Zum Chippingverhalten zirkoniumdioxid-basierter und metallkeramischer Einzelkronen und Kronenblöcke auf Implantaten – eine retrospektive Untersuchung*

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S. Schwarz1, C. Schröder1, W. Bömicke1, A. J. Hassel1, P. Rammelsberg1

Ziel: Ziel dieser retrospektiven Untersuchung war, die Überlebens- und Erfolgsraten von implantatgetragenen Einzelkronen und Kronenblöcken aus Vollkeramik mit Metallkeramikrestaurationen im Hinblick auf den Faktor Chipping zu vergleichen.

Material und Methode: 161 Patienten (50,8 % Männer; MW 55,2 Jahre) erhielten 232 zementierte Einzelkronen und 14 Kronenblöcke auf insgesamt 260 Implantaten. Davon hatten 179 Einzelkronen und zwölf Kronenblöcke ein Edelmetallgerüst. 53 Einzelkronen und zwei Kronenblöcke wurden aus Zirkoniumdioxidgerüsten mit geschichteter glaskeramischer Verblendung hergestellt. 54,7 % der Einzelkronen und 50 % der Kronenblöcke waren provisorisch zementiert.

Ergebnisse: Während des mittleren Implantat-Beobachtungszeitraums von 2,8 Jahren (Standardabweichung 1,4) ging ein Implantat nach 3,04 Jahren in Funktion verloren (Überlebensrate 99,6 %). Weitere sieben Implantate wiesen Knochendefizite und klinische Zeichen von Periimplantitis auf, resultierend in einer Implantaterfolgsrate von 96,9 %. Insgesamt 78,2 % der Einzelkronen und 91,7 % der Kronenblöcke aus Metallkeramik sowie 69,8 % der Einzelkronen und 50 % der Kronenblöcke aus Vollkeramik wiesen während des durchschnittlichen Zahnersatz-Beobachtungszeitraums von 2,2 Jahren (Standardabweichung 1,4) keinerlei technische Komplikationen auf. Die häufigste Komplikation, Abplatzung der Verblendung, trat bei vollkeramischen Restaurationen signifikant häufiger auf (p < 0,001). Insgesamt zehn Einzelkronen mussten erneuert werden, woraus sich Überlebensraten von 98,3 % (Metallkeramik) und 88,7 % (Vollkeramik) ergaben. Die Überlebensraten der Kronenblöcke lagen bei 100 % in beiden Gruppen.

Schlussfolgerung: Die Überlebens- und Erfolgsraten von implantatgetragenen vollkeramischen Einzelkronen auf Zirkoniumdioxidbasis mit geschichteter glaskeramischer Verblendung sind signifikant niedriger als die von Metallkeramikkronen, wobei Abplatzungen der Verblendung die häufigste Ursache für Komplikationen darstellen. Die Überlebensraten der Kronenblöcke waren in beiden Materialgruppen gleich, weder bei den metallkeramischen noch bei zirkoniumdioxidbasierten Restaurationen sind absolute Misserfolge aufgetreten. Dennoch können, auch unter Berücksichtigung der Limitationen dieses retrospektiven Studiendesigns, Vollkeramikkronen mit Zirkoniumdioxidgerüst und geschichteter glaskeramischer Verblendung nicht uneingeschränkt empfohlen werden.

Schlüsselwörter: Dentale Implantate; Vollkeramik; Zirkoniumdioxid; Metallkeramik; Chipping

Einleitung

Die Versorgung von Einzelzahnlücken mit implantatgetragenem Zahnersatz hat sich in den letzten Jahren als ein bevorzugtes Therapiekonzept etabliert, wobei der Substanzerhalt der gesunden Nachbarzähne den bedeutendsten Vorteil darstellt. Kronen aus Metallkeramik gelten in diesem Zusammenhang als Standardversorgung, wobei im klinischen Alltag sowohl verschraubte als auch zementierte Kronen Anwendung finden [3, 11, 14].

