Klinische Erfahrungen mit unterschiedlichen prothetischen Werkstoffen bei zirkulären festsitzenden Brückenversorgungen auf angulierten Implantaten

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J. Neugebauer1, 3, S. Adler2, F. Kistler1, S. Kistler1, G. Bayer1

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Prothetische Versorgungen auf anguliert eingebrachten Implantaten können durch verschiedene Gerüst- und Verblendmaterialen erbracht werden. Dieser Artikel erläutert die Vor- und Nachteile der jeweiligen Techniken unter klinischen Aspekten.

Prosthetic rehabilitations on angled placed implants can be performed by various framework and veneering materials. This
article shows the advantages and disadvantages of each used technique under clinical circumstances

Einführung: Die Therapie zahnloser Kiefer mit zirkulären Brücken und einer reduzierten Implantatanzahl hat sich zu einer bewährten Behandlungsoption entwickelt. Bei der definitiven prothetischen Versorgung stehen verschiedene Behandlungskonzepte zur Verfügung, die im Rahmen einer retrospektiven Studie auf mögliche Risikofaktoren untersucht wurden.

Material und Methode: In einem Zeitraum von Mai 2008 bis September 2013 wurden bei 54 Patienten 62 festsitzende Brücken im Unter- und/oder Oberkiefer eingesetzt. In Gruppe A erfolgten 26 Versorgungen mit einem Metall- oder Zirkonoxidgerüst und einer keramischen Verblendung. In Gruppe B wurde nach der Sofortversorgung ein mit präfabrizierten Kunststoffverblendschalen versorgtes Metallgerüst als Brücke in 29 Kiefer eingesetzt. In Gruppe C erfolgte die Versorgung für 7 Kiefer mit einem durch Kunststoffverblendschalen verblendeten Hochleistungspolymergerüst.

Ergebnisse: In Gruppe A zeigten sich bei 3 Brücken kleinere Schädigungen mit dem Abplatzen einer oder mehrerer oberflächlich gelegener Verblendkeramikschichten. Bei einer Brücke zeigte sich eine tiefe Fraktur der Verblendung. Zwei Patienten akzeptierten die Versorgung nicht, da bei maximaler Interkuspidation ein sehr starrer Zubiss ohne Dämpfungsverhalten empfunden wurde. Zwei Patienten zeigten sich von der Keramikversorgung enttäuscht, da die provisorische Versorgung mit den Kunststoffverblendschalen als ästhetisch ansprechender eingestuft wurde. In Gruppe B kam es zu einem Abplatzen der Kunststoffverblendung, nachdem sich eine zuvor gut eingestellte oromandibuläre Dysfunktion aufgrund einer aktuellen Stressbelastung wieder einstellte. Bei 2 Patienten mit einem erneuten hohen Nikotinkonsum von 30 und 40 Zigaretten pro Tag war nach 29 und 42 Monaten eine extraorale Politur und Überarbeitung des Zahnersatzes notwendig. In Gruppe C zeigten sich in der kurzen Nachbeobachtungsdauer keine Komplikationen.

Schlussfolgerung: Die Verwendung von Kunststoffverblendmaterialien für eine zirkuläre festsitzende prothetische Versorgung zeigt eine hohe ästhetische Akzeptanz bei einer geringen Komplikationsrate behandlungsbedürftiger Fälle. Patienten mit einer eingeschränkten Compliance oder auch anamnestisch bekannten funktionellen Störungen eignen sich besonders für eine Versorgung mit Kunststoffveneers, da diese einfach, schnell und kostengünstig repariert werden können. Die Anwendung eines keramikgefüllten PEEK-Kunststoffs ermöglicht eine kostengünstige Gerüstherstellung und zeigt nach der ersten Anwendungsphase keine auffälligen Komplikationsraten.

