„Patienten profitieren vom Curriculum“

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Wie war die Situation in der implantologischen Ausbildung Mitte der 90er-Jahre?

Die Hochschulen konnten damals während des Studiums nur Grundlagen vermitteln. Dies hat sich bis heute auch nicht wesentlich geändert. Die Pflichtteile des Studiums sind so umfangreich, dass Studierende wenig Zeit haben, in Elektiva die Implantologie zu lernen. Kurz gesagt: Bis Studierende zur Implantologie kommen, ist das Studium vorüber. Vor 20 Jahren boten nur die großen Implantathersteller ein teilweise sehr umfangreiches Programm an, oft auch in eigenen Fortbildungszentren. Eine unabhängige und übergreifende, strukturierte oder gar zertifizierte Fortbildung gab es nicht.

1998 kam das DGI-Curriculum Implantologie. Was sollte es ändern?

Es war unser Ziel, Kolleginnen und Kollegen eine unabhängige, neutrale und wissenschaftsbasierte Ausbildung im Bereich der Implantologie anzubieten, um Wissen und Fähigkeiten der Zahnärztinnen und Zahnärzte auf diesem Gebiet zu systematisieren und zu verbessern.

Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Ich habe es gehofft, obwohl ich damit zu Beginn ziemlich allein auf weiter Flur stand. Es gab viele, die fürchteten, dass es nicht funktioniert; etliche erwarteten, dass es nur für kurze Zeit auf Interesse stoßen würde, und nur wenige glaubten, dass es sich langfristig etablieren würde. Dass es zu einem Dauerbrenner und zum erfolgreichsten Curriculum in der deutschen Zahnmedizin werden würde, war damals nicht vorhersehbar.

Was hat das Curriculum vor allem verändert – rückblickend?

Es hat das theoretische und praktische Wissen von über 5000 Kolleginnen und Kollegen auf dem Gebiet der Implantologie erweitert. Das bedeutet, dass wir über die Jahre hinweg insgesamt einen erfreulich hohen Anteil, zwischen acht und zehn Prozent, der praktizierenden Zahnärztinnen und Zahnärzte mit unserem Ausbildungsangebot erreicht und für die Implantologie interessiert haben. Das ist für ein so schmales Segment der Zahnmedizin ein beachtlicher Erfolg. Von diesem Zugewinn profitieren auch unsere Patientinnen und Patienten, denen wir heute eine sichere und vorhersagbare Therapie anbieten können.

Sie bilden selbst seit 20 Jahren Kolleginnen und Kollegen aus. Was hat sich geändert?

Das Alter der Teilnehmer und die Vorkenntnisse. Die Zahl der erfahrenen Implantologen in den Modulen ist rückläufig. Das merken wir etwa in den Diskussionen. Wer schon Implantate setzt, stellt Fragen, die man nicht hat, wenn man noch nicht implantiert hat. Doch das ist kein Problem. Das Curriculum vermittelt die Basics, es fängt praktisch bei null an und ist darum auch für Kolleginnen und Kollegen geeignet, die noch nie implantiert haben.

Es gibt auch andere Anbieter von Curricula. Was sind die Folgen für den Marktführer?

Man muss den Wettbewerb immer sehr ernst nehmen, weil unser Curriculum mit einer Mission verbunden war. Es galt und gilt, die Qualifizierung und Fähigkeiten der Kolleginnen und Kollegen zu verbessern und so die Qualität der implantologischen Versorgung der Patienten zu sichern. Und diese Ziele dürfen nicht gefährdet werden. Natürlich wurde unser Curriculum von anderen Gesellschaften und Verbänden, von Kammern und auch von privaten Anbietern kopiert. Man kann, um es überspitzt auszudrücken, fast in jedem Gasthaus zum hohlen Zahn heute ein Curriculum absolvieren. Wenn die Qualität stimmt, ist es ein Kompliment, wenn wir kopiert werden. Und ansonsten habe ich so manches Curriculum und manchen Masterstudiengang kommen und gehen gesehen. Die Kolleginnen und Kollegen stimmen noch immer mit den Füßen ab, und das stimmt mich zuversichtlich. Unser Curriculum hat es offensichtlich geschafft, dass es im Bewusstsein vieler Kolleginnen und Kollegen fest verankert ist. Wir profitieren davon, dass unsere Absolventen uns weiterempfehlen. Das Curriculum von DGI und APW gilt darum in bestimmten Kreisen als der Goldstandard – der die Qualitätsmaßstäbe auch weiterhin setzen wird.

Wenn Sie heute nochmals ein Curriculum Implantologie konzipieren müssten, was würden Sie anders machen?

Ich würde nichts anders machen, sondern nur wieder ein Curriculum entwickeln, das Kolleginnen und Kollegen mit den besten verfügbaren Konzepten eine wissenschaftsbasierte und praxisorientierte Ausbildung im Bereich der Implantologie ermöglicht, von der Zahnärzte und Patienten gleichermaßen profitieren.

Die Fragen stellte Barbara Ritzert, Pöcking.

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

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