Erfolg: Bayerischer Implantologietag lockt über 300 Teilnehmer

Frühjahrssymposium des LV Bayern

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Der Landesverband Bayern im DGI e.V. veranstaltete am 22. und 23. April 2016 im Hotel Dolce in München-Unterschleißheim ein erfolgreiches Frühjahrssymposium. Der Vorsitzende Dr. Friedemann Petschelt konnte über 300 Teilnehmer begrüßen – für die hochkarätigen und weithin bekannten Referenten ein angemessenes Auditorium. Schließlich hatte das Programm auch einen äußerst interessanten Tag mit viel Input für die tägliche Arbeit versprochen. Dieses Versprechen konnten die Organisatoren auch einlösen. Selbst am späten Nachmittag waren die Reihen noch gefüllt – sicher ein Verdienst der reibungslosen Organisation und der Auswahl der Referenten.

In seinen Begrüßungsworten dankte Dr. Petschelt darum dem 2. Vorsitzenden Dr. Claudio Cacaci, der dieses Symposium hauptsächlich vorbereitet hatte, für sein Engagement. Eine durchweg positive Resonanz vonseiten der Aussteller und der Teilnehmerinnen und Teilnehmer kam hinzu. „Wir werten dies als Zeichen, dass sich das Konzept des Symposiums bewährt“, freut sich der Vorsitzende des Landesverbandes.

Dem wissenschaftlichen Programm vorgeschaltet war ein Tag mit elf Industrieworkshops, die allesamt gut besucht, manche sogar ausgebucht bzw. überbelegt waren. „Großer Dank gebührt der Industrie, deren Mitwirkung und finanzielle Unterstützung eine derartige Veranstaltung erst ermöglicht“, betonte Dr. Petschelt, der „mit Freude und Genugtuung“ registrierte, „dass die Fortbildung und Darstellung der diversen Firmen im Rahmen der Workshops so gut angenommen werden“.

Die 14 Absolventinnen der vom LV Bayern angebotenen Curriculumsserie ZMFI (Zahnmedizinische Fachangestellte für Implantologie und Implantatprothetik) wurden im Rahmen einer Abendveranstaltung nach erfolgreich bestandener Prüfung geehrt und erhielten ihre Zertifikate.

Dr. Stefan Neumeyer aus Eschlkam brannte als erster Redner am Samstag gleich zu Beginn ein Feuerwerk ab, das alle zu dieser frühen Stunde wachrüttelte. Die innovativen und verblüffenden Erkenntnisse des Referenten könnten die Implantologie und die verschiedenen Augmentationstechniken revolutionieren. Die von ihm „Tissue-Care-Management“ genannte Vorgehensweise erreicht mit der Verwendung von zu extrahierenden Zahnwurzeln einen Knochenerhalt und sogar eine Knochenneubildung mit gleichzeitiger Regeneration des dazugehörigen Weichgewebes. Ein überzeugender Vortrag, der mit vielen klinischen Fällen eine gute Diskussionsgrundlage bildete.

Prof. Dr. Katja Nelson von der Universität Freiburg beleuchtete ein relativ trockenes Thema, das sie jedoch sehr abwechslungsreich aufbereitet hatte: die Implantat-Abutment-Verbindungen im klinischen Kontext. Die Auswirkungen bis hin zur Periimplantitis durch sich öffnende Spalträume zwischen Abutment und Implantatkörper bei Belastung sind bekannt. Professor Nelson kam zu dem Ergebnis, dass bei allen gängigen Implantatverbindungen ein Spalt mit vielen negativen Folgen entsteht und nach derzeitigem wissenschaftlichem und technischem Stand nicht zu umgehen ist.

Zwei Aachener Spezialisten präsentierten die weichgewebschirurgischen Möglichkeiten an Zähnen und Implantaten. PD Dr. Jamal M. Stein beschrieb Deckungsmöglichkeiten von Rezessionen an Zähnen. Neben den verschiedenen Techniken beschrieb er auch die Grenzen dieser Maßnahmen. Dabei steht laut Dr. Stein nicht nur die chirurgische Korrektur im Vordergrund, sondern es müsse ebenso die Ursache des eingetretenen Verlusts der Gingiva bedacht werden. Auch das Verhältnis keratinisierter Gingiva zur mobilen Gingiva beeinflusse das Prozedere entscheidend, ebenso der Zahnfleischbefund, ob ein „dicker“ oder „dünner“ Biotyp vorliegt. Sein Rat: Im Zweifelsfall sollte der dünne morphologische Befund durch eine Bindegewebstransplantation zu einem kräftigen, dicken Befund „geswitched“ werden.