Schlüsselwörter: Implantatanzahl; angulierte Implantatposition; Chipping; Kunststoffgerüst; Komplikation; Patientenakzeptanz

Einleitung

Die festsitzende Versorgung im zahnlosen Kiefer auf einer reduzierten Anzahl von Implantaten, besonders bei der Therapie von nicht mehr erhaltungsfähigen parodontal geschädigten Zähnen in Kombination mit der Sofortimplantation, hat sich zu einer bewährten Therapieoption entwickelt [5, 7, 15]. Je nach Ausmaß des vertikalen Knochenverlusts und der noch vorhandenen Restbezahnung lassen sich die Implantate in Kombination mit lokalen augmentativen Maßnahmen bei der Extraktion der nicht erhaltungsfähigen Zähne inserieren und bei ausreichender Primärstabilität auch mit einem Provisorium funktionell sofort versorgen [26]. Dieses Konzept, ausgehend von den Erfahrungen von Malo, wird heute von unterschiedlichen Herstellern mit entsprechenden Systemkomponenten für eine angulierte Implantatpositionierung und Versorgung propagiert [6, 12]. Dabei ist es für den initialen, aber auch für den Langzeiterfolg von entscheidender Bedeutung, inwieweit eine provisorische Versorgung zeitnah erreicht werden kann und welche Optionen für die definitive prothetische Versorgung zur Verfügung stehen [25].

Damit eine reduzierte Anzahl von Implantaten inseriert werden kann, ist es anzustreben, die jeweils distalen Implantate in einem Winkel zwischen 25° und 45° zu neigen. Auf diese Weise lässt sich das anterior-posteriore Abstützungsfeld weitestmöglich vergrößern, ohne dass die anatomischen Strukturen im Oberkiefer mit der Ausdehnung des Kieferhöhlenbodens und im Unterkiefer mit dem Verlauf des Foramen mentale geschädigt werden [6].

Für die Aufnahme einer verschraubten prothetischen Versorgung ist die Positionierung der Rotationssicherung der Implantate bereits bei der Implantatinsertion möglichst so einzustellen, dass die Öffnung der Schraubkanäle sich okklusal oder oral der Zahnreihe befindet [6]. Durch die starke Angulation kann bereits bei Veränderung der Implantatposition um wenige Winkelgrade eine wesentliche Verbesserung der Position der Schraubkanäle erreicht werden. Hier zeigen Implantatsysteme mit 6 Positionsoptionen bei der Implantataufbauverbindung im Vergleich zu Systemen mit lediglich 3 oder 4 Positionsoptionen einen Vorteil bei der Ausrichtung der Aufbauteile. Falls die Implantatposition verändert werden muss, kann dies bei Systemen, für die ein Eindrehadapter eingeschraubt werden muss, oder bei der Fixierung von zweiteiligen Aufbauten ein sehr zeitintensives Vorgehen werden. Bei Systemen mit einer reduzierten Anzahl von Rotationssicherungspunkten werden alternativ 2 Varianten der Aufbauteile angeboten, die sowohl über die Fläche als auch über die Spitze des Polygons abgewinkelt sind, sodass die doppelte Anzahl an Aufbaupositionen erreicht werden kann. Aufgrund der reduzierten Implantatanzahl ist dementsprechend auch die Auflagefläche der Suprakonstruktion für die Krafteinleitung in die Implantate reduziert. Damit es dadurch zu keinen Defekten der Suprastruktur kommt, ist die Verwendung von Aufbauten mit einer breiten Stufe sinnvoll [7].

Die initiale prothetische Versorgung sollte mit den konfektionierten angulierten Aufbauten für eine verschraubte Brücke erfolgen. Somit lässt sich zeitnah die zahntechnische Arbeit für eine temporäre Sofortversorgung erstellen, sodass es direkt im Anschluss an die Implantatinsertion zu einer primären Verblockung der Implantate kommt. Unter ästhetischen Aspekten kann sich besonders zur Versorgung der Implantate in der Oberkieferfront eine zementierte Fixierung anbieten. Diese kann bei der semipermanenten Verklebung auch mit einer Verschraubung auf den posterioren angulierten Aufbauten kombiniert werden. Alternativ müssen die konfektionierten, angulierten Aufbauten durch individuelle Aufbauten ersetzt werden. Dabei kann sich aber der prothetische Behandlungsablauf verkomplizieren, da dann die angulierten Implantate auf Implantatniveau abgeformt werden müssen. Dafür stehen aber bei den Systemen keine konfektionierten Abformpfosten zur Verfügung, sodass die normalerweise angestrebte Präzision wegen der starken Divergenz der Abformpfosten zueinander nicht erreicht werden kann [4].

