Abstract and the Writing of Abstracts

John M. Swales, Christine B. Feak, The University of Michigan Press, Ann Arbor 2009, ISBN-13978-0-472-03335-5, xv und 88 Seiten, 16,99 €

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John M. Swales, Christine B. Feak, The University of Michigan Press, Ann Arbor 2009, ISBN-13978-0-472-03335-5, xv und 88 Seiten, 16,99 €

Mitte der 1990er-Jahre ließen Berichte aufhorchen, dass die Qualität von Zusammenfassungen (Abstracts) wissenschaftlicher Artikel oftmals zu wünschen übrig lasse. So belegten Pitkin und Mitarbeiter (J Am Med Assoc 1999;281:1110–1111), dass selbst die in den renommierten Zeitschriften Annals of Internal Medicine, British Medical Journal, Journal of the American Medical Association, Lancet und New England Journal of Medicine veröffentlichten Abstracts Fehler erheblichen Ausmaßes enthielten: In der Zusammenfassung aufgeführte Daten stimmten mit denen im Haupttext nicht überein oder sie waren dort erst gar nicht zu finden. Diese Befunde erstaunen, ist doch das Abstract derjenige Teil eines Artikels, der (z. B. mittels PubMed) am häufigsten gelesen wird. Aber wie man inzwischen weiß, ist die Zusammenfassung oftmals zugleich auch derjenige Teil, dem beim Verfassen die wenigste Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Keine Frage: Die Bedeutung von Ab-stracts wurde und wird von vielen Autoren bis heute unterschätzt. Und es ist zugegebenermaßen kein leichtes Unterfangen, das Wesentliche eines Fünfzehn-Seiten-Manuskripts auf maximal einer halben Seite zusammenzufassen. „Bitte entschuldigen Sie den langen Brief, ich hatte keine Zeit, einen kurzen zu schreiben“, erkannte bereits der französische Philosoph Blaise Pascal im Jahre 1657 in seinem sechzehnten Lettre Provinciale.

John Swales und Christine Feak (beide University of Michigan) sind für das Thema ihres Büchleins prädestiniert, haben sie doch bereits mit Hilfe ihres unerreichten Standardwerks „Academic Writing for Graduate Students: Essential Tasks and Skills“ (2. Aufl. 2004) Legionen von Studenten, deren Muttersprache nicht Englisch ist, den Weg in das akademisch-englische Schreiben geebnet. Und wer das Glück hatte, im English Language Institute (wo es, wie früher in der Grundschule, immer so schön nach Bohnerwachs roch) bei John Swales den Kurs „Scientific Writing“ zu belegen, wird diese ganz besonderen Veranstaltungen niemals vergessen.

Swales und Feak lehren in ihrem schmalen, aber inhaltsreichen Band, was es zu beachten gilt, um eine gute Zusammenfassung zu schreiben. Auf Forschungsartikel bezogene „traditionelle“ und „strukturierte“ Abstracts (erstere wurden in den 1960er-, letztere Mitte der 1980er-Jahre in die medizinische Fachliteratur eingeführt) werden am ausführlichsten thematisiert. Einen zweiten Schwerpunkt bilden Zusammenfassungen für wissenschaftliche Konferenzen. Darüber hinaus werden Abstracts für (PhD-)Dissertationen und Kurzmitteilungen abgehandelt sowie „Autoreferate“, d. h. ausführliche Dissertationszusammenfassungen, die vor allem aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion (und darüber hinaus) bekannt sind.

Im Stile anatomischer Präparatoren sezieren die Autoren Abstracts aus verschiedenen wissenschaftlichen Fächern (einschließlich der Zahnmedizin!) hinsichtlich Länge, typischer Bauelemente, Eröffnungen, sprachlicher Übergänge, grammatikalischer Zeitformen, Selbstreferenzen der Autoren, Darstellungsarten von Methode, Ergebnis und Schlussfolgerung, und, und, und. Rasch wird klar: Das Verfassen einer ansprechenden Zusammenfassung ist eine Kunst. Aber: Es ist eine lernbare Kunst.

Der Band eignet sich sowohl für den Gruppenunterricht (z. B. in Doktorandenseminaren) als auch zum Selbststudium. 39 Aufgaben, für die teilweise Kommentare im Internet bereitstehen, sollen sicherstellen, dass es nicht beim oberflächlichen Lesen bleibt. Im Gegenteil: Aktive Mitarbeit ist angesagt! Dies beginnt bereits damit, dass der Leser gleich zu Beginn gebeten wird, eine Referenzsammlung von 10 bis 15 Zusammenfassungen aus Zeitschriften seines eigenen Fachgebiets zusammenzustellen, auf die sich einige der späteren Aufgaben beziehen werden.

Als „Bonbon“ geben Swales und Feak schließlich noch Hinweise für die Auswahl von Schlüsselwörtern – ein weiteres Feld, dem häufig nicht genügend Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

Fazit: Diesem konkurrenzlosen Band ist weite Verbreitung unter den deutschsprachigen (Zahn-)Medizinern zu wünschen.

Jens C. Türp, Basel

(Dtsch Zahnärztl Z 2010; 65:286)


(Stand: 23.03.2011)

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