Bisphosphonat-induzierte Osteonekrose der Kiefer. Ätiologie, Prävention, Behandlung

R.E. Marx, Quintessenz, Berlin 2013, Softcover, ISBN 978-3-86867-107-0, 184 Seiten, 261 Abb., 88,00 Euro

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R.E. Marx, Quintessenz, Berlin 2013, Softcover, ISBN 978-3-86867-107-0, 184 Seiten,
261 Abb., 88,00 Euro

Seit seiner Publikation „Pamidronate (Aredia) and zoledronate (Zometa) induced avascular necrosis of the jaws: a growing epidemic.” im September 2003 im Journal of Oral and Maxillofacial Surgery gilt Robert E. Marx als Erstbeschreiber der durch Bisphosphonattherapie induzierten Kiefernekrosen. Seit dieser Veröffentlichung gibt es mittlerweile über 1.000 weitere, PubMed-gelistete wissenschaftliche Artikel zu dieser in der Zahnheilkunde verhältnismäßig neuen Problematik. Nun stellt Robert E. Marx, der der Leiter der Abteilung „Oral and Maxillofacial Surgery“ der Miller School of Medicine, University of Miami, ist, ein ganzes Buch zu diesem Thema vor. In diesem werden Ätiologie und Prävention, aber auch die Therapieoptionen der Bisphosphonat-induzierten Osteonekrose der Kiefer vorgestellt. Das Besondere an der deutschen Ausgabe ist der im Anhang des Buches vollständige Abdruck der AWMF S3 Leitlinie „Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrosen“ der DGZMK.

Die nun in deutscher Sprache erhältliche Auflage entspricht der zweiten englischsprachigen Auflage. Im Vorwort zur ersten englischsprachigen Auflage beschreibt Robert E. Marx sehr anschaulich, wie er sich mit dieser Erkrankung erstmalig auseinandersetzte. Zunächst ging er von einer gänzlich neuen Erkrankung aus oder zumindest von einer neuen Medikamentennebenwirkung. Erst eine gründliche Recherche führte ihn zu den berüchtigten „phossy-jaw“-Erkrankungen bei Bergleuten im Phosphorabbau im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Erste Warnungen in Bezug auf die Therapie mit Bisphosphonaten wurden zunächst generell abgelehnt. Mittlerweile, als Nebenwirkung der Therapie mit Bisphosphonaten anerkannt, sieht der Autor die Notwendigkeit für eine Übersichtsarbeit zu diesem Thema.

Unterteilt ist das Werk in 7 Kapitel, an welche sich die Leitlinie „Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose“ anschließt.

Der Autor beginnt zunächst mit der Geschichte und der Beschreibung des Krankheitsbildes. Anschließend wird detailliert auf die Wirkweise und die Pharmakokinetik eingegangen. Hier werden die unterschiedlichen Therapeutika und deren Einsatzgebiete sowie die relative Potenz aufgeführt. Des Weiteren weist der Autor auf die Notwendigkeit einer akuraten Terminologie hin. Im englischsprachigen Raum wurde lange von der Bisphosphonat-bezogenen Osteonekrose der Kiefer (bisphosphonate-related osteonecrosis of the jaws: BRONJ) geschrieben. Mittlerweile wird jedoch zunehmend der präzisere Begriff der Bisphosphonat-assozierten Osteonekrose der Kiefer (bisphosphonate-associated osteonecrosis of the jaws: BAONJ) verwendet. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Indikationen der Bisphosphonattherapie. Dabei wird die Physiologie des Knochenumbaus anschaulich anhand von übersichtlichen Graphiken erläutert. Das Verständnis dieser Umbauvorgänge ist Voraussetzung, um die Vorgänge bei der tumorinduzierten osteoklastären Bildung von Resorptionslakunen und damit auch die Wirkweise der Bisphophonate zu verstehen. Was viele nicht wissen ist die Tatsache, dass es auch eine ganze Reihe an sogenannten „Off-Label-Therapien“ mit Bisphosphonaten gibt. Auch diese fehlen in der Aufzählung des Buches nicht.

Einen kleinen Exkurs findet man
im folgenden Abschnitt: die Osteopetrose als genetisches Analogon zur Bisphosphonat-induzierten Osteonekrose der Kiefer.

Die folgenden 3 Kapitel dürften vor allem für den praktisch tätigen Zahnarzt von Belang sein. In den Kapiteln 5 und 6 werden die Risiken, die Prävention und vor allem das Management der durch Bisphosphonat induzierten Osteonekrose behandelt, separat für intravenöse und für orale Bisphosphonate. Das siebte Kapitel stellt eine Fallsammlung von 16 Fällen dar. Abgerundet werden die Kapitel durch zahlreiches klinisches Bildmaterial, welches die Probleme klar verdeutlicht. Die Fallsammlung ist gut strukturiert. Jeder Fall ist in „Hauptsymptomatik“, „Spezifische Anamnese“, „Untersuchung“, „Beurteilung“, „Diagnose“, „Behandlung“ und „Ergebnis“ unterteilt, so dass man die einzelnen Schritte gut nachvollziehen kann. Schließlich gibt es zu jedem einzelnen vorgestellten Fall eine klare Schlussfolgerung.

Insgesamt stellt das von Robert E. Marx verfasste Buch einen außerordentlich nützlichen Ratgeber zu einem in der neueren Zeit an Wichtigkeit zunehmenden Thema dar. Die deutsche Bearbeitung von Christian Walter ist gut verständlich und eine gelungene Übersetzung.

F. Tavassol, Hannover


(Stand: 10.06.2015)

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