Alles über Implantate von der Crème de la Crème der Zunft

Frühjahrssymposium des DGI-Landesverbandes Bayern

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Am letzten Wochenende im April bot die Stadt Regensburg kein Draußen-Wetter. Gut, dass das Frühjahrssymposium des Landesverbandes Bayern in der DGI drinnen stattgefunden hat. Im Theater Regensburg brachte die Crème de la Crème implantologisch tätiger Zahnärzte und Chirurgen den voll besetzten Kongresssaal auf den neuesten Stand rund um die zahnärztliche Implantologie.

Die Ehre in Regensburg gaben sich nicht nur Vorsitzende und Vorstandsmitglieder aller implantologischen Verbände: Prof. Dr. Herbert Deppe, München, Prof. Dr. Dr. Joachim Zöller, Köln, Dr. Fred Bergmann, Viernheim und Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz, Wiesbaden. Zum Referenten-Ensemble in Regensburg gehörten auch Prof Dr Daniel Buser, Bern, und Prof Dr. Dr. Thorsten Reichert, Regensburg, sowie Zahntechniker Marcel Liedtke, Affing-Mühlhausen, und Zahntechnikermeister Sebastian Schuldes M.Sc., Eisenach. Dr Friedemann Petschelt, der 1. Vorsitzende des Landesverbandes, hatte eine gute Mischung aus Chirurgen, chirurgisch tätigen Zahnärzten und den für die Materialkenntnis und die Umsetzung der Ästhetik unabdingbaren Zahntechnikern mit ihren Beiträgen zu einem spannenden Programm zusammengestellt.

Traditionell eröffnet wurde das Symposium am Freitag durch Workshops von Partnern aus der Industrie. Im Mittelpunkt standen Themen von CAD/CAM bis Weichgewebsmanagement, teilweise auch zum anfassen und mitmachen. In einer Live-OP demonstrierte Prof Dr. Dr. Thorsten Reichert, Direktor der Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik Regensburg, seine Künste am OP-Tisch.

Parallel fand ein Forum für die Assistenz statt. Themen waren „Update Prophylaxe an Implantaten und Zähnen“, die Erhaltung derselbigen bis ins hohe Alter und darüber hinaus sowie das wichtige Thema Kommunikationsmanagement für die tägliche Praxis. Kurz: Es ging um die Patientenkommunikation jenseits der Routine als Schlüssel zu mehr Individualität und Aktualität im Patientenkontakt.

Richtig zur Sache ging es dann Samstagmorgen. Den Anspruch, am Puls der Zeit zu sein, bestätigte der erste Referent mit seinem Thema hinreichend. Es ging nicht nur um das „banale richtige Implantat“, sondern um das richtige Implantat für den kompromittierten Patienten. Als eine Take Home Message stellte Prof Dr. Dr. Knut A. Grötz, Direktor der Klinik für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie der HELIOS Dr. Horst Schmidt Kliniken Wiesbaden, die Bedeutsamkeit von Gewindeschneiden am kompromittierten Patienten heraus.

ZT Marcel Liedtke beleuchtete das Thema „zementieren oder verschrauben“ auch im Hinblick auf die Materialeigenschaften. Die Entscheidung, ob verschrauben oder zementieren die bessere Lösung ist, trifft Liedtke ausschließlich indikationsspezifisch. Kurzum empfiehlt der Zahntechniker, bei Einzelkronen mit achsengerechter Implantatposition die Verschraubung. Im ästhetischen oder funktionellen Bereich hingegen empfiehlt er, zu zementieren. Insgesamt scheint wohl ein Trend zu angulierten Schraubkanälen erkennbar zu sein.

Dr. Fred Bergman beschrieb die Potenziale verschiedener Knochenersatzmaterialien und Eigenknochen bei der Augmentation für die tägliche Praxis. Anschließend machte Prof. Dr. Daniel Buser einen hochkarätigen Halbzeitpfiff und erörterte die kritische Frage nach dem besten Zeitpunkt der Implantation nach einer Extraktion im ästhetischen Bereich. Hierbei betonte er das Rezessionsrisiko von 20 bis 30 Prozent bei immediater Implantation.

Wem nicht nach Buffet war, konnte in der Mittagspause sein Praxisinstrumentarium erweitern oder ersetzen: Die Industrie- Ausstellung hatte mit etwa 20 Ständen rund um das Kongress-Thema einiges zu bieten.

Nach der Mittagspause hatte Prof. Dr. Dr. Joachim Zöller die schwere Aufgabe übernommen, dem „plenus venter“ zu trotzen. Sein Thema: „Differentialindikation der Augmentationstechniken“. Von der Einheilzeit von Knochenblöcken über drei Monate und deren Versorgung bis zu Fallbeispielen mit Distraktionen und entsprechender Implantation ist das wach bleiben nicht schwergefallen.

Zahntechnikermeister Joachim Schuldes M.Sc. formulierte eine These: „Digitale Technologien sollen Garant für eine bessere Vorhersagbarkeit des ästhetischen Ergebnisses implantatprothetischer Versorgungen sein.“ Die Möglichkeiten der verschiedenen digitalen Technologien sollen auch Abläufe erleichtern und die Effizienz steigern.

Nach dem allgegenwärtigen Thema der Digitalisierung in der Implantologie ging es mit dem vorletzten Redner wieder zurück zur Medizin in der Oralen Chirurgie und Implantologie. „Neue orale Antikoagulantien“ (NOAK) und der perioperative Umgang mit diesen waren das Thema von Lokalmatador Professor Reichert. Die kritisch diskutierte Frage, ob diese NOAK bei chirurgischen Eingriffen abzusetzen sind oder nicht, kreiste er ein und empfahl, auf Basis des Blutungsrisikos zu entscheiden. Bei mittlerem bis hohem Risiko setzt er die NOAKs 24 bis 72 Stunden vor dem Eingriff ab.

Mit „Komplikationen in der chirurgischen Implantologie“ schloss Prof. Dr. Herbert Deppe den wissenschaftlichen Teil des Kongresses ab. Es folgte die Mitgliederversammlung und Wahl des neuen Vorstandes des Landesverbandes. Nach zwei Amtsperioden war eine Wiederwahl von Dr. Friedemann Petschelt nicht mehr möglich.

Von der Mitgliederversammlung wurde der scheidende 1. Vorsitzende des Landesverbandes darum für seine Leistungen gewürdigt. Der bis auf den letzten Platz ausgebuchte Kongress und die hochkarätigen Vortragenden haben die erfolgreiche Tätigkeit von Dr. Petschelt unterstrichen. Die federführende Organisation der Tagung war ein großartiges Abschiedsgeschenk für seinen Landesverband. Zu seinem Nachfolger wurde von der Mitgliederversammlung PD Dr. Dietmar Weng, Starnberg, gewählt. Mehr über den neuen Vorstand im LV Bayern folgt in der nächsten Ausgabe der ZZI.


(Stand: 06.06.2017)

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