Die implantologisch-prothetische Versorgung des stark atrophierten Oberkiefers: ein Fallbericht

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Frank Zastrow1

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Die sichere und langzeitstabile Versorgung des atrophierten zahnlosen Oberkiefers stellt eine große Herausforderung für den Behandler dar. Dieser Artikel stellt ein langjährig etabliertes Behandlungskonzept vor, das die Bereiche Knochenaufbau, Implantatsetzung und Implantatprothetik abdeckt.

The secure rehabilitation of the atrophied edentulous maxilla with good long term results represents a challenge to the dentist. This article shows a long established treatment concept, including bone augmentation, implant placement and implant-based restoration.

Ziel: Ziel der vorliegenden Falldarstellung ist die Beschreibung einer komplexen implantatprothetischen Versorgung des durch Altersatrophie und Parodontitis vorgeschädigten Oberkiefers.

Material und Methode: Eine 60-jährige Patientin mit stark atrophiertem und parodontal geschädigtem Gebiss sowie ausgeprägten Knochendefekten wurde in unserer Praxis implantologisch und prothetisch versorgt. Nach Extraktion der nicht erhaltungsfähigen Zähne erfolgte die Augmentation der Knochendefekte. Insgesamt wurden 7 Implantate inseriert und mit einem CAD/CAM-gefertigten Steg versorgt. Die Prothese wurde auf der Stegkonstruktion verankert und mit posterioren Riegeln gesichert. Diese CAD/CAM-Lösung erlaubt einen spannungsfreien Sitz des Stegs auf den Implantaten und zudem eine gute Hygienefähigkeit für die Patientin, da die Arbeit herausnehmbar ist.

Schlussfolgerung: Der beschriebene Behandlungsfall zeigt ein chirurgisch-prothetisches Vorgehen, das zur Rehabilitation des stark atrophierten Oberkiefers geeignet ist und in ein implantatprothetisches Praxiskonzept gut integriert werden kann.

Schlüsselwörter: parodontale Knochendefekte; atrophierte Maxilla; Sinusbodenelevation; Augmentation; Knochenaufbau; Steg-Riegel-Versorgung; CAD/CAM-Steg

Objective: Aim of this case report is the description of a complex surgical and prosthetic reconstruction of the upper jaw with severe bone defects caused by periodontitis and atrophy.

Material and methods: A 60-year old patient with periodontitis and severe bone defects received surgical treatment and prosthetic reconstruction in our dental office. The teeth of the upper jaw had to be extracted and the bone defects were grafted. Seven dental implants were inserted and splinted with an attachment-retained restoration. This CAD/CAM-manufactured prosthesis was additionally fixed with posterior ledges. This kind of reconstruction enables a passive fit and good oral hygiene for the patient.

Conclusion: The presented case shows a complex surgical and prosthetic dental treatment for the reconstruction of severe bone defects and is suitable for the surgical dental office.

Keywords: periodontal bone defects; atrophied maxilla; sinus floor elevation; augmentation; bone grafting; attachment retained restorations; CAD/CAM bar

Zitierweise: Zastrow F: Die implantologisch-prothetische Versorgung des stark atrophierten Oberkiefers: ein Fallbericht. Z Zahnärztl Implantol 2015;31:216–222

