Knochenumbaurate vier verschiedener Implantatoberflächen in regionalem Knochen mittels Polyfluorochrom- Markierung in Beagle Hunden

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G. Weibrich1, 2, W. Kleis2, R.S.R. Buch2, T. Hansen4, Ph. Streckbein2, 3

Diese in vivo Studie analysiert vier Implantatoberflächen. Es wurden jeweils vier unterschiedliche Titan-Schrauben-Implantate (Branemark MK III, Osseotite, Xive und Compress) mit vier unterschiedlichen Oberflächen (TiUnite, Osseotite, Friadent Plus und maschiniert/sandgestrahlt) im Unterkiefer von zwölf Beagle Hunden inseriert. Intravitale Fluorochrom-Färbung wurde in der 1. (Alizarin), 2.–3. (Calceingrün) und 4.–5. (Xylenolorange) Woche durchgeführt. Fünf Tiere wurden nach sechs Wochen, die verbleibenden sechs Tiere nach zwölf Wochen histologisch und histomorphometrisch analysiert.

Nach sechs Wochen Einheilzeit konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den vier untersuchten Implantatoberflächen sowohl hinsichtlich der analysierten peri-implantären (% der markierten Knochenoberfläche: Xive
(73,38 % ± 10, 3%), Branemark (69,97 % ± 25 %), Compress (54,47 % ± 17,5 %) und Osseotite (49,53 % ± 9,5 %)) Knochenregenerationsrate als auch bezüglich der resultierenden BIC gezeigt werden. Der einzige signifikante Unterschied in der Knochenregenerationsrate konnte in der 12-Wochen-Gruppe für das Compress vs. Branemark Implantat gezeigt werden (sign test, p = 0,03; alle anderen sign tests p > 0,063). Zu diesem Zeitpunkt fand sich in Analyse der Knochen-Implantat-Kontakt-Rate (BIC) (Xive 72,36 % ± 8,21 %, Branemark 53,37 % ± 9,74 %, Osseotite 47,47 % ± 11,95 % und Compress 42,7 % ± 5,7%)) kein statistisch signifikanter Unterschied (Vorzeichentest, alle p ? 0,063).

Diese Studie unterstützt die These, dass der Effekt der untersuchten Implantatoberflächen auf die peri-implantäre Knochenregeneration und BIC sich nicht in statistisch signifikantem Umfang unterscheidet.

Schlüsselwörter: Tierstudie, Implantat, Implantatoberfläche, Peri-implantärer Knochen, Polyfluorochrom, Histomorphometrie

Einleitung

In den letzten Jahren haben die meisten klinisch verfügbaren Implantatsysteme veränderte Implantatoberflächen eingeführt, wobei jeder Hersteller postuliert, dass seine Oberflächenstruktur die Osseointegration optimiert. Bisher untersuchen die meisten vorliegenden Studien die jeweilige glatte (maschinierte) Oberfläche gegen die dazugehörige neu eingeführte Oberflächenmodifikation des gleichen Herstellers. Diese vorliegenden histomorphometrischen Studien konnten zeigen, dass eine höhere Knochen-Implantat-Kontaktrate (BIC) auf Grund einer erhöhten und beschleunigten Knochenneubildung an den modifizierten aufgerauten Implantatoberflächen resultiert [20, 22, 10]. Der klinische Einsatz einer dieser Implantatoberflächenmodifikationen, einer anodisch-oxidierten Oberfläche (TiUnite), verbesserte die Implantat-Überlebensrate unter Sofortbelastung der im Oberkiefer und Unterkiefer inserierten Zahnwurzelimplantate von 80 % auf 97 % verglichen mit der Anwendung der maschinierten Implantatoberfläche des gleichen Herstellers in analogem Studiendesign [4, 5], was auf die mögliche klinische Relevanz einer solchen Oberflächenmodifikation hinweist. Es sind bisher nur sehr wenige Arbeiten vorhanden, welche die verfügbaren aufgerauten Implantatoberflächen der klinisch angewendeten Implantatsysteme verschiedener Hersteller untereinander vergleichen:

Erste vergleichende Zellkultur Untersuchungen lassen einen Vorteil der Korund-gestrahlten und Säure-geätzten Titanoberfläche gegenüber Plasma-gesprayten und maschinierten Oberflächen vermuten [13]. Im Tiermodell zeigte die Säure-geätzte Oberfläche einen Vorteil gegenüber den maschinierten, plasma-gesprayten und den Korund-gestrahlten Oberflächen [1].

