Kongressthemen im Fokus

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Die Tischdemonstrationen gehören bei den Kongressen der DGI seit vielen Jahren zu den Dauerbrennern. In kaum einer anderen Sitzung sind die Teilnehmer den Referenten so nah, können so intensiv und ausführlich mit den Experten und untereinander diskutieren, wie bei diesem Angebot. Darum ist es kein Wunder, dass an den Tischen stets ein ziemliches Gedränge herrscht. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen geben sowohl „alte Hasen“ als auch jüngere Wissenschaftler und Praktiker weiter, das Themenspektrum ist breit. Es reicht von Ästhetik und Antiresorptiva über Implantate im wachsenden Kiefer bis zum Thema „interdisziplinäre Behandlung erwachsener Patienten mit Kieferorthopädie“.

 

Darum hat die Redaktion den „Tischdemonstranten“ vier Fragen zu ihrem jeweiligen Thema gestellt.

1 Warum ist dieses Thema für implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte grundsätzlich wichtig?

2 Gibt es Bereiche Ihres Themas, die zurzeit besonders intensiv diskutiert werden – und wenn ja, warum?

3 Wo sehen Sie die Relevanz bzw. die Verknüpfung Ihres Vortrags zum Kongressthema?

4 Warum sollten Ihre Kolleginnen und Kollegen den 32. Kongress möglichst nicht versäumen?

 

M. Gollner: „Funktion und Ästhetik – Planungsschritte komplexer Restaurationen“

1 Die Ästhetik folgt der Funktion bzw. die Funktion beeinflusst die Ästhetik. Dies sollte man bereits bei der Planung implantologischer Fälle berücksichtigen, sodass sich die Implantatpositionen entsprechend der Funktion bzw. Ästhetik individuell für jeden Patienten ausrichten. Gerade bei komplexen Rekonstruktionen müssen die Funktion und der ästhetische Anspruch im Vorfeld der implantologischen Planung abgeklärt werden. Dies betrifft nahezu jeden größeren implantologischen Fall.

2 Gerade der funktionelle Aspekt nimmt bei Implantatrekonstruktionen einen immer größeren Stellenwert in der täglichen Praxis ein. So werden aus ganzheitlicher Sicht die Patienten in der Rekonstruktion gemeinsam mit Physiotherapeuten oder Orthopäden gesehen. Andererseits werden von werkstoffkundlicher Seite immer wieder neue Materialien entwickelt, die der Kaubelastung und Bruchfestigkeit standhalten sollten. Hier treffen sicherlich zwei unterschiedliche Ansatzpunkte und Wege aufeinander. Dabei kommt es auf ein funktionell orientiertes Konzept an, um langfristige Beschwerden des Patienten auch außerhalb des zahnmedizinisch-implantologischen Fachgebiets zu vermeiden.

3 „Implantologie für Alle? – Personalisierte Implantologie“ lässt sich dahingehend deuten, dass gerade die individuelle Ästhetik einen immer größeren Stellenwert einnimmt. Patienten wünschen sich nicht nur feste und stabile Zähne auf Implantaten, sondern legen auch vermehrt Wert auf natürliche Ausstrahlung und exzellente Ästhetik.

4 Der Jahreskongress stellt eine Plattform für implantologisch interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte dar, sodass man sich auf ihm unter Kollegen sehr breit austauschen und neueste Trends und Behandlungsideen kennenlernen kann. Gerade in den praktisch orientierten Tischdemonstrationen können im kleinen Kreis verschiedenste Methoden und Ideen diskutiert werden. Die in unterschiedlichen Themenblöcken organisierten Fachvorträge bringen den praktisch orientierten Zahnarzt in der täglichen Praxis auf den absolut neuesten Stand der Implantologie.

 

J. Hey: „Intraorales Scannen für die Implantatprothetik – Optionen und Limitationen“

1 Der intraorale Scan kann die Herstellung von Zahnersatz beschleunigen. Einfache Arbeiten wie Einzelzahnrestaurationen und individuelle Abutments sowie auch mehrgliedrige, direkt verschraubte Provisorien lassen sich durchaus ohne Modell anfertigen. Hilfreich sind diese Optionen vor allem in Situationen, in denen eine Sofortbelastung vorgesehen ist. Darüber hinaus lassen sich selbst extreme Angulationen von Implantaten problemlos erfassen. Mit einer konventionellen Abformung gelingt dies nicht.

