„Man muss schnell rennen, um am gleichen Fleck zu bleiben“

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DGI-Vorstandsmitglied Dr. Karl-Ludwig Ackermann im Gespräch

Dr. Karl-Ludwig Ackermann, niedergelassen in Filderstadt, engagiert sich seit seinen Mainzer Assistenzarzt- und Oberarztzeiten bei Prof. Peter Tetsch für die Implantologie. Er ist das dienstälteste Vorstandsmitglied der DGI – seit 19 Jahren ist er Schatzmeister der Gesellschaft. Im Gespräch mit der ZZI blickt er zurück und wagt auch einen Blick nach vorne.

 

Sie blicken auf bald 20 Jahre Vorstandstätigkeit in der DGI zurück. Was hat die Gesellschaft vorangebracht?

„Hierzulande musst du so schnell rennen, wie du kannst, wenn du am gleichen Fleck bleiben willst“, heißt es in dem berühmten Märchen „Alice im Wunderland“. Das bedeutet übersetzt, dass man stets in Bewegung bleiben muss, um eine errungene Position zu behaupten. Und genau das hat die DGI getan. Unser Curriculum Implantologie ist beispielsweise noch immer der Goldstandard in der implantologischen Fortbildung und das Vorbild für vergleichbare Angebote in Deutschland sowie in anderen Ländern. Wir starten nach wie vor acht Curricula im Jahr – und das ist sicherlich einzigartig über einen so langen Zeitraum von mehr als 20 Jahren.

Wir haben in der Fortbildung zusätzlich neue Formate entwickelt, etwa das Continuum Implantologie und als jüngstes Beispiel das DGI-special. Wir setzen auf nationale und internationale Kooperationen. Mit der Steinbeis-Hochschule haben wir 2004 einen erfolgreichen Masterstudiengang etabliert und arbeiten mit anderen Fachgesellschaften im In- und Ausland zusammen, etwa bei fächerübergreifenden Veranstaltungen. Auf diese Weise wollen wir – neben unseren jährlichen Kongressen und den regionalen Veranstaltungen unserer Landesverbände und Qualitätszirkel – weitere Highlights etablieren, um eine attraktive Gesellschaft zu bleiben.

 

Gibt es Faktoren, die der DGI eine besondere Stabilität verleihen?

Das ist sicherlich unsere Satzung, die sich kaum geändert hat. Die Zusammensetzung des Vorstandes und das darin verankerte Prinzip des Gleichgewichts von Hochschule und Praxis haben sich bewährt. Es ist der Beweis, dass das Konzept der Gründer unserer Gesellschaft nach vorne gedacht und damit erfolgreich war – und dies bis heute geblieben ist. Das ist auch deutlich ablesbar an der stets wachsenden Zahl der Mitglieder. 8500 Zahnärztinnen und Zahnärzte – zumeist Kolleginnen und Kollegen, die niedergelassen sind oder angestellt in Praxen und Kliniken – betrachten die DGI als ihre fachliche Heimat. Der persönliche Austausch bei unseren Veranstaltungen und der Dialog mit den Kolleginnen und Kollegen sind von ausschlaggebender Bedeutung. Wer nicht mit anderen spricht, erfährt nichts, wer nicht zuhört auch nicht.

 

Sie engagieren sich seit über 20 Jahren intensiv in der Aus- und Fortbildung. Was hat sich geändert?

Die Kolleginnen und Kollegen, die unsere Fortbildungsangebote nutzen, sind deutlich jünger als in den Anfängen. Das ist gut, belegt es doch, dass die Implantologie für viele von Beginn an zu den Angeboten einer Praxis gehören soll. Das hat zur Folge, dass diese jungen Kolleginnen und Kollegen oft über ein beeindruckendes theoretisches Wissen verfügen. Doch wenn es gilt, eine Therapieentscheidung bei einem komplexen Fall zu treffen, braucht man Erfahrung – und Erfahrung kann man nur erfahren. Dies geht nur über die Zeit, und deshalb braucht man auch einige Jahre, bis man das breite Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten kennt und umsetzen kann.

Worauf es bei einem digitalen Röntgenbild ankommt und wie man eine digitale Planung macht, das kann ich einem jungen Kollegen ganz schnell beibringen. Aber das allein macht ihn noch lange nicht zu einem guten Kliniker.

 

Die DGI pflegt Beziehungen zu Fachgesellschaften in anderen Ländern. Sie kümmern sich um die Zusammenarbeit mit den japanischen Kollegen.