Komplett verschraubte Brücken lassen sich im Rahmen des Recalls einfach abnehmen und extraoral reinigen, was besonders beim älteren Patienten mit zunehmend schwieriger zu erbringender Mundhygiene eine wesentliche Maßnahme zur Reduktion des Periimplantitisrisikos darstellt [17]. Da zirkuläre Brücken die Zahnreihe im ganzen Kiefer ersetzen, ist beim Auftreten eines Chippings die Abnahme der gesamten Konstruktion im Reparaturfall notwendig. Auch dies ist bei verschraubten Versorgungen einfacher als bei zementierten [17].

Konventionelle Gerüstmaterialien

Für Extensionsbrücken hat sich in der Implantatprothetik ein keramisch verblendetes Metallgerüst als Goldstandard für ästhetisch ansprechende Versorgungen etabliert [16]. Da bei der Versorgung im parodontal geschädigten Zahnsystem neben der Zahnreihe auch der Teil des resorbierten Alveolarfortsatzes durch den Zahnersatz rekonstruiert wird, kann der Materialeinsatz bei der Verwendung von edelmetallhaltigen Legierungen sehr hoch werden. Bei der Anwendung von gegossenen Gerüsten mit edelmetallreduzierten Legierungen für die zirkulären Brücken ist es schwierig, eine perfekte Passung auf 4 oder 6 Implantaten zu erreichen, sodass erst die Verwendung von Klebebasen einen spannungsfreien Sitz des Zahnersatzes auf den Implantaten ermöglicht [1]. Daher wird immer häufiger die Verwendung von CAD/CAM-gefrästen Gerüsten besonders auch aus Zirkonoxidkeramik propagiert. Diese können nach Vorliegen eines exakten Meistermodells über eine Digitalisierung des Modells passgenau hergestellt werden. Jedoch besteht besonders bei den Keramikgerüsten je nach Gerüstdesign und Verarbeitungsparametern beim Aufbringen der Verblendung ein Chippingrisiko [20]. Deshalb ist bei der Herstellung des Zahnersatzes auf eine exakte Bissnahme und Wachsaufstellung zu achten, um das Gerüst so herstellen zu können, dass keine Zugspannungen auftreten und eine gleichmäßige Stärke der Verblendkeramik erreicht werden kann. Da die keramische Verblendung einen hohen zahntechnischen Aufwand erfordert, können alternativ für die Herstellung eines günstigen Zahnersatzes präfabrizierte Kunststoffveneers verwendet werden [14].

Hochleistungspolymergerüste

Als alternatives Gerüstmaterial findet seit einigen Jahren der Hochleistungskunststoff Polyetheretherketon (PEEK) Anwendung in der Zahnheilkunde [23]. Diese Hochleistungspolymere können auch in einem Pressverfahren verarbeitet werden, sodass keine aufwendi-
gen CAD/CAM-Konstruktionsprogramme oder Fräsarbeiten notwendig sind. Durch die Dotierung mit einem keramischen Füllstoff erreicht der Werkstoff eine hohe Festigkeit bei einem gleichzeitig dem Knochen ähnlichen Elastizitätsmodul von ca. 4 GPa, sodass Brüche des Gerüsts praktisch nicht auftreten. Im Vergleich zu einer Zirkonoxidarbeit sind diese Gerüste auch deutlich leichter, was bei der Eingliederung von den Patienten als angenehm empfunden wird, da sie weniger ein Fremdkörpergefühl verspüren. Der PEEK-Kunststoff zeigt je nach Füllmaterial keine oder nur eine geringe Röntgenopazität, sodass bei radiologischen Kontrollen keine störenden Metallartefakte auftreten.