Dr. Christian Hammächer, mit PD Dr. Stein gemeinschaftlich niedergelassen, präsentierte die Vorgehensweise der Rezessionsdeckung am Implantat. Diese lasse sich bedeutend schwerer darstellen. Der Werkstoff Titan stelle eine oftmals nicht zu beherrschende Situation dar. Auch wenn Dr. Hammächer bemerkenswerte Erfolge vorstellen konnte, sind die Möglichkeiten bei Implantaten eingeschränkt, insbesondere bei einer falschen Position.

Erstmals fand bei diesem bayerischen Implantologietag auch ein Helferinnenprogramm statt. Dieses war ebenfalls bis auf den letzten Platz gefüllt.

Bei diesem Programm referierte Eva Wollmarker über Hygiene in der implantologischen Praxis. Prof. Dr. Joachim Hermann aus München bzw. Zürich ging auf die Parodontitis und Periimplantitis und deren Vermeidung durch Nachsorge ein. Christian Prezioso begeisterte alle mit einem Update über Notfallmedizin, das er äußerst praxisnah darstellte. Bevor Irmgard Marischler auf die Abrechnung der Implantologie und Implantatprothetik mit vielen Beispielen einging, erörterte Zahntechnikermeister Gerhard Stachulla, was die implantologische bzw. zahnmedizinische Assistenz für das zahntechnische Labor erbringen kann.

Der Landesverband Bayern kooperiert auch mit der Laborvereinigung ProLab, weswegen auch Techniker am Programm teilnahmen – ein Beitrag gelebter interdisziplinärer Zusammenarbeit.

Prof. Dr. Takahiro Ogawa von der UCLA (Universität in Los Angeles) präsentierte für viele Teilnehmer überraschend, wie durch eine Fotofunktionalisierung die Implantatoberfläche positiv beeinflusst werden kann. Er konnte nachweisen, dass nicht nur die hydrophile Eigenschaft des Implantats, sondern auch die positiv geladene Ionenstruktur sowie eine komplett kohlenstofffreie Oberfläche zu einem vergleichbar höheren Knochen-Implantat-Kontakt führen. Das dazu notwendige Gerät wurde auch in der Industrieausstellung präsentiert.

PD Dr. Sven Otto von der Abteilung für MKG-Chirurgie der Ludwig-Maximilians-Universität München griff ein aktuelles Thema auf, mit dem jeder Behandler in der Praxis konfrontiert wird. Er diskutierte die medikamentöse, vor allem von Bisphosphonaten induzierte Kiefernekrose und umriss den aktuellen Stand der Erkenntnisse. Im Hinblick auf eine medizinisch sinnvolle Vorgehensweise bei Implantatversorgungen wird der medizinische Eingriff in diesen Fällen kontrovers beurteilt. Unstrittig ist jedoch bei derartigen Vorbefunden eine äußerst vorsichtige und zurückhaltende sowie genau abzuwägende chirurgische Intervention. Nicht nur im Zweifelsfall sind diese Patienten besser in der Fachklinik aufgehoben. Die Universität in München gilt als Spezialist für die Behandlung betroffener Patienten.

Der „Erfinder“ des All-on-4-Konzeptes, Prof. Paolo Malo, lieferte in seinem Vortrag eine Menge nützlicher Hintergründe und viele praktische Tipps für die Behandlung nach dieser Methode. Viele nicht zu unterschätzende Einzelheiten spielen eine Rolle, z.B. lange Implantate distal, dicke Querschnitte des angulierten Implantats oder Titan mit Kompositverblendung als Material für die Prothetik usw.

Den Abschluss bildete die Mitgliederversammlung. Hingewiesen sei hier noch auf das nächste Frühjahrssymposium des LV Bayern in Regensburg am 28./29. April 2017.


(Stand: 14.09.2016)

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