DOI 10.3238/ZZI.2015.0216–0222

Einleitung

Die implantologische Versorgung von Patienten mit parodontalen Vorerkrankungen stellt in der Praxis eine große Herausforderung dar. Zum einen muss mit größeren Knochendefekten gerechnet werden, die aufgrund der vorangegangenen Parodontopathien entstanden sind, zum anderen besteht eine Prädisposition der Patienten zur Entwicklung einer Periimplantitis, da die eine Parodontopathie auslösenden Keime auch ursächlich für die Ausbildung einer Periimplantitis sein können [1, 10, 11, 12]. Zur Schaffung eines ausreichend dimensionierten Implantatlagers können Knochendefekte grundsätzlich mit autologen Knochenblöcken, Knochenersatzmaterial oder einer Kombination der beiden Verfahren rekonstruiert werden. Bei einer ungenügenden Restknochenhöhe im Oberkiefer-Seitenzahnbereich ist häufig eine Sinusbodenelevation indiziert, um die Implantate primärstabil und sicher im Knochen verankern zu können [3, 9]. Im vorliegenden Fallbeispiel erfolgte die chirurgische Vorbehandlung unter Berücksichtigung des „biologischen Konzepts“, nach Khoury – einer chirurgischen Kombination von autologen Knochenblöcken und der Applikation partikulierter autologer Knochenspäne [6, 7]. Die Compliance zur adäquaten Mundhygiene des Patienten sollte vor Beginn der Behandlung sichergestellt werden. Dies ist eine conditio sine qua non zur Entscheidung für eine implantatgetragene Versorgung [4].

Ziel ist es, ein langzeitstabiles und ästhetisch zufriedenstellendes Ergebnis für den Patienten zu erzielen. Der folgende Fallbericht beschreibt die Möglichkeit der Herstellung einer Steg-Riegel-Konstruktion auf Implantaten. Ein Vorteil dieser Versorgungsform ist die Kombination ausgezeichneter Hygienefähigkeit mit einer gleichzeitig guten Phonetik – ein Punkt, der häufig erst Beachtung findet, wenn die Phonetik nach Eingliederung des definitiven Zahnersatzes eingeschränkt ist.

Fallbericht

Anamnese und Ausgangssituation

Der vorliegende Fall beschreibt die orale Rehabilitation einer 60 Jahre alten Patientin im Oberkiefer (Abb. 1). Die Pfeilerzähne 11 und 21 wiesen aufgrund einer jahrelang bestehenden parodontalen Vorerkrankung die Lockerungsgrade 2 und 3 auf und waren langfristig nicht mehr erhaltungsfähig (Abb. 2). Im Sinne einer provisorischen Versorgung wurden die Zähne bis zum Einsetzen der definitiven Prothetik zum Halt des alten Zahnersatzes herangezogen. Die Patientin wünschte sich einen ästhetisch hochwertigen Zahnersatz und eine langzeitstabile Lösung. Die Versorgung des Unterkiefers wurde im Rahmen der Sanierung ebenfalls geplant. Aufgrund der noch ausreichenden Passung der bestehenden Versorgung und aus Kostengründen wurde diese Versorgung zunächst noch zurückgestellt. Dies hatte jedoch keinen negativen Einfluss auf die Okklusionsverhältnisse mit dem neuen Zahnersatz in Bezug auf die Transversal- und Spee’sche Kurve.

Planung und Vorbehandlung

Aufgrund der jahrelang bestehenden unbehandelten Parodontitis alio loco und damit einhergehender Knochendefizite waren im Oberkiefer umfangreiche Knochenaufbaumaßnahmen in horizontaler und vertikaler Dimension notwendig, um Implantate setzen zu können. Die präimplantologische Behandlung bestand in der Sanierung insuffizienter konservierender Versorgungen und einer systematischen Parodontalbehandlung, um mögliche Infektionsquellen am Restzahnbestand zu entfernen. Nach erfolgreicher Parodontalbehandlung und Herstellung der Compliance der Patientin konnten wir mit der geplanten chirurgischen und prothetischen Therapie beginnen. Um dem Wunsch der Patientin nach festen Zähnen und einer – gerade wegen der vorangegangenen Parodontitis – besonders wichtigen Hygienefähigkeit zu genügen, entschieden wir uns für eine implantatgetragene bedingt herausnehmbare Steg-Riegel-Konstruktion. Alternativ wäre auch eine Teleskopversorgung in Betracht gekommen, mit der ebenfalls eine gute Hygienefähigkeit gewährleistet wäre. Bei der primären Verblockung durch eine Stegversorgung sind gerade im augmentierten Knochen gegenüber der sekundären Verblockung mit Teleskopen langzeitprognostische Vorteile aufgrund der günstigeren Kraftverteilung zu erwarten.

