„Das DGI-Curriculum ist Chance und Herausforderung“

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Sie haben 2015 das Amt des DGI-Fortbildungsreferenten übernommen. Ahnten Sie damals, was auf Sie zukommt?

Das ist eine sehr gute Frage – ehrlich gesagt, wusste ich nicht hundertprozentig genau, was mich erwarten würde. Da für mich Ausbildung und Implantologie jedoch Herzensangelegenheiten sind, ist mir keine Herausforderung in diesem Bereich zu groß.

Sie sind seitdem auch für das erfolgreichste Curriculum in der deutschen Zahnmedizin zuständig. Ist das Bürde oder Herausforderung?

Das ist auf alle Fälle Chance und Herausforderung. Es ist schließlich die Standardausbildung, die heute fast jede junge Kollegin und jeder junge Kollege als Einstieg in die Implantologie absolviert. Damit ist es aber auch eine Verpflichtung, das Programm attraktiv zu halten und ständig anzupassen. Wir versuchen bei den Referenten daher eine Mischung aus den „Heroen der Implantologie“ und „jungen Wilden“ hinzubekommen.

1998 war das Curriculum der DGI die erste strukturierte und zertifizierte bundesweite Kursserie und über viele Jahre hinweg das einzige Angebot. Das hat sich geändert. Haben diese veränderten Bedingungen auch Auswirkungen auf das DGI-Curriculum?

Konkurrenz belebt immer das Geschäft und die vielfältigen Kopien des Konzepts sprechen für das DGI/APW-Curriculum. Natürlich ist es mein und unser Anspruch, dass wir auch zukünftig den Standard in der Implantologie definieren und neue Ideen in unsere Fortbildungsangebote mit integrieren. Das hält uns in Bewegung und zwingt uns, immer einen Schritt voraus zu sein.

Was tut die DGI, um das Curriculum ständig der fachlichen und wissenschaftlichen Entwicklung anzupassen?

Die Grundsätze der Implantologie und das Fundament bleiben, und das ist wichtig und gut. Deshalb werden bestimmte Dinge wie Anatomie und Grundlagen immer ein wichtiger Bestandteil bleiben.

Der Mix der Referenten aus Praxis und Universität und aus etablierten, erfahrenen Kollegen und neuen engagierten Implantologinnen und Implantologen garantiert die aktuelle Ausrichtung. Durch ein detailliertes Feedback-System versuchen wir uns ständig weiter zu entwickeln und uns zu verbessern. Aktuelle Themen versuchen wir auf der einen Seite im Curriculum abzubilden, vor allem aber durch unsere Sonderveranstaltungen wie das neue „DGI-Spezial“. Wenn wir uns die vom International Team for Implantology (ITI) etablierte SAC-Klassifikation ansehen, dann soll der Absolvent des Curriculums sicher die „Straightforward-Fälle“ lösen können, auch wenn er die Theorie der komplexeren Versorgungen schon teilweise im Curriculum hört.

Was macht Ihrer Meinung nach das DGI-Curriculum nach wie vor einzigartig und besonders?

Es ist der erste intensive Kontakt zur „DGI-Familie“. Unsere Teilnehmer sollen sich sowohl fachlich als auch menschlich gut bei uns aufgehoben fühlen, also die Kombination aus dem besten inhaltlichen Curriculum und einer starken Gemeinschaft mit einem ganz besonderen „Spirit“. Alle Referenten brennen für das Thema Implantologie, und dieser Funke und diese Begeisterung sollen auf die Teilnehmer überspringen.

Wie funktioniert die Arbeitsteilung mit der APW?

Die Arbeitsteilung funktioniert sehr gut. Wir von der DGI liefern die Inhalte und die Referenten, die APW dient als organisatorische Schnittstelle zu den Teilnehmern und Referenten.

Das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sinkt. Wie reagiert die DGI darauf?

Aufgrund des sinkenden Durchschnittsalters und der damit einhergehenden geringeren Berufserfahrung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden inzwischen mehr „Basics“ im Curriculum vermittelt, als das vor 15 oder 20 Jahren der Fall war. Die Teilnehmer/-innen damals hatten größtenteils eigene Praxen und jahrzehntelange Berufserfahrung.

Was sind für Sie Meilensteine in der letzten Zeit?

Um auch weiterhin der Taktgeber in der curriculären implantologischen Fortbildung zu bleiben, haben wir in den letzten Jahren unser e-Learning-Programm, die „e.Academy“, ins Curriculum integriert. Neu sind auch die virtuellen Kursräume der APW, die es allen Teilnehmern ermöglichen, von überall und jederzeit auf alle theoretischen Unterlagen zuzugreifen. Dies ist ebenfalls ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung.

Das neu geschaffene Mentorenprogramm gibt unseren Teilnehmern während der Phase der ersten selbstständigen Implantationen einen erfahrenen Ansprechpartner aus ihrer Umgebung an die Seite. Es ist die Antwort auf das Bedürfnis nach einem weiteren „doppelten Boden“ bei Bedarf.

Unsere Mentoren sind übrigens ehrenamtlich tätig. Damit kommen wir vielleicht zum wichtigsten Pfund, das unser Curriculum hat: Wir verstehen uns als eine starke Gemeinschaft, wir sind die „DGI-Familie“. Im Curriculum kommen junge Kollegen nach dem Elektivum, das an den meisten deutschen Universitäten läuft, zum ersten Mal in Kontakt mit der DGI. Und es ist uns wichtig, dass die jungen Kolleginnen und Kollegen unsere Gesellschaft als Gemeinschaft wahrnehmen und sich bei uns in der Familie wohlfühlen.

Das Curriculum ist inzwischen auch Vorbild für andere Länder. Es wird quasi als Erfolgsmodell exportiert. Welchen Nutzen haben davon die Mitglieder?

Durch Absolventen des Curriculums unserer internationalen Partner, die ihre Abschlussprüfung ebenso wie die nationalen Teilnehmer im Rahmen der Jahrestagung ablegen, bekommt unsere Jahrestagung eine sehr interessante zusätzliche Facette. Unsere Mitglieder können sich im Rahmen der Jahrestagung auch international austauschen und vernetzen. Somit wird die DGI-Familie größer und ihre Idee auch über die Grenze Deutschlands hinausgetragen. Der Nutzen für den Verein besteht vor allem im Potenzial, zusätzliche Mitglieder zu bekommen, um der Implantologie auch international ihren Stempel aufdrücken zu können. Die Kooperation mit den japanischen Kollegen und einem gemeinsamen Open-Access-Journal ist sicher ein Signal, das nach außen hin unsere internationale Kooperation deutlich und sichtbar macht.

Ein neues Curriculum für die Zahntechnik wird im kommenden Jahr starten. Was zeichnet dieses aus?

Auch bei dem neu aufgelegten Curriculum für Kolleginnen und Kollegen aus dem zahntechnischen Labor soll die praktische Komponente eine zentrale Rolle einnehmen. Weiterhin soll das gegenseitige Verständnis füreinander gestärkt werden. Es soll ein klinischer Fall von der Planung bis zur Fertigstellung von allen Teilnehmern praktisch unter Anleitung gelöst werden, und gleichzeitig werden sie bei den klinischen Sitzungen live dabei sein. Ergänzt wird das Programm durch theoretische Inhalte zu aktuellen implantatprothetischen Konzepten.

Prof. Dr. Florian Beuer

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

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