DGI/SGI/ÖGI – Triathlon Implantologie 2020

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Der „Triathlon Implantologie 2020“, organisiert von Michael Payer, B. Barbara Kirnbauer und Martin Lorenzoni, fand unter der Moderation von T.U.N Training am 24./25. Mai 2013 in Spielberg in der Steiermark (Österreich) statt. Bereits 2011 organisierte die Österreichische Gesellschaft für Implantologie (ÖGI) eine ähnliche Klausurtagung, in der die Nachwuchsmitglieder aus ganz Österreich Themen rund um die Implantologie diskutierten. Das Besondere am diesjährigen Treffen war, dass sich länderübergreifend Mitglieder der Implantologischen Gesellschaften (ÖGI/SGI/DGI) und Vertreter der Industrie und der Verlagswelt aus Deutschland, der Schweiz und Österreich für ein Wochenende am Red Bull Ring in Spielberg, Österreich, trafen.

Wissenschaftliche Inhalte und Test auf der Rennstrecke

Am ersten Tag wurden die rund 50 Teilnehmer in 6 Gruppen mit entsprechenden T-Shirts und Farben aufgeteilt, um die Themen Periimplantitis (rot), Weichgewebsmanagement (pink), Implantatmaterialien (grau), Extraktionsalveolen & Geweberegeneration (blau), Computernavigierte Implantation (grün) und Implantatmedizin (weiß) zu besprechen. In allen Gruppen startete die Diskussionsrunde mit einem kurzen Impulsreferat, um die Teilnehmer an das Thema heranzuführen. Der Status quo dieser Schwerpunktthemen, die individuellen Erfahrungen und die Entwicklungspotenziale wurden erarbeitet und am Nachmittag im „Science Slam“ präsentiert. Ziel eines Science Slam ist es, in populärwissenschaftlicher Form wissenschaftliche Inhalte kurz darzustellen. Der Kreativität der Präsentationsveranstaltung waren keine Grenzen gesetzt und sie reichten von Interviews in Talkshowformaten bis hin zu Darstellungen in Gedichtform. Von den Zuhörern wurden sowohl der wissenschaftliche Inhalt als auch der Unterhaltungswert der Präsentationen bewertet.

Der Nachmittag fand seine Fortsetzung auf der Rennstrecke des Red Bull Rings. Die Teilnehmer konnten in verschiedenen Stationen ihre Fahrtechnik und Geschicklichkeit unter Beweis stellen und für die Gruppenbewertung Punkte sammeln.

In einem Kurzvortrag von Dr. Bechtold vom Deutschen Ärzte-Verlag wurde das Dental Online College, eine Fortbildungsplattform für zahnärztliche Themen, vorgestellt. Frau Dr. Becker referierte über den „Dental Campus“, ebenfalls eine Plattform, auf der sich Interessierte vernetzen, Fälle vorstellen und sich fortbilden können. Mit der Vorstellung der Diskussionsform „Open
Space“ endete dieser erste Arbeitstag. An einer Pinnwand, dem sogenannten „Marktplatz“, konnten die Teilnehmer ihre persönlichen Themen auf den „Markt“ bringen, die die Teilnehmer in ihrer Wertigkeit auflisten konnten. Aus allen Vorschlägen wurden 9 Themen für die Diskussion am folgenden Tag ausgewählt.

„Open Space-Diskussion“

Der nächste Tag startete mit der „Open Space“-Diskussion, in der die Diskussionsrunden von den Teilnehmern moderiert wurden, die den jeweiligen Schwerpunkt vorschlugen. Gleichzeitig wurde der Inhalt der Diskussion schriftlich dokumentiert.

Beim Thema Periimplantitis stand die Frage im Raum, inwiefern man die Periimplantitis bereits im Vorfeld vermeiden kann. Die Erstellung eines Risikoprofils für Patienten wäre sinnvoll. Wenn eine Periimplantitis behandelt wird, stellte sich die Frage, wie weit der Behandler mit seiner Therapie gehen kann und soll.

Die Diskussion Biologisierung von Oberflächen & Tissue Engineering führte zu einem konstruktiven Dialog zwischen den Vertretern der Industrie (Geistlich Pharma, Straumann Institut AG und Biomet 3i) und den klinisch und wissenschaftlich tätigen Teilnehmern. Eine Biologisierung von Oberflächen bedeutet den Wandel der derzeit verwendeten Materialien von CE-zertifizierten Medizinprodukten zu Arzneimittelprodukten. Die Zulassung eines Arzneimittelprodukts ist mit einem wesentlich höheren Aufwand in der Zulassung und klinischen Anwendung verbunden. Eine solche Entwicklung kann bis zur Marktzulassung Kosten von ca. einer Milliarde US-Dollar mit sich bringen. Damit stellte sich die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Faktor, der nicht nur für die Industrie, sondern auch für den Konsumenten äußerst relevant ist. Die Diskussion führte die Gruppe in die Richtung der wissenschaftlichen Grundlagen, die nötig sind, um vorhandene physiologische Prozesse für die Verbesserung unserer Therapien zu nutzen. Eine Fortführung dieser Diskussion mit Experten auf diesem Gebiet wurde von vielen als sinnvoll erachtet.

