MusikerMedizinDiagnostik, Therapie und Prävention von musikerspezifischen Erkrankungen

C. Spahn, B. Richter, E. Altenmüller (Hrsg.), Schattauer-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978–3–7945–2634–5, 396 Seiten, 126 Abb., 16. Tab., 79,00 €

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C. Spahn, B. Richter, E. Altenmüller (Hrsg.), Schattauer-Verlag, Stuttgart 2011,
ISBN 978–3–7945–2634–5, 396 Seiten, 126 Abb., 16. Tab., 79,00 €

Zwischen Musik und Medizin besteht auf vielfältige Weise eine Verbindung, die in der Kulturgeschichte schon weit zurückreicht. So wurde Apollo als Gott der Heilkunst wie auch der Musik verehrt. Unter seiner zahlreichen Nachkommenschaft befinden sich auch die Söhne Orpheus, der größte Sänger der Antike und Meister des Lyraspiels, sowie Asklepios, der Vater der Medizin. Musik und Medizin sind demnach Halbbrüder. Nicht selten finden sich auch musikbegeisterte Kollegen, wovon die Existenz von Medizinerorchestern beredtes Zeugnis ablegt.

Das Herausgebertrio scheint prädestiniert für die Herausgabe dieses einzigartigen Lehrbuchs über musikerspezifische Erkrankungen, da sie neben ihrer medizinischen auch eine professionelle künstlerisch-musikalische Ausbildung erfahren hatten. Da das Gebiet der Musikermedizin keinen eigenen Facharzt bildet, besteht es in einer Schwerpunktsetzung innerhalb einer Fachrichtung. Eine der Hauptaufgaben des Musikmediziners besteht in der Vermittlung zwischen der Sprache des Musikers oder Sängers und der Sprache des behandelnden Arztes. Nicht selten sind daher entsprechend tätige Ärzte selber ausübende Musiker oder Musik-Interessierte.

Das Lehrbuch selber ist knapp 400 Seiten stark und behandelt, ausgehend von fünf allgemein gehaltenen Grundlagenkapiteln zu Epidemiologie, Diagnostik und Prävention musikerspezifischer Erkrankungen, hauptsächlich Krankheitsbilder, die nach medizinischen Fachrichtungen geordnet sind. 126 teils farbige Abbildungen und zahlreiche Fallbeispiele würzen die Lektüre des Buches und veranschaulichen konkrete Problematiken.

Neben bekannteren Krankheitsbildern wie Lärmschwerhörigkeit von Orchestermusikern, nachzulesen im HNO-Kapitel, oder dem „Geigerfleck“ (allergische oder irritative Kontaktdermatitis) findet sich auch ein etwa 40 Seiten starkes Kapitel über Zahnheilkunde und Kieferorthopädie. Dieses Kapitel sollte eigentlich jeder Kollege gelesen haben, der kieferorthopädisch oder prothetisch tätig ist und Blasmusiker oder Sänger behandelt. Für jeden professionellen Blechbläser ist der „Ansatz“, also das Zusammenspiel der Lage des Instruments bzw. des Mundstücks, der perioralen Muskulatur und des dentoalveolären Komplexes, das Ergebnis eines jahrelangen Übungs- und Adaptationsprozesses. Schon geringste Änderungen innerhalb dieses Komplexes, z. B. durch Trauma oder Anfertigen festsitzenden Zahnersatzes, können Störungen verursachen, die eine Berufsausübung für den Musiker mitunter erheblich beeinträchtigen können. Es wird daher empfohlen, Modelle von Musikergebissen anzufertigen, damit im Fall einer notwendig werdenden Restauration die Dimensionen des neuen Zahnersatzes exakt mit dem Ursprungszustand übereinstimmen.

Lehrreich auch das Kapitel über neuromuskuläre Probleme bei Bläsern und Streichern. Ausführlich wird auf mögliche orale Problematiken verschiedener Instrumentalistengruppen, besonders Bläser, eingegangen. Hilfreich ist hier sicher der Hinweis auf individuelle hergestellte Auflage verbessernde Blashilfen aus Kunststofffolie oder aus Metall. Ebenso eindrücklich wird der Fall eines jugendlichen Fagottschülers geschildert, der trotz intensiven Übens kein Staccato spielen konnte. Eine zahnmedizinische Untersuchung ergab, dass das Frenulum linguae zu kurz war, und eine einfache Frenulotomie konnte hier die erforderliche Abhilfe schaffen und eine ausreichende Zungenbeweglichkeit herstellen.

Die Kenntnis musikerspezifischer Krankheitsbilder sowie der für Blasmusiker relevanten kieferorthopädischen Aspekte sind für Zahnärzte mit Musikerpatienten wichtig. Von daher kann die Lektüre dieses Lehrbuchs empfohlen werden.

K. Neuhaus, Bern


(Stand: 19.09.2012)

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