Die vorliegende Studie vergleicht die histologischen und histomorphometrischen Ergebnisse von vier klinisch verfügbaren Titanschraubenimplantaten mit unterschiedlichen Oberflächenstrukturen hinsichtlich des resultierenden peri-implantären Knochenumbaues und der entstehenden BIC in der mittleren und späten Osseointegrationsphase.

Material und Methoden

Tiermodell

Nach Genehmigung durch die Tierversuchskommission wurden zwölf weibliche Beagle Hunde im Alter von zwölf bis 15 Monaten und einem Gewicht von 12–16 kg in die Studie integriert. Die Tiere wurden in Einzelkäfigen in der Tierversuchsanstalt Boehringer Ingelheim gehalten und erhielten Wasser und Standard Futter. Drei Monate vor Beginn der Studie wurden die Prämolaren im Unterkiefer entfernt. Alle Wunden wurden klinisch nachuntersucht und zeigten unauffällige Hart- und Weichgewebeheilung.

Chirurgisches Vorgehen und Implantatdesign

Nach Einleitung einer Anästhesie durch intramuskuläre Injektion von Dormitor (Orion Corporation, Espoo Finnland) (35 µg Medetomid pro kg Körpergewicht) und der intravenösen Injektion von Disoprivan (AstraZeneca AG, Grafenau 10, CH-6301 Zug) 2 % (2 mg Propofol pro kg Körpergewicht) wurden jeweils vier unterschiedliche Implantate randomisiert im Unterkiefer gemäß Hersteller-Empfehlungen inseriert.

Die folgenden Implantattypen mit unterschiedlichen Implantatoberflächenstrukturen wurden in randomisierter Position eingesetzt (Abb. 1):

1. Branemark (MK III): ein selbstschneidendes zylindrisches Titanschraubenimplantat. Nobel Biocare (Göteburg, Schweden), 7 mm Länge, 3,75 mm Durchmesser. Die TiUnite Oberfläche wird durch anodische Oxidation hergestellt.

2. 3i Osseotite: ein selbstschneidendes zylindrisches Titanschraubenimplantat. 3i (Miami, FL, USA), 8,5 mm Länge, 4,0 mm Durchmesser. Die Osseotite Oberfläche ist zweifach Säure-geätzt.

3. Xive: ein selbstschneidendes konisches Titanschraubenimplantat. Densply Friadent (Mannheim, Germany), 8 mm Länge, 3,8 mm Durchmesser. Die Friadent Plus Oberfläche wird Korund-gestrahlt und Säure-geätzt.

4. Compress: ein Knochen-verdrängendes/-kondensierendes konisches Titanschraubenimplantat. IGZ eG (Diez, Germany), 12 mm Länge, 4,0 mm Durchmesser. Die Oberfläche ist maschiniert und im apikalen Drittel sandgestrahlt.

 

Der Wundverschluß erfolgte mit Vicryl 3.0 (Ethicon GmbH; Norderstedt, Deutschland). Die Hunde erhielten postoperativ weiche Kost für zwei Wochen.

Antibiotische Abschirmung und
Fluorochrom-Markierungs-Sequenz

Als postoperative antibiotische Abschirmung erhielten die Tiere eine intramuskuläre Gabe von Tardomycel (BayerVital, Leverkusen, Deutschland) (Benzylpenicillin-Procain) 0,1 ml/kg Körpergewicht direkt präoperativ und dann alle 48 Stunden für eine Gesamtdauer von zehn Tagen.

Die sequentielle Intravital-Markierung des regenerierenden Knochens wurde postoperativ mit 3 % Alizarin (0,83 ml/kg Körpergewicht) in der ersten Woche (Applikation am OP Tag), 1 % Calceingrün (5 ml/kg Körpergewicht) in der zweiten und dritten Woche (7. und 14. post OP Tag), und 6 % Xylenolorange (1,5 ml/kg Körpergewicht) in der vierten und fünften Woche (21. und 28. post OP Tag) durchgeführt.