2 Obgleich aktuell nur knapp zehn Prozent der Behandelnden mit einem Intraoralscanner arbeiten, ist anzunehmen, dass die Technologie vor dem Durchbruch steht. Wir verwenden den Intraoralscanner seit 2012 – das Interesse war in den vergangenen Jahren eher verhalten. Derzeit jedoch explodieren die Anfragen und der Informationsbedarf. Ich nehme an, dass aktuell viele Kollegen und Kollginnen über die Anschaffung eines Intraoralscanners nachdenken.

3 Traditionelle Implantat-Kontraindikationen beruhten häufig auf dem mit der Implantation einhergehenden operativen Risiko. Die digitale Technologie erlaubt uns nun mit vergleichsweise wenig Aufwand eine geführte minimalinvasive Insertion ohne Lappenbildung. Die modernen Planungsprogramme sind in der Lage, einen intraoralen Scan mit einer DVT-Aufnahme zu überlagern. Eine DVT-Schablone ist dann in vielen Fällen zur Festlegung der Implantatposition nicht mehr nötig. Der gesamte materielle und zahntechnische Einsatz wird minimiert, und somit reduzieren sich auch die Kosten. Eine preiswerte geführte Implantation, die das Risiko operativer Komplikationen reduziert, kann zu einer Erweiterung des persönlichen Tätigkeitspektrums für viele – nicht alle! – führen.

4 Da kann ich nur für mich sprechen. Persönlich suche ich Antworten auf die Frage „Implantologie für alle Behandler?“. Die Implantation hat eine geradezu magische Anziehungskraft auf unsere Studierenden. Für mich ist es wichtig zu erfahren, welche Argumente für, aber insbesondere gegen den frühen Einstieg vieler junger Zahnärzte in das Gebiet der Implantologie sprechen.

 

C. Jacobs: „Die interdisziplinäre Behandlung erwachsener Patienten mit individueller Kieferorthopädie“

1 Dieses Thema ist für implantologisch tätige Zahnärzte wichtig, da es sich mit dem interdisziplinären Zeitablauf der Behandlung implantologischer Patienten beschäftigt. Es wird gezeigt, inwiefern eine vorangehende Kieferorthopädie die Implantation erleichtern kann, und ebenso, wie gesetzte Implantate als Verankerung für die orthodontische Zahnbewegung dienen können.

2 Der Bereich Lückenversorgung mit der Fragestellung: „Implantat versus kieferorthopädischer Lückenschluss?“ wird derzeit intensiv diskutiert.

3 Besonders erwachsene Patienten benötigen häufig eine interdisziplinäre Versorgung. Daher dient der interdisziplinäre Austausch der Konzepterstellung für eine optimale Behandlung komplexer Fälle.

 

E. Schiegnitz: „Die autologe PRF-Matrix in der klinischen Anwendung – Grenzen und Chancen“

1 Die PRF-Matrix kann bei korrekter klinischer Anwendung hervorragende Ergebnisse im Rahmen des Weichgewebsmanagements erzielen. Zudem ist die Erstellung einer solchen PRF-Matrix im Praxisalltag sicher, schnell und zuverlässig möglich. Bei der Tischdemo werden daher folgende Punkte zu PRF diskutiert:

 

  • Physiologische Hintergründe von Platelet-rich Fibrin (PRF)

 

  • Schritt-für-Schritt-Protokolle zur schnellen PRF-Erstellung

 

  • Vorstellung der sinnvollen Indikationen im Weich- und Hartgewebsmanagement anhand zahlreicher klinischer Fälle und Darstellung der aktuellen internationalen Literatur (Socket Preservation, Sinuslift, Augmentation, Weichgewebsverdickung etc.)

 

  • Informationen zur Abrechnung der PRF-Membran

Alle wichtigen klinischen Informationen zur praktischen Anwendung sowie die sinnvollen Indikationen der PRF-Matrix in der Praxis werden anhand zahlreicher klinischer Fälle und einer Übersicht über die aktuelle Literatur vorgestellt.

2 Generell besteht aktuell ein intensiver wissenschaftlicher Diskurs über Chancen und Grenzen des Einsatzes von PRF im Rahmen der weichgeweblichen und knöchernen Regeneration. Wir präsentieren einen klinischen Leitfaden, der zeigt, bei welchen Indikationen eine wissenschaftliche Evidenz für PRF besteht und bei welchen implantologischen Prozeduren die Anwendung von PRF Sinn macht.

