Pilotuntersuchung zur Bewertung von Grenzflächen mittels OCT: Belastung einer Resin-Nano-Keramik auf einteiligen ZrO2-Implantaten

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Was passiert an Grenzflächen zwischen Krone und Implantat nach dynamischer Belastung? Die OCT kann bei Resin-Nano-Keramik zeigen, was sich am Interface zu starren einteiligen ZrO2-Implantaten tut. / What happens at interfaces between crown and implant after dynamic loading? For Resin Nano Ceramics OCT can visualize effects on the boundary to rigid one-piece ZrO2 implants.

Einführung: Die prothetische Versorgung einteiliger Zirkoniumdioxid(ZrO2)-Implantate ist angesichts der spärlichen Langzeitdaten für Behandler eine Herausforderung. Um auf starren einteiligen Implantatsystemen eine möglichst physiologische Rehabilitation zu erreichen, kann eine gewisse Resilienz nach Vorbild des natürlichen Zahns wünschenswert sein. Diese lässt sich am besten über die Restauration und eine geeignete Befestigung mit einem dauerhaft stabilen Verbund erreichen. Ziel dieser Studie war es, Veränderungen an Grenzflächen vor und nach dynamischer Belastung bei adhäsiv befestigten Resin-Nano-Keramik(RNK)-Kronen auf einteiligen ZrO2-Implantaten mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) darzustellen.

Material und Methode: Es wurden 20 einteilige ZrO2 -Versuchsimplantate hergestellt sowie 20 Kronen mittels CAD/CAM-Verfahren aus LAVA Ultimate (LU, 3M ESPE, Seefeld, Deutschland) angefertigt. Anschließend wurden alle Kronen sowie die Hälfte der Implantataufbauten tribochemisch vorbehandelt (SB, CoJet, 30 ?m, 2 bar). Alle Kronen wurden mit Scotchbond Universal (SU) und RelyX Ultimate (RU, beide 3M ESPE) adhäsiv nach Herstellerangaben befestigt. Im Anschluss daran erfolgte die Anfertigung von OCT-Schnittbildern (Telesto II, Thorlabs GmbH) der befestigten Kronen vor und nach Kausimulation (KS; 1,2 Mio. Zyklen mit 50 N bei 5–55 °C für je 60 sec., SD Mechatronik GmbH). Die Veränderungen der in den OCT-B-Scans sichtbaren Signallinien nach KS wurden visuell mit „undeutlicher“, „gleich“ oder „deutlicher“ bewertet.

Ergebnisse: Eine Bewertung der im OCT-B-Scan sichtbaren Veränderungen der Signallinien erfolgte anhand einer visuellen Einteilung in „undeutlicher“, „gleich“ oder „deutlicher“. Sowohl vor als auch nach KS war bei allen Proben im OCT-B-Scan ein Signal entlang der Grenzfläche SU+RU/ZrO2 sichtbar, das an Proben ohne Vorbehandlung (non-SB) bereits vor KS ausgeprägter war als bei den vorbehandelten Proben (SB). Die Signalintensität am RU/ZrO2-Interface nahm nach KS bei non-SB nicht zu, bei SB war sie „deutlicher“. Ausschließlich bei den non-SB-Probekörpern trat nach Belastung ein zweites Spaltsignal in den okklusalen B-Scans auf.

Schlussfolgerung: Die Pilotuntersuchung zeigt, dass mittels OCT eine noninvasive Darstellung von Veränderungen an RNK-Grenzflächen möglich ist und damit zusätzliche visuelle Informationen zum Verbund gewonnen werden können.

