Hervorragende Rückmeldungen zum Grundlagen-Start

DGI-Dentagen-Curriculum Implantatprothetik

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Was die 15 Teilnehmer beim Start des ersten DGI-Dentagen-Curriculums Implantatprothetik in Ludwigshafen erlebten, hatten sie so nicht wirklich erwartet: Prothetik kam nur sehr am Rande vor. Dennoch bekam das Startmodul hervorragende Rückmeldung: Es sei sehr spannend und wichtig gewesen. „Unser Konzept: Wir wollen die Zahntechniker und Zahntechnikerinnen mitnehmen in die zahnärztliche Seite der Implantologie“, sagt Prof. Dr. Günter Dhom, Fortbildungsreferent der DGI und zusammen mit Karin Schulz, Dentagen, Initiator dieses spezifischen Curriculums. „Wir wollen sie spüren lassen, was uns Zahnärzte begeistert – aber auch, wo wir an Grenzen stoßen, die manchmal Kompromisse, auch seitens der Zahntechnik, verlangen.“

Ansteckender Botschafter für diese Aufgabe war Prof. Dr. Germán Gómez-Román/Tübingen, Pressesprecher der DGI. Mit einer komprimierten und mit viel Humor angereicherten Präsentation nahm er die engagiert mitmachenden Kursteilnehmer, die nach kürzester Zeit eine runde Gemeinschaft bildeten, mit auf den Weg von der Geschichte der Implantate über die Technik bis zu den biologischen Faktoren im Mund. Ergänzt wurde das Konzept durch eine mustergültige Live-OP seitens Dr. Octavio Weinhold/Ludwigshafen, die ein Gefühl dafür vermittelte, vor welche Herausforderungen sich ein implantierender Zahnarzt gestellt sieht und welche biologischen Faktoren zu beachten sind. Auch wenn dieser Fall geradezu lehrbuchhaft ausging: Professor Gómez-Román machte anhand anderer Beispiele deutlich, dass das Implantat nicht immer und „einfach“ an der Stelle positioniert werden kann, wo es für die Prothetik ideal wäre. In solchen Situationen müssen manchmal von den Zahntechnikern herausfordernde Aufgaben gelöst werden. Wie diese aussehen könnten, wurde beispielhaft an individualisierten Abutments gezeigt.

Kritisch abschätzen,
vernünftig vorgehen

Was Professor Gómez-Román bei seinem Kursmodul am Herzen lag: „Die Fachwelt wird ständig mit Innovationen überrollt, für die es nicht immer Evidenz gibt. Wir möchten mit diesem Start ins Curriculum erreichen, dass sich die Experten in den Dentallaboren, die ja oft auch bei bestimmten Fragen von Zahnärzten zu Rate gezogen werden, auf der sicheren Seite der Implantologie bewegen und kritisch abschätzen können, welches Vorgehen vernünftig ist und welches eher nur in Einzelfällen oder sogar gar nicht.“

Beispiel: „Sofortversorgung ist eventuell machbar – aber nie bei Bruxern!“ Für Praxis und Labor ein wichtiger Faktor sei die Erkenntniskurve: „Das ist ja oft ein Problem für das Labor. Am Montag kommt der Zahnarzt von einem Kongress und will jetzt das neue Konzept realisieren. Dann kommt der zweite, der dritte, dann sind es viele, die das jetzt so machen. Bald kommen die ersten Rückschläge, und die Zahnärzte fragen untereinander: ,Machst du immer noch diesen Mist?’ Und dann ist so manches neue Konzept in kurzer Zeit weg vom Fenster. Wir können daher nur dazu raten, kritisch zu bleiben und nach der Evidenz zu fragen.“ Dennoch gebühre der Innovation als solcher Respekt: „Es ist eindrucksvoll, wie sich das Fach und seine Produkte weiterentwickelt haben! Dazu haben auch zahntechnische Fortschritte ihren Teil beigetragen!“

Hands-on mit Aha-Effekten

Ein wichtiges Thema auch unter prothetischen Aspekten war der Bereich Knochenbelastung und Okklusion: „Nur bei physiologischer Belastung funktioniert das Remodelling – sonst geht der Knochen ein. Aber man sollte nicht zu früh belasten – ich warte immer rund drei Monate.“ Zu den Herausforderungen an die Zahntechnik gehören auch „Spar-Implantate“, wenn also aus Kostengründen weniger Implantate gesetzt werden, als eigentlich sinnvoll wären: „Dann sollen Sie große Brücken fertigen und bekommen Ärger, wenn sie brechen.“

Auch frühzeitige rotative Spannung am Implantat sei ein Risiko für das Gewebe und in dessen Folge für die prothetische Versorgung. Um ein Gefühl für das Implantieren und seine kritischen Momente zu vermitteln, war ein ausgiebiger Hands-on-Teil in den Kurs eingebaut, der zu einigen Aha-Effekten führte: Da ragte dann schon mal ein Implantat in die Luft unter einem Kieferkamm mit gebogener Form, weil die besondere Anatomie vorher nicht beachtet wurde. Spätestens hier wurde deutlich, dass nicht jedes etwas ungünstig stehende Implantat ein chirurgischer Misserfolg sein muss – manchmal stehen die Biologie und die reduzierten wirtschaftlichen Möglichkeiten des Patienten einem perfekten Plan im Wege.

Ästhetikwunsch und
Wirklichkeit

Was Anspruch und Wirklichkeit miteinander zu tun haben – oder eben auch nicht – machte Professor Gómez-Román an einem Thema deutlich, das im Zuge der Ästhetik-Wünsche der Patienten eine immer größere Rolle spielt: „Ich verrate Ihnen gern, wie Sie es schaffen, dass zwischen zwei Implantatkronen eine schöne natürliche Papille in den freien Raum wächst: Das gelingt am besten mit Photoshop.“ Der sicherste Weg sei deshalb, die Papille von vornherein zu schonen und weitestgehend in Ruhe zu lassen. Mit einem eindringlichen Appell entließ Professor Gómez-Román die Kursteilnehmer in die nachfolgenden Module: „Vergessen Sie nie: Ungünstiger Zahnersatz ist eine Extraktionsmaschine!“

Birgit Dohlus, Belin


(Stand: 10.06.2015)

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