Resorptionsprotektion durch Implantate -Wunsch oder Wirklichkeit?

ZZI 03/1999, 143-53

Resorptionsprotektion durch Implantate -Wunsch oder Wirklichkeit?

H. Schliephake

Zusammenfassung:
Ziel dieses Übersichtsbeitrages ist es, den derzeitigen Kenntnisstand über den Zusammenhang zwischen Strukturerhalt des Alveolarfortsatzes und der funktionellen Belastung enossaler Implantate zu analysieren. Der direkte Nachweis der resorptionsprotektiven Wirkung funktionell belasteter enossaler Implantate ist dabei wissenschaftlich einwandfrei bisher nicht erbracht worden. Mathematische Modelle der Belastung des periimplantären Knochens weisen darauf hin, daß sich das Muster der Krafteinleitung durch Implantate wesentlich von der Belastung eines desmodontal aufgehängten Zahnes unterscheidet. Die für die desmodontale Krafteinleitung nachgewiesene strukturerhaltende Wirkung auf den Alveolarfortsatz kann daher für Implantate nicht ohne weiteres vorausgesetzt werden, auch wenn Knochenumbau im unmittelbar periimplantären Knochen unter Belastung nachweisbar ist. Da der eindeutige strukturelle und metrische Nachweis der Resorptionsprotektion durch Implantate einen kontrollierten Versuchsaufbau und invasive Analysemethoden erfordert, wird ein Nachweis vor allem durch experimentelle Untersuchungen zu führen sein. Im klinischen Bereich bleibt aus ethischen Gründen nur der indirekte Nachweis durch den Vergleich mit alternativen Versorgungsformen. Bei der Menge der vorliegenden Daten kann trotz methodischer Unschärfen festgestellt werden, daß die Resorption des Alveolarfortsatzes bei Patienten mit implantatgetragenem Zahnersatz deutlich geringer ist als die Reduktion des Kieferkammes bei Patienten mit schleimhautgetragenem Zahnersatz. Die Klärung der Frage, wie diese Minderung der Resorption biologisch begründbar ist und welchen Anteil möglicherweise die bloße Vermeidung einer Druckbelastung des Alveolarfortsatzes am Ergebnis hat, muß weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben.

 

Summary:
The objective of this overview is to assess our present understanding of the relationship between the structural preservation of alveolar bone and the functional loading of endosseous implants. So far, there has been no direct scientific evidence for a resorption-protective effect of endosseous implants under functional load conditions. Mathematical models of stress distribution in periimplant bone tissue have shown that the forces transmitted via an implant follow a pattern that differs considerably from that of a periodontally supported natural tooth. This means that the structure-preserving effect established for periodontally supported teeth cannot be assumed in the same way for dental implants, although bone remodelling processes can also be demonstrated in the bone surrounding loaded implants. Since solid structural and metric evidence for a resorption-protective effect of implants cannot be produced without a controlled study design and invasive test methods, we depend on experimental studies to demonstrate such an effect. As far as clinical trials are concerned, ethical considerations force us to rely on the indirect evidence obtained from comparative studies versus other treatment alternatives. Despite these methodological inadequacies, the large amount of data available permits the conclusion that there is clearly less alveolar bone resorption in patients with implant-supported dentures than in those with mucosa-supported dentures. The question of the biological rationale for this reduction in bone resorption and the role of the absence of compressive loads on the alveolar process will have to be addressed in future studies.


(Stand: 01.03.1999)

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