Vollkeramische Kronen haben in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen, was zum einen in der hohen Biokompatibilität, zum anderen in möglichen ästhetischen Vorteilen begründet liegt. Zahngetragene Vollkeramikkronen überzeugen klinisch mit guten Ergebnissen. So liegen die Überlebensraten von gepressten Lithiumdisilikatkronen (IPS Empress 2, Ivoclar Vivadent GmbH, Ellwangen, Deutschland) in einer prospektiven Untersuchung von Marquardt und Strub nach fünf Jahren bei 100 %. [7] Auch Pjetursson et al. berichteten in einem Review aus 34 Studien von hohen, jedoch materialabhängigen Fünfjahresüberlebensraten vollkeramischer Kronen zwischen minimal 87,5 % (einfache Glaskeramik) und maximal 96,4 % (dicht gesinterte Aluminiumoxidkeramik) [10].

Die höheren Kaukräfte, die jedoch bei implantatgetragenem Zahnersatz auftreten können [6], limitieren den Einsatz dieser Materialien in der Implantatprothetik. Insbesondere bei der Verwendung im Seitenzahngebiet sind die werkstofftechnischen Eigenschaften Bruchzähigkeit und Frakturfestigkeit unzureichend. Die Einführung von yttriumverstärktem Zirkoniumdioxid als Gerüstmaterial sollte diesem Problem begegnen. Zirkoniumdioxid zeichnet sich insbesondere durch seine hohe Biegefestigkeit und seine für eine spröde Keramik hohe Bruchzähigkeit aus [8]. Das Prinzip der hohen Bruchzähigkeit von polykristallinem Zirkoniumdioxid beruht auf der Phasenumwandlung der Einzelkristallite unter Einwirkung von mechanischer Belastung (Yttrium stabilized Tetragonal Zirconia Polycrystal, sog. Y-TZP) [13].

Klinische Studien zu zirkoniumdioxidbasierten Einzelkronen mit glaskeramischer Verblendung sind in der Literatur jedoch rar. So untersuchten Cehreli et al. 15 zahngetragene Einzelkronen (Cercon base) über einen Zeitraum von zwei Jahren [4]. Eine Krone frakturierte, die Überlebensrate betrug 93,3 %. Über das Auftreten von Chipping wurde nicht berichtet. In einer anderen Studie von Örtorp et al. wurden 168, ebenfalls zahngetragene Zirkoniumdioxidkronen (Nobel Procera, Nobel Biocare) über einen Zeitraum von drei Jahren untersucht. Gerüstfrakturen traten ebenfalls nicht auf, Chipping wurde mit einer Häufigkeit von 2 % (4 Kronen) angegeben [9]. Bezüglich implantatgetragener Einzelkronen auf Zirkoniumdioxidbasis mit glaskeramischer Verblendung fehlen klinische Untersuchungen in der Literatur bislang.

Ziel dieser retrospektiven Analyse war es daher, die in der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik auf Implantaten eingesetzten Einzelkronen und Kronenblöcke auf die Häufigkeit von Chipping auszuwerten, wobei vollkeramische Suprakonstruktionen auf Zirkoniumdioxidbasis mit glaskeramischer Verblendung und metallkeramische Restaurationen eingeschlossen wurden. Die Nullhypothese war, dass die Überlebens- und Komplikationsraten der implantatgetragenen vollkeramischen Einzelkronen und Kronenblöcke mit denen metallkeramischer gleichwertig sind.

Material und Methode

In diese retrospektive Untersuchung wurden alle Patienten, die in den Jahren 2002–2010 an der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik Implantate und darauf zementierte Einzelkronen bzw. verblockte Kronen erhalten und ihr schriftliches Einverständnis zur Dokumentation ihrer Daten erteilt haben (Ethikantrag 27/2005), eingeschlossen.

Insgesamt 161 Patienten (50,8 % Männer, Durchschnittsalter 55,2 ± 13,1 Jahre) mit 232 Einzelkronen und 14 Kronenblöcken auf insgesamt 260 Implantaten konnten erfasst werden. Die Ergebnisse der 232 Einzelkronen wurden bereits an anderer Stelle publiziert [12], um jedoch einen Vergleich zu den Kronenblöcken zu ermöglichen, werden die Ergebnisse in diesem Manuskript nochmals beschrieben.

128 Implantate wurden in den Oberkiefer inseriert, davon 24 im Fontzahnbereich und 104 im Seitenzahngebiet. 132 Implantate wurden im Unterkiefer gesetzt, davon zwei im Frontzahnbereich. Drei verschiedene Implantatsysteme fanden Anwendung: Typ A mit 199 Implantaten (Straumann Tissue Level, Straumann GmbH, Basel, Schweiz), Typ B mit 49 Implantaten (Nobel Replace, Nobel Biocare, Göteborg, Schweden) und Typ C mit zwölf Implantaten (Straumann Bonelevel, Straumann GmbH). Der Beobachtungszeitraum der Implantate begann zum Zeitpunkt der Insertion.