Präparationstechnik

Eines der zwölf Tiere verstarb fünf Tage postoperativ und wurde als zusätzliche Information über die Reparationsvorgänge fünf Tage postoperativ deskriptiv dargestellt. Fünf Tiere wurden sechs Wochen post OP, sechs Tiere zwölf Wochen post OP histologisch aufgearbeitet. Die Präparat-Vorbereitung erfolgte mittels der Trenn-Dünnschlifftechnik nach Donath und Breuner [2, 3]. Die Präparate wurden entlang der Implantatachse in 40–60 ?m dünnen Schnitten aufbereitet. Nach einer histomorphometrischen Analyse der Fluorochrom-Markierungen wurden die Präparate mit Toluidinblau gefärbt und histologisch untersucht. Die BIC wurde histomorphometrisch gemessen.

Histomorphometrische Auswertung

Um die peri-implantäre Knochenregeneration zu analysieren wurde die Fluorochrom-Markierungen des peri-implantären Knochens an immer den selben drei Stellen pro Implantat gemessen: an jedem Implantat von crestal gezählt an den Implantatwindungen Nr. 1 und Nr. 3 sowie an der letzten Windung im Apikalbereich (caudolaterale Ecke) der Implantate, wobei die zu messenden Areale direkt der Implantatoberfläche anlagen (Abb. 2). Vier Fotoaufnahmen wurden jeweils von diesen drei Arealen angefertigt (Leica DMRX, Leica; CCD Farbvideokamera, Sony; 100-fache Vergrößerung): zuerst eine Aufnahme unter Durchlicht-Mikroskopie ohne einen spezifischen Filter, danach drei Fluoreszens-Aufnahmen um die Fluorochrome Alizarin, Calceingrün und Xylenolorange zu analysieren (Abb. 2). Diese vier Aufnahmen wurden digital abgespeichert und histomorphometrisch mittels Bild-Analyse-System (Image Tool für MS-Windows, University of Texas Health Science Center, San Antonio, TX, USA) ausgewertet. Mit Hilfe dieses Systems wurde die Anzahl der Fluorochrom-markierten Pixel (in % der Gesamtfläche) getrennt für Alizarin, Calceingrün und Xylenolorange an jeweils drei Regionen pro Implantat bestimmt. Der Mittelwert der Alizarin-Anfärbung der jeweils zusammengehörenden drei Implantatregionen wurde als Maß für die Knochenregeneration in der ersten postoperativen Woche, der Mittelwert von Calceingrün als Maß für regenerative Prozesse der zweiten und dritten Woche und der Mittelwert von Xylenolorange als Maßzahl für die vierte und fünfte Woche gewertet.

Nach Anfärbung der Präparate mit Toluidine blau wurde eine zusätzliche digitale Aufnahme des ganzen Implantates zusammen mit dem umgebenden Knochengewebe mit 16facher Vergrößerung angefertigt. Die Knochen-Implantat-Kontaktrate (BIC) wurde als knochenbedeckter Prozentsatz der Implantatoberfläche mittels Bild-Analyse-Programm (Adobe Photoshop CS und Paint Shop Pro 7 für MS-Windows) bestimmt (Abb. 3).

Statistische Methoden

Alle quantitativen Messwerte wurden mittels deskriptiver Statistik beschrieben (n, MW, Standardabweichung, Median, Minimum, Maximum, und andere Quartile). Zur Überprüfung, ob die Oberflächenmodifikationen der Implantate die Knochenregeneration beeinflusst, wurden die Tiere der 6- und 12-Wochen-Gruppen getrennt für die einzelnen Implantattypen analysiert: 1. Branemark, 2. Osseotite, 3. Xive und 4. Compress.

Der Mittelwert der drei Fluorochrom-Messungen pro Implantat (Messung der markierten Knochenoberfläche in % an
1. Windung, 3. Windung, letzter Windung) wurde als Kombinationsparameter für die Knochenregeneration im peri-implantären Bereich interpretiert. Die vier verbundenen Mittelwerte der Knochenregeneration (vier Implantate pro Tier) wurden grafisch für jedes der vier Implantattypen mittels Boxplots dargestellt.

Um die zeitliche Abfolge möglicher Implantatoberflächeneffekte auf die Knochenregeneration zu überprüfen wurde jede Fluorochrom-Markierung getrennt analysiert und für die vier Implantattypen nebeneinander dargestellt: Die Messwerte von Alizarin repräsentieren dabei die Knochenbildung während der ersten Woche, Calceingrün die Wochen zwei und drei und Xylenolorange die Wochen vier bis fünf.

