Langzeitstabilität periimplantärer Gewebe –Mär oder nicht Mär?

17. Fortbildungsabend DGI-Landesverband Berlin-Brandenburg

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Wie viel Knochen braucht ein Implantat? Wie viel Weichgewebe und wie viel befestigte Schleimhaut? Wer darauf qualifizierte Antworten geben kann, ist hinsichtlich des Erfolgs einer Implantatlösung schon auf einem sehr guten Weg. Um diesen kennenzulernen und weiterzutragen in die Kollegenschaft, hatte Prof. Dr. Dr. Volker Strunz, Vorsitzender des DGI-Landesverbandes Berlin-Brandenburg, einen profilierten Referenten zum 17. Fortbildungsabend am 12. Juni 2013 nach Berlin eingeladen: Dr. Gerhard Iglhaut, Präsident der DGI – und zwar zum Thema „Langzeitstabilität periimplantärer Gewebe“.

Dass man sich heute mit solchen Aspekten befasse, zeige deutlich, so Professor Strunz, wie sehr sich die Implantologie in den letzten Jahren weiterentwickelt habe: „1996, als unser Landesverband als erster in der DGI gegründet wurde und wir auch unseren ersten Fortbildungsabend hatten, lautete das Thema noch: Chirurgische und prothetische Versorgung des Unter- und des Oberkiefers. Mit dieser Thematik würde man heute niemanden mehr aus der Praxis in eine Fortbildung locken ...“

Lage, Lage, Lage ...

In einem dreigeteilten Fortbildungskonzept zu den Aspekten Knochen, Weichgewebe und befestigte Schleimhaut stellte Dr. Iglhaut komprimiert vor, wo er den derzeitigen Stand der Erfahrungen – und auch sich selbst – positioniert sieht: „Wir lernen in der Implantologie immer weiter dazu. Ich vermittele Ihnen die Plattform, auf der ich mich nunmehr befinde.“ Im Abschnitt periimplantärer Knochen wurde dabei deutlich: Die richtige Positionierung, die korrekte Lage eines Implantats im Knochen, scheint ein entscheidender Faktor für den nachhaltigen Erfolg zu sein. Und: Die richtige Position des Implantats ist nicht identisch mit derjenigen des natürlichen Zahns: „Positionieren wir das Implantat exakt an der Stelle des Zahns, verlieren wir mehr Knochen als wenn wir das Implantat etwas palatinal versetzen.“ Erstrebenswert sei zudem eine Knochendicke von 2 mm zirkulär um den Implantathals: „Ich möchte immer aus der Position der Sicherheit arbeiten.“. Auch solle genügend Zeit für Planung, sorgfältige Behandlung und Ausheilphase berücksichtigt werden: „Heute ist nicht mehr ,schnell‘ mein Kriterium, sondern ,zweizeitig‘.“ Mehrzeitiges Vorgehen erhöhe die Vorhersagbarkeit nicht zuletzt in der ästhetischen Zone.

Andere Gewebeverhältnisse am Implantat

Viel sei in der Vergangenheit mit Bindegewebstransplantaten – nicht zuletzt bei Patienten mit dünnem Morphotyp – gearbeitet worden, auch er selbst habe bei seinen eigenen Lehrmeistern gelernt, dass das Verdicken von Weichgewebe beste Effekte bringe für den Langzeiterfolg. Dennoch sei er kein kritikloser Anhänger dieses Verfahrens, sagte Dr. Iglhaut. Im Vordergrund stehe für ihn, wie sich bei verdickter Gingiva der Knochen entwickelt. Wichtig seien bei Sofortimplantationen, das untermauerten auch entsprechende Studien, eine intakte, mehr als 1 mm starke bukkale Wand und 2 mm „jumping distance“, also Abstand zwischen Implantatschulter und bukkalem Knochen. Was hinsichtlich des Weichgewebes allerdings zu beachten sei: „Um das Implantat brauchen wir eher 150–200% mehr Gewebedicke, verglichen zum natürlichen Zahn; vermutlich ist ein Faktor von vielen, dass das parodontale Ligament fehlt.“

Befestigte Schleimhaut – vor allem lingual

An sich sei bei Patienten, die gut in dem Recall eingebunden sind und über eine gute Mundhygiene verfügen, die Relevanz befestigter Schleimhaut als klinischer Parameter eher gering, werde häufig zitiert. Dennoch zeige sich, dass bei dünner, schmaler keratinisierter Mukosa das Risiko für plaqueinduzierte Entzündungen höher liegt: „Neuere Studien untermauern, dass wir wohl doch eine gewisse Breite von mehr als 2 mm zirkulär um Implantathälse benötigen.“ Bei defizitären Bedingungen unter 6 mm keratinisierter Schleimhaut vor Freilegung gehöre das beste Material immer nach lingual: „Bukkal können wir leichter mit freien Schleimhauttransplantaten vom Gaumen korrigieren.“ Insbesondere im Unterkiefer gelte: „Achten Sie unbedingt in dieser Region darauf, dass Sie lingual genug befestigte Schleimhaut haben! Im Oberkiefer ist das etwas weniger problematisch.“ Via Video zeigte er seinen Weg der Entnahme von Transplantaten und den Einsatz im bukkalen Bereich. Er gehe von 4–6 Monaten Einheilzeit im ästhetisch relevanten Oberkieferfront- und Prämolarenbereich aus. Sein mehrfacher Appell: Hart- und Weichgewebe ausreichend Zeit zum Ausheilen lassen. „Die Hardware unterstützt uns – Wunder können wir aber keine erwarten. Die Software ist entscheidend – das sind wir!“

Für seine vielen praxisnahen Tipps und ehrlichen Berichte über eigene Lernkurven erhielt Dr. Iglhaut anhaltenden Beifall und ein traditionelles Dankeschön seitens des Landesvorsitzenden Professor Strunz, der die Gelegenheit nutzte, auf die nächste Veranstaltung hinzuweisen: „Am 7. und 8. März 2014 sind wir in Potsdam – Thema unserer
18. Jahrestagung ist dann ,Implantologie im Grenzbereich‘.“

Birgit Dohlus, Berlin


(Stand: 17.06.2015)

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