Schlüsselwörter: Resin-Nano-Keramik; einteilige ZrO2-Implantate; optische Kohärenztomografie (OCT); Grenzflächen

Zitierweise:
Seidemann M-R, Haak R, Olms C: Pilotuntersuchung zur Bewertung von Grenzflächen mittels OCT: Belastung einer Resin-Nano-Keramik auf einteiligen ZrO2-Implantaten. Z Zahnärztl Implantol 2017; 33: 202–211

DOI 10.3238/ZZI.20170202–0211

Einführung

Zahlreiche Studien belegen den erfolgreichen klinischen Einsatz von Zirkoniumdioxidimplantaten [5]. Besonders einteilige ZrO2-Implantate stellen eine vielversprechende Alternative zu zweiteiligen Titanimplantaten in der ästhetischen Zone dar [2]. Einteilige Systeme bieten den Vorteil, dass es keinen Spalt zwischen Implantat und Abutment gibt, wodurch jegliche Form unkontrollierter Mikrobewegungen sowie eine bakterielle Besiedlung des Spalts vermieden werden und was zu weniger Knochenverlust krestal führt [6]. Das System ist rigide.

Immer wieder gibt es Bestrebungen, bewusst eine Resilienz nach natürlichem Vorbild im Implantatsystem herzustellen. Die Entwicklung resilienter Implantatelemente soll eine ungepufferte Kraftweiterleitung und dadurch ungünstige Spannungsspitzen sowie Überbelastung vermeiden, die im Sinne eines okklusalen Traumas zum Abbau periimplantären Knochens führt [9]. Zur Erhöhung der Resilienz gibt es neben vielen technisch komplexen Konstruktionen [7, 12] auch Ansätze unter Verwendung resilienter Grundmaterialien für Abutments und Implantate [15]. Bei dieser Untersuchung sollen die prothetische Restauration und die entsprechende Befestigung als resiliente Komponente im Fokus stehen, da neben der chirurgischen auch die prothetische Beurteilung für einen klinischen Langzeiterfolg entscheidend ist. Mit der Einführung der Resin-Nano-Keramik Lava Ultimate auf den Dentalmarkt (2012, 3M ESPE, Seefeld, Deutschland) steht ein Restaurationsmaterial mit dentinähnlichem E-Modul und damit verbundener Resilienz zur Absorption eingeleiteter Kräfte zur Verfügung [1]. Die „stoßdämpfende“ Eigenschaft dieser Materialklasse [8] und die hohe Biegefestigkeit sprechen für ein haltbares, der physiologischen Biomechanik entsprechendes Restaurationsmaterial auf einteiligen Implantaten. Um entsprechendes Restaurationsmaterial und seine Vorzüge auch auf einteiligen Implantaten klinisch nutzen zu können, muss dessen dauerhafte Befestigung gewährleistet sein. Die Untersuchung der vorhandenen Grenzflächen und etwaigen Veränderungen nach dynamischer Belastung zwischen Restauration, Befestigungsmaterial und Implantat ist dabei von Interesse. Bislang gibt es keine publizierten Untersuchungen, die eine non-invasive Methode beschrieben haben, die mögliche Veränderungen an Grenzflächen intakter Kronen auf Implantaten nach dynamischer Belastung zwischen Restaurations-, Befestigungs- und Implantatmaterial darstellen kann.

Durch die besondere Zusammensetzung von Lava Ultimate als hochvernetztes Polymer mit einem Füllkörperanteil von 80 % eröffnen sich im Gegensatz zu Produkten mit ähnlich resilienten Eigenschaften (e.g. VITA Enamic, VITA Zahnfabrik, Bad Säckingen, Deutschland) auch neue Möglichkeiten, dieses zu untersuchen. Ergänzend zu klassischen Methoden der Werkstoffprüfung könnten durch die optische Kohärenztomografie (OCT) zusätzliche visuelle Informationen zur Verbundsituation dieses Materials gewonnen werden und somit in die Bewertung für einen möglichen klinischen Einsatz einfließen.

