BEI LICHTE BESEHEN ...

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Sie nennen Ihre Kunst „Lichtkunst“. Man kann als Künstler auf verschiedene Arten mit Licht arbeiten, aber nie ohne. Welche Funktion hat das Licht in Ihrer Kunst?

Licht hat in der Kunst eine wesentliche Funktion. Viele Künstler haben Reisen unternommen, um ein bestimmtes Licht einzufangen, etwa in die Provence oder die Bretagne. Ich habe einen anderen Weg gewählt. Ich beleuchte die Bilder, das ist für mich das einfachste. Ich habe schon so lange ich denken kann, eine große Freude an Licht. Ich hatte auch Kontakt mit Lichtkünstler-Kollegen wie Dan Flavin, der für seine Lichtinstallationen berühmt war, oder François Morellets. Mich hat fasziniert, dass diese Künstler einfach nur mit Licht arbeiteten. Allerdings war ich der Meinung, dass man mit Licht noch mehr Ausdrucksmöglichkeiten hat. Die Kombination von Licht mit Text oder Farben aus Bildern hat mich besonders angesprochen. Darum habe ich mit der Lenticulartechnik experimentiert, die jeder von den „Wackelbildern“ kennt.

Wie setzen Sie diese Technik künstlerisch ein?

Ich verwende auf Folien gedruckte Fotografien von verschiedenen Objekten, die sich überlagern. Es war mir von Anfang an wichtig, dass man diese Fotografien als abstrakte Bilder wahrnimmt. Ich fotografiere selbst, mit einfachen Kameras oder auch mit dem Smartphone. Es geht mir fast mehr um die Farben, die bei der Überlagerung der verschiedenen Bilder und durch den Blickwinkel entstehen. Gleichwohl sind die Motive auch wichtig, da sie Assoziationen hervorrufen. Eine Fotografie zeigt immer nur ein Motiv. Ich möchte durch die Überlagerung eine zweite oder dritte Assoziation erzeugen. Die Fotos befinden sich im Vordergrund eines Leuchtkastens mit LEDs. Diese Kästen lasse ich herstellen. Ich verwende aber auch alte Röntgenkästen.

Haben Sie schon einmal künstlerisch, mit Pinsel oder Stift gearbeitet?

Ja, das mache ich schon lange, sogar noch länger als die Lichtbilder. Ich hatte schon in der Jugend das Glück, eine Mal-Lehrerin zu haben. Auch in Freiburg gehe ich regelmäßig in ein Atelier. Und vielleicht traue ich mich im nächsten Jahr mit meinen Acrylbildern an die Öffentlichkeit. Die sind noch persönlicher als die Lichtbilder. In diesem Jahr habe ich mein erstes Acrylbild verkauft. Das sehe ich als großen Erfolg an.

Gibt es etwas Verbindendes zwischen Ihrer Arbeit als Arzt und Ihrer Arbeit als Künstler?

Ich glaube schon. Zum einen ist es die Konzentration bei der Gestaltung – sei es, dass es um das Malen eines Bildes geht, um das Komponieren von Lichtbildern oder um die Konzentration beim Operieren. Vermutlich bin ich auch aufgrund der Freude am Gestalten in der Gesichtschirurgie gelandet, einer sehr gestalterischen Sparte der Medizin. Es kommt in meinem Fach auch auf Ästhetik an, auf Vorstellungskraft und nicht nur auf die handwerkliche oder medizinische, sondern auch auf die künstlerische Erfahrung. Man muss wissen, was man mit einer Maßnahme am Knochen oder an der Haut erreichen kann. Dies erfordert Vorstellungskraft.

Womit haben Sie als erstes in Ihrem Leben Bekanntschaft gemacht und waren fasziniert – mit der Medizin oder mit der Kunst?

Das war ganz eindeutig die Kunst, sowohl vom eigenen Malen her, als auch was die Faszination durch Kunstwerke betrifft. Die Medizin kam später.

Erinnern Sie sich an ein Bild, das Sie beim ersten Kontakt mit Kunst ganz besonders fasziniert hat?

Das war ein Gemälde von Magritte. Es zeigt einen Stein und eine Wolke über dem Meer. Es heißt „Les idées claires“, die klaren Ideen.

In Ihren Bilder spielt das „Memento mori“ immer wieder eine Rolle – die Folge des Arztberufs?

