18. Jahrestagung im Zeichen der „Grenzbereiche“

DGI-Landesverband Berlin-Brandenburg

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Das Kongressthema für die 18. Jahrestagung des Landesverbandes Berlin-Brandenburg im DGI e.V. hatte Prof. Dr. Dr. Volker Strunz, Gründungsvorsitzender des Landesverbandes und wissenschaftlicher Leiter der Tagung, bewusst breit angelegt: „Implantologie im Grenzbereich“.

Mit einem besonders sensiblen Grenzbereichaspekt ging er selbst an den Start in den Kongresstag am 8. März in Potsdam: „Wenn wir nicht Mutige gehabt hätten, die uns vormachten, wie das geht: Wie wären wir sonst zu Operationsverfahren gekommen wie Sinusbodenelevation, Augmentationsverfahren oder Bonespreading?“ Auch in seiner eigenen implantologischen Vita habe es immer wieder solche herausfordernden Momente gegeben: „Selbst zur Anwendung von Titanimplantaten bedurfte es Mut.“ Zwar seien im Dreißig-Jahre-Rückblick auf die Entwicklungen in der Implantologie einige Irrwege zu konstatieren, die Kollegenschaft müsse aber „verantwortungsvoll auch weiterdenken und darf nicht beim State of the Art stehenbleiben. Nur mit neuen Erkenntnissen bewegt sich die Wissenschaft weiter!“

Die Implantologie selbst sei einmal ein „Grenzbereich“ der Zahnheilkunde gewesen, meinte Dr. Peter Engel, Präsident der Bundeszahnärztekammer, in seinem Grußwort. Das Fach habe sich als dynamisch erwiesen und bleibe wohl auf dem Vormarsch, da es von Innovationsfreude und Leistungsbereitschaft angetrieben werde. Sein Plädoyer: „Der Patient steht im Mittelpunkt – nicht alles, was geht, ist auch für den Patienten sinnvoll.“

Als ein Grenzbereich erwies sich immer wieder die Zeit. Prof. Dr. Dr. Wilfried Wagner/Mainz: „Es soll alles sofort sein. Oder geht’s vielleicht noch schneller?“ Wie es trotz „sofort“ bei einem gut überlegten Protokoll zu nachhaltig erfolgreichen Ergebnissen kommen kann, zeigte Dr. Dr. Roland Streckbein anhand biologischer Abläufe im Gewebe und empfahl: „Sofortimplantation und Socket Preservation und betont linguale Platzierung – vor allem aber: schonende Entfernung!“

Zu Grenzbereichen gehören auch Grenzüberschreitungen – beispielsweise in die Sinusregion. Bei defizitärem Knochenangebot im Oberkiefer sei möglichst ein externer Sinuslift zu vermeiden, so Dr. Dr. habil. Georg Arentovicz/Köln: Das Infektionsrisiko sei hier gegenüber dem internen Vorgehen deutlich erhöht. Defizitärer Knochen führt implantierende Zahnärzte auch heute noch oft an die Grenzen der Vorhersagbarkeit von Therapieerfolgen – das wurde deutlich bei Prof. Dr. Dr. Torsten Reichert/Regensburg. Prof. Dr. Dr. Frank Hölzle/Aachen berichtete über Transplantate und mikrochirurgisches Vorgehen bei der Kieferrekonstruktion: „Es ist spannend, was heute geht – und in welche Grenzbereiche man dabei vorstoßen kann!“ Professor Wagner zeigte aktuelle Entwicklungen zu kurzen Implantaten als Alternative zum Augmentieren: In Epithetik und Kieferorthopädie hätten sie sich als sinnvoll erwiesen, auch in der Implantologie seien sie offenbar erfolgreich, was den Patientenwünschen entgegenkomme. Auf „Grenzbereiche“ rund um das Weichgewebe blickte Prof. Dr. Frank Schwarz/Düsseldorf und berichtete über Alternativen zu autologem Weichgewebstransplantat: Collagene Matrix-Produkte zeigten interessante Perspektiven, seien aber noch im Entwicklungsstadium.

Auf Grenzen im Bereich der prothetischen Rehabilitation verwies Dr. Eleonore Behrens/Kiel u.a. mit Blick auf das Alter und die Dauermedikation der Patienten: „Wir müssen in jedem Einzelfall entscheiden: Was geht noch – und was nicht mehr?“ Einen schönen Sidekick zum Tagungsthema „Grenzbereiche“ lieferte Prof. Dr. Dr. Alexander Hemprich/Leipzig und sprach über „Landesgrenzen“: „Wie stehen wir beispielsweise zu Implantaten aus Polen und der grenzüberschreitenden Behandlung?“ Ein Grenzbereich sei auch die psychosoziale Situation des Patienten. Professor Hemprich fragte: „Darf man psychisch auffälligen Patienten Implantate verweigern?“

Für das anregende Programm gab es anhaltenden Beifall für Professor Strunz als scheidenden Landesverbandsvorsitzenden und wissenschaftlichen Leiter von nunmehr 18 Kongressen in Berlin und Brandenburg.

Birgit Dohlus, Berlin


(Stand: 10.06.2015)

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