Aktuelle Technik ? Indikationen und Strahlenbelastung

Interview mit Priv.-Doz. Dr. Ralf Schulze

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Wohin gehen die derzeit absehbaren technischen Weiterentwicklungen bei den DVT-Geräten?

R. Schulze: Hier muss zwischen Software und Hardware unterschieden werden. Die technische Weiterentwicklung im Bereich der Software ermöglicht eine Reduktion der notwendigen Projektionsaufnahmen. Dies bedeutet eine geringere Strahlenbelastung für den Patienten, erfordert gleichzeitig aber auch komplexere Rekonstruktionsalgorithmen. Aufgrund der langen Umlaufzeiten der Röntgenröhre ist eine Bewegung des Patienten im DVT nicht zu vermeiden. Es gibt allerdings bereits Verfahren zur Korrektur bzw. zur verbesserten Rekonstruktion um die durch die Bewegungen auftretenden Unschärfen auszugleichen. Ein großer Fortschritt ist das Zusammenfügen von Bildern, die aus unterschiedlichsten Quellen stammen – DVT, MRT, Oberflächenfotographie aus dem Fotoscanner. Sogar das Matchen von virtuellen intraoralen Modellen aus Fotoscannern auf DVT-Daten ist möglich.

Im Bereich der Hardware werden einige neue Technologien entwickelt, wie zum Beispiel „Dual-Source“-Geräte, die mithilfe verschiedener Spektren quantitative Aussagen über Dichten zulassen. Hinzu kommen Geräte, die den Oberflächenscan bereits im selben Umlauf integrieren, in dem das DVT angefertigt wird. Danach werden beide Modalitäten automatisch zusammengefügt, so dass der Datensatz entweder einzeln oder der gematchte Datensatz dargestellt werden kann. Auf längere Sicht gesehen wird es nur noch Flatpaneldetektoren geben, keine Bildverstärker mehr. Vermutlich wird es hauptsächlich für die dentale Anwendung Kombinationsgeräte geben (Panoramaschicht, ggf. FRS + DVT).

 

Die 3D-Diagnostik ist noch ein sehr junges Gebiet, in dem die systematische Aufbereitung der wissenschaftlichen Evidenz darum kaum möglich ist. Welche Indikationen sehen Sie zurzeit im Vordergrund?

R. Schulze: Klare Indikationen liegen in der Implantologie bei der Planung, etwa zur besseren Ausnützung des vorhanden Knochenangebots (schablonenbasierte Implantation). Bei intraossären Pathologien wie zystischen Strukturen, benignen Tumoren, odontogenen Tumoren wird das DVT zusammen mit klinischen Befunden/Anamnese zur Ausdehnungs- und Lageabklärung, gegebenenfalls auch zur Diagnosefindung genutzt. Bei der Fremdkörpersuche vor operativer Entfernung bzw. zur Lagebestimmung dislozierter Zähne, Zahnteilen, Wurzelfüllmaterialien usw. kommt das DVT zum Einsatz. Dies sind nur einige Beispiele.

 

Wie informieren und beraten Sie Ihre Patienten wenn es um die Abwägung von zahnmedizinischem Nutzen und Strahlenbelastung geht?

R. Schulze: Die Strahlenbelastung bei einer Aufnahme mit dem DVT-Gerät liegt bei etwa 100 bis 150 Mikrosievert, mit einer großen Streubreite. Im Vergleich dazu liegt die Strahlenbelastung bei einer Panoramaschichtaufnahme etwa bei einem Zehntel davon (ca. 10 Mikrosievert). Daher wird, wie in § 23 der RöV geregelt, das DVT nur angewendet, wenn trotz der deutlich erhöhten Strahlenbelastung im Vergleich zur 2D-Röntgendiagnostik ein Vorteil für den Patienten zu erwarten ist. Dies führt in unserem Hause recht häufig dazu, dass die Anfertigung einer DVT-Aufnahme abgelehnt wird, wenn wir keine rechtfertigende Indikation für die Aufnahme sehen.


(Stand: 19.09.2012)

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