Da das Material zudem eine sehr dichte Struktur aufweist, sind die Wasseraufnahme mit 6,5 mg/mm³ und die Wasserlöslichkeit von 0,3 µm/mm³ sehr gering (Normwerte nach DIN 10477
jeweils kleiner 40 mg/mm³ bzw. < 7,5 µm/mm³). Oberflächenveränderungen mit Reizungen des Weichgewebes oder Einlagerung von Partikeln sind daher nicht zu erwarten. Da die mechanische Festigkeit geringer als bei Metall oder Keramik ist, sollte im Seitenzahnbereich eine ausreichend dimensionierte Verbinderstärke von mindestens 14 mm² bei einem Vertikal-Horizontal-Verhältnis von 60:40 realisiert werden.

Beim Einbetten des Gerüsts müs-
sen die für das Pressverfahren typischen Entlüftungskanäle angelegt werden, damit es zu einem vollständigen Ausfließen des Gerüstmaterials kommen kann. Das Kunststoffrohmaterial (BioHPP, bredent, Senden) wird gemäß den Vorgaben des Herstellers aufgeschmolzen und mit einem Einwegpressstempel mithilfe eines Pressgerätes (for-2-press, bredent) automatisch in die vorgeheizte Muffel eingebracht. Diese Masse verbleibt für 3 min unter Vakuum und dann zum Aushärten für weitere 30 min ohne Vakuum im Pressgerät, aber unter Beibehalt des Pressdrucks von 3,8 bis 4,8 bar. Nach einer Abkühlphase wird das Gerüst ausgebettet. Bei ausgedehnten Gerüsten können neben dem Granulat auch Presspellets verwendet werden, um Lufteinschlüsse zu vermeiden. Da keramisch gefüllter PEEK eine sehr hochfeste Struktur aufweist, muss die Oberfläche mit feinverzahnten Hartmetallfräsen an den Stellen, wo zuvor mit einer dünnen Diamantscheibe die Presskanäle abgetrennt wurden, versäubert werden. Die Übergänge zu den auf der Schleimhaut aufliegenden Gerüstflächen werden zunächst mit feinem Sandpapier verschliffen und dann mit einem Gummipolierer nachgearbeitet.

Basal kann das modellierte Gerüst der Schleimhaut aufliegen bzw. die Suprakonstruktion ihre definitive Kontur erhalten, da das Hochleistungspolymer eine sehr gute Weichgewebsreaktion zeigt [27]. Zu beachten ist jedoch, dass die PEEK-Oberfläche anfällig für mechanische Aufrauung durch Prophylaxemaßnahmen ist. Daher sollte das Gerüst in dem Bereich, der nicht der Schleimhaut aufliegt, komplett mit dem Kunststoff, der für die Fixierung der Verblendschalen verwendet wird, ummantelt werden.

Kunststoffverblendung der Gerüste

Die modernen industriell hergestellten Kunststoffveneers bzw. Verblendschalen können nach spezifischer Vorbehandlung der Gerüste mit entsprechenden Klebern auf Metall-, Zirkonoxid- oder auch keramisch gefüllten PEEK-Gerüsten verwendet werden und ermöglichen so eine kostengünstige und für den Zahntechniker rationell herzustellende Versorgung. Dabei muss nicht auf die ästhetischen Möglichkeiten einer individuellen Charakterisierung, die auch mit Kunststoffsystemen möglich sind [2], verzichtet werden.

Die Herstellung eines mit Verblendschalen verblendeten Gerüsts unterscheidet sich nur unwesentlich von der klassischen zahntechnischen Herstellung bei Zirkonoxid- oder Metallgerüsten bzw. den Hochleistungspolymergerüsten. Nach dem abschließenden Wax-up für die Definition der Bisslage und Dimension der Suprakonstruktion wird das Gerüst in üblicher Weise in Wachs modelliert oder beim CAD/CAM-Vorgehen virtuell konstruiert [2].

