Patientenaufklärung – kann ein Aufklärungsbogen oder eine Software das Arzt-Patienten-Gespräch ersetzen?

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Sicherlich kann man davon ausgehen, dass die meisten Kolleginnen und Kollegen bestrebt sind, sehr gute und verantwortungsvolle Arbeit am Patienten zu leisten. So erscheint es aus Behandlersicht teilweise unverständlich, welche Anforderungen im Bereich der Aufklärung an uns gestellt werden. Bei Gesprächen, die am Rande von Kongressen geführt werden, wird immer wieder von dramatischen Urteilen bei Gericht gesprochen, in denen teils absurde Aufklärungen gefordert werden. Und dann tritt noch ein neues Patientenrechtegesetz in Kraft, das uns als Ärzte und Zahnärzte immer weiter fordert. Manche Kolleginnen und Kollegen fühlen sich sogar wie kriminalisiert. Gerade im Bereich der Implantologie mit den vielen unterschiedlichen Therapiealternativen, und einer häufig elektiven Behandlung, kommt der Aufklärung eine besondere Bedeutung zu. Dies trifft umso mehr zu, als finanzielle Folgen den Patienten persönlich treffen können.

Wir hielten es daher seitens der DGI für dringend an der Zeit, die Idee unserer Mitglieder aufzugreifen und etwas Licht ins Dunkel der Aufklärungsfrage zu bringen.

Natürlich würde sich jeder eine verbindliche Checkliste wünschen, die man „abarbeitet“ und damit alle Aufklärungsanforderungen erfüllt. Alternativ würde man sich vielleicht eine App wünschen, die man dem Patienten in die Hand drückt und auch damit sozusagen „allumfassend“ aufklärt. Bedenkt man allerdings, dass eine Aufklärung natürlich immer ein individuelles Arzt-Patienten-Gespräch beinhaltet und nicht in erster Linie eine Niederschrift darstellt, so wird klar, dass keine dieser Formen das individuelle Aufklärungsgespräch ersetzen kann. Des Weiteren sind ja gerade eingriffstypische Risiken aufzuklären. Diese lassen sich natürlich nur an einem individuellen Fall darstellen. Die Aufklärung soll eingriffstypische Risiken umfassen, die für den Laien überraschend und in der Lebensführung beeinträchtigend sind. Dieser Forderung kommt natürlich besondere Bedeutung zu, wenn es verschiedene Therapiealternativen gibt. So wird der eher ältere, kranke Patient operative Risiken völlig anders bewerten, als ein junger Patient. Auch das Risiko einer eventuellen Nervläsion wird wahrscheinlich, je nach beruflichem Hintergrund, unterschiedlich bewertet werden.

Gerade beim Vorliegen unterschiedlicher Therapiealternativen, zum Beispiel „kurzer Implantate versus Knochenaugmentation und lange Implantate“, kommt damit der Alternativaufklärung eine zentrale Bedeutung zu. Und letztendlich muss natürlich der Aufklärungsumfang und auch die entsprechende Bedenkzeit, die man dem Patienten einräumt, sich an der Dringlichkeit der OP messen lassen. Im Rahmen der Notfallbehandlung, ohne Therapiealternativen, werden sicherlich andere Anforderungen an die Aufklärung gestellt werden, als im Rahmen elektiver Behandlungen, die ggf. auch unterschiedliche Therapiealternativen beinhalten.

So kommt also dem Arzt-Patienten-Gespräch eine ganz besondere Bedeutung zu und diese hat sich auch durch das neue Patientenrechtegesetz nicht verändert. Im Rahmen des Sommersymposiums haben wir den Wunsch der Mitglieder aufgegriffen, diesen Bereich der Aufklärung zu beleuchten und rechtssicher zu machen. Wir laden Sie alle ein, an dieser besonderen Veranstaltung teilzunehmen und aktiv mit zu diskutieren. So soll Aufklärung kein Schreckgespenst sein, sondern die konstruktive Arbeit am Patienten ermöglichen.

Ihr

Prof. Dr. Dr. Bilal Al-Nawas


(Stand: 07.06.2017)

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