Die Suprakonstruktionen wurden nach Abschluss der drei- bis neunmonatigen Einheilzeit eingesetzt. 179 Einzelkronen und zwölf Kronenblöcke wurden aus Edelmetallgerüsten mit glaskeramischer Verblendung hergestellt (Duceram Kiss, DeguDent GmbH, Hanau, Deutschland; VITA VM13, VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen, Deutschland; Reflex, Wieland Dental GmbH, Pforzheim, Deutschland). Die übrigen 53 Einzelkronen und zwei Kronenblöcke waren mit Zirkoniumdioxidgerüsten (Cercon, DeguDent GmbH, Deutschland; Zenotec, Wieland Dental GmbH, Deutschland) und glaskeramischer Verblendkeramik (Cercon Ceram Kiss, DeguDent GmbH, Deutschland; Zirox, Wieland Dental GmbH, Deutschland) gefertigt (Abb. 1, 2). Alle Gerüste wurden zur Unterstützung der Glaskeramik anatomisch gestaltet.

Sämtliche Suprakonstruktionen wurden zementiert, wobei die Materialentscheidung der Behandler traf. Entsprechend den Herstellerangaben wurden provisorische Zemente (Dycal, DENTSPLY DeTrey GmbH, Konstanz, Deutschland; TempBond, Multident Dental GmbH, Hanover, Deutschland) und definitive Zemente (Harvard, Harvard Dental International GmbH, Hoppegarten, Deutschland; Ketac Cem, 3M ESPE GmbH, Neuss, Deutschland; RelyX Unicem, ESPE GmbH, Deutschland) benutzt. Provisorische Zemente fanden dabei für 54,7 % der Einzelkronen und für 50 % der Kronenblöcke Anwendung.

Jeder Behandler dokumentierte das Einsetzen der Suprakonstruktionen anhand eines standardisierten Bogens, der die Verankerungsart, die Zementierung und das Material des Zahnersatzes erfasste. Nachuntersuchungen fanden nach sechs und zwölf Monaten sowie danach in jährlichen Intervallen statt. Zudem wurden alle Patienten aufgefordert, sich bei der Wahrnehmung kleinster Veränderungen an den Restaurationen direkt in der Poliklinik vorzustellen. In dieser Studie wurden alle nachträglichen Maßnahmen an den Kronen und Kronenblöcken als Komplikationen gewertet und ebenfalls anhand standardisierter Bögen dokumentiert. In Abhängigkeit vom Ausmaß der Komplikation wurden die Suprastrukturen am Behandlungsstuhl oder im zahntechnischen Labor repariert. War eine Reparatur nicht möglich, wurde die Restauration erneuert.

Die Auswertung der Daten erfolgte mittels SPSS 17.0 (SPSS Inc., Chicago, IL, USA). Unter der Maßgabe, jedes Chipping als Komplikation zu werten, wurden für die Parameter „Überleben“ und „Erfolg“ jeweils Kaplan-Meier-Kurven mit den Gruppen Vollkeramik und Metallkeramik erstellt. Unterschiede zwischen den Gruppen wurden mittels Log-Rank-Test berechnet. In dieser Studie konnte ein Patient mehrere Restaurationen erhalten haben. Um eine mögliche Abhängigkeit zwischen dem Auftreten einer Komplikation und dem jeweiligen Patienten zu berücksichtigen, wurde ein binär logistisches Modell (General Estimation Equation model, GEE) mit dem Zielparameter „Auftreten von Chipping ja / nein“ angewendet. Die Faktoren Alter und Geschlecht des Patienten, Material der Suprastruktur (Metallkeramik / Vollkeramik), Zementierung (provisorisch / definitiv), Auftreten von Retentionsverlusten (ja / nein) und Lokalisation der Restauration (anterior / posterior) wurden als unabhängige Ko-Variaten eingeschlossen, um die Ergebnisse des Log-rank-Tests zu untermauern. Die Signifikanzgrenze lag bei alpha < 0,05.