Für den dauerhaften Verbund des Gerüsts mit den Verblendschalen wird zunächst durch Abstrahlen mit 110 µm Aluminiumoxid bei 2–3 bar die Oberfläche aufgeraut, sodass der lichthärtende Haftvermittler (visio.link, bredent) mit einem Pinsel aufgetragen und polymerisiert werden kann. Bei einer definitiven Versorgung erfolgt die Verklebung dann mit einem dualhärtenden Befestigungskomposit (combo.lign, bredent). Dazu wird das Komposit auf die basalen Flächen der Verblendschalen (visio.lign, bredent) aufgetragen, mithilfe des Vorwalls auf dem Gerüst fixiert und schichtweise auspolymerisiert. Besonders an den Übergängen ist auf eine homogene Fläche zu achten, damit diese keine Retentionsstellen für Plaque bilden. Nach dem definitiven Ausarbeiten kann die Suprakonstruktion eingesetzt werden. Die Schraubkanäle werden je nach den ästhetischen Ansprüchen des Patienten mit temporärem Kunststoff oder Komposit verschlossen. Bei der Verwendung von Komposit sollte eine leicht andere Farbschattierung gewählt werden, damit im Reparaturfall oder bei der Prophylaxesitzung die Zugänge leicht aufgefunden werden können.

Material und Methode

In einer retrospektiven Analyse werden die Komplikationen und Erfahrungen mit den 3 Gerüstmaterialien und den verschiedenen Verblendtechniken dargestellt und erläutert. In den letzten 5 Jahren wurden 62 zahnlose Kiefer mit einer reduzierten Anzahl von Implantaten und der angulierten Positionierung der posterioren Implantate prothetisch definitiv versorgt. Im Oberkiefer erfolgten 24 Versorgungen auf jeweils 6 Implantaten und im Unterkiefer 38 Versorgungen auf jeweils 4 Implantaten. Somit wurden insgesamt 286 Implantate (blueSky, bredent-medical, Senden) bei 43 Patienten inseriert. 26 Gerüste wurden keramisch verblendet (Gruppe A) (Abb. 1–8) und weitere 29 Gerüste mit präfabrizierten Kompositverblendschalen und lichtpolymerisierter Kunststoffverblendung hergestellt (Gruppe B) (Abb. 9–16). Seit 18 Monaten werden 7 Gerüste mit dem keramisch verstärkten PEEK-Gerüstmaterial versorgt (Gruppe C) (Abb. 17–24). Die Suprakonstruktionen der Gruppen A und B wurden zwischen 12 und 48 Monaten nach der Versorgung untersucht. In Gruppe C erfolgte der Recall frühestens 6 Monate nach der prothetischen Versorgung.

Ergebnisse

Bei den 55 Versorgungen mit dem konventionellen Gerüstmaterial traten 7 Komplikationen auf, die weitere zahnärztliche oder zahntechnische Maßnahmen erforderten (12,7 %). In Gruppe A zeigten 3 Brücken nach 4, 7 und 11 Monaten kleinere Chippingdefekte an der Oberfläche (11,5 %); bei einer Suprakonstruktion trat nach 37 Monaten ein ausgedehntes Chipping in der Verblendschicht bis zum Gerüst (3,8 %) auf . Drei Patienten aus Gruppe A erklärten, dass die definitive Neuversorgung nach ihren Erfahrungen mit der initialen kunststoffbasierten provisorischen Brücke ihre Erwartungen an eine ästhetische Gestaltung nicht erfüllte. Zwei Patienten mit Versorgungen im Ober- und Unterkiefer akzeptierten die definitive keramisch verblendete Versorgung nicht, da sie ihren Zubiss als zu stark oder hart empfanden und es keine Dämpfungsmöglichkeit gab. In Gruppe B
verlor ein Patient 3 Veneers, nachdem die zum Zeitpunkt der Implantatthe-
rapie symptomlosen Kiefergelenksbe-schwerden 34 Monate nach der definitiven prothetischen Versorgung aufgrund unkontrollierbarer Stressbedingungen erneut auftraten (3,4 %). Zwei Patienten konnten ihre Nikotinkarenz nicht einhalten und erklärten einen Zigarettenkonsum von 30 bzw. 40 Zigaretten am Tag, sodass eine extraorale Überarbeitung der Suprakonstruktion 29 und 42 Monate nach Eingliederung notwendig wurde (6,8 %). In Gruppe C traten bisher keine Komplikationen mit Veränderung am Gerüst oder mit der Verblendung auf.