3 Das Kongressthema „Implantologie für Alle? Personalisierte Implantologie!“ und die Anwendung von PRF sind intensiv miteinander verknüpft. So ist beispielsweise beim kompromittierten Patienten über die Anwendung von PRF zur Alveolar Socket Preservation oder zum Weichgewebsmanagment nachzudenken.

4 Die Teilnahme am Kongress ist für implantologisch tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte eigentlich ein Muss. Hochkarätige Dozenten, hervorragende Moderatoren und spannende klinische Themen über die gesamte Breite der Implantologie machen diesen Kongress zu einem „Fortbildungs-Schmankerl“.

 

F. Steck:„Aus der Praxis für die Praxis: ein oralchirurgisches (Überweiser-)Konzept“

1 In gewisser Weise kann mein Vortrag auch eine Standortbestimmung für die Kollegen selbst sein. Mache ich dies ähnlich wie Kollege Steck, kann ich mir noch einen Kniff abschauen, macht er sogar etwas „falsch“/entgegen Lehrmeinung und hat damit trotzdem Erfolg?

3 „Implantologie für Alle“ soll meiner Einschätzung nach dann nach dem KISS-Prinzip verlaufen: „Keep it safe and simple“, dies versuche ich zu zeigen.

4 Ich habe selbst erlebt, dass jeder „Implantologie-Anfänger“, von der Industrie mit vielen Versprechen und „Tools“ umgarnt wird, die das tägliche Arbeiten und Implantieren einfacher machen sollen, die aber ehrlicherweise kein Mensch braucht. Ich zeige den einfachen Ablauf diverser Implantationen und hoffe, dass für jeden etwas dabei ist.

 

J. Tesch: „Interdisziplinäre Therapie mit Implantaten nach traumatischem Frontzahnverlust im wachsenden Kiefer“

1 Die Kinderbehandlung nach einem Frontzahntrauma ist eine der umstrittensten Therapien in unserem Fachgebiet. An erster Stelle steht natürlich in solchen Fällen die Zahnerhaltung – problematisch wird es, wenn ein Zahn nicht mehr zu erhalten ist. Für diese Patienten existiert kein sinnvolles Konzept und kein Fahrplan, zu welchem Zeitpunkt welche Therapie eingeleitet wird. Kieferorthopädie, Kinderzahnheilkunde und Implantologie müssen eng zusammenarbeiten.

2 Die Implantatversorgung im adoleszenten Kiefer wird im Moment intensiv diskutiert. Wachstum versus Inaktivitätsatrophie stehen sich als „Hauptgegner“ gegenüber. Das Wachstum des Alveolarfortsatzes wird ausgebildet durch das Wachstum der vitalen bleibenden Zähne. Ein Implantat erhält den Knochen und sorgt für einen Wachstumsstillstand. Dies führt bei regulärer Implantation nach den anerkannten Regeln für Erwachsene zu Problemen in der Schneidekante und im Emergenzprofil. Aus diesem Grund haben wir die Regeln für den wachsenden Patienten so modifiziert, dass nach Abschluss des Wachstums ein perfektes Bild entsteht.

3 Das Kongressthema in Wiesbaden heißt „Implantologie für Alle? Personalisierte Implantologie“ – kein Vortrag des gesamten Kongresses passt besser zu dem Thema.

4 Spannende Themen, tolle Vorträge, kollegialer Austausch – und man kann immer wieder etwas für die eigene Praxis und die Behandlung mitnehmen.

 

T. Wolff: „Implantate zum Thema Antiresorptiva-Patienten“

1 In Deutschland gibt es mindestens 2,3 Millionen Menschen, bei denen Osteoporose diagnostiziert wurde, und es erkranken schätzungsweise ca. 885.000 Menschen jedes Jahr neu an dieser Krankheit. Eine Vielzahl dieser Patienten sowie viele andere mit weiteren die Knochensubstanz destruierenden Krankheiten erhalten Antiresorptiva und stellen sich dann bei uns Zahnärzten in der Praxis vor. Aufgrund der zunehmenden Forderung unserer Patienten implantologisch versorgt zu werden, erschien zu dieser Thematik eine neue S3-Leitlinie. Damit auch diese Patienten die Vorteile der Implantologie erfahren können, wird in dem Vortrag praxisnah die besondere Vorgehensweise bei Antiresorptiva-Patienten erläutert.

