Periimplantitis erstmals klassifiziert

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„Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt werden wie die eigenen Zähne.“ So lautet die Empfehlung der DGI für Implantatpatienten. Sie leitet sich ab aus der neuen internationalen Klassifikation parodontaler Erkrankungen, die jetzt veröffentlicht wurde. Erstmals wurden dabei auch periimplantäre Entzündungen klassifiziert. Die Basis dafür lieferte ein internationales Expertenteam um den DGI-Präsidenten Prof. Dr. Frank Schwarz von der Universitätsklinik Frankfurt.

Anlässlich des europäischen Fachkongresses Europerio 9, der Ende Juni mit über 10.000 Teilnehmern in Amsterdam stattfand, haben die American Academy of Periodontology (AAP) sowie die European Federation of Periodontology in ihren Zeitschriften Journal of Periodontology und Journal of Clinical Periodontology die offiziellen Ergebnisse des World Workshop on the Classification of Periodontal and Peri-Implant Diseases and Conditions veröffentlicht. Es handelt sich um eine umfassende Aktualisierung der früheren Klassifikation der Krankheiten aus dem Jahr 1999. Erstmals werden nun auch periimplantäre Erkrankungen berücksichtigt und entsprechend den klinischen Phänotypen periimplantäre Gesundheit, periimplantäre Mukositis und Periimplantitis klassifiziert. Die dieser Klassifikation zugrunde liegende Publikation wurde federführend von DGI-Präsident Prof. Dr. Frank Schwarz (Poliklinik für Zahnärztliche Chirurgie und Implantologie, Carolinum, Goethe-Universität Frankfurt) und weiteren internationalen Co-Autoren verfasst.

Wie bei natürlichen Zähnen kann sich auch das Gewebe um ein Zahnimplantat herum entzünden. Wie schwedische Forscher bei einer großen Nachuntersuchung von knapp 600 Implantatpatienten 9 Jahre nach der Behandlung herausfanden, war bei einem Drittel der Patienten die Schleimhaut um die Implantate herum entzündet. Diagnose: Mukositis. Bei 45 Prozent hatte diese Entzündung bereits auf den Kieferknochen übergegriffen – das Knochengewebe um das Implantat herum war um mehr als einen halben Millimeter abgebaut. Diagnose: Periimplantitis.

Die Mukositis wird durch Plaque verursacht, die sich bei einer schlechten Mundhygiene an Zahnersatz auf Implantaten genauso bildet wie an den eigenen Zähnen. „Wenn dieser Belag gründlich entfernt wird und sich die Mundhygiene verbessert, heilt die Entzündung binnen weniger Wochen“, sagt DGI-Präsident Prof. Dr. Schwarz. Ändert sich jedoch nichts an der Mundhygiene und bleibt die Entzündung unbehandelt, kann sie voranschreiten und auf die tieferen Gewebe übergreifen.

Früher galt die Periimplantitis als eine Komplikation, die erst viele Jahre nach einer Implantation auftreten kann. Heute wissen die Experten, dass die Erkrankung bereits zu einem frühen Zeitpunkt – 2 bis 3 Jahre nach der Implantation – beginnen kann. Das Gewebe ist dann sichtbar entzündet, vorhandene Zahnfleischtaschen sind tiefer geworden und bluten selbst bei einer sanften Untersuchung mit einer Sonde. Der Rückgang des Knochens wird auf einer Röntgenaufnahme sichtbar.

Wie eine Periimplantitis am besten behandelt wird, ist noch nicht gesichert. In den spezialisierten Zentren werden verschiedene Konzepte erprobt. Einig sind sich die Experten bislang nur, dass die Wirksamkeit der nichtchirurgischen Therapien zumeist begrenzt ist.

Darum ist die Prophylaxe entscheidend wichtig für den langfristigen Erfolg einer Implantatbehandlung. „Patienten mit chronischer Parodontitis, schlechter Plaquekontrolle und fehlender regelmäßiger Mundhygiene nach der Implantattherapie haben ein erhöhtes Risiko für eine Periimplantitis“, betont DGI-Präsident Schwarz. „Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigungen, deren Häufigkeit dem individuellen Risiko des Patienten angepasst wird.“ Problematisch kann es daher sein, wenn Implantate bei einer Behandlung so positioniert werden, dass sie die häusliche Mundhygiene und die zahnärztliche Nachsorge erschweren.

Die Klassifikation periimplantärer Erkrankungen ist Bestandteil der neuen Klassifikation der Erkrankungen des Zahnhalteapparats, den die US-amerikanische Akademie für Parodontologie (American Academy of Periodontology) und der Verbund der europäischen Fachgesellschaften für Parodontologie (European Federation of Periodontology) veröffentlicht haben. Die Publikation ist beispielsweise als Sonderausgabe des Journal of Clinical Periodontology verfügbar. onlinelibrary.wiley.com/toc/1600051x/2018/45/S20

Barbara Ritzert, Pöcking

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

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