Die optische Kohärenztomografie (OCT) ist ein noninvasives Verfahren und ermöglicht die Abbildung von Mikrostrukturen auf und in organischen und anorganischen Materialien (Abb. 1). Neben aktuellen Untersuchungen zur Diagnostik und Bewertung kariöser Läsionen [14] bestätigen vor allem Untersuchungen von Grenzflächen an Kompositfüllungen das große Potenzial dieses Verfahrens zur Bewertung von Restaurationen [10, 11]. Die OCT verwendet Licht im nahinfraroten Wellenlängenbereich. Infolge der Schwächung des Lichts in der Probe durch Streuung, Reflexion und Absorption in Abhängigkeit vom Brechungsindex der Materialien können Strukturen maximal bis in eine Tiefe von ca. 2–2,5 mm abgebildet werden. Diese signalgebenden Strukturen (Signallinien) werden an Grenzflächen unterschiedlicher Phasen sichtbar, z. B. bei Materialinhomogenitäten wie Lufteinschlüssen oder Spalten, die ein Hinweis auf einen beeinträchtigten Verbund sein können.

Um einen möglichst dauerhaften und stabilen Verbund bei adhäsiver Befestigung herzustellen, hat eine tribochemische Vorbehandlung von Zirkoniumdioxidoberflächen Vorteile [3, 16]. Gleichwohl führt eine solche Vorbehandlung bei einigen Implantatherstellern unter Umständen zum Verlust der Garantie. Bislang fehlen noninvasive Informationen, wie sich das Interface zwischen Implantatoberfläche, Befestigungsmaterial und Restauration darstellt und ob es unter Kausimulation zu Veränderungen kommt. Gegebenenfalls lassen zusätzliche OCT-Informationen einen frühzeitigen Hinweis auf mögliche Schwachstellen des Verbundes zu.

Ziel dieser Studie war es, Veränderungen an Grenzflächen vor und nach dynamischer Belastung bei adhäsiv befestigten Resin-Nano-Keramik(RNK)-Kronen auf einteiligen ZrO2-Implantaten mittels optischer Kohärenztomografie (OCT) darzustellen.

Material und Methoden

Es wurden insgesamt 20 Versuchsimplantate aus Zirkoniumdioxid (ZrO2, Y-TZP) hergestellt (Abb. 2). Dazu wurde aus vorgesinterten Blöcken (In-Ceram YZ-55, VITA, Bad Säckingen, Deutschland) die Grundform der Versuchsimplantate gedreht (Werkstatt für Feinmechanik, Fakultät für Physik und Geowissenschaften, Universität Leipzig, Deutschland) und anschließend im zahntechnischen Labor der Sintervorgang durchgeführt (VITA Zyrcomat 6000 MS, Bad Säckingen, Deutschland).

Der Konvergenzwinkel des Implantataufbaus betrug 3° und die Höhe 6 mm. Die Form wurde so gestaltet, dass die Aufnahme einer Prämolarenkrone mit ausreichend Materialstärke in allen Bereichen möglich war. Da es sich um eine In-vitro-Studie handelte, wurde ein schematisches Gewinde konstruiert, um die nötige Retention im Einbettungsmaterial zu gewährleisten und damit eine vollständige Osseointegration zu simulieren. Auf zusätzliche Modifizierungen der Gewindeoberfläche wurde verzichtet

Insgesamt wurden 20 Prämolarenkronen aus Lava Ultimate (3M ESPE, Seefeld, Deutschland) im CAD/CAM-Verfahren gefertigt. Der Scanvorgang wurde mit der BlueCam des Cerec-3D-Systems (Sirona, Bensheim, Deutschland) durchgeführt. Anschließend erfolgte das einheitliche Design der Kronen (Zahn 14, Biogeneric Programm Nr. 48) am virtuellen Modell nach den üblichen Konstruktionsschritten des Cerec-Systems. Mit der Cerec-MC-XL-Schleifeinheit (Sirona, Bensheim, Deutschland) wurden die Kronen hergestellt und anschließend mit dem Lava Ultimate Polishing Set (Meisinger, Neuss, Deutschland) poliert (Abb. 3).