Diskussion

Die Versorgung des zahnlosen Kiefers mit festsitzenden Brücken im Ober- und Unterkiefer mit einer reduzierten Anzahl von Implantaten hat sich in der letzten Dekade als vielversprechende Therapieoption etabliert [3, 8]. Unter besonderer Berücksichtigung des Periimplantitisrisikos bei Patienten mit einer chronischen Parodontopathie ist die Reduktion der Anzahl der Implantate auch eine Option zur Minimierung von biologischen Komplikationen, da weniger Implantate pro Versorgung bzw. pro Patient unter Risiko stehen [21].

Um dem Anspruch des Patienten auf eine hochwertige Versorgung, die in der Regel mit einer Implantattherapie verbunden wird, gerecht zu werden, wird zahntechnisch häufig eine individuell verblendete Metall- oder Zirkonoxidsuprastruktur hergestellt. Gerade bei der Verwendung von Zirkonoxidgerüsten zeigte sich in der Anfangsphase der CAD/CAM-Technologie eine hohe Komplikationsrate, da die verschiedenen Konstruktionsvorgaben für das Gerüstdesign und die Verarbeitungsparameter für eine stabile Verblendung noch nicht überall bekannt waren [20]. Dies führte bei komplexen Versorgungen wie festsitzenden Brücken zu einem erhöhten zahnärztlichen und zahntechnischen Reparaturaufwand, sofern es zu oberflächigen oder oberflächlichen Abplatzungen der Verblendung kam. Besonders dann, wenn die provisorische Versorgung aus der initialen Behandlungsphase nicht mehr zur Verfügung steht, muss der Patient für die Reparatur dieses Chippings erneut provisorisch versorgt werden, was den Aufwand zusätzlich erhöht.

Ein alternativer Ansatz dazu ist die Anwendung von industriell hergestellten Verblendschalen, die mit einem besonderen Fixationskunststoffsystem dauerhaft auf Metall- oder Zirkonoxid- oder auch PEEK-Gerüste aufgebracht werden können. Diese zeigen dank der industriellen Herstellung eine hochdichte Oberfläche, sodass die Plaqueanlagerung relativ gering ist [14].

Hochleistungspolymerkunststoffe wie PEEK finden in der Medizin immer mehr Verwendung [9]. Da das Elastizitätsmodul von PEEK mit einem Wert von ca. 12 GPa dem des kortikalen Knochens mit ca. 15 GPa ähnlich ist, eignet es sich besonders für Implantate in belasteten Knochen wie Hüftgelenksersatz und Wirbelsäulenstabilisierung, denn es kommt zu keiner biomechanischen Versteifung [9]. Zudem besitzt das Material äußerst inerte Eigenschaften und erhält durch die Verarbeitung im Pressverfahren eine dichte Struktur. Dadurch zeigt sich eine hohe Biokompatibilität, die sich schon bei der Herstellung von Kunststoffaufbauten bewährt hat [18, 24].