Um die gesamte Knochenaktivität während des Osseointegrationsprozesses zu vergleichen, wurde die Summe der Fluorochrom-Markierungen eines jeden Implantates berechnet (Alizarin + Calceingrün + Xylenolorange) und in einem Boxplot für die vier Implantatoberflächen dargestellt.

Boxplots der Knochenregeneration und der BIC wurden für die unterschiedlichen Implantattypen getrennt nach sechs (n = 5 Tiere) bzw. zwölf (n = 6 Tiere) Wochen Einheilzeit (herstellungsbedingte Präparateanzahl n = 4–6 Implantate/Zeit-Gruppe) gezeichnet, obwohl der Median auch für die Gruppen verwendet wurde, für welche er nur begrenzte statistische Validität aufweist. Für die vier Implantattypen wurde der Vorzeichentest für nicht normal verteilte verbundene Daten berechnet und p-Werte dargestellt.

Ergebnisse

Intravitale Fluorochrom-Markierung

Bei den 6- (n = 5 Tiere) und 12- (n = 6 Tiere) Wochen Präparaten zeigten die Boxplots nur geringe Unterschiede in der Fluorochrom-markierten Knochenfläche zwischen den vier Implantattypen für Alizarin, Calceingrün und Xylenolorange (Abb. 4–6). In der 6-Wochen-Gruppe lag der Median der Alizarin- und Calceingrün-Markierungen höher bei den Branemark und Xive Implantaten als bei den beiden anderen Implantattypen, wohingegen die Xive- und Compress-Implantate höhere Fluorochromeinfärbungen für Xylenolorange aufwiesen. In den meisten Fällen lag der Median der Fluorochrom-Markierungen bei den 12-Wochen-Präparaten gleich oder leicht niedriger als bei den 6-Wochen-Präparaten. Die Mittelwerte und Standardabweichung der Fluoreszenzmarkierten Knochenoberflächen sind in Tabelle 1 dargestellt.

Eine Analyse der drei individuellen Fluorochrome zeigte keinen statistisch signifikanten Unterschied zwischen den Implantatoberflächen (Vorzeichentest, sechs Wochen: alle p ? 0,125; zwölf Wochen: alle p ? 0,063).

Als Marker der Knochenregeneration unterschied sich der Median der gesamten Fluorochrom-markierten Knochenfläche (Summe von Alizarin + Calceingrün + Xylenolorange Markierung), zwischen den vier Implantattypen bei den 6-Wochen-Präparaten nicht. Für die 12-Wochen-Gruppe fand sich (Abb. 7), basierend auf dem Vorzeichentest nur ein einziger statistisch signifikanter Unterschied in der gesamten Fluorochrom-Markierung, nämlich der zwischen Compress und Branemark (p = 0,03) in der 12-Wochen-Gruppe (zwölf Wochen: alle anderen p ? 0,063; sechs Wochen: alle anderen p ? 0,125).

Knochen-Implantat-Kontaktrate (BIC)

Es fanden sich keine statistisch signifikanten morphologischen oder histomorphometrischen Unterschiede in der BIC zwischen den vier Implantattypen, weder in den 6- noch in den 12-Wochen-Präparaten (Abb. 8) (Vorzeichentest, sechs Wochen: alle p ? 0,063; zwölf Wochen: alle p ? 0,125). Nach zwölf Wochen war der Median der BIC höher für das Xive Implantat (69,5 ± 8,2%) als für die anderen drei Implantattypen (Branemark 56 ± 9,7 %, Osseotite 49,6 ± 11,9 %, und Compress: 43,6 ± 5,7 %). Die Mittelwerte sind in Tabelle 2 dargestellt.

Diskussion

Die in der vorliegenden Studie verwendete Fluorochrom-Markierung ist eine etablierte Methode [11, 12]. Die histhomorphometrisch bestimmte Knochenoberfläche kann als Korrelat für die Knochenregeneration verwendet werden [8, 21, 17, 14]. Der Median der meisten Fluorochrom-markierten Präparate in der 12-Wochen-Gruppe war niedriger als der entsprechende Median in der 6-Wochen-Gruppe. Die Osseointegration der Implantate scheint also bereits nach sechs Wochen weitestgehend abgeschlossen und die Fluorochrome im weiteren Heilungsverlauf bereits ausgewaschen. Insgesamt konnte die Fluorochrom-Markierungs-Sequenz als valider Indikator für den zeitlichen Verlauf der Knochenregeneration verwendet werden.