Danach wurden alle Kronen von innen sowie die Hälfte der Implantataufbauten einer tribochemischen Vorbehandlung unterzogen. Dazu wurden die zu behandelnden Flächen mit schwarzem Filzstift markiert und mit CoJet (Abstand ca. 5–10 mm, 30 µm, 2 bar, 3M ESPE, Seefeld, Deutschland) abgestrahlt, um eine möglichst gleichmäßig und vollständig silikatisierte Oberfläche zu erhalten (Abb. 4).

Nach Reinigung mit Alkohol und Trocknung aller behandelten Flächen mit ölfreier Luft erfolgte die adhäsive Befestigung der Kronen auf den Implantaten. Zunächst wurde Scotchbond Universal (SU, 3M ESPE, Seefeld, Deutschland) für 20 sec auf die Kroneninnenseiten und entsprechende Implantatflächen einmassiert. Anschließend wurde 5 sec lang mit sanftem Luftstrom getrocknet und größere Ansammlungen von Scotchbond wurden mit einem trockenen Microbrush entfernt.

Mit dem Intraoral Tip wurden dann die Kronen mit RelyX Ultimate (3M ESPE, Seefeld, Deutschland) befüllt und auf den Implantaten positioniert. Der Überschuss wurde mit Schaumstoffpellets entfernt. Nach Auftrag von Glyzeringel erfolgte die Lichthärtung unter stetem manuellem Druck für 20 sec pro Fläche (Elipar, 3M ESPE, Seefeld, Deutschland) (Abb. 5).

Die Implantate wurden in einen kaltpolymerisierenden Kunststoff (Technovit 4000, Heraeus Kulzer, Hanau, Deutschland) eingebettet. Dies erfolgte direkt in die Probenhalter des Kausimulators mit individualisierter Vorrichtung im Parallelometer.

Anschließend wurden Schnittbilder der befestigten Kronen vor und nach Kausimulation (KS) und Thermocycling mittels optischer Kohärenztomografie (OCT, Telesto II, Thorlabs GmbH, Dachau, Lübeck, Deutschland) angefertigt (Abb. 6).

Die Proben wurden jeweils von mesial, distal und okklusal gescannt (Parameter: 1310 nm, 48 kHz, 1024×1024 Pixel im B-Scan). Pro OCT-Scan wurden 300 Frames (optische Schnittebenen) erzeugt, wobei die region of interest (ROI; gut sichtbarer, zentraler Bereich des ZrO2 -Stumpfes) im Framebereich Nr. 100–200 anzusiedeln war. Es wurden jeweils 5 Aufnahmen aus dieser Region zur Auswertung herangezogen (Frame Nr. 100, 125, 150, 175, 200), die eine kumulative Bewertung für die jeweilige Fläche ergaben.

Von Interesse waren dabei die Veränderungen der in den OCT-B-Scans sichtbaren Signallinien an den Grenzflächen nach Kausimulation. Diese wurden anhand eines optisch-visuellen Scoringsystems als „deutlicher“, „undeutlicher“ oder „gleich“ bewertet. Dabei waren Helligkeit/Intensität und Breite der Signallinien maßgeblich, wonach die Bewertung „deutlicher“ mit einer Zunahme der Helligkeit/Intensität und/oder der Breite der Signallinie verbunden ist. Analog dazu bedeuten „undeutlicher“/„gleich“ eine Abnahme bzw. keine Veränderung des Signals (Abb. 7).

Durch eine individualisierte Haltekonstruktion am OCT-Gerät und das Verbleiben der Proben in der Halterung des Kausimulators wurde eine möglichst genau reproduzierbare Aufnahmerichtung der Proben vor und nach KS erreicht, was die Auswertung der jeweils zu vergleichenden Frames ermöglichte. Die statistische Auswertung der OCT erfolgte deskriptiv.