Die Primärverblockung der Implantate gewährleistet eine optimale funktionelle Kraftübertragung. Die Verriegelung der Versorgung gibt dem Patienten ein subjektiv empfundenes sicheres Gefühl und verhindert Abzugskräfte bei eckzahngeführtem Zahnersatz und damit Mikrobewegungen, die später zu einem Friktionsverlust der Arbeit führen würden [8].

Wichtig sind bei dieser Art der Versorgung die exakte Planung der Behandlungsschritte und eine ideale Zusammenarbeit zwischen dem Implantologen, dem Prothetiker und dem Labor. Im vorliegenden Fall fiel die Wahl auf einen im CAD/CAM-Verfahren industriell gefrästen Steg, da dieser bei sorgfältiger Übertragung der Mundsituation auf die Arbeitsmodelle mittels Abformung und Bissregistrierung eine präzise Passung und einen spannungsfreien Sitz gewährleistet. Mithilfe der CAD/CAM-Technologie haben wir die Möglichkeit, dem Patienten eine äußerst präzise und langzeitstabile prothetische Lösung anzubieten und dennoch die Kosten in einem überschaubaren Rahmen zu halten.

Die Extraktion der nicht erhaltungsfähigen Zähne erfolgte 7 Wochen vor der geplanten Implantation und Augmentation. Während der gesamten Behandlungsdauer von 9 Monaten trug die Patientin die modifizierte vorhandene Teleskopprothese als Langzeitprovisorium auf den restlichen 3 natürlichen Pfeilern.

Chirurgische Maßnahmen

Der chirurgische Behandlungsteil bestand aus 3 Eingriffen im Abstand von jeweils 3 Monaten.

Im ersten Eingriff wurden die augmentativen Maßnahmen im Oberkiefer in horizontaler und vertikaler Dimension vorgenommen. Die Knochenentnahme erfolgte an der lamina obliqua externa des rechten Unterkiefers (Abb. 3). Der Kiefer wurde durch das Anbringen von autologen Knochenblöcken nach dem biologischen Konzept lateral verbreitert. In einer Art Schalentechnik werden dabei die Blöcke auf Distanz gesetzt und der Zwischenraum wird mit autologen Knochenpartikeln gefüllt. Durch die Partikulierung des Knochens wird die Oberfläche vergrößert und es kann eine bessere Revaskularisierung des augmentierten Bereichs erfolgen [5].

Zudem wurde beidseitig eine Sinusbodenelevation durchgeführt (Abb. 4). In einer sogenannten Schichttechnik wurden dabei im krestalen Bereich autologe Knochenpartikel eingebracht, so dass die Implantate später circa 10 mm im Eigenknochen stehen. Im kranialen Bereich wird langsam resorbierendes Knochenersatzmaterial pflanzlichen Ursprungs (FRIOS Algipore, DENTSPLY Implants, Mannheim) eingebracht. Diese dünne Schicht Biomaterial schützt vor Resorptionen durch den Druck in der Kieferhöhle. Das Konzept dient der Verkürzung der Behandlungszeit, so dass die Implantate schon zu einem früheren Zeitpunkt belastet werden können. Die Belastung der Implantate ist nach dem hier vorgestellten Konzept bereits nach 3–4 Monaten möglich im Vergleich zu 7–8,5 Monaten beim Einsatz von reinem Biomaterial und gleichzeitiger geringer Restknochenhöhe [13]. Die Abdeckung des Sinusfensters erfolgte mit einer nicht resorbierbaren Membran aus Reintitan (FRIOS BoneShield, DENTSPLY Implants, Mannheim), bevor der Verschluss des augmentierten Bereichs mit einem Mukoperiostlappen erfolgte (Abb. 5–7). Im Rahmen dieses ersten Eingriffs konnten aufgrund des ausreichenden Knochenvolumens und ausreichender Primärstabilität bereits 5 Implantate gesetzt werden (Abb. 8).