Während der ersten postoperativen Woche (Alizarin-Markierung) überwiegt die Resorption des durch die Implantation geschädigten peri-implantären Knochens [19]. Das knöcherne Remodelling beginnt in der zweiten postoperativen Woche und kann mittels der durchgeführten Fluorochrom-Markierung visualisiert werden. Die höhere Farbstoffeinlagerung bei Branemark und Xive nach sechs Wochen weist auf eine vermehrte Knochenregeneration im Vergleich zu Osseotite und Compress hin. Nach den sechs Wochen reduziert sich die Fluorochrom-Markierung bei Branemark und Xive Präparaten um mehr als ein Drittel. Dies deutet auf anhaltende Remodellingprozesse hin, wohingegen die Markierungen bei Osseotite- und Compress-Implantatoberflächen weitestgehend stabil bleiben, was auf einen verminderten Knochenumbau während der siebten bis zwölften Woche hinweisen könnte (Abb. 7). Die klinische Relevanz dieser histomorphometrischen Unterschiede bleibt jedoch unklar.

Bemerkenswert erscheint die Xive Oberfläche, da sie eine tendenziell erhöhte knöcherne Regeneration in der ersten Woche (Alizarin) und in der vierten bis fünften Woche (Xylenolorange) aufzuweisen scheint. Der höchste Median aller summierten Flourochrom-Markierungen wird in den 6-Wochen-Präparaten des Xive-Implantates gefunden (Abb. 4, 6). Die Branemark Implantatoberfläche weist den zweithöchsten Wert in der 6-Wochen Gruppe auf. Die limitierte Anzahl der Präparate ist möglicherweise die Ursache für eine fehlende Signifikanz der scheinbar vorhandenen Unterschiede. Nach zwölf Wochen zeigte das Compress-Implantat jedoch mit dem höchsten Median-Wert der gesamten Flourochrom-Markierung einen statistisch signifikanten Unterschied zum Branemark-Implantat.

Diese höheren Werte für das Compress-Implantat belegen aber nicht unbedingt eine höhere Knochenregenerationsrate sondern könnten genauso Ausdruck einer immer noch nicht abgeschlossenen und damit länger dauernden und somit auch stärkeren Einbausituation von Fluorochromen als Ausdruck eines immer noch anhaltenden vermehrten Knochenumbaus sein.

Nach sechs Wochen war die BIC der konischen Implantate Osseotite, Xive und Compress leicht höher als bei dem zylindrischen Branemark-Implantat. Die Ursache könnte in der lateralen Kondensation des Knochens bedingt durch die konischen Implantatdesigns liegen.

Nach zwölf Wochen erreichte das Xive-Implantat die höchste BIC, gefolgt von Branemark-, Osseotite- und Compress-Implantaten. Verglichen mit den BIC der 6-Wochen Gruppe ergibt sich in der 12-Wochen-Gruppe eine leichte Steigerung beim Xive-Implantat sowie ein gleichbleibender Wert beim Branemark- und eine gering verminderter BIC für Osseotite- und Compress-Implantate.

Die niedrigere BIC der konischen Osseotite- und Compress-Implantate nach zwölf Wochen könnte möglicherweise durch eine erhöhte Knochenresorption während der späten Osseointegrationsphase verursacht sein. Dies deckt sich mit den Ergebnissen einer Studie zur Auswirkung einer Knochenlagerkondensation vor Implantatinsertion, welche ebenfalls resultierend erhöhte Knochenumbauprozesse nachweisen konnte [9]. Des weiteren zeigen vorhandene Studien die niedrigsten BIC Werte für maschinierte Oberflächen, was ebenfalls die hier ermittelten verminderten Werte zumindest für das zu zwei Drittel maschinierte Compress-Implantat erklären könnte.

Allerdings könnte auch die unterschiedliche Implantatlänge einen Einfluss haben, da dann ein größerer Anteil der längeren Implantate im Markraum des Knochens eingesetzt wurde. Dagegen spricht, dass solche Unterschiede dann auch schon nach sechs Wochen zu vermuten sind, diese hier aber nicht evaluiert wurden.