Ja natürlich. Sicherlich ist dies eine Folge des Arztberufes. Hinzu kommen meine literarischen Vorlieben, zum Beispiel für den Arzt und Dichter Gottfried Benn, der sich damit auch sehr intensiv auseinandergesetzt hat. Natürlich ist man im Arztberuf täglich mit dem Ende des Lebens konfrontiert – es ist eine der Gewissheiten, die wir haben.

Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben? Sie ist für Sie wichtiger als ...?

Frühstück (lacht). Ja, ich kann eher auf das Frühstück verzichten als auf die Kunst.

Wie viele Bilder werden Sie in Wiesbaden ausstellen?

Etwa 35 bis 40 Bilder und Objekte. Es sind also nicht nur Bilder, sondern auch leuchtende Skulpturen sowie einige Neon-Arbeiten. Mir ist es wichtig, auch ein Publikum anzusprechen, das nicht wegen der Kunst in das Rhein-Main Congress Center kommt.

Sie wollen für diese Ausstellung auch einige Kunstwerke extra komponieren. Haben Sie schon damit begonnen?

Ich habe bereits damit angefangen. Ich möchte die Besucher gerne mitnehmen, und komponiere daher gerne Bilder an den Schnittstellen von Medizin und anderen Bereichen, die nichts mit Medizin zu tun haben. Ich benutze dazu gerne Röntgenbilder. Es gibt also mehrere Zusammenstellungen, bei denen 3D-Computertomografien des Gesichtsschädels eine Rolle spielen. Diese werde ich speziell in alten Röntgenkästen präsentieren. Ich glaube, ich habe inzwischen alle historischen Röntgenbetrachter des Klinikums eingesammelt; ich habe bestimmt zehn Stück inzwischen. Die haben ein tolles Licht, lassen sich dimmen und ich habe sie vor dem Verschrotten bewahrt.

Sie halten auch den „besonderen Vortrag“ am ersten Kongresstag im Plenum. Der Titel lautet: „Krieg – Implantat – Kunst“. Sowohl die Kriegführung als auch die Medizin wird mit mit Kunst verknüpft. Ist also die Kunst das Verbindende oder die Gemeinsamkeit zwischen Kriegführung und ärztlicher Behandlung?

Im akademischen Bereich ist es günstig die Kunst der Kriegführung zu beherrschen (lacht), man kann diese nicht ganz ignorieren. Aber in meinem Vortrag geht es in erster Linie um eine Verbindung durch Gleichzeitigkeit. Die MKG-Chirurgie und die zahnärztliche Chirurgie haben sich mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs etabliert. Zu diesem Zeitpunkt hat sich auch die Kunst verändert. Künstler wie Otto Dix und Max Beckmann, aber auch Literaten wie Rainer-Maria Rilke und Georg Trakl, waren ja zunächst begeistert und haben ihre Kunst im Laufe des Kriegs und danach deutlich verändert. Der 1. Weltkrieg war kulturell eine wahnsinnige Zäsur und auch künstlerisch. Darum geht es auch im Vortrag; ich will aber kein Historienvortrag halten. Es geht mir auch dabei um den Brückenschlag, wie wir uns heute mit den modernen Techniken an deren künstlerischen Komponenten orientieren. Eines meiner Prinzipien in der Kunst ist es, Getrenntes zu verbinden. Wir setzen heute beispielsweise anstelle von Abdrücken Scans ein. Das sind echte kleine dreidimensionale Kunstwerke. Wir setzen die modernen Verfahren auch ein, um Tumordefekte zu scannen, damit wir die verschiedenen Bereiche eines Tumors besser zuordnen zu können. Diese Scans haben in ihrer Plastizität fast eine abstrakte künstlerische Anmutung.

Sehen Sie sich eher als Arzt oder als Künstler?

Es gibt keinen Grund, zwischen diesen beiden Existenzen zu trennen, sie überlagern sich. Dazu fällt mir spontan ein warnendes Zitat von Bertold Brecht über das Anfertigen von Bildnissen eines Menschen ein: „Was tun Sie“, wurde Herr K. gefragt, „wenn Sie einen Menschen lieben?“ „Ich mache einen Entwurf von ihm“, sagte Herr K., „und sorge, dass er ihm ähnlich wird.“ „Wer? Der Entwurf?“ „Nein“, sagte Herr K., „der Mensch.“

Barbara Ritzert, Pöcking

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

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