Ergebnisse

Während des Implantat-Beobachtungszeitraums von im Mittelwert 2,83 Jahren (Standardabweichung = 1,35) ging ein Implantat mit einer Vollkeramikkrone nach 3,04 Jahren durch Periimplantitis verloren, resultierend in einer Implantatüberlebensrate von 99,6 % (Abb. 5). Weitere sieben Implantate wiesen Knochendefizite und moderate Zeichen von Periimplantitis auf, sodass die Erfolgsrate 96,9 % betrug.

Während des Zahnersatz-Beobachtungszeitraums von im Mittelwert 2,2 Jahren (Standardabweichung = 1,38) blieben insgesamt 76,3 % der implantatgetragenen Einzelkronen (177 Kronen) und 85,7 % der Kronenblöcke (12 Kronenblöcke) ohne Komplikationen. Abplatzungen der Verblendung traten an 30 Einzelkronen und zwei Kronenblöcken auf und stellten damit die häufigste Komplikation dieser Untersuchung dar (Abb. 3, 4). Retentionsverluste wurden bei 27 Einzelkronen erfasst, wobei 23 Metallkeramikkronen betroffen waren. Insgesamt 17 dieser Kronen waren mit provisorischem Zement befestigt. Eine Metallkeramikkrone ging verloren, da sie sich beim Essen ablöste und vom Patienten verschluckt wurde. Die Überlebensrate lag demzufolge bei 86,8 % für Vollkeramikkronen, bei 98,3 % für Metallkeramikkronen und bei 100 % für die verblockten Kronen beider Materialien (Abb. 6). Abutmentlockerungen oder Gerüstfrakturen traten nicht auf. Unter der Maßgabe, dass jede nachträgliche Maßnahme an den Restaurationen als Komplikation gewertet wurde, lagen die Erfolgsraten der Vollkeramikkronen bei 80,8 % nach zwei Jahren und bei 69,8 % nach bis zu 4,4 Jahren, die der Metallkeramikkronen bei 95,8 % nach zwei Jahren und 78,2 % nach bis zu 5,8 Jahren. Bei den metallkeramischen Kronenblöcken betrug die Erfolgsrate nach maximal 5,2 Jahren 91,7 %, bei denen aus Vollkeramik nach maximal 3,4 Jahren 50 % (Abb. 7).

Vollkeramische Einzelkronen mit Zirkoniumdioxidgerüst und glaskeramischer Verblendung wiesen signifikant häufiger Chipping auf (p < 0,001). Das GEE-Modell ergab ein um den Faktor 3,8 erhöhtes Risiko für vollkeramische Kronen verglichen mit metallkeramischen Kronen (Ergebnisse nicht dargestellt). Insgesamt acht Einzelkronen mussten aufgrund großflächiger Abplatzungen der Verblendkeramik erneuert werden, davon sechs vollkeramische Kronen. Die anderen möglichen Faktoren wie Alter und Geschlecht des Patienten, Lokalisation, Zementierung oder Auftreten von Retentionsverlust hatten keinen signifikanten Einfluss auf das Auftreten der Komplikation Chipping bei implantatgetragenen Einzelkronen. Bei den Kronenblöcken waren die Fallzahlen zu gering für weiterführende statistische Untersuchungen.

Diskussion

Die Nullhypothese dieser Untersuchung, dass implantatgetragene Einzelkronen aus Zirkoniumdioxidgerüst und glaskeramischer Verblendung vergleichbare Überlebens- und Erfolgsraten aufweisen wie metallkeramische Kronen, konnte nicht belegt werden. Sowohl die Überlebens- als auch die Erfolgsraten vollkeramischer Einzelkronen waren statistisch signifikant geringer, und das Risiko für das Auftreten von Chipping an einer Vollkeramikkrone war im Vergleich zu einer Metallkeramikkrone um den Faktor 3,8 erhöht. Bezüglich der Überlebensraten der Kronenblöcke waren die Ergebnisse hingegen gleich. Weder bei den metallkeramischen noch bei zirkoniumdioxidbasierten Restaurationen sind absolute Misserfolge aufgetreten. Die Erfolgsraten hingegen unterschieden sich, wobei die sehr geringen Fallzahlen in diesen Gruppen (n = 2 bei Kronenblöcken aus Vollkeramik) die Aussagekraft dieses Teilergebnisses jedoch stark begrenzen.