Die KS und das Thermocycling erfolgten simultan mittels CS-4.8 professional line (5 Kammern, SD-Mechatronik GmbH, Feldkirchen- Westerham, Deutschland) über 1,2 Mio. Zyklen bei 50 N und 1,6 Hz Frequenz, wobei eine 3-mm-Steatitkugel als Antagonist benutzt wurde und Wechselbäder von 5–55 °C für je 60 sec erfolgten. Damit wurde eine klinische Belastung von ca. 5 Jahren simuliert. Im Anschluss wurde eine stereomikroskopische Kontrolle auf Risse bzw. Frakturen des Restaurationsmaterials und/oder der Implantate durchgeführt (Auflicht-Hellfeld, Stemi 2000-C, Digitale Mikroskopkamera AxioCam ICc 1 Rev.4, Kontrollsoftware AxioVision Rel. 4.8, Carl Zeiss MicroImaging GmbH, Göttingen, Deutschland).

Ergebnisse

Alle Proben wiesen nach Abschluss der Untersuchungen keinerlei äußerliche Anzeichen einer Fraktur oder Zerstörung auf. Eine Probe zeigte im OCT-B-Scan (Probe 2_SB_o) nach KS einen Haarriss innerhalb der RNK. Dieser war jedoch äußerlich nicht zu erkennen und beeinträchtigte die Stabilität der Krone während der Kausimulation nicht.

Veränderung an Grenzflächen

Keine der Veränderungen nach KS wurde mit „undeutlicher“ bewertet. An der Grenzfläche RNK/SU+RU (= Kronen-Befestigungsmaterial-Interface) ist bei einer Fläche (Probe Nr. 9, SB, distal) ein Spaltsignal auszumachen, das nach KS mit „gleich“ zu bewerten war. Alle anderen Proben wiesen kein Spaltsignal zwischen Krone und Befestigungsmaterial auf (Abb. 8).

Bei allen Proben war sowohl vor als auch nach KS im OCT-B-Scan für alle bewerteten Flächen (mesial, distal, okklusal) ein Signal entlang der Grenzfläche SU+RU/ZrO2 (= Befestigungsmaterial-Stumpf-Interface) sichtbar.

Dieses war bei Proben ohne CoJet-Vorbehandlung (non-SB) bereits vor KS ausgeprägter als bei Proben mit SB.

Nach KS waren die Veränderungen der Signale bei seitlichen Scans (mesial, distal) der non-SB-Proben durchweg mit „gleich“, bei SB hingegen mit „deutlicher“ zu bewerten.

Analog dazu waren auch in den okklusalen B-Scans die Signale bei SB „deutlicher“, aber nur bei 4 der non-SB-Proben „gleich“. Bei den übrigen 6 Proben trat nach Belastung ein zweites Spaltsignal auf, wodurch eine Bewertung der Fläche nach zuvor angewandtem Schema nicht möglich war (Abb. 9).

Diskussion

In der vorliegenden Pilotstudie wurden mithilfe der OCT die Grenzflächen an 20 einteiligen Zirkoniumdioxidimplantaten nach prothetischer Versorgung mit Kronen aus einer Resin-Nano-Keramik und adhäsiver Befestigung untersucht.

Im Folgenden werden einige Aspekte zu Material und Methode diskutiert. Da es sich um eine Pilotstudie handelte und vor allem die Machbarkeit der beschriebenen Methode im Vordergrund stand, wurde die Untersuchung an einer reduzierten Fallzahl an Probekörpern durchgeführt.

Bei den untersuchten OCT-B-Scans handelte es sich um punktuelle Schnittbilder einer Probe, die in einer kumulativen Bewertung zusammengefasst wurden. Um einen ersten Eindruck über die Darstellbarkeit und Visualisierung in der OCT für die untersuchten Bereiche (Grenzflächen) und deren Veränderungen nach Kausimulation zu erhalten, erschien ein erstes visuelles Scoring angebracht. Trotz einfacher Entscheidungsparameter für die jeweilige kumulative Bewertung stellt dieses Scoring keine statistisch objektive Bewertung im klassischen Sinne dar und muss als Limitation dieser Untersuchung gesehen werden. Nach positivem Verlauf unserer Pilotstudie scheint eine Weiterentwicklung des Auswertungssystems hin zu einer binären Bewertung respektive die Quantifizierung von Spaltsignalen mit metrischen Angaben sinnvoll. Die Aussagekraft der einzelnen Bewertungen ist daher zunächst in den engen Grenzen dieser Untersuchung zu sehen.

