DGI-Fortbildungskurs

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Die digitale Implantologie liegt im Trend. PD Dr. Jan-Frederik Güth, leitender Oberarzt der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik der LMU München, und ZTM Hans-Jürgen Stecher, Wiedergeltingen, präsentierten am 23. Februar in München bei einem Fortbildungskurs der DGI die derzeitigen Möglichkeiten der digitalen Implantationsplanung und -versorgung.

Die Technik gibt den Takt vor: Die Rechenleistung der Mikrochips verdoppelt sich alle 18 Monate. „Mangelnde Rechnerkapazität und -leistung werden zukünftig nicht mehr das Problem bei der Digitalisierung in der Zahnmedizin sein“, sagt PD Dr. Jan-Frederik Güth, München. Dies sei wichtig, da die Anforderungen an die Verfahren wachsen, vor allem was deren Präzision, Wirtschaftlichkeit und Geschwindigkeit betrifft.

Probleme an den Schnittstellen. Probleme im Ablauf entstehen, so die Experten, derzeit meist an den Übergängen zwischen analoger und digitaler Welt – sprich im Bereich der Digitalisierung – und nach der Fertigung. „Zur Versorgung eines Patienten mit einer gegossenen Restauration sind wenigstens 60 klinische Behandlungsschritte, labortechnische Verrichtungen und Entscheidungsprozesse notwendig, die einen entscheidenden Einfluss nehmen auf die Funktionstüchtigkeit und die Präzision des Endprodukts und vor allem auf die Dauer der Funktionstüchtigkeit“, zitierte Hans-Jürgen Stecher aus einem Lehrbuch der zahnärztlichen Prothetik und legte nach: „Das wird ja nicht weniger durch die Digitalisierung. Der analoge Prozess hat uns lange vor Herausforderungen gestellt, und nun gehen wir davon aus, dass wir auf den Knopf drücken und alles funktioniert – so simpel ist es sicher nicht.“

Güth verwies auf die unmittelbare Kontrollmöglichkeit nach einem Intraoralscan – wobei sich die Frage stelle, ob sich durch die Kontrollmöglichkeit auch die Qualität der Präparationen erhöhte. In einer noch unveröffentlichten Studie berichtet das Team um Güth, dass trotz unmittelbarer Kontrolle über den Bildschirm – zumindest für den Konuswinkel, der jeweils bei ca. 30° liegt – keine Verbesserung auftritt. Allerdings zeigt die Studie auch, dass Präparationen, die durch Intraoralscan erfasst wurden, in einigen Parametern Qualitätsverbesserungen aufweisen, wie etwa bei der Kontinuität der Präparationsgrenzen.

Unterschiede bei der Genauigkeit. Während der Scan bis zu einem Kieferquadranten meist gut möglich ist und die anschließenden Workflows konsistent sind, existieren zwischen den Scannern noch erhebliche Unterschiede in der Genauigkeit bei der Erfassung gesamter Kiefer. Die Produktzyklen sind sehr kurz, sodass es laut Güth schwerfällt, immer aktuelle Vergleichsdaten zu generieren.

Wichtig sei auch die – ebenfalls unterschiedliche – Verarbeitung der STL-Daten in der Software. Einzelne Geräte der neuesten Generation scannen bereits recht genau ganze Kiefer. Allerdings genüge das noch nicht für die weitspannige Implantatprothetik. „Die Abweichung beträgt meist noch mindestens 50–100 µm“, so Güth.

Oralscanner: Was zu beachten ist. Vor dem Kauf eines Scanners sollten Zahnärzte überlegen, welche Indikationen das Gerät abdecken soll und was ggf. die Patienten wünschen. Als Paradebeispiel für ein effizientes digitales Behandlungskonzept beschrieb Güth das Münchner Implantatkonzept. Auf der Basis eines intraoralen Scans kann bereits bei der Freilegung ein definitives Abutment oder die definitive Restauration eingegliedert werden. Dies erspart mindestens eine Sitzung, was neben der Gewebeschonung ist – da kein Abutmentwechsel erforderlich – auch wirtschaftliche Vorteile bringt. Bis zu 3 benachbarte Einheiten scheinen derzeit möglich.

Kompletter digitaler Workflow noch nicht möglich. Güth und Zahntechnikermeister Hans-Jürgen Stecher sehen denselben bedeutenden Vorteil: Arbeitsschritte werden reduziert, das Fehlerpotenzial sinkt. Aber dafür gebe es Fehlerpotenzial in anderen Bereichen, z.B. durch notwendige Änderungen im Arbeitsfluss. Die Qualität müsse wie bisher anhand derselben Parameter beurteilt werden und stimmen. Einig waren sich die Referenten auch bei der Aussage, dass ein komplett digitaler Workflow noch nicht möglich ist.

Laut Stecher funktioniert modellfreies Arbeiten oder die präzise Übertragung patientenspezifischer Unterkieferbewegungen in die Software nicht: „Die virtuellen Artikulatoren machen, was sie wollen, und können z.B. keine Schliff-Facetten lesen.“ Über digitale Abstimmungsschwierigkeiten klagten auch Kursteilnehmer. Stecher: „Hauptproblem sind die Schnittstellen und deren Bewertung.“ Sein Rat: „Suchen Sie sich Laborpartner, die Querverbindungen im Workflow bedienen und managen können.“

Vor einer intraoralen Abformung müsse z.B. geklärt sein, ob die verwendeten Scan-Abutments/Bodies in der CAD/CAM-Software hinterlegt und passende Laboranaloga vorhanden sind. Bei einigen Anbietern muss man sich mit hohen Investitionen einkaufen. Offene Systeme seien attraktiv, doch sollten Schnittstellen geprüft sein. Bei der Preiskalkulation sollten neben fixen auch variable Kosten berücksichtigt werden, z.B. ein oft schneller Wertverlust infolge Neuentwicklungen.

Gut geplant ist halb versorgt. Bei der dreidimensionalen Implantationsplanung wird nicht mehr zu einer Radiologieschablone referenziert, sondern zum Datensatz aus einem Intraoral- oder Laborscanner. Dabei ist die exakte Überlagerung der radiologischen mit den klinischen Daten Voraussetzung. Wie beim intraoralen Scannen arbeitet die Software mit sogenannten Best-Fit-Werkzeugen. Passen die räumlichen Beziehungen präzise zusammen, kann unkompliziert eine Chirurgieschablone 3D-gedruckt werden. Für Einzelimplantatversorgungen funktionieren laut Güth und Stecher z.B. sehr gut auf Titanbasen verklebte Abutmentkronen aus Lithiumdisilikat. Allerdings gebe es dazu noch keine Langzeitdaten. Die Verklebung sollte dabei im Labor erfolgen.

Funktion und CAD/CAM verknüpfen. Ein Teilnehmer fragte, wie präzise funktionelle Daten in CAD/CAM-Restaurationen überführt werden können. Da sehen Güth und Stecher das größte noch nicht ausgeschöpfte Potenzial: Durch schädelbezügliche Aufzeichnungen sollte sich die individuelle Funktion schon bald mit CAD/CAM-Zahnersatz verknüpfen lassen. Forscher und Industrie arbeiten sehr intensiv an solchen Projekten. „Entsprechende Lösungen wären sicher so relevant, dass die digitale Zahnheilkunde den Weg in jede Praxis finden sollte“, erklärte Güth.

Barbara Ritzert, Pöcking

Foto: Barbara Ritzert

 

 

 


(Stand: 04.07.2018)

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