BIC-Werte zwischen 40–50 % erscheinen valide verglichen mit Daten aus anderen Studien an verschiedenen Implantatoberflächen: Trisi et al. fanden eine BIC von 47 % für das Osseotite Implantat in der humanen Maxilla [18]; Kim et al. berichten über eine BIC von 47,7 ± 13,4 % für 36 Implantate mit TiUnite Oberfläche in zwölf Hunden [7]; Shibli et al. konnten eine BIC von 32,19 ± 15,68 % für sieben Implantate mit TiUnite Oberfläche in einer Humanstudie dokumentieren (n = 7) [15]; Grassi et al. beobachteten ebenfalle in einer Humanstudie eine BIC von 42,83 ± 9,80 % bei 14 Implantaten mit sandgestrahlter und säuregeätzter Oberfläche [6]. Sul et al. zeigten einen erhöhtes Ausdrehmoment der TiUnite Oberfläche im Vergleich zur Osseotite Oberfläche [16].

Eine Analyse der BIC zeigte keine signifikanten Unterschiede zwischen den vier unterschiedlichen im ortsständigen Knochen inserierten Implantatoberflächen, möglicherweise auf Grund der limitierten Anzahl an Präparaten (n = 4–6 pro Gruppe und Zeitpunkt).

Die klinische Relevanz der hier evaluierten Unterschiede bei anderen Rahmenbedingungen wie Humananwendung oder augmentiertem Implantatlager ist derzeit noch ungeklärt.

Schlussfolgerung

Nach sechs Wochen Einheilzeit konnte kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den vier untersuchten Implantatoberflächen sowohl hinsichtlich der analysierten peri-implantären Knochenregenerationsrate als auch bezüglich der resultierenden BIC gezeigt werden.

Der einzige signifikante Unterschied in der Knochenregenerationsrate konnte in der 12-Wochen-Gruppe für das Compress vs. Branemark Implantat gezeigt werden (sign test, p = 0,03). Zu diesem Zeitpunkt fand sich in Analyse der Knochen-Implantat-Kontakt-Rate (BIC) kein statistisch signifikanter Unterschied.

Danksagung

Die in dieser Studie verwendeten Implantate wurden von Nobel Biocare Deutschland GmbH, Köln/Deutschland, 3i, Miami/USA, Densply Friadent GmbH, Mannheim/Deutschland, und der IGfZ eG Diez/Deutschland ohne Berechnung zur Verfügung gestellt.

Korrespondenzadresse

Dr. Dr. Philipp Streckbein

Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie

- Plastische Operationen, Justus-Liebig-Universität Giessen

Klinikstrasse 29, 35385 Giessen

Tel.: 06 41 / 99-46271, Fax: 06 41 / 99-46279

E-Mail: philipp.streckbein@uniklinikum-giessen.de

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Fussnoten

1 Poliklinik für zahnärztliche Prothetik (Direktor: Univ.-Prof. Dr. H. Scheller), Johannes-Gutenberg-Universität, Augustusplatz 2, 55131 Mainz

2 Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. W. Wagner), Johannes-Gutenberg-Universität, Augustusplatz 2, 55131 Mainz

3 Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. Dr. H.-P. Howaldt), Justus-Liebig-Universität, Klinikstrasse 29, 35385 Gießen

4 Institut für Pathologie (Direktor: Univ.-Prof. Dr. C. J. Kirkpatrick), Johannes-Gutenberg-Universität, Augustusplatz 2, 55131 Mainz

1 Herstellungsbedingt Artefakt belastete Präparate wurden nicht mit einbezogen.

2 Datenpunkte mit einem Abstand von mehr als drei Interquartilsabständen werden als Extremwerte mit einem Stern gekennzeichnet, der Median wird als horizontaler Strich der Box dargestellt, die dünnen horizontalen Linien zeigen Datenpunkte bis zu einem Abstand von 1,5 Interquartielabstand, Daten mit größerem Abstand werden als Kreis ausgewiesen.

1 Preparations with artifacts due to production were not included.

2 Data points with a gap of more than three interquartile intervals are identified with a star as extreme values, the median is shown as a horizontal line across the box, the thin horizontal lines show data points at an interquartile interval of up to 1.5, and data with a greater interval are shown as a circle.


(Stand: 27.04.2011)

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