Veränderung an Grenzflächen

An einer Probe kam es an einer der zu bewertenden Flächen im OCT-B-Scan zu einem Spaltsignal am Übergang zwischen Krone und Befestigungsmaterial (Probe Nr. 9_SB). Dies lässt an beurteilter Fläche auf einen fehlenden Verbund schließen, da dort offensichtlich der Übergang des Lichtes von RNK in Luft zu einer Streuung/Reflexion führte. Möglicherweise ist eine mangelnde CoJet-Vorbehandlung oder fehlerhafte Benetzung der Fläche mit adhäsivem Befestigungsmaterial ursächlich. Es kam weder zu einer Dezementierung während KS noch zu sichtbaren Veränderung des vorhandenen Spaltsignals nach KS. Insgesamt lässt das Ausbleiben von Spaltsignalen an den übrigen Proben für die untersuchte Stelle einen homogeneren Verbund zwischen Krone und Befestigungsmaterial vermuten.

Trotz größter Sorgfalt könnte die manuelle Vorbehandlung und Befestigung der RNK-Kronen auf den Implantaten als mögliche Fehlerquelle angesehen werden.

Ein Verdacht, dass die durch CoJet-Vorbehandlung matt erscheinende ZrO2-Oberfläche bei SB-Proben eine verminderte Reflexion zeigt und daher bereits vor KS ein schwächeres Signal resultiert, konnte in Vorversuchen nicht bestätigt werden. Beide Oberflächen (SB und non-SB) stellten sich im OCT gleich dar.

Eine weitere Limitation der Studie bestand darin, dass die OCT in Abhängigkeit vom Brechungsindex der verschiedenen Materialien nur eine Durchdringtiefe von max. 2–2,5 mm hat. Die hergestellten Kronen wurden daher unter Einhaltung der Mindestwandstärken von ? 1 mm und ? 1,5 m im okklusalen Bereich so dünn wie möglich konstruiert. Nach simulierter dynamischer Kaubelastung kam es zu einem Substanzabtrag, sodass die Mindeststärke okklusal sogar unterschritten wurde.

Material ZrO

2

Des Weiteren schränkt das Material Zirkoniumdioxid aufgrund seines Brechungsindexes die Aussagekraft der OCT im Vergleich zu anderen Materialien möglicherweise ein. ZrO2 reflektiert wegen seines hohen Brechungsindexes viel Licht (Luft ? 1, Wasser ? 1,3, Kompositschmelzmasse ? 1,5, natürlicher Schmelz 1,62, ZrO2 ? 1,9). Das Signal im OCT-B-Scan an entsprechender Grenzfläche darf aufgrund dieser Eigenschaft des ZrO2 nicht per se mit einem Spalt verbunden oder gar mit „kein Verbund“ gleichgesetzt werden. Da es nach simulierter Kaubelastung zu einer Veränderung des Signals im Sinne der Bewertung „deutlicher“ kommt, muss jedoch eine Zunahme des reflektierten Lichts erfolgt sein. Dies lässt sich durch ein Auseinanderweichen der Flächen RU+SB/ZrO2 nach Belastung erklären.

Durch die Zunahme der Distanz beider Flächen voneinander entsteht ein Hohlraum, der mit Luft gefüllt ist, d. h. ein Spalt. Durch die zusätzliche Phase Luft zwischen den Grenzflächen RU+SB und ZrO2 erhöht sich die Reflexion beim Übergang des Lichts zwischen den Phasen, und das Signal im B-Scan ist „deutlicher“ (Abb. 10). Dass beide Grenzflächen nicht auch als zwei voneinander getrennte Signallinien wahrzunehmen waren, lag möglicherweise daran, dass die Grenzflächen noch nicht weit genug auseinandergewichen sind, um dies trotz hoher Auflösung mit der OCT im betrachteten Bereich darzustellen. Es ist möglich, dass die Strecke, die das Licht bei mesialen und distalen Aufnahmen zurücklegen musste, im Vergleich zu okklusalen Aufnahmen, zu groß für eine detaillierte Darstellung war. Dafür spricht das Auftreten einer zweiten Signallinie bei okklusalen B-Scans. Okklusal kam es bei KS zu einer direkten Krafteinleitung, verbunden mit einer höheren Belastung. Daher ist ein Auseinanderweichen der Grenzflächen zuerst okklusal als wahrscheinlich anzusehen (Abb. 11).