Vor dem zweiten OP-Eingriff nach 3 Monaten wurde im Labor eine Bohrschablone analog angefertigt. Zwei Implantate konnten somit in den augmentierten und gut revaskularisierten Bereich nachimplantiert werden, so dass insgesamt 7 Implantate (XiVE, DENTSPLY Implants, Mannheim) mit ausreichender Länge und ausreichendem Durchmesser in Form einer gleichmäßigen Pfeilerverteilung in den Kieferknochen inseriert werden konnten (Abb. 9, 10). Insgesamt wurden 7 Implantate mit Durchmessern von 3,4 mm und 3,8 mm in den Längen von 11 mm und 13 mm gesetzt.

Der dritte und letzte chirurgische Behandlungsschritt war die Freilegung der Implantate und Versorgung mit Gingivaformern. In diesem Fall wurde ein apikaler Verschiebelappen präpariert, um den ursprünglichen anatomischen Verlauf der mukogingivalen Grenze wieder herzustellen und in der Folge bewegliche Mukosa im periimplantären Bereich zu vermeiden (Abb. 11) [5].

Abformung und Modellherstellung

Nach vollständiger Abheilung und Anbringen der Repositions-Übertragungsaufbauten konnten die Implantate im Sinne einer Primärabformung mittels eines konfektionierten Löffels geschlossen abgeformt werden (Abb. 12). Darüber hinaus wurde eine Vorbissnahme genommen, so dass basierend auf diesen Unterlagen im Labor die Sekundärabformung als Pick-up-Abformung vorbereitet werden konnte. Dazu erfolgte die Verbindung der Abformpfosten auf dem ersten Arbeitsmodell mit starrem Kunststoffmaterial (Pattern Resin, GC Germany, Bad Homburg). Der so entstandene Index wurde anschließend wieder zwischen den Implantatpfeilern getrennt (Abb. 13). Intraoral wurde dieser Trennspalt erneut durch Pattern Resin verbunden, so dass eine hohe Präzision der Abformung durch die Versteifung zwischen den Implantatpfeilern gewährleistet werden konnte.

Gemäß den Richtlinien des prothetischen „Schellenstein-Konzepts“ nach Dr. Pape erfolgte die Herstellung einer verschraubten Bissnahme, die gerade bei grosspannigen Arbeiten ein späteres Einschleifen der Arbeit erleichtert [8]. Dieses Vorgehen mit der beschriebenen primären und sekundären Abformung und anschließender verschraubter Bissnahme führt zu einer höheren Präzision bei der Herstellung der Suprakonstruktion und einem spannungsfreien Sitz auf den Implantaten.

Die Abformung wurde mit einem Polyethermaterial (Impregum, 3M ESPE, Seefeld) ausgeführt, das sich durch eine sehr gute Formstabilität und gute Rückstellfähigkeit bei kurzer Abbindezeit auszeichnet. Im Labor wurde aus diesen Unterlagen ein Meistermodell mit Gingivamaske hergestellt und eine erste Zahnaufstellung angefertigt.

Ästhetikanprobe und Stegherstellung

In der nächsten Sitzung wurde der Patientin eine verschraubbare Wachsaufstellung eingesetzt und Zahnform, Zahnstellung sowie Mittellinie und Profil wurden begutachtet und mit der Patientin besprochen. Bei dieser ersten Anprobe ist die Verschraubung der Zahnschablone ausgesprochen wichtig, um ein unbemerktes Verrutschen der Schablone im Mund zu vermeiden und eine sichere Fixierung zu gewährleisten. Dazu wird auf dem Meistermodell mit einer lichthärtenden Kunststoffplatte eine Basis hergestellt, auf der dann die Wachsaufstellung erfolgt. Die Kunststoffbasis verfügt über Zapfen, die bis in das Implantatinnere hineinreichen, um ein ungewolltes Verrutschen zu verhindern.

Die zum Fräsen des Stegs benötigten Daten wurden zusammen mit dem Meistermodell, dem Gegenbiss und der für die Ästhetikanprobe verwendeten Wachsaufstellung an ein zentrales Fräszentrum (ATLANTIS ISUS, DENTSPLY Implants) übermittelt. Das Stegdesign wurde in Absprache zwischen dem CAD/CAM-Fräszentrum und dem Zahntechniker geplant. Dabei erfolgte der Designvorschlag an das Labor per E-Mail, zusammen mit der erforderlichen Software (ATLANTIS ISUS Viewer, DENTSPLY Implants) zur dreidimensionalen Darstellung der Suprakonstruktion am PC.