Für die Verwendung von PEEK als prothetischem Gerüstwerkstoff hat sich der Zusatz von Keramik bei der Compoundierung bewährt, insbesondere was die mechanische Stabilität, leichte Verarbeitung und Politur angeht. Es eignet sich auch als Gerüstmaterial für komplexe Rekonstruktionen mit minimaler Pfeilerabstützung. Besonders bei festsitzendem Zahnersatz in einem Kiefer, der bereits vollkeramisch versorgt wurde, können dank den niedrigen Elastizitätsmodulen ein physiologisches Kauempfinden und eine reduzierte Krafteinleitung auf die Implantate im Sinne des „progressive bone loading“ realisiert werden [11, 13]. Damit reduziert sich auch das Chippingrisiko an der antagonistischen Verzahnung [22].

Das Verfahren zur Herstellung von BioHPP-Gerüsten orientiert sich an der klassischen zahntechnischen Vorgehensweise, jedoch fallen techniksensitive und komplikationsbehaftete Arbeitsschritte wie etwa der klassische Guss weg, sodass mit weniger Komplikationen gerechnet werden kann. Im Gegensatz zu CNC-gefrästen Arbeiten kann das Gerüst im Labor angefertigt werden, ohne dass hohe Investitionskosten notwendig werden [2]. Obwohl BioHPP nicht reparaturfähig ist und mit weiteren Kunststoffen keinen direkten Verbund eingeht, können die Gerüste durch die etablierten Bondersysteme zur Aufnahme eines Klebers vorbereitet werden [10, 19].

Durch die Kombination mit präfabrizierten Bauteilen können auch Horizontalverschraubungen für eine bedingt abnehmbare Konstruktion äußerst exakt positioniert werden. Dies erweist sich gerade unter parodontalhygienischen bzw. periimplantärhygienischen Aspekten als wichtig. Somit lassen sich auch Schraubenlockerungen, die gelegentlich bei semipermanenter Fixierung vorkommen und dann eine nicht planmäßige Vorstellung des Patienten in der Praxis erfordern, weitgehend vermeiden.

Schlussfolgerung

Die Verwendung von Kunststoffverblendmaterialien für eine zirkuläre festsitzende prothetische Versorgung zeigt, besonders bei einer komplexen Restauration auf einer reduzierten Implantatanzahl, eine hohe ästhetische Akzeptanz. Patienten mit einer eingeschränkten Compliance oder auch anamnestisch bekannten funktionellen Störungen eignen sich besonders für eine Versorgung mit Kunststoffveneers, da diese einfach, schnell und kostengünstig repariert werden können. Die Anwendung des keramikgefüllten PEEK-Kunststoffs ermöglicht auch eine kostengünstige Gerüstherstellung und zeigt nach der ersten Anwendungsphase keine auffälligen Komplikationsraten.

Interessenkonflikt: Die Autoren
J. Neugebauer, S. Adler, F. Kistler, S. Kistler, G. Bayer geben folgende möglichen Interessenkonflikte an: Honorare und Reisekostenübernahmen für Vorträge von bredent und bredent Medical.

Zitierweise: Neugebauer J et al.: Klinische Erfahrungen mit unterschiedlichen prothetischen Werkstoffen bei zirkulären festsitzenden Brückenversorgungen auf angulierten Implantaten.
Z Zahnärztl Implantol 2015;31:140–149

DOI 10.3238/ZZI.2015.0104–0149

Korrespondenzadresse

Priv.-Doz. Dr. Jörg Neugebauer

Zahnärztliche Gemeinschaftspraxis

Dres. Bayer, Kistler, Elbertzhagen,
Neugebauer und Kollegen

Von-Kühlmann-Str. 1

86899 Landsberg am Lech

Tel.: 08191 947666-0

neugebauer@implantate-landsberg.de

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Fussnoten

1 Praxis Dr. G. Bayer, Dr. F. Kistler, Dr. S. Kistler, Dr. A. Elbertzhagen, PD Dr. J. Neugebauer, Landsberg/Lech

2 Implant Dental Consult, Landsberg

3 Interdisziplinäre Poliklinik für Orale Chirurgie und Implantologie, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität zu Köln


(Stand: 09.06.2015)

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