Zur Verifizierung der Spaltbildung wurden in einem noch laufenden Versuchsabschnitt rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen angefertigt (Abb. 12).

Die KS simulierte einen 5-jährigen klinischen Einsatz und konnte zeigen, dass es innerhalb der Limitationen dieser Studie zu keiner Dezementierung der RNK-Kronen während dynamischer Belastung kam. Um die Qualität des Verbundes im Hinblick auf eine erfolgte CoJet-Vorbehandlung genauer beurteilen zu können, sind weiterführende konventionelle Untersuchungen (Abzugsversuche) notwendig.

Folgend lässt sich aus den hier dargestellten Ergebnissen eine gegensätzliche Interpretation zur gegenwärtigen Indikationseinschränkung von Lava Ultimate für die Kronenversorgung ableiten. Allerdings wurde in der vorliegenden Studie nur eine Belastungskraft von 50 N während der Kausimulation festgelegt, wohingegen physiologisch Kräfte von 60–75 N beim Kauen im Bereich der vorderen Zähne auftreten können [4]. Eine aktuelle randomisierte klinische Studie bei der 40 RNK-Kronen extraoral auf ZrO2 -Abutments adhäsiv befestigt und anschließend intraoral verschraubt wurden, unterstützt trotz Unterbrechung der Integrität der Krone durch den Schraubenkanal einerseits mit einem ermittelten Bondingversagen von 80 % innerhalb des ersten Jahres am SU+RU/ZrO2-Interface die Indikationsänderung [13]. Andererseits bestärken diese klinischen Daten die ersten Ergebnisse unserer Pilotstudie, da das auffällige Spaltsignal sowohl für SB als auch für non-SB in unserer Untersuchung am SU+RU/ZrO2-Interface und dessen Veränderung nach Kausimulation auf eine mögliche „Schwachstelle“ im Verbund hinweisen.

Schlussfolgerungen

Die hier vorgestellte Pilotstudie zeigte, dass eine noninvasive Darstellung von Veränderungen an RNK-Grenzflächen mithilfe der OCT möglich ist und so zusätzliche visuelle Informationen gewonnen werden können. Ergänzend zu den konventionellen Methoden der Materialprüfung kann die OCT optische Hinweise auf mögliche Schwachstellen im Verbund liefern („deutlichere“ Signallinie, Doppellinie). Trotz vielversprechender Werte unserer Untersuchung mit einer Überlebensrate von 100 %, weisen diese ersten OCT-Ergebnisse auf Optimierungsbedarf der adhäsiven Befestigung von RNK auf ZrO2 unabhängig von erfolgter Vorbehandlung hin. Gerade angesichts spärlicher klinischer Daten besteht somit die Notwendigkeit weiterführender experimenteller und klinischer Untersuchungen, mit Fokus auf Grenzflächen und geeigneten Materialkombinationen, um die Vorteile von RNK-Restaurationen auf einteiligen ZrO2-Implantaten auch klinisch nutzen zu können. Mit der OCT steht dafür ergänzend ein noninvasives Verfahren zur Verfügung.

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Korrespondenzadresse

Dr. Constanze Olms, MME

Oberärztin, Spezialistin für Prothetik

Universität Leipzig

Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik
und Werkstoffkunde

Liebigstr. 12, Haus 1, 04103 Leipzig

Constanze.olms@medizin.uni-leipzig.de

Literatur

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Fussnoten


(Stand: 08.09.2017)

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