Das Datenmaterial dieser retrospektiven Studie wurde anhand von standardisierten Dokumentationsbögen und Patientenakten gewonnen. Die behandelnden Zahnärzte waren abhängig vom Patientenwunsch, aber frei in der Wahl der zu verwendenden Materialien, woraus die unterschiedliche Patientenzahl in den einzelnen Gruppen resultiert. Alle Restaurationen wurden entsprechend den jeweiligen Herstellerangaben sorgfältig angefertigt, doch einzelne Verarbeitungsfehler können nicht vollständig ausgeschlossen werden.

In der Literatur gibt es derzeit nur sehr wenige Untersuchungen zu implantatgetragenen Vollkeramikrestaurationen auf Zirkoniumdioxidbasis [4, 9]. Die Ursachen für die erhöhten Chippingzahlen bei Vollkeramikkronen mit Zirkoniumdioxidgerüsten und glaskeramisch geschichteter Verblendung sind vielfältig: So besitzt Zirkoniumdioxid verglichen mit Edelmetallen einen geringeren Wärmeausdehnungskoeffizienten, was insbesondere beim Abkühlen der Restaurationen nach der Verblendung zu ungewollten inneren Spannungen führt, falls der Wärmeausdehnungskoeffizient der Verblendmasse nicht optimal auf das Gerüstmaterial abgestimmt ist. Auch ist die Wärmeleitfähigkeit von Zirkoniumdioxid reduziert, sodass es beim Abkühlen nach dem Sinterbrand zu ungleicher Wärmeableitung und damit ebenfalls zu Spannungen in der Verblendkeramik kommen kann. Der Aufbau von inneren Spannungen im Verblendmaterial ist als eine der Hauptursachen für das Chipping der Verblendung bekannt [1, 5]. Auch unzureichende Präparationen spielen eine Rolle. Nicht zuletzt können durch Oberflächenschädigungen, sowohl im zahntechnischen Labor durch Abstrahlen oder ungekühltes Beschleifen der Gerüste als auch am Behandlungsstuhl durch unpolierte Okklusionskorrekturen, unbeabsichtigte Phasenumwandlungen innerhalb der kristallinen Struktur entstehen.

Neue Konzepte vollkeramischer Restaurationen versuchen diesen Problemen entgegenzuwirken und stützen sich entweder auf modifizierte Verblendungen oder auf die CAD/CAM-Technologien. So konnten Beuer et al. in einer Untersuchung von
50 Einzelkronen mit Zirkoniumdioxidgerüsten und geschichteter Nano-Fluor-Apatit-Glaskeramikverblendung (IPS e.max Ceram, Ivoclar Vivadent) während des dreijährigen Beobachtungszeitraums Überlebens- und Erfolgsraten von 100 % vorweisen [2]. Alternativ kommen Kronen aus Lithiumdisilikat oder Zirkoniumdioxid, die anatomisch aus einem Werkstoff gefräst sind und damit ganz auf Verblendungen verzichten, vermehrt zum Einsatz (so genannte monolithische Kronen). Andere neue Konzepte umgehen das individuelle Schichten der Verblendung, indem sowohl das Gerüst als auch die Verblendung aus Feldspat- oder Lithiumdisilikatkeramiken via CAD/CAM gefräst werden (so genannte digitale Verblendung) und der Verbund beider Schichten über ein Glaslot (CAD-On-Technik, Ivoclar) oder adhäsive Techniken (Rapid Prototyping, Vita) erfolgt. Wenngleich diese Techniken sehr vielversprechend erscheinen, stehen bislang kaum klinische Daten mit mittlerem oder gar längerem Beobachtungszeitraum zur Verfügung.

Schlussfolgerung

Die Überlebens- und Erfolgsraten von implantatgetragenen vollkeramischen Einzelkronen auf Zirkoniumdioxidbasis mit geschichteter glaskeramischer Verblendung sind signifikant niedriger als die von Metallkeramikkronen. Abplatzungen der Verblendungen stellten dabei die häufigste Komplikation dar, die sowohl zu signifikant mehr Nachbehandlungsaufwand am Behandlungsstuhl als auch zu mehr Neuanfertigungen von Einzelkronen aus Vollkeramik führte. Von Bedeutung ist dabei auch das frühe Auftreten der Komplikationen bereits innerhalb des Gewährleistungszeitraums. Die Überlebensraten der Kronenblöcke waren in beiden Materialgruppen gleich; weder bei den metallkeramischen noch bei zirkoniumdioxidbasierten Restaurationen traten absolute Misserfolge auf. Die Erfolgsraten unterschieden sich zwar, jedoch ist die Aussagekraft des Ergebnisses aufgrund der sehr geringen Fallzahlen in diesen Gruppen sehr stark begrenzt.