Eine andere Diskussionsrunde beschäftigte sich mit dem Thema, ob es ethisch vertretbar ist, Implantatsysteme ohne wissenschaftliche Dokumentation auf den Markt zu bringen. Weltweit sind 600 Implantatsysteme von 400 Herstellern verfügbar, lediglich 20 Systeme zeigen Langzeitdaten in ihrer wissenschaftlichen Dokumentation. Soll eine Ausweisung dieser Produkte über die Anzahl und Wertigkeit der Publikationen erfolgen, und wie sollte man Implantatsysteme auf dem Markt einführen, ohne die Entwicklung neuer Technologien zu bremsen? Die Gruppe kam zu dem Schluss, dass ein „Ampelsystem“ für Implantatsysteme für den Behandler und den Konsumenten hilfreich wäre. Implantathersteller sollten im Langzeitverlauf zur wissenschaftlichen Dokumentation ihrer Produkte verpflichtet werden – ein Implantatsystem, das 10 Jahre nach Markteinführung noch eine „rote Ampel“ aufweist (= nicht ausreichend wissenschaftlich dokumentiert), wäre damit aus ethischer Sicht fragwürdig.

Ein kontroverses Thema wurde mit der Sofortimplantation aufgegriffen. Es wurde der Frage nachgegangen, welche Indikationen es für die Sofortimplantation gibt und welche Rolle die lokalen anatomischen Voraussetzungen spielen. Die Gruppe kam zu dem Ergebnis, dass man das Konzept der Sofortimplantation und die dazugehörige wissenschaftliche Dokumentation nicht aus den Augen verlieren sollte, da es Indikationen gibt, die für Patienten und Behandler von Vorteil sein können.

In der Gruppe, die sich dem Thema Implantate als Heilbehelfe widmete, standen medizinische und wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund. Eine ausreichende Kaufunktion kann einer Mangelernährung vorbeugen und damit den Verlauf von systemischen Erkrankungen positiv beeinflussen. Zukünftige Forschungsprojekte sollten sich den Möglichkeiten und Grenzen von implantologischen Therapiekonzepten und deren soziökonomischen Auswirkungen bei geriatrischen Patienten widmen. Ein weiterer Diskussionspunkt dieser Gruppe war, inwiefern die Krankenkassen ihren finanziellen Beitrag zu „Implantaten als Heilbehelfe“ leisten sollen.

Vor- und Nachteile durchmesserreduzierter bzw. kurzer Implantate wurden ebenfalls in einer Gruppe diskutiert. Die Gruppe fasste zusammen, dass die wissenschaftliche Evidenz für kürzere Implantate vorhanden ist. Bei den durchmesserreduzierten Implantaten wurde auf die verschiedenen Faktoren wie Material, Indikation und anatomische Region eingegangen.

In einer anderen Runde beschäftigen sich Teilnehmer mit der Frage, ob Implantate vor Abschluss des Wachstums gesetzt werden können. Welche diagnostischen Möglichkeiten gibt es als Entscheidungshilfe? Welchen Forschungsbedarf hat dieses Fachgebiet und ist es vertretbar, Miniimplantate oder Onplants zur vorübergehenden prothetischen Versorgung heranzuziehen?

Ein etwas provokanter Titel Patient Education oder auch Patientenerziehung ging der Frage nach, inwiefern wir unsere Patienten erziehen dürfen bzw. wo unsere Verantwortung liegt. Ein Recallsystem, das dem Patienten die Möglichkeit bietet, an Kontrollen erinnert zu werden, ohne dem Behandler rein wirtschaftliches Denken zu unterstellen, wäre wünschenswert.

Preisverleihung und Fazit

Nach diesem themenintensiven Vormittag wurde sicherlich das eine oder andere Thema beim gemeinsamen Mittagessen weiter ausgeführt. Gespannt wurde der Preisverleihung am frühen Nachmittag entgegengesehen. Um der Preisverleihung einen würdigen Rahmen zu bieten, fand diese auf der Red Bull Siegertribüne neben der Rennstrecke statt. Der erste Platz ging an die Gruppe „Implantatmaterialien“, für die alle Gruppenteilnehmer in den grauen T-Shirts einen Gutschein im Wert von 250 Euro vom Quintessenz Verlag überreicht bekamen. Den zweiten Platz belegte die Gruppe grün mit dem Thema „Computernavigierte Implantation“, deren Teilnehmer jeweils Gutscheine im Wert von 100 Euro vom Deutschen Ärzte-Verlag bekamen. Drittplatzierte war die Gruppe pink „Periimplantitis“, deren Teilnehmer als Auszeichnung freien Eintritt für die nächste ÖGI-Tagung erhielten.

„Der „Triathlon Implantologie 2020“ war eine gelungene Veranstaltung, die neben dem länderübergreifenden Kennenlernen sicherlich auch einen Impuls für wissenschaftliche Projekte in Klinik und Praxis darstellte.

Ulrike Kuchler, Bern


(Stand: 17.06.2015)

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