Meine Beziehungen nach Japan haben sicherlich eine Rolle dabei gespielt, dass die DGI mit ihrer japanischen Schwestergesellschaft JSOI eng zusammenarbeitet. Mein Kontakt zu dieser Gesellschaft kam durch den Besuch eines Kollegen von der der Nippon Dental University bei uns in Deutschland zustande. An dieser Hochschule bin ich seit 18 Jahren Visiting Professor, besuche und referiere auf den Kongressen der JSOI und bin damit ein Bindeglied zu unseren Kolleginnen und Kollegen in Japan.

Wir haben schon vor vielen Jahren einen Kooperationsvertrag geschlossen, und seitdem gibt es einen regen Austausch. Besonders wichtig war die Gründung eines gemeinsamen internationalen Open-Access-Journals, des International Journal of Implant Dentistry. Die beiden Herausgeber, die Professoren Hendrik Terheyden (Kassel) und Yoshinobu Maeda (Osaka), haben die Zeitschrift konsequent zu einem hochrangigen Journal entwickelt. Die JSOI feiert im nächsten Jahr ihr 50-jähriges Bestehen und hat 14 500 Mitglieder. Beide Gesellschaften, die JSOI und die DGI, sind international der stärkste Verbund in unserem Fachgebiet.

Bis heute ist dieser Austausch ausgesprochen interessant und fruchtbringend. Die japanischen Kollegen haben fachlich einiges von den westlichen Ländern übernommen. Es herrscht Augenhöhe: In Japan wird eine sehr gute Lehre und Wissenschaft in unserem Fach betrieben.

 

Was wünschen Sie sich für die Weiterentwicklung der DGI?

Für mich ist es spannend, die unterschiedlichen Visionen im Vorstand zu sehen, vor allem die der jüngeren Vorstandsmitglieder. Wir diskutieren intensiv, wie wir die Fort- und Weiterbildung nach vorne bringen und die Vernetzung mit Schwestergesellschaften sowie mit nationalen und internationalen Fachgesellschaften vorantreiben können. Wir wollen es in der Zukunft unseren Kolleginnen und Kollegen einfacher machen, das Fach Implantologie nicht nur als Querschnittsfach, sondern auch als Summationsfach zu sehen. Ich selbst erlebe die Implantologie als ein solches Summationsfach, das viele Teilbereiche der Zahnmedizin zusammenführt. Ich mache in der täglichen Praxis alles oder überwache, was mit der Implantologie zu tun hat – angefangen bei der Anamnese, Diagnostik, Planung über die erforderlichen Vorbehandlungen, Implantation bis zur Prothetik und Nachsorge. Für mich ist die Implantologie darum das spannendste Fach in der Zahnmedizin, da man das Wissen um die anderen Fächern braucht. Wir müssen in unsere Therapie Endodontie, Parodontologie, Prothetik und Prophylaxe integrieren. Wenn man diese Gebiete nicht versteht, versteht man die Implantologie nicht. Für mich wäre es daher von entscheidender Bedeutung, wenn es für die Implantologie eine Spezialisierung gäbe. Ein Facharzt für Implantologie ist nicht realistisch, selbst wenn das toll wäre. Aber was wir tun können, ist, dafür zu sorgen, dass Kolleginnen und Kollegen, die implantieren wollen, eine strukturierte und gesteuerte, für alle gleichermaßen gültige Fort- und Weiterbildung durchlaufen.

 

Was wäre zu tun, um dies zu erreichen?

Seit Gründung der DGI gab und gibt es Bemühungen, dass die orale Implantologie von einer einzigen Fachgesellschaft repräsentiert wird. Dies ist uns leider bis heute nicht gelungen, was zeigt, dass es zu viele Partikular- und Einzelinteressen gibt. Aber es sollte um des Fachs willen nur eine Gesellschaft geben. Dies wäre für mich ein Ziel für die Zukunft, eine große deutsche gemeinsame Fachgesellschaft mit allen denkbaren Untergruppierungen, die sich entwickeln und entfalten können, aber für das gemeinsame Ganze stehen.

 

Barbara Ritzert, Pöcking

 

 

 


(Stand: 18.09.2019)

Die beiden Ausgaben der Kongresszeitung SPECTATOR CONGRESS zur DGI-Jahrestagung 2019 bietet einen umfassenden Ausblick auf das Implantologie-Event in Hamburg.

1. Ausgabe (September 2019)
2. Ausgabe (November 2019)

Aktuelle Ausgabe 1/2020

Im Fokus

  • Periimplantäres Weichgewebe
  • Implantate bei Behandlung mit Knochenantiresorptiva
  • Forcierte Extrusion bei Längsfraktur

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