Auch unter Berücksichtigung der Limitationen dieser retrospektiven Untersuchung können vollkeramische Restaurationen auf Zirkoniumdioxidbasis mit glaskeramischer Verblendkeramik nicht uneingeschränkt empfohlen werden.

 

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Korrespondenzadresse

Dr. Stefanie Schwarz

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Universität Heidelberg,

Im Neuenheimer Feld 400

69120 Heidelberg, Germany

Stefanie.schwarz@med.uni-heidelberg.de

Literatur

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2. Beuer F, Stimmelmayr M, Gernet W, Edelhoff D, Güh JF, Naumann M: Prospective study of zirconia-based restorations: 3-year clinical results. Quintessence Int 2010;41:631–637

3. Brägger U, Karoussis I, Persson R, Pjetursson B, Salvi G, Lang N: Technical and biological complications/failures with single crowns and fixed partial dentures on implants: a 10-year prospective cohort study. Clin Oral Implants Res 2005;16:326–334

4. Cehreli MC, Kökat AM, Akça K: CAD/CAM Zirconia vs. slip-cast glass-infiltrated Alumina/Zirconia all-ceramic crowns: 2-year results of a randomized controlled clinical trial. J Appl Oral Sci 2009;17:49–55

5. Fischer J, Stawarzcyk B, Trottmann A, Hämmerle CH: Impact of thermal misfit on shear strength of veneering ceramic/zirconia composites. Dent Mater 2009;25:419–423

6. Hämmerle CH, Wagner D, Brägger U et al.: Threshold of tactile sensitivity perceived with dental endosseous implants and natural teeth. Clin Oral Implants Res 1995;6:83–90

7. Marquardt P, Strub JR: Survival rates of IPS empress 2 all-ceramic crowns and fixed partial dentures: results of a
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8. Marx R, Fischer H, Weber M, Jungwirth F: Rissparameter und Weibullmodule: unterkritisches Risswachstum und Langzeitfestigkeit vollkeramischer Materialien. Dtsch Zahnärztl Z 2001;56: 90–98

9. Örtorp A, Kihl ML, Carlsson G: A 3-year retrospective and clinical follow-up study of zirconia single crowns performed in a private practice. J Dent 2009; 37:731–736

10. Pjetursson BE, Sailer I, Zwahlen M, Hämmerle CH: A systematic review of the survival and complication rates of all-ceramic and metal-ceramic reconstructions after an observation period of at least 3 years. Part I: Single crowns. Clin Oral Implants Res 2007;18 Suppl 3:73–85

11. Romeo E, Lops D, Margutti E, Ghisolfi M, Chiapasco M, Vogel G: Long-term survival and success of oral implants in the treatment of full and partial arches: a 7-year prospective study with the ITI dental implant system. Int J Oral Maxillofac Surg 2004;19:247–259

12. Schwarz S, Schröder C, Hassel A, Bömicke W, Rammelsberg P: Survival and Chipping of Zirconia-Based and Metal-Ceramic Implant-Supported Single Crowns. Clin Implant Dent Relat Res 2011; Oct 10. doi: 10.1111/j.1708– 8208.2011.00388.x. [Epub ahead of print]

13. Tinschert J, Natt G, Mautsch W, Augthun M, Spiekermann H: Fracture resistance of lithium disilicate-, alumina-, and zirconia-based three-unit fixed partial dentures: a laboratory study. Int J Prosthodont 2001;14:231–238

14. Wennström JL, Ekestubbe A, Grondahl K, Karlsson S, Lindhe J: Implant-
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a 5-year prospective study. J Clin Periodontol 2005;32:567–574

Fussnoten

1 Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

* Teilergebnisse dieses Manuskriptes wurden bereits im Journal of Clinical Implant Dentistry and Related Research publiziert.

DOI 10.3238/ZZI.2012.0138-0146


(Stand: 22.06.2012)

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