Digitale Implantologie

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Digitale Technologien erleichtern und verkürzen viele Prozesse in der Implantologie und in der Implantatprothetik, angefangen bei der Implantatplanung über die optische Abformung bis hin zur am Computer konstruierten Restauration. Doch was ist tatsächlich relevant für den Workflow in der eigenen Praxis? Antworten lieferte das DGI-Special „Digitale Implantologie“, das unter der Leitung von Prof. Dr.

Florian Beuer, Berlin, und PD Dr. Jan-Frederik Güth, München, im Juni in Würzburg stattfand.

Los ging es mit der 3D-Bildgebung. Zu den Chancen und Risiken sprach Dr. Dr. Dennis Rottke M. Sc., Freiburg. Er hob die Bedeutung der DVT-Diagnostik bei der Implantatplanung hervor. Als Stärken der neuen DVT-Geräte nannte er neben dem Plus an Genauigkeit die „geringen effektiven Dosen“. Doch er warnte davor, die Kosten zu unterschätzen. Mit der Anschaffung des DVT-Geräts allein sei es nicht getan. So hält er zum Beispiel einen guten Monitor für essenziell. Bei einem schlechten Monitor seien die Kontraste zu gering, so dass man etwas fehlinterpretieren könne. Für alle Zusatzkosten – Dokumentation, Lizenzen, Hardware, Datensicherung etc. – könne man gut und gerne noch einmal die Hälfte des eigentlichen Kaufpreises aufschlagen. Als Schwächen der 3D-Bildgebung bezeichnete er vor allem die Artefakt-Anfälligkeit. Bewegungsartefakte lassen sich seines Erachtens nach kaum vermeiden: „Kein Mensch kann so lange stillsitzen.“ Schlechte Noten erteilte er der zudem der derzeitigen Ausbildung in Sachen DTV. Die Fachkunde müsse aufgestockt werden, 25 Datensätze „sind viel zu wenig.“

Spätestens seit der IDS 2017 gewinnt man den Eindruck, die konventionelle Abformung habe in vielen Fällen ausgedient. Doch wo stehen wir wirklich in Sachen Intraoralscan und Digital Workflow? Antworten lieferte PD Dr. Jan-Frederik Güth, München. Er sieht eine Trendwende hin zum eigenen Scanner, mahnt aber, ihn indikationsbezogenen einzusetzen. Das gelte vor allem für den Ganzkieferscan ? er warnte vor Winkelverzügen. Ganzkieferscans seien möglich und bei Situationsabformungen sicher unproblematisch, „doch ich bin noch kein Fan, mir fehlt der Gesamtworkflow“, lautet sein Fazit. Unvollständige Datensätze führten zu ungenauen Matching-Algorithmen. Die Implantatprothetik sieht er klar als „Scandomäne“; besonders einfach funktioniere sie mit dem Münchener Implantat Konzept (MIC). Das MIC entwickle sich immer eleganter und digitaler weiter, inzwischen erfolge auch die Modellherstellung additiv.

Was sich in Sachen CAD/CAM-Fertigung tatsächlich rechnet, zeigte ZTM Clemens Schwerin, München. Er stellte detailliert die Kosten sowie die Vor- und Nachteile der Fremd- und Eigenfertigung gegenüber. Sein Fazit: Für jede Indikation gilt es zu überlegen, ob sich die Inhouse-Fertigung tatsächlich lohnt. Bei ein bis zwei Einheiten pro Tag ist das seiner Erfahrung nach definitiv nicht der Fall.


ZUKUNFT DENTINKERNKRONE?

CAD/CAM-gefertigte einschichtige Restaurationen sind heute Standard. Mit diesen Worten leitete Prof. Dr. Florian Beuer, Berlin, seinen Vortrag ein. „Entweder fertigen wir ein Käppchen und schichten darauf, oder wir arbeiten monolithisch und fräsen die komplette Krone.“ Als Highlight stellte er die Dentinkernkrone vor. Mit Blick auf die Ästhetik gelte es, mehrschichtige Restaurationen digital herzustellen. Schließlich seien auch Zähne mehrschichtig aufgebaut. Die Idee stammt von ZT Josef Schweiger, München. Danach wird per Intraoralscanner die Grenzschicht zwischen dem Dentin und dem Zahnschmelz erfasst, also die Dentin-Schmelz-Grenze. Die Zähne werden mehrschichtig aufgenommen und Zahnstrukturdaten erstellt. Anhand dieser Daten lässt sich dann patientenindividueller Zahnersatz fertigen. Der Patient bekommt quasi seine alten Zähne. Zudem outete sich Beuer als Fan von CAD/CAM-gefertigten All-on-four-Restaurationen. Allerdings gehe er patientenindividuell vor, nicht nach dem Maló-Konzept.

Zur digitalen Implantationsplanung aus Sicht des Zahntechnikers sprach ZTM Hans-Jürgen Stecher, Wiedergeltingen. Ob analog oder digital, am Anfang stehe der Patient, betonte er.

3D-Druck-Systemen, -Technologien und -Materialien widmete sich ZT Johannes Trimpl, München. Ganz wichtig sei es, Drucker in der Praxis bzw. im Labor zu testen. Zudem müsse man kalkulieren, wie gedruckt werden soll. Plane man einmal pro Woche ein Modell oder eine Schiene, reiche ein kostengünstiger Drucker. Die Frage, welche Technik sich durchsetzen werde, Digital Light Processing (DLP) oder Stereolithografie (SLA), wollte er nicht pauschal beantworten. Das richte sich jeweils nach dem Bedarf der Anwender. Mit der DLP-Technik drucke man deutlich schneller. Die langsameren SLA-Drucker seien vom Ergebnis her sehr genau.

Blind verlassen darf man sich aber auch auf die digitale Implantatplanung nicht. Das stellte Dr. Sonia Mansour, Berlin, klar. Schablonengeführt liege man zwar deutlich sicherer und genauer, „doch ich kontrolliere alles, bevor ich bohre“.

Anne Barfuß, Köln

 

 

 


(Stand: 17.09.2018)

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