Klinische Pharmakologie in der zahnärztlichen Praxis

V. A. Balogh, E. Haen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8047-2502-7, 367 Seiten, 72 s/w Abb., 46 s/w Tab., 42,00 €

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V. A. Balogh, E. Haen, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8047-2502-7, 367 Seiten, 72 s/w Abb., 46 s/w Tab., 42,00 €

Mit dem vorliegenden Buch zur klinischen Pharmakologie haben sich die Herausgeber, Priv.-Doz. Dr. Annegret Balogh aus Jena und Prof. Dr. Dr. Ekkehard Haen aus Regensburg, das Ziel gesetzt, pharmakologisches Wissen – abgestimmt auf die zahnärztliche Tätigkeit – praxisnah zu vermitteln. Dabei richtet sich das Buch nicht nur an praktizierende Zahnärzte, sondern ebenso auch an alle Studierenden der Zahnmedizin. Neben den Herausgebern haben weitere 17 Autoren fachspezifische pharmakologische Aspekte dargestellt, so dass sich neben den grundlegenden Pharmaka insbesondere auch Spezifitäten finden für den Bereich der Zahnerhaltung, Parodontologie, Prothetik und der Zahnärztlichen Chirurgie.

Das umfangreichste Kapitel beschäftigt sich mit dem Arzneimitteleinsatz in der Zahnarztpraxis bei der Angst- und Schmerzbekämpfung, dem Einsatz von Antibiotika und Antimykotika und Desinfektionsmittel bei Infektionen, den Indikationen bei Gingivitis und Parodontitis, im Rahmen der Endodontie und Kariesprävention mit Fluoriden, möglichen Ansätzen bei Prothesenstomatitis und auch der medikamentösen Beeinflussung der Speichelsekretion. Insbesondere das Kapitel der unerwünschten Arzneimittelwirkung im Orofazialbereich ist sicherlich von besonderem Interesse. Auch Aspekte zur Wundversorgung und dem Bleichen von Zähnen werden angesprochen.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit den „besonderen Patienten in der Zahnarztpraxis“ und zielt auf den Umgang von Patienten bei zahnärztlich-operativen Eingriffen unter Antikoagulantien-Therapie, listet die Medikamente für Notfälle in der Zahnarztpraxis einschließlich ihrer therapeutischen Anwendung auf und greift die Arzneitherapie im Kindesalter, bei älteren Patienten und in der Schwangerschaft auf.

Ergänzt wird das Buch durch einen dritten Teil mit dem Gesetzes- und Verordnungswerk und den daraus resultierenden notwendigen formalen Vorgaben beim Einsatz von Arzneimitteln und schließt im letzten Teil 4 mit Anmerkungen zur Toxikologie insbesondere für zahnärztliche Komposite und dem immer wieder aktuellen Thema Amalgam. Ein Abkürzungsverzeichnis, einige Farbtafeln zu arzneimittelinduzierten Nebenwirkungen im oralen Bereich, ein Sachregister und einige Literaturstellen zu den einzelnen Kapiteln runden das Gesamtwerk ab.

Auch wenn im Gesamtkontext dieser klinischen Pharmakologie die Ausführungen zu den Lokalanästhetika sehr ausführlich erscheint, bleibt zu bedenken, dass die Lokalanästhetika zu den am häufigsten verwendeten Medikamenten in der zahnärztlichen Praxis gehören und einer individuellen Betrachtung und Dosierung für die Einzelanwendung bedürfen. Weniger ausführlich ist die Thematik der Zahnfleischverbände dargestellt, bei der nähere Zusammensetzungen in der Erläuterung wünschenswert wären. Ähnliches gilt auch für den möglichen Einsatz von Arzneimitteln bei der sonstigen Wundversorgung und auch im Abschnitt zur Thematik des Schleimhaut- und Zungenbrennens. Hier vermisst man eine ausführlichere Darstellung der evtl. einflussnehmenden Medikamente, die in einer Übersicht als Orientierung hilfreich wäre. Ebenso hilfreich wäre auch zur besseren Verständlichkeit des Angriffspunktes von Antikoagulantien ein ausführlicheres Schema, das alle hierzu beschriebenen Medikamente einschließlich der modernen synthetischen Thrombininhibitoren verdeutlichen würde. Die Einlassungen zum Thema Stomatopathia prothetica sollten ohne die chirurgisch relevanten Veränderungen mehr auf die Prothesenstomatitis und eine pharmakologische Betrachtung zum Schleimhaut- und Zungenbrennen fokussieren.

Trotz dieser Einschränkungen kann dieses Buch als gelungen bezeichnet werden in seiner Ausrichtung der klinischen Pharmakologie auf die in der Zahnheilkunde relevanten Pharmaka und ihrer Indikationen für die verschiedensten Erkrankungen im Zahn-, Mund- und Kieferbereich. Für die tägliche Praxis gibt dieses Buch eine schnelle Information über die von Zahnärztinnen und Zahnärzten verordneten und eingesetzten Medikamente und kann in dieser komprimierten Form auch für Studierende der Zahnheilkunde eine sinnvolle Ergänzung zum pharmakologischen Lehrbuch in seiner knappen praktisch-synoptischen Zusammenstellung sein.

?G. Wahl, Bonn


(Stand: 25.08.2011)

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