Im vorgestellten Fall wurde der Steg aus Kobalt-Chrom gefertigt; eine Lösung aus Titan wäre ebenfalls denkbar gewesen. Funktionell bieten beide Materialvarianten vergleichbare Ergebnisse.

Zurück im Praxislabor wird der fertige Steg bei perfekter Passung auf dem Meistermodell verschraubt und darauf die endgültige Sekundär- und Tertiärstruktur angefertigt (Abb. 14). Bei dem hier vorgestellten Patientenfall wurde das Sekundärgerüst herkömmlich gegossen (Brealloy, Bredent GmbH, Senden) und die Arbeit mit lichthärtendem Kunststoff und Konfektionszähnen komplettiert, wobei die Ästhetikanprobe unverändert übernommen wurde.

Eingliederung der fertigen Arbeit

Erst in dieser Sitzung erfolgte die Entfernung der bis dahin belassenen Zähne 11 und 21. Dann wurde die Passung des Stegs im Mund des Patienten mithilfe des Sheffield-Tests überprüft. Dabei wird nach Aufsetzen der Suprakonstruktion jede einzelne Halteschraube separat angezogen, ohne die jeweils anderen zu aktivieren. Dies dient der exakten Überprüfung einer präzisen Passung, da bei ungenügender Passgenauigkeit bei Anziehen nur einer Schraube eine Kippung und Spaltbildung am Gerüst auftreten würde.

Nachdem Passung und Ästhetik der fertigen Arbeit erneut überprüft worden waren, konnte die Arbeit definitiv eingesetzt werden (Abb. 15). Anschließend wurde die Patientin in den Gebrauch der Riegelhandhabung eingewiesen sowie über die Mund- und Prothesenpflegemaßnahmen aufgeklärt.

Durch die Einbindung des Patienten in ein halbjährliches Recallprogramm können in regelmäßigen Abständen der Sitz der Konstruktion und der periimplantäre Zustand überprüft werden (Abb. 16, 17).

Diskussion

Großflächige Knochendefekte im parodontal vorgeschädigten Gebiss stellen chirurgische und prothetische Herausforderungen an den implantologischen Behandler [2, 14]. Im vorgestellten Fall erfolgte die Therapie der ausgedehnten Knochendefekte im Oberkiefer nach dem „biologischen Konzept“. Dabei werden die Knochenblöcke nach Entnahme entsprechend modifiziert und ausgedünnt. Die in der Dicke reduzierten Knochenscheiben werden auf Distanz gesetzt und der Zwischenraum zum Kieferkamm wird mit autologen Knochenpartikeln gefüllt [6, 7]. Nach vollständiger Abheilung des augmentierten Gebiets und Schaffung eines suffizienten Knochenangebots erfolgt die Implantation in möglichst gleichmäßiger Verteilung, um ein gutes Unterstützungspolygon und damit eine gute Kraftverteilung zu erreichen.

Dank der heute verfügbaren CAD/CAM-Techniken und der damit einhergehenden Präzision ist die Steg-Riegel-Versorgung eine attraktive Variante zur Versorgung des unbezahnten Oberkiefers auf Implantaten. Diese herausnehmbare Versorgung bietet gegenüber festsitzenden prothetischen Lösungen eine Reihe von Vorteilen. So ist die parodontale Hygienefähigkeit an allen Implantaten gegeben. Darüber hinaus ist eine einfache, extraorale Reparatur des Zahnersatzes möglich.

Zahnarzt und Zahntechniker können bei im Fräszentrum hergestellten CAD/CAM-Gerüsten zwischen Titan oder Kobalt-Chrom-Legierung wählen. Bei der gewählten Konstruktion entfällt aufgrund der Verschraubung des Zahnersatzes die Notwendigkeit einer Zementierung, was das klinische Risiko einer Periimplantitis infolge von im periimplantären Bereich belassenen Zementresten minimiert.