3 Implantologie für Alle? Auch für Risikopatienten? Somit auch Implantate für alle Antiresorptiva-Patienten? Erfahren Sie mehr über aktuelle Behandlungsempfehlungen und praxisnahe Behandlungsmethoden. Die Kollegen können nach der Präsentation ihre Antiresorptiva-Patienten in das individuelle Risiko klassifizieren und diese hinsichtlich eines Implantatwunsches nach dem aktuellen Stand der Leitlinien aufklären und behandeln.

 

F. Zastrow „Update: retromolare Knochenentnahme und biologischer Eigenknochenaufbau“

1 Das Thema Knochenaufbau ist aus der Implantologie nicht wegzudenken. Der autologe vitale Knochen stellt nach wie vor den Goldstandard dar und ist in seiner Wertigkeit durch seine osteoinduktive Eigenschaft rein osteokonduktiven Ersatzmaterialien überlegen. Jeder implantologisch tätige Zahnarzt muss daher die Methoden zur Knochenentnahme kennen, wenn ihm an vorhersagbaren Ergebnissen im Bereich der implantologisch-augmentativen Chirurgie gelegen ist.

2 Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob man mit rein osteokonduktivem Material zu ähnlichen Ergebnissen kommt wie mit vitalem patienteneigenem Knochen. Leider zeigen die Entwicklungen und Forschungen im Bereich Tissue Engineering bisher keine vielversprechenden Ergebnisse, weshalb vitaler Knochen nach wie vor der Goldstandard bleibt.

3 Das Internet und soziale Medien haben dazu beigetragen, dass das Thema „Eigenknochenaufbau“ immer mehr Aktualität findet. In der Facebook-Gruppe „Real Bone Builders“ mit über 8000 Implantologen weltweit werden beispielsweise kostenfrei Fälle und Videotutorials geteilt, sodass man sich schon online sehr intensiv mit dem Thema auseinandersetzen kann, ohne die Praxis dafür verlassen zu müssen. So werden auch Generalisten aus der Praxis in die Lage versetzt, sich orts- und zeitunabhängig intensiv weiterzubilden. Der DGI-Kongress gibt in Ergänzung zu dem bisher erworbenen Wissen die Möglichkeit, sich vor Ort mit den Referenten zu den entsprechenden Themen auseinanderzusetzen und in Workshops die Techniken intensiv zu trainieren.

4 Das Thema Knochenaufbau ist aus der Implantologie nicht wegzudenken. Auf diesem Kongress werden renommierte Referenten unterschiedlichste Methoden vorstellen, die alle ihre Berechtigung haben. Bei den Vorträgen und Workshops wird neben der Methode mit Knochenersatzmaterial (GBR) auch das Konzept des Biologischen Eigenknochenaufbaus mit autologem Material einen Platz haben, und sollte es zukünftig in der „Toolbox“ jedes implantologisch tätigen Zahnarzt zu finden sein! Neben dem Erlernen dieser Techniken sind natürlich auch der kollegiale Austausch und das Netzwerken mit Kollegen aus dem In- und Ausland ein wesentlicher Punkt, weshalb man diesen Kongress auf keinen Fall versäumen sollte.

 

DIE MODERATOREN

P. Rammelsberg zum Eröffnungsvortrag in der ersten Plenarsitzung: „Implantatprothetik – Kiefergelenk“

1 Zahnärztliche Implantate haben fast zu 100 Prozent einen rein prothetischen Zweck. Ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Implantaten und der Prothetik einerseits und dem Kiefergelenk andererseits ist jedoch häufig nicht gegeben. Auch wenn sich viele Implantologen dieser eher mittelbaren Zusammenhänge nicht immer bewusst sind, spielen sie bei der Planung und Indikationsstellung doch eine entscheidende Rolle. Durch Implantate werden die Kaukräfte maßgeblich verändert; durch die okklusale Gestaltung und die Materialauswahl für die Suprastrukturen wird die Belastung der Kiefergelenke beeinflusst.

2 Überlegungen zu den Effekten implantatgestützter Versorgungen auf die Kiefergelenkfunktion spielen bisher eine untergeordnete Rolle. Auch die wissenschaftliche Evidenz ist nicht sehr ausgeprägt, da funktionelle Erkrankungen bis vor wenigen Jahren als Kontraindikation für Implantate betrachtet wurden. Bei Bruxismus wurde eine Überlastung der Implantate befürchtet, bei chronischen Kiefer-/Gesichtsschmerzen wurde befürchtet, dass die Implantate auch zur Verschlechterung der Beschwerden beitragen können. Vor diesem Hintergrund halte ich das Thema für einen mutigen Auftakt der Kongressorganisatoren, der dazu beitragen kann, Interesse für funktionelle Zusammenhänge zu wecken und langfristig die wissenschaftlichen Grundlagen zu verbessern.

