Zahnmedizin und Infektionen

Ein Risiko das uns begleitet

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In den letzten Monaten wurde häufig die Frage gestellt, was Zahnmedizin ausmacht: Ist Zahnmedizin systemrelevant? Ist Zahnmedizin elektiv und kann für eine gewisse Zeit einfach abgeschaltet werden? Bei allem Leid und den finanziellen Problemen, die sich aus diesen Diskussionen ergeben haben, ist klar: Die moderne Zahnmedizin ist ein unverrückbarer und notwendiger Teil der Medizin. Zahnmedizinische Versorgung lässt sich eben nicht für einige Wochen einfach auf die Behandlung von Notfällen begrenzen. So stellt sich die erste Frage, wie weit die Notfallbehandlung gehen sollte. Anders als im nächtlichen zahnärztlichen Notdienst, umfasst eine zahnärztliche Notfall-Grundversorgung auch die Sicherung der Substanz über eine längere Zeit. So muss eine angefangene endodontische Maßnahme irgendwann zu Ende geführt werden. Der dentogene Abszess benötigt eine genaue Suche nach der Ursache. Der parodontal entzündete Zahn bedarf einer systematischen Behandlung. In einigen Ländern wird somit korrekterweise das Sofortimplantat, z.B. im Fall eines Zahntraumas unter Umständen als dringlich indiziert angesehen. Es wurde deutlich, dass zahnärztliche Grundversorgung mehr als nur Schmerzbeseitigung bedeutet. Zahnärztliche Grundversorgung bedeutet in Pandemiezeiten die Sicherung der allgemeinen Gesundheit unserer Patienten. Es ist nicht hinnehmbar, dass der Diabetiker nicht mehr parodontal behandelt wird und als Folge der Blutzucker nicht mehr regulierbar ist. Ebenso kann es nicht sein, dass Patienten vor einer Bisphosphonattherapie keine adäquate Fokussuche mehr erhalten. Unzumutbar ist auch, dass Patienten mit Mundschleimhauterkrankungen keine zeitnahe Diagnose bekommen. Genauso wenig können periimplantäre Entzündungen über Wochen und Monate konserviert werden.

Des Weiteren wurde im Rahmen der Pandemie klar, dass der behandelnde Zahnarzt sozusagen im Fokus des infektiösen Geschehens steht. Schon seit Zeiten der Legionellenentzündung wissen wir, dass Legionellenantikörper bei Zahnärzten, wegen des Aerosols, besonders hoch sind. Der gesetzgeberische Druck auf die Qualität der Aufbereitung hat zu einer deutlichen Verbesserung der zahnmedizinischen Aufbereitungsqualität von Medizinprodukten geführt. Man kann die Zahnmedizin in diesem Bereich sicher als führend betrachten. Erfreulicherweise können während der Pandemie die Gesundheitsämter nun endlich ehrenvolleren Aufgaben nachgehen, als die Validierung von Sterilisatoren und RDGs zu überprüfen. Denn die Risikoeinschätzung in der eigenen Praxis und daraus abgeleitete Hygienemaßnahmen kann letztlich nur der Arzt selber, ggf. in Zusammenarbeit mit einem Hygieniker treffen. Nur Sie selber wissen, ob Sie häufig Patienten aus Pflegeheimen behandeln, die vielleicht besonders schutzbedürftig sind. Sie kennen Ihre Abläufe im Team und können Risikoprozeduren, die mit Aerosolbildung einhergehen, reduzieren. Sie als Praxisinhaber und Klinikleiter können Ihr Team motivieren, gemeinsam am Thema Hygiene und Patientensicherheit zu arbeiten.

Gerade starke Teams konnten in dieser kritischen Phase beweisen, wie Zusammenarbeit funktioniert. Den Mitarbeitern etwas zutrauen, und gemeinsam Lösungen erarbeiten, den Informationsfluss wahren, all dies sind Qualitäten, die gerade jetzt gefragt sind. Der Zahnarzt in der Praxis ist also gerade jetzt in seiner Führungsrolle gefragt.

Es bleibt zu hoffen, dass unsere soziale Normalität wieder einkehrt und wir wieder einen unbedarften sozialen und ja, auch körperlichen Kontakt zueinander pflegen können. Ein mahnendes Zitat aus diesen Zeiten lautet: „Mit einem Mal betrachten wir Menschen als Zellhaufen, in denen sich Viren vermehren. Das ist gefährlich. Wir bekommen ein schiefes Menschenbild.“ (Quelle: Matthias Gabriel, www.handelsblatt.com)

 

 


(Stand: 08.06.2020)

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