Bei reduziertem Material- und Zeitaufwand gegenüber dem herkömmlichen Gussverfahren ist es möglich, bei gleichzeitig höherer Präzision passgenaue Ergebnisse selbst bei komplexen Arbeiten zu erhalten, die sich über den gesamten Kiefer erstrecken. Es besteht die Möglichkeit, dass die Abutments als Teil der Stegversorgung mitgefräst werden, d.h. der Steg mit seiner Anschlussgeometrie direkt in den Implantaten verschraubt wird, ohne ein Abutment zwischenzuschalten. Damit entfallen eine zusätzliche Fügestelle und ein Ort potenzieller Bakterieninfiltration. Alternativ können auf den Implantaten Abutments montiert werden, was insbesondere bei einer dicken Gingiva vorteilhaft ist, um den Anschluss näher an den Gingivarand zu verlegen. Allerdings birgt dieses Vorgehen das oben beschriebene Risiko einer zusätzlichen Fügestelle.

Dank der herausnehmbaren Arbeit kann auf überlange Kronen verzichtet und fehlende Papillen können ausreichend kaschiert werden. Als weiterer Vorteil ist der Erhalt einer guten Phonetik zu nennen. Es entstehen keine Spalten, wie es bei einer hygienefähig gestalteten festsitzenden Brücke konstruktionsbedingt der Fall ist. Durch die Gestaltung des labialen Kunststoffschildes wird dagegen eine sichere Aussprache insbesondere des S-Lauts erhalten.

Mit dem Einbau von filigranen Riegeln erhält der Patient einen bedingt festsitzenden Zahnersatz in einer definierten Position. Der Patient hat dank der Arretierung der Riegel eine große Sicherheit, dass die Versorgung perfekt sitzt. Darüber hinaus hat er die Möglichkeit, durch Lösen der Riegel die Versorgung bei Bedarf und zur optimalen Reinigung herauszunehmen. Die Riegel wirken gegen Abzugskräfte bei Eckzahnführung. Damit werden Mikrobewegungen unterbunden, die der Hauptgrund für einen späteren Friktionsverlust der Stegversorgung sein können. Der Steg sorgt für eine gleichmäßige Druckverteilung auf die inserierten Implantate und wirkt so Überlastungen einzelner Knochenareale und damit einhergehendem Knochenabbau entgegen.

Schlussfolgerung

Die in dem vorliegenden Patientenfall gewählte Implantatversorgung in Form einer Steg-Riegel-Prothese kann auch im hochatrophierten Kiefer ästhetische Ansprüche von Patienten berücksichtigen, sofern chirurgisch die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen wurden. Durch die Fertigung der prothetischen Suprakonstruktion im industriellen CAD/CAM-Verfahren ist eine hohe Präzision erreichbar. So können herausnehmbare Konstruktionen mit guter Hygienefähigkeit und ausgezeichneter Passung gefertigt werden. Diese industrielle Fertigung liefert auch bei komplexen Konstruktionen passgenaue Ergebnisse bei reduziertem Zeit- und Materialaufwand.

Interessenkonflikt: Als möglichen Interessenkonflikt gibt der Autor an, Vorträge für DENTSPLY Implants zu halten.

Zitierweise: Zastrow F: Die implantologisch-prothetische Versorgung des stark atrophierten Oberkiefers: ein Fallbericht. Z Zahnärztl Implantol 2015; 31:216–222

DOI 10.3238/ZZI.2015.0216–0222

Korrespondenzadresse

Dr. Frank Zastrow

Fachzahnarzt für Oralchirurgie

Praxisklinik Dr. Zastrow & Kollegen

Heidelberger Str. 38

69168 Wiesloch

Tel.: 06222 52127

Fax: 06222 81607

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www.frankzastrow.de

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Fussnoten

1 Fachzahnarzt für Oralchirurgie, Praxisklinik Dr. Zastrow & Kollegen, Heidelberger Str. 38, 69168 Wiesloch, Deutschland


(Stand: 08.09.2015)

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