3 Zum Hauptthema „Implantologie für Alle“ passt der Vortrag, da sich traditionelle, meist prophylaktische Indikationseinschränkungen durch Abwägung der funktionellen Vorteile reduzieren lassen.

 

R. Sader als Moderator auf dem Einführungsvortrag der ersten Plenarsitzung: „Ästhetik“

1 Zwar haben die meisten zahnärztlichen Behandlungen auch einen ästhetischen Aspekt, aber gerade für den implantatgetragenen Zahnersatz im Frontzahnbereich sind die ästhetischen Anforderungen besonders hoch. Dort sollten periimplantär ein möglichst natürlicher Gingivalsaum und eine schöne Papille ausgeformt werden, und dies hängt maßgeblich an der Implantatpositionierung, ggf. auch am Implantatsystem, aber vor allem an dem chirurgischen periimplantären Hart- und Weichgewebsmanagement des Behandlers.

2 Topthema sind natürlich die Keramikimplantate, da diese nicht nur ästhetische Vorteile bieten, sondern auch besonders gute mikrobiologische Eigenschaften zu besitzen scheinen. Allerdings sind sie mechanisch noch nicht ganz ausgereift und es gibt noch zu wenige klinische Erfahrungen, insbesondere kaum prospektive kontrollierte Studien. Zu beachten ist auch, dass der Zahnarzt sie besonders sorgfältig implantieren muss, etwa wegen der Wärmeproblematik beim Eindrehen des Implantats. Damit sind Keramikimplantate für Anfänger eher nicht geeignet. Der höhere Preis aufgrund der aufwendigeren Herstellung gegenüber Titanimplantaten ist zwar auch nicht unbedingt ein Vorteil, allerdings werden Keramikimplantate zunehmend von unseren Patienten eingefordert. Das erlebe ich auch an der Hochschule.

3 Nichts ist personalisierter als die ästhetischen Ansprüche und Erwartungen unserer Patienten. Und der Erfolg einer implantologischen Behandlung beruht nicht nur auf dem chirurgischen und prothetischen Erfolg, sondern maßgeblich auch darauf, dass die ästhetische Erwartungshaltung der Patienten erfüllt werden. Damit gehört die Ästhetische Zahnmedizin zu den zentralen Themenkreisen einer personalisierten Implantologie.

4 Der jährliche DGI-Kongress ist einfach das entscheidende Forum, auf dem sich jeder über aktuelle Neuentwicklungen und Ergebnisse aus der dentalen Implantologie informieren kann ? und vor allem industrieunabhängig, das ist für mich ganz entscheidend! Auf den von den Implantatfirmen regelmäßig veranstalteten Kongressen und Symposien bekommt man doch immer wieder vom Produkt beeinflusste, gefilterte und selektierte Vorträge. Auf der DGI-Jahrestagung kann man sich hingegen vollkommen herstellerunabhängig, neutral und objektiv über alle Implantatsysteme informieren und sich selbst ein ungefiltertes Bild machen. Das ist ein unbezahlbarer Vorteil, den sich jede/r implantologisch tätige Zahnärztin/Zahnarzt nicht entgehen lassen sollte.

 

S. Wolfart als Moderator auf dem Einführungsvortrag zum Forum Implantatprothetik und Zahntechnik: „Patientenorientierte Behandlungsrate“

1 Ein Patient wünscht sich generell nicht ein Implantat, sondern Zähne, um seine mundgesundheitsbezogene Lebensqualität zu verbessern. Das Implantat ist somit nicht Selbstzweck, sondern das Mittel, um eine individuell optimale prothetische Versorgung zu erreichen. Nur eine exzellente Zusammenarbeit zwischen Implantatprothetiker und Zahntechniker im Rahmen der implantologischen Planung und deren Umsetzung ermöglicht es, ein für den Patienten langfristig sehr gutes Ergebnis zu erreichen. Oder andersherum: Nur wenn man weiß, wo das Ziel ist, schafft man auch das passende Fundament dafür. Dieser als „Backwards Planning“ bekannte Begriff erfordert Kompetenz in Implantatprothetik und Zahntechnik. Die Sitzung vermittelt den Teilnehmern diesbezüglich die aktuellsten Entwicklungen.

