Sichere Rehabilitation mit Implantaten bei Diabetikern

Erste S3-Leitlinie zum Thema Zahnimplantate bei Diabetes mellitus erschienen

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Die Deutsche Gesellschaft für Implantologie (DGI) und die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) haben die erste S3-Leitlinie zum Thema Zahnimplantate bei Diabetes mellitus veröffentlicht. Repräsentanten von weiteren 14 Fachgesellschaften und zahnmedizinis chen Organisationen haben daran mitgewirkt. Autoren sind der Koordinator Prof. Dr. Dr. Jörg Wiltfang und Dr. Hendrik Naujokat als federführender Autor, Kiel, Prof. Dr. Kai-Hendrik Bormann, Hamburg, Dr. Dr. Wolfgang Jakobs, Speicher, und Dr. Jörg-Ulf Wiegner, Saalfeld.

Die Versorgung mit Zahnimplantaten ist heute ein Standardverfahren der dentalen Rehabilitation und findet breite Anwendung. Gleichzeitig steigt die Inzidenz von Diabetes mellitus, der lange Zeit als eine relative Kontraindikation der Implantologie galt. Ebenso steigt die Zahl der Diabetiker, die eine dentale Rehabilitation mit Implantaten wünschen. Die Ergebnisse bezüglich Komplikationen und Langzeiterfolg sind jedoch nicht eindeutig. Darum soll die jüngste S3-Leitlinie der DGI „Implantate bei Patienten mit Diabetes mellitus“ behandelnden Zahnärzten und Ärzten eine Hilfestellung durch evidenzbasierte Empfehlungen bei der Indikationsstellung geben.

Das fünfköpfige Autorenteam um den Koordinator Prof. Dr. Jörg Wiltfang und den federführenden Autor Dr. Hendrik Naujokat, beide Kiel, hat die Leitlinie – wie alle bisherigen Leitlinien der DGI – nach dem Regelwerk der Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erarbeitet. Die zugrundeliegende Evidenz wurde systematisch recherchiert und bewertet, die Statements und Empfehlungen wurden im Rahmen einer moderierten Konsensuskonferenz am 9. und 10. September 2015 formal interdisziplinär konsentiert und verabschiedet. Relevante Fachgesellschaften, die sich am Konsensusprozess nicht beteiligen konnten – die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin und die Deutsche Diabetesgesellschaft –, sichteten die verabschiedete Leitlinie und stimmten den Inhalten uneingeschränkt und vollumfänglich zu. Publiziert wurde die Leitlinie im Dezember 2016 auf der Website der AWMF. Sie steht auch zum Download im DGINET zur Verfügung.

Die wichtigste Botschaft: Auf der Basis umfangreicher Literaturanalysen ziehen die Autoren der Leitlinie den Schluss, dass die dentale Rehabilitation mit Zahnimplantaten bei Patienten mit Diabetes mellitus ein sicheres und vorhersagbares Verfahren darstellt. Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes scheinen zwar eine verzögerte Osseointegration nach der Implantation aufzuweisen, doch scheint es nach einem Jahr keinen Unterschied in der Implantatstabilität zwischen Diabetikern und gesunden Personen zu geben. Vor Behandlungsbeginn sollte sich die Zahnärztin/der Zahnarzt informieren, wie gut der Diabetes mellitus des Patienten eingestellt ist. „Es ist bei der Anamnese nicht nur zu erheben, ob eine Diabetes-Erkrankung vorliegt, sondern auch seit wie vielen Jahren diese besteht und wie gut die Einstellung des Blutzuckers durchgeführt wird. Dieses kann durch eine Laboruntersuchung des HbA1c-Wertes verifiziert werden“, betont Dr. Naujokat. Den Zielkorridor der Einstellung beschreibt die Nationale VersorgungsLeitlinie „Therapie des Typ-2-Diabetes“.

Hinweise auf eine verzögerte Osseointegration sind der Grund, die Indikation für eine Sofort- und Frühbelastung kritisch zu stellen. Da Patienten mit Diabetes mellitus auch ein höheres Risiko für Periimplantitis haben, muss die Betreuung nach der Implantatinsertion diesem Risiko entsprechend angepasst werden. Sind augmentative Verfahren nötig, empfehlen die Autoren ein zweizeitiges Vorgehen unter Berücksichtigung von Art und Umfang der chirurgischen Maßnahmen. Die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums und die Anwendung chlorhexidinhaltiger Mundspüllösungen werden ebenfalls empfohlen.


(Stand: 06.06.2017)

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