Implantologie im Studium – ist die Ausbildung noch aktuell?

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Während die Implantologie in der Vergangenheit vor allem von Fachleuten mit chirurgischem Schwerpunkt durchgeführt wurde, haben die wachsende Nachfrage und die Erweiterung des Indikationsspektrums zu einer breiteren Etablierung von Implantaten im zahnärztlichen Alltag geführt. Immer mehr Kliniker bemühen sich um die ganzheitliche Betreuung ihrer Patienten unter Berücksichtigung aller Aspekte, angefangen bei der Planung der Implantatplatzierung über die Chirurgie bis hin zu den restaurativen Verfahren. Die Implantologie wird somit derzeit nicht mehr ausschließlich als ein dem Spezialisten zugehöriges Fachgebiet gesehen. Zukünftige Zahnärzte sollten daher bestimmte Kompetenzen in der Implantologie besitzen, um die relevanten Indikationen zu identifizieren, Patienten mit korrekten Informationen zu versorgen sowie diese selbst im Umfang ihrer Kompetenz zu behandeln oder zu überweisen.

Bis 2009 wurde die Implantologie überwiegend in vergleichsweise kurzen theoretischen Kursen in Form von Vorträgen gelehrt. In der Folgezeit konnte ein stetiger Trend zu einer verbesserten implantologischen Ausbildung gesehen werden bis hin zu dem Punkt, dass derzeit nahezu alle Lehrprogramme zumindest die wissenschaftlichen Grundlagen für die implantologische Zahnmedizin in ihren Curricula anbieten. Trotz dieser breiten Integration der Implantologie in das Studium fehlt immer noch eine Standardisierung zwischen den angebotenen Programmen; hier ist auf die neue zahnärztliche Approbationsordnung zu hoffen.

Derzeit können drei didaktische Komponenten in der zahnärztlich-implantologischen Ausbildung identifiziert werden. Die theoretische Grundausbildung ist bei weitem die häufigste. Vorklinische Übungen haben eine geringere Häufigkeit, und eine klinische Ausbildung im Rahmen von unterstützenden oder selbsttätigen implantatbezogenen Behandlungen wird nur limitiert angeboten. Somit hat in der Praxis, abseits von den Publikationsleistungen der jeweiligen Institutionen, die Vermittlung der in der Implantologie erforderlichen Fertigkeiten noch keinen breiten Einzug in die universitäre Ausbildung gefunden. Das für die praktische Tätigkeit notwendige Wissen wird somit derzeit hauptsächlich in postgraduierten Curricula oder Masterstudiengängen erworben. Es stellt sich also die Frage, ob die reale prägraduierte Lehre den Anforderungen der modernen Zahnmedizin hinterherhinkt oder ob sich die jeweiligen Fachgesellschaften nicht doch im prägraduierten Bereich mehr engagieren sollten.

Die Installation einer definierten präklinischen und klinischen Ausbildung in der Implantologie würde einen beträchtlichen Aufwand an Zeit und finanziellen Mitteln unter eventueller Einschränkung anderer Fachdisziplinen erfordern. Die notwendige, spezialisierte und möglichst realistische Ausrüstung für präklinische Übungen ist teuer und oftmals ungeeignet für wiederholte Anwendungen. Während konservierende und prothetische Patientenarbeiten derzeit problemlos in den entsprechenden Kursen unter Aufsicht von Assistenten und Zahntechnikern angefertigt werden können, ist die direkte Adaptation der Implantologie nur schwer durchsetzbar. Natürlich existiert die Möglichkeit, diese Defizite durch eine verstärkte Einbeziehung der Industrie zu kompensieren. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob es Sinn der universitären Ausbildung sein kann, die Defizite derart – mit zu erwartender entsprechender Produktplatzierung – zu lösen.

Programme, die ausschließlich auf Vorlesungen und Seminaren basieren, bieten den Absolventen ein grundlegendes Wissen über die Implantologie. Dennoch sollte hinterfragt werden, ob dies genug ist, um die Studierenden auf die tägliche klinische Praxis vorzubereiten. Aus der eigenen klinischen Erfahrung sind zusätzliche (prä)klinische praktische Übungen und Hospitationen notwendig, um unserem Nachwuchs aus einer sicheren Lehr- und Lernumgebung heraus zumindest mit den Grundlagen der Implantologie vertraut zu machen.

Ihr

 

PD Dr. Dr. Peer W. Kämmerer, M.A., FEBOMFS


(Stand: 21.09.2017)

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