-vitro-Studie

 

Implantate

Es wurden insgesamt 45 einteilige Implantate in Acrylblöcke eingebracht und im Bereich des koronalen und apikalen Gewindegangs jeweils ein Thermoelement befestigt. Die Implantate wurden anschließend in Abhängigkeit von
der Menge der Kühlungsflüssig-
keit (G30–30 ml/min Wasserfluss, G15–15 ml/min Wasserfluss, G0– keine Wasserkühlung) bei der nachfolgenden Präparation in unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Hierbei erfolgte jeweils die zirkuläre Präparation der Implantate im Abutmentbereich für 120 Sekunden bzw. bis zum Erreichen einer Temperatur von 47°C.

 

Zielkriterien

Es wurden die Anfangs- und Maximaltemperaturen im Bereich des koronalen und apikalen Gewindegangs erfasst. Weiterhin wurden mithilfe eines linearen Regressionsmodells Zusammenhänge zwischen den Temperaturverläufen im Bereich des koronalen und apikalen Gewindegangs untersucht.

 

Wesentliche Ergebnisse

Bei Implantaten innerhalb der G0-Gruppe (keine Wasserkühlung) wurde im Bereich des koronalen Gewindegangs im Mittel nach 5,73 Sekunden bereits eine Temperatur von 47°C erreicht. Selbst nach Beendigung des Präparationsvorganges stieg die Temperatur weiter auf 61,60°C. Demgegenüber wurde in keiner Gruppe von Implantaten, die unter Wasserkühlung beschliffen wurden (G15 und G30), eine Temperatur von 47°C erreicht. Die hierbei erreichten maximalen Temperaturwerte unterschieden sich sowohl im Bereich des koronalen als auch im Bereich des apikalen Gewindegangs signifikant zwischen den Versuchsgruppen.

 

Schlussfolgerung

Die Präparation von einteiligen Implantaten führt zu einer Temperaturerhöhung im gesamten Implantatkörper, wobei diese durch Wasserkühlung reduziert werden kann. Darüber hinaus verringerte sich die Temperaturerhöhung zunehmend mit der Menge der applizierten Kühlflüssigkeit.

 

Beurteilung

Positiv stellt sich im Rahmen dieser In-vitro-Studie die Untersuchung des Effekts einer Kühlung bei Präparation von einteiligen Implantaten dar. Obwohl die hierbei gewonnen Erkenntnisse, aufgrund des theoretischen Charakters dieser Untersuchung, nur bedingt auf die klinische Situation zu übertragen sind und damit nicht unmittelbar auf eine Beeinflussung des periimplantären Knochengewebes geschlossen werden kann, so ist dennoch die im gesamten Implantatkörper festgestellte Temperaturerhöhung kritisch zu betrachten.

 

K. M. Lehmann,
P. W. Kämmerer
, Mainz


(Stand: 22.06.2012)

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