Fortbildungsüberhang und digitale Technologien – Ist das die Implantologie von morgen?

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Mit den Kernthemen „Implantologie als Mannschaftsspiel“ und „Implantatprothetik digital und analog“ fand im Mai die Jahrestagung der DGI-Landesverbände Bayern und Baden-Württemberg in Ulm statt. Neben der Vortragsveranstaltung wurden Tischdemonstrationen und fünf Fälle zur Planung im Internet angeboten, die auf der Tagung ausdiskutiert wurden. Von den 3000 DGI-Mitgliedern in Baden-Württemberg und Bayern registrierten sich jedoch nur 170 Kollegen für den Kongress in Ulm. Das Missverhältnis zwischen Teilnehmerzahl und wissenschaftlichem/praktischem Anspruch des Kongresses wirft vielfältige Fragen auf: Sind Tagungen der Landesverbände nicht mehr zeitgemäß? Gibt es zu viele Fortbildungsveranstaltungen? Sind es immer dieselben Referenten und Themen? Ist bereits alles unter den Kollegen bekannt? In Bayern vielleicht, weil dort in den zwölf regionalen Qualitätszirkeln viermal im Jahr viele wesentliche Punkte von den fortbildungswilligen Kolleginnen und Kollegen aufgearbeitet werden. Vielleicht gilt auch der Ausspruch von Karl Valentin: „Es ist schon alles gesagt, aber nur nicht von allen!“ Tatsache ist, dass die Landestagungen, die ja auch das „Wir in der DGI“ zum Inhalt haben, offensichtlich nur noch eine marginale Zielgruppe haben. Vielleicht ist schließlich auch die Fortbildung in den Printmedien und im Internet heute das adäquate Forum.

Doch nun zu einem zweiten Thema, das auch Kernpunkt der bayerischen und baden-württembergischen Landestagung war: Wo stehen wir heute beim digitalen Arbeitsfluss und wo beim analogen? Wo geht die Reise hin?

Den implantologisch tätigen Zahnärzten wird suggeriert, dass eigentlich nur noch die navigierte Implantation lege artis ist, weil sie genauer, sicherer, vorhersagbarer, schneller und komfortabler ist. Vergleichende Studien, die Vor- und Nachteile der jeweiligen Techniken herausarbeiten, fehlen jedoch bislang in der Literatur. Eine DGI-Masterarbeit zeigte keine Unterschiede zwischen den Verfahren in Bezug auf Lokalisation, Achsenneigung und Drehmoment der inserierten Implantate. Die Genauigkeit der 3D-Bildgebung liegt bei 1/200 mm bis 1 mm, im Mittel bei circa 2/10 mm bis 5/10 mm. 5/10 mm sind in der Implantologie bereits eine erhebliche Strecke, die darüber entscheidet, ob eine ausreichende Wandstärke vestibulär vorhanden ist oder nicht. Bei schleimhautgetragenen Schablonen addiert sich noch einiges an Unwägbarkeiten hinzu, sodass entweder eine eigentlich überflüssige chirurgische Maßnahme für eine auf dem Knochen angebrachte Schablone notwendig wird oder die aufwendig konstruierte Schablone nur als Orientierungshilfe benutzt werden kann. Darüber hinaus entstehen bei einigen Systemen Platzprobleme im posterioren Bereich, weil die Mundöffnung nicht wie im Artikulator unbeschränkt vergrößerbar ist. Der oft suggerierte Einsatz bei ungeübten Behandlern muss aufgrund der eigenen Erfahrung ebenfalls in Frage gestellt werden. Nur durch industrieunabhängige und am besten multizentrische Studien kann und soll der Nutzen der navigierten Implantation nachgewiesen und somit ein evidenzbasierter Platz für diese Technik in unserem Tätigkeitsgebiet gefunden werden.

 

Dr. Sebastian Schmidinger


(Stand: 29.08.2011)

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