2 Die Entwicklungen stehen nicht still! Beim festsitzenden Zahnersatz sind es vor allem die monolithischen Restaurationen, der digitale Workflow, „All-on-4-Konzepte“ und die angulierten Verschraubungen, die die Implantatprothetik bewegen. Im Bereich des abnehmbaren Zahnersatzes sind es innovative Halteelemente sowie zusätzliche Unterstützungsimplantate im Sinne einer Pfeilervermehrung. Generell wird die Frage der medizinisch notwendigen Zahl von Implantaten in speziellen Situationen sowie ihrer optimalen Kombination mit noch vorhandenen Restzähnen diskutiert.

3 „Personalisierte Implantologie“ bedeutet für die Implantatprothetik nichts anderes als absolute Patientenorientierung! Die Implantatprothetik bietet für ein und dieselbe klinische Ausgangssituation oft einen breiten Therapiekorridor, der von der unterschiedlichen Implantatzahl und -position bestimmt wird. Die für den Patienten am besten geeignete Therapie auszuwählen, umzusetzen und individuell gemeinsam mit dem Zahntechniker herzustellen und einzugliedern, ist personalisierte Implantologie in Reinform.

4 Sofern man sich als Zahnarzt oder Zahnärztin mit Implantologie und Implantatprothetik beschäftigt, gibt es im Jahre 2018 wohl keine Veranstaltung in Deutschland, auf der diese Themen fundierter, vielseitiger und anregender dargestellt und diskutiert werden. Ganz abgesehen von dem vielseitigen Ausstellerangebot und dem überragenden Netzwerk, das man auf dieser Tagung pflegen und ausbauen kann. Viel Spaß dabei!

 

J. Diemer als Vorsitzender und Referent im Forum Implantatprothetik und Zahntechnik: „Komplexe Fälle: Implantatplanung heute?“

1 Das Thema zeigt die Möglichkeiten, die wir heute nicht nur kennen, sondern auch anwenden sollten, da es auf diesem Gebiet große Fortschritte gibt. Die richtige Planung soll das Ergebnis vorhersagbarer und den Eingriff für den Patienten so minimalinvasiv wie möglich machen. Die Wissenschaft kann dem Praktiker immer mehr klare Konzepte aufzeigen, die funktionieren. Und diese Konzepte gilt es – zum Wohle des Patienten – anzuwenden.

2 Die wichtigsten Themen in der Implantologie sind Knochenangebot, Augmentation und langfristige Stabilität. Gerade auf dem Gebiet der Knochenaugmentation gilt es ständig die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse in der Praxis umzusetzen. Und da hat sich viel getan!

3 Das Kongressthema „Implantologie für Alle? Personalisierte Implantologie!“ ist topaktuell und zeigt schon in der Formulierung, dass sich sehr viel tut auf diesem Gebiet und dass es gilt informiert zu sein und sein Konzept ständig dem aktuellen Wissensstand anzupassen.

4 Die DGI-Jahrestagung ist für mich selbst jedes Jahr ein Muss, um mich wieder auf den aktuellen Wissensstand in der Implantologie zu bringen. Gleichzeitig erfahre ich sehr viel Motivation bei den Vorträgen der exzellenten Referenten. Da ich auf dem gesamten Gebiet der Zahnheilkunde tätig bin, gilt es für mich auf jedem Gebiet jene Fortbildungen zu besuchen, die mir jeweils den aktuellen Stand am besten präsentieren. In der Implantologie ist das die DGI-Jahrestagung. Dafür meinen Dank an alle für diese jährliche Meisterleistung!

Die Fragen stellte Barbara Ritzert, Pöcking.

 

 

Die Redaktion hat alle Referenten des Kongresses um die Beantwortung der vier Fragen gebeten. Alle Antworten erscheinen in loser Reihenfolge auf der Website des Kongresses unter www.dgi-kongress.de sowie in der Facebook-Repräsentanz und im Newsletter der DGI.

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

DGI Nachrichten aktuell

Implantieren in Zeiten von Corona? 
Der Präsident der DGI, Prof. Dr. Dr. Knut A. Grötz mit einem Statement

zum Statement Prof. Grötz

Aktuelle Ausgabe 2/2020

Im Fokus

  • CMD: Implantatprothetische Therapie
  • Zahnimplantate bei Diabetes mellitus
  • Zirkonoxid in Einzelzahnlücken

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