Implantologischer Herbst

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Kürzlich schenkte mir ein guter Freund und Kollege ein Buch von Philippe D. Ledermann. Dabei handelte es sich nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um ein zahnmedizinisches Fachbuch zur Sofortbelastung und -versorgung von Implantaten, sondern um den dritten Teil „Herbst“ seiner autobiografischen Romanfolge „Die Papiereltern“. Die ersten beiden Teile „Frühling“ und „Sommer“ erschienen bereits vor mehr als zehn Jahren und schafften es in kurzer Zeit in die Roman-Bestenlisten. Ledermann gilt nicht nur als Zeitzeuge eines ganzen implantologiehistorischen Kapitels, sondern auch als einer seiner prägenden Protagonisten. Er hat in seinem beruflichen Leben so viele Zweifel zum Paradigmenwechsel der Implantatbelastung ertragen müssen, dass seine Erinnerungen dazu nun drei Buchbände füllen [1]. Natürlich interessierten mich besonders die implantologischen Kapitel, in denen sich ein absurdes Standesbild der damaligen Zahnärzteschaft auftut, das beinahe zu seinem Approbationsentzug führte. Ledermann beschreibt die Anfänge der Implantologie mit all ihren Irrungen und auch stark persönlich gefärbten Anfeindungen. Wer sich für Belletristik wenig interessiert, findet spätestens in diesen Kapiteln eine lebendige Beschreibung des kritischen Spannungsfeldes zwischen Hochschullehrern und niedergelassenen Praktikern.

Doch dieses Buch hat neben dem kurzweiligen Lesevergnügen eine weitaus grundsätzlichere Botschaft! Es ist ein klares Plädoyer für eine synergistische Zusammenarbeit zwischen Universitäten und Praktikern! Was sich in der „Pionierzeit“ der Implantologie im zwischenmenschlichen Verhältnis aller Beteiligten abspielte, war hoffentlich der letzte Rückfall in längst überwunden geglaubte Zeiten der Zahnärzteschaft. Heute sollte es selbstverständlich sein, dass Hochschullehrer die klinischen Erfahrungen erfolgreicher Praktiker schätzen, die Praktiker im Gegenzug die von den Universitäten geschaffene wissenschaftliche Evidenz akzeptieren. Wir brauchen, so scheint es mir, weniger miteinander konkurrierende Lager, sondern mehr kooperierende Partner in Praxis und Lehre. Welches andere implantologische Publikationsorgan könnte dieses dynamische Miteinander besser repräsentieren als die ZZI? Die ZZI ist das auflagenstärkste Implantologie-Journal im deutschsprachigen Raum und fungiert als Mitgliederorgan der DGI (Deutsche Gesellschaft für Implantologie) und ÖGI (Österreichische Gesellschaft für Implantologie in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde). Als Mitglied der Schriftleitung zum praktischen Teil der ZZI appelliere ich vor allen Dingen an die niedergelassenen Kolleg(inn)en aus der Praxis, ihre Erfahrungen zum implantologischen Erfolg und Misserfolg in den „ZZI-Ring“ zu werfen! Lassen Sie uns gemeinsam kritisch auf Augenhöhe diskutieren, dabei aber das „Respektieren“ nicht vergessen! Ich freue mich auf Ihre Beiträge in den kommenden Ausgaben.

Mein Fazit nach dem Lesen des dritten Teils „Herbst – Die Papiereltern“ von Philippe D. Ledermann: So spannend die bisherige Trilogie Ledermanns auch ist, ich bin mir unsicher, ob ich mich auf den autobiografischen „Winter“ von ihm freuen kann. Gibt es doch nur vier Jahreszeiten, in denen der Winter für das unausweichliche Ende der Zeit steht! Der „Herbst“ bleibt jedoch in meinen Augen eine zu empfehlende Lektüre für alle implantologisch tätigen Zahnärzte; egal ob in niedergelassener Praxis oder an der Hochschule.

Mit kollegialen Grüßen

Ihr

Dr. Peter Gehrke, Ludwigshafen

Literatur

1. Ledermann PD: Die Papiereltern. Autobiografischer Roman. Band 1: „Frühling“, Band 2: „Sommer“, Band 3: „Herbst“. Landverlag Langnau (CH) 2011,

ISBN: 978-3-905980-03-5 (Bd. 1), -04-2 (Bd. 2), -05-9 (Bd. 